Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ch. 9881. .ן י ' preilntunden Dienalegund Donnerattg / ■ 6 צ Uhr nauimitl«(•. y K_ 1 I I I I I I I I I ו Nummer 34 l. El111 5671 XVI, Jalirgang liu('i1Üid1*rocltÜlch ׳jcslclicrtcn Ilolmwliltte in l’alüiitlna,'1 Bn«ct«r Programm« ץי״ץ׳, ־י/, (Fortsetzung des Verliandlungoberichts) Zwcilcr T*g — Donnerstag, 10. August Nncliinittngssitziiiig. Vizepräsident Dr. T s c h I c n o w eröffnet die >11/1111^. f)k' Debatte über den Geitcrallvriclü wild zu I ״de geführt. Der erste der vier Geneialrednci ist Dr. Jakob Thon-Jaffa: Ich behalte mir vor, im Palästinaausschul) aut den einen oder anderen!,unkt eingehender /miick/u. kommen. Hier mir einige Klaistcllimgen uml Er• uiiliningen. Herr Kapkinsky kamt versichert sein, j daß wir ein gutes Verhältnis zur Arbeiterschaft an• streben und auch /um Teil erreicht haben; nicht aus I l'arl« jrücksiehten, sondern weil wir wissen, dal» dt׳ j iinik'cn I.eilte das zionistische Ideal hoch tragen; sie | 11•»hen /um 'I eil mit ihrem Mbit «las jüdische Gut י' gr-1'liiit/t. Wir sind bereit, bei/ulrageii, dal» die Arj luitersehaft einheitlich, stark und gut organisiert wird; «lernt um so bessere Aussichten haben wir «lauu aut ihre Mitwirkung. Heim Hau «ler Arbeiterhäuser /. H. haben wir sie /uge/ogen. Aber wir dürfen keine Demoralisation zulassen. Diese Hefiirehiung liegt in!,aliislina viel näher als irgendwo anders, liier ist der demokratische Geist genügend niisgcbiltlcl, und es gilt, die Autorität zu starken, die Achtung vor den legalen Institutionen. Keines w e g s k 1i 1111 c 11 w 1 r dulden, d a II in P a l ä s t i n a «I i e A r heiler Streiks o r g a nisie r e n, w o k e i n PIa t/d a 111 r ist, in den nationalen Institutionen. Die Arbeiterschaft muh dem Rechnung tragen, dafl die Institutionen mit gebundenen Händen dastehen und nicht durch Streiks geschwächt werden dürfen. | Die Resultate unserer Arbeit sind klein und unj bedeutend gegenüber den Leistungen «t •s llarous Rothsrhilil und der Ica. Wir haben viel in den '10 Jahren gelernt, »nilSten manches verwerfen und neue Wege suchen. Wir können nicht immer wissen, oh sie zum Ziele führen. Ebenso, wie cs unrichtig ist, übereilt und unvorsichtig neue Wege cin/.uschlagen, wäre es, emgeschlngene Wege zu früh auf/tigehen. Die Oelha umspende z. R. ist eine Gcduldprohc. Wir pflanzen Räume, die frühestens in acht, zehn Jahren I rächte tragen, und schon im zweiten, tu! dritten lilire selten wir Ungeduld, mau verlangt, dal! die Haume schon wachsen. Ein derartiges livbeloscs, zumeist auf nicht genügender Kenntnis der Sache he* mheiides Verhalten kann unserer Sache nicht tüit/eu. Mail hat die Oclbauiuspeiule eine Spielerei genannt, hew'iß, sic ist nur ein kleines Mittel im Verhältnis zu unsernt Programm; aber w׳ir konstatieren mit I reiidc und Genugtuung, <1.111 dieses Institut mehr und mehr sich entwickelt. Die Oclbaumspcndc ist das geeignete Mittel, vermöge der Sicherheit der Sache, hir Anlagen der (icldcr des N. 1־., und das Inste ■Mittel zur Ehrung unserer Toten. Es gilt die Aufforstung Palästinas, Drohe (iebiete von Erez. Israel liegen brach und leer und kahl; aber wie reich bevölkert waren diese Helge einst. Unsere Aufgabe ist es, das Land auf den einstigen hluhemlen Zustand zuriiek/uführe» und aus diesen I eisen neues Lehen hervorzuzaubern, Lehen, das wir im Schweiße unseres Angesichts geschaffen haben, 1״״l das uns selbst beleben soll. Die Präge ist naiürheb; woher die Mittel, um dieser grölten Aufgabe gerecht zu werden? Das ist mir eine Präge der Quantität. Der Weg ist angedeutet, und ein so p״pulares Mittel wie die Oelbauiuspende müssen wir * wir sind dazu imstande — sehr bedeutend vermehren und vergrößern. Dem Gefühl der meisten Juden entspricht cs, wenn sie durch solche lebendige Steine «lie Grenzen in ihrem Leben markieren und durch solche Grenzsteine Fäden ziehen zwischen unserer Existenz im Dolus uml in dem Lande der Väter. Dieses Gefühl dürfen wjr nicht durch vorzeitige und durch ungerechtfertigte Kritik abscbwäehen (Beifall), dieses I Gefühl müssen wir entwickeln uml aushihlcn. Die I*. L. D. C. hat, wie Urnen bekannt, den ' Kauf größerer Üoilenflächen zu vermitteln iiiui den ] Parzelieuvei kauf durch/ufühmt. 