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Jüdische Rundschau · 1911-08-18 · Heft 33 (18.8.1911) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■— t>.«־ Nr. 33 Seite 386 Arbeit machen; natürlich ia iUH'll daß der Gedanke der % Besteuerung-de» N. F. immer mehr Anhänger gefunden hat (Zustimmung unri Widerspruch); und wir tun dem N. I־. kein Unrecht, denn wir 11 a be 11 i 1111 «e• schaffen und nl.cht irgend ein ariderer. Halten Sie eins als Richtschnur fest: Das E. A. C. muh sn ausgestaltct sein, daß die Möglichkeit einer Defizit Wirtschaft nufliörl, wenn das b. A. C, sich an das ihm bewilligte Budget halt; und darum vergessen Sie nicht Ihre Hechte als Kongrcll. Der Kongreß muß das Budget festsetzen, ״ sehr großem Rahmen; noer dann müssen Sie dem b. A, C. das (leid zur Verfügung stellen, das Sic ihm bewilligen, und ich glaube, auch dafür wird sich aut diesem Kongreß ein Weg finden lassen. Noch eins: Es ist die Idee mifgctauclit, daß man das E. A. C. im wesentlichen aus den Vertretern der großen Institutionen zusammensetzt. Diese Idee hat etwas Bestechendes, aber es lauert da eine Gefahr. Wer an der Spitze einer geklbesitzemlen . Institution stellt, der fühlt sieh als Schatzmeister, der sorgt für seine Institution. Das E. A. C. kann aber die Rolle des Schatzmeisters spielen, sondern etwas tun und schaffen will. Geld n u s g e h e n. Wer In ״'״ ' Kapital hiucinsicckt und nichts RUN DSCHAU SCHE Zweiter T ag — Donnerstag, VormJttag3sltzung. Präsident Max Nord au (vom Beifall geo) eröffnet die Sitzung und erteilt dem Nacht das Wort zu folgender Erklärung: Del. Dr, Nacht: ״Ich erkläre hiermit, meine gestrige Hede in meinem eigenen! habe, der Misraclii hat mich dazu nicht Mit nwiiier!׳estrigen Warnung wollte ich Icdigiic eiupfan• Del. Dr. daß Namen ich gehe* vor einer ()1׳ sprach halten au ft ragt. Spaltung vorsiehtlielic Hoffnung, daß In den schwebenden Fragen eine Etui g u 11 g mit der allgemeinen zio• nistisclien Organisation erzielt werden wird." Sekretär Dr. Roscnblütb verliest eine große Anzahl von Begrüßungen. Die l’erin,׳inenzkoiuinissioii schlägt vor, eine Pa* I ä s t i 11 a kommission zu wählen mit folgender Liste: . \. C. und des Präsidiums des Herren Schcinkin, Dr. Inkob Boris Goklborg, I »* Vi *י••,. . | f * * ( .ןן . Die Mitglieder des E. A. C. und des Präsidiums Kongresses, ferner die nicht w e r will, der 111 u II sein Geschäft kein . riskiert, der kann auch nichts herausholen, und man kann keine Propa• ganda machen, wenn man nicht in diese Propaganda Geld hineinsteckt und riskiert. Wir haben M Jahre Propaganda gehabt und keinen Fonds dazu gehabt. Wir sind verwöhnt worden von l>r. Flerzl; aber wir wollen nicht herahsinkeu auf den Stand* »unkt anderer jüdischer Organisationen, die mir reiche Leute an ihre Spitze stellen. Das sind unsere Aufgaben. Die Personen* frage Ist wichtig um! letzten Eudes setzt sich eine Parteileitung aus Personen zusammen; aber das wich* tigstc ist, daß wir uns in diesen Fragen wieder ge* wölinen, ein Prinzip Icst/ustelleii. Dann werden wir nicht mehr erleben, daß jahrelang ständig mit A mul mit B gesprochen und gekämpft wird; denn dann hat mau uas Prinzip aufgestellt, und für die Be* wegung finden sich Männer. Unsere Bewegung ist nicht so, daß wir satt und zufrieden aut unsere Erfolge scheu. Das dürfen wir niemals, denn nur durch »ne Unzufriedenheit schaffen wir uns selbst und schaffen wir Neues. Aber wir dürfen uns im stillen Kämmerlein wohl sagen, daß wir in diesen Jahren vorwärts ge* kommen f ind, daß der Kreis unserer Mitarbeiter sieh vergrößert hat, und daß unsere Lage von Jahr zu Jahr weniger unangenehm werden wird, I fallen Sic daran lest, dann wird dieser Kongreß tatsächlich sich als der Anfang einer neuen Entwicklung darstellcn. (Beifall,) l\UIIJ41v?avcl - Thon. Kessler, Katzenelsolm, Simon, Boris Oouitierg, Dr. Pasm.'tnik, N. Sokolow, J. Coweu, L. Motzkin, Fl, York*Stei11er, Dr, fiaußmann, A. Bölun, M. D. Horowitz, M. Struck, S. Kap];msky*Kap|an, H. Schein, A. Podliscltcwsky, S. Groiieinatin, D. Lcvoniln, Glücksohn, Bezalcl Jaffe, Bouchm'll, Dr. Mossinsoiwi, Swerd* Inw. Professor Qotlhell, Halpcrn, Moser und Lnskar. fAin t/nm. Die Korn* beantrag* Del. Dr. Fellcc Ravenna (Ferrara): 1111 vorigen Jahre stand in italienischen Zeitungen die Nachricht, daß türkische Preßorgane ausdrücklich zu dem Zwecke von den Zionisten subventioniert werden, um einen systematischen Kampf gegen Italien und die italienischen Interessen m der Türkei zu führen. Diese Meldung hat unter den Zio* nisten in Italien ein um so größeres Aufseiten gemacht, als wir nicht vergessen, wie groß die Sympathien waren, welche die zionistische Bewegung und ihr großer Führer hei der italienischen Regierung stets gefunden haben. Ich erlaube mir im Namen der italienischen Zio* nisten und sicherlich im Namen der allgemeinen Inter* essen des Zionismus den Wunsch ausziisprcclien, daß von der Kongreßtribünc aus offiziell und feierlich diese falsche Meldung dementiert werde und daß die Lei* tung unserer Bewegung in bestimmtester Weise er kläre, der Zionismus habe niemals eine feindselige Stellung gegen Italien oder die Italienische Regierung eingenommen. President Wolffsohn! Geehrter Kongreß! Herr Ravenna fragte, oh wir Zionisten, der offizielle Zionismus sich (cUutseUg gegen Italien und seine Regierung stelle. (Heiterkeit.) Sic lachen mit Recht, meine Herren, Denn nicht nur, daß ivir nicht feindselig gegenüber Italien und seiner Rcgiciung und seinem König sind: wir haben alle Ursache, die größten Sympathien für Italien zu haben. Wir können mir wünschen, daß alle Juden in allen anderen Ländern so behandelt werden wie unsere Brüder in Italien. Wir könnten nur wünschen, daß alle Fürsten der Erde so denken würden und so handeln würden wie der König von Italien. Von unserer Seite, wenn wir uns über Italien äußern, können cs nur Sympathien sein; und wenn eine Zeitung in Konstantinopel, die auch für uns freund* liehe Artikel geschrieben hat, Artikel gegen die ita* licnlschc Regierung schrieb, so können wir es nur bedauern, aber wir sind gar nicht in der Lage, an dieser Sache etwas zu ändern. Von unserer Seite, Mon* s'.cur Kcvcnna, wird niemals irgend etwas Feind* seliges gegen Italien ausgehen. (Der Kongreß l>