111 der Hewirtscb.1l• Hing der Parin Kinercth hat «lie Gesellschaft in! den ersten Jahren Verluste erlitten; aber diese be- ן deuten nicht viel gegenüber dem, was die Kolonie ' für uns bedeutet. Früher 1) u r c h z ug s I a n d für j die Beduinen, jetzt eine blühende jüdische Ansicdlung, die ringsum weitere Aiisledliingeii vermittelt. Kiiicrcth ist heute das vierfache wer! als vor drei Jahren, als es noch Wüste war. Man kann also kaum von einer Reorganisierung reden; was notwendig ist, ist die Vermcimmg der Mittel. Audi der He za lei bedarf keiner Reorganisation, Mindern «•hier Stärkung der Mittel. Ls ist jei/l unser einziges Institut, gegen die Linigralion .10. Palästina un/ukümpfeu. Die Verhältnisse reichen uiclil aus, die Räume werden sofort zu eng. Die Störungen durch die arabische Bevölkerung soll mau nicht überschätzen. Sie stellen mich nicht die Meinung der Hevölkerung dar, somlem journalistische Sens a t i o n s p r n d ti k t e. Die Störungen treten am stärksten gerade in den Distrikten auf, wo der Zionisimis nicht stark ist, z. B. in Damaskus. Uclier kurz oder lang werden die arabischen Völkerschaften begreifen, daß sie einen 1t ü t z l i c h e n P ak t o r in u 11 s haben, in ktilturellvr Beziehung, abgesehen von dem wirtschaftlichen Nutzen, den wir dem Lande bringen.!)all die türkische Regierung uns mit der Zeit auch günstiger anseheii wird, ist schon aus berufenerem Munde gesagt worden; ich bin überzeugt, sie wird bald cinschcn, wieviel ihr unsere Dankbarkeit wert ist und unsere Hiuidesgeiiossensehaft (Beifall). Dr. Pasmnnik: Ich erkläre zunächst, daß ich nicht im Namen der russischen Landsmannschaft spreche. (Zwischen• rufe.) Vorsitzender Dr. II1» d e 11 h e i tu e r: ich bitte, nicht durch Zwischenrufe «lie Rede des Herrn Dr. Pas. manik, dem ja mir 10 Minuten zur Verfügung stellen, in unzulässiger Weise zu verkürzen! Dr. 1י a s m a 11 i k: Ich werde die Leitung nicht kritisieren, da ich konstatieren muß, daß uns «lie Leitung sozusagen «lie Mittel in «lie Hand gibt, tim uaeh/uweiseii, daß ihre Mitglieder einander seihst kritisieren, Wenn Herr Kann, Milglied des p, A. (״נ Herrn Waiburg, Mitglied des P, A. (נ., kritisiert, dann haben wir einfache Sterbliche nicht weiter zu krilisieren. 1(11 möchte fragen, ob der Brief «les Herrn Kann dem großen A. G. Vorgelegen hat, ehe er hier verlesen wurde, nachdem die Gutachten, welche in der Bemerkung der ״Welt“ erwähnt werden, eingelangt waren. Lin solcher Brief kan» tatsächlich großen Schallen aurichteu, besonders wenn es sieh herausstellt, daß viele der doit mitgeteilton Tatsachen der objektivea Wahrheit nicht entsprechen. Es »st notwendig, im gegenwärtigen Moment prinzipielle Forderungen auf/ustclleii über das, was wir eigentlich wollen, und d a r i n wird die direkte Kritik der Vergangenheit liegen. Wir müssen unbedingt zu dieser prinzipiellen I )chatte kommen. Das ist der einzige Rückweg zu llerzl. Mail hat in der ״Welt“ geschrieben: ״Zurück zu llerzl!“ Was heißt das? Priunern Sie sieh au die Kongresse zur Zeit llerzls. Damals konzentrierte sieh alles Interesse hier I in diesem Saal. Heute sind wir gezwungen, die ganze ' Arbeit ntis dem Kongreß in die Ausschüsse und Konimissionen zu verlegen. Wir müssen zur Zeit Her/18 zurüekkonmieti. Was wir prinzipiell von einer Leitung verlangen, kann in einem Wort gesagt werden. Wir wollen eine Leitung, die arbeitet, «lie aber nicht bloß arbeitet, sondern überall die Initiative ergreift, die durch innere Ljnheit und durch Schaffcitsfreiidigkeit der ganzen zionistischen Organisation vorangehen soll. Wir verlangen eine Leitung, nicht stark im Folgen, sondern stark im Befehlen, jui Leiten, im Vorangehen. Es ist symptomatisch, «lall Herr Kann heute zu den Forderungen, die Mittel des J. T., so weit als möglich nach Palästina zu überführen, zu denen er in früheren Zeiten ge lächelt ha», z. u r ü c k k c h r t. Die Herren Boluu und Dr. /.«»lisch,in hallen Vertiefung des Ziouisimis gefordert. Das könnte verschwommen seheineu, ist es aber nicht. Der Zionismus ist wohl auch Gcldsamineln, aber er ist «loci» auch viel m e h r. Er imiil zu einem geistigen Zentrum werden, aus dem für die ganze Judeiischaft nicht bloß neue Ideen, neue Anregungen, sondern auch neue Losungen kommen sollen. tatsächlich ist auch in dieser Ile- Ziehung manches geschehen. Ich werde ein kleines Beispiel gehen. Der Jüdische V erlag hat in der letzten Zcil gewiß mauelies geleistet, aber doch systemlos, ohne Initiative und Vertiefung. Das eben verlangten liöliiu uml Zoll schau. In Gali/ieu hörte ich, daß sich viele junge Leute uns anschließen wollten, aber nicht können, weil sie keine theoretische Anleitung haben. Der Zionismus ist eine Weltanschauung, die begründet werden muß. Das wäre die Arbeit der Leitung: Pntwicklung und Vertiefuug der zionistischen Propaganda um'. Agitation, nicht im engeren, sondern in einem weiteren Sinn. Wir verlangen ferner kulturelle Arbeit in Palästina titkl im türkischen Judentum. Sic werden unmöglich den Kampf gegen die Alliance mit Zeitungsartikeln oder mit Reden allein führen können. Nur durch systematische Arbeit, durch Eroberung der jüdischen Jugend, durch Schulen werden Sic dort ein nationales Judentum schaffen (Stürmischer Beifall). Ich möchte «las in einem vielleicht scharfen Satz sagen: Ohne «lie «Mitwirkung der türkischen Juden werden wir unser Ziel schwer erreichen. Wir müssen ihre Mitwirkung haben: Audi liier verlangen wir die Initiative «ier Leitung. Wir verlangen auch die Systematisierung der kolonisatorischen Arbeit iii Palästina. Aus dem Brief des Herrn Kann kann man erkennen, wie s c h »v e r d a jede Arbeit er k ii 111 p {t w e r «I c 11 in 11 (I, w 0 n 11 i 11» e r 11 a I b «I e r L «• i t n 11 g s o I c 11 e Divergenzen h e r r s c 11 c n. Es ist ja möglich, daß Dr. Wartung Felder gemacht hat, w־ir haben ja nicht das Dogma der Unfehlbarkeit. Aber wenn wir eine Leitung hätten, «lie nach einheitlichen Prinzipien vorgellt, so wiinlc sie alle diese Streitigkeiten im engen Kreis anstrageu und atisgleidieii. Dann kann sie /11 schöpferischer Arbeit kommen. Redner bespricht nunmehr die Forderungen «ler poale/iniijstischcii Arbeiter in Palästina. Wir brauchen die jüdische Bourgeoisie mul «las jüdische Kleinbürgertum. Aber zur Verwirklichung unserer Ziele können wir die Mit- Wirkung «!es jmtischen Proletariats niemals entbehren. (Stürmischer Beifall.) Unsere letzte Forderung ist, daß die Leitung auch in der atifkläremleii Arbeit in der Türkei nicht erst einem Druck nnchgibt, sondern vorangeht und die lnitiative ergreift. Diese aufklärende Arbeit ist ja auch für uns die echte politische Arbeit. Der politische Zionismus ist ja «lie Schaffung von Volksmittel» für Volksbefreiung. Alles was Aufklärung über unsere Ideen ist, ist politischer Zionismus und diesen politischen Zionismus vertreten wir. Ich verlange deslialh, daß man endlich einmal nufhören soll, den praktischen dem politischen Zionismus wie eine leere Formel gegenüber zu stellen. Der X. Kongreß soll ein F r i c <1 e 1t sk j n g r e ß, ein Jubelkongreil sein. Das ist aber nur unter der Bedingung möglich, daß wir fest halten an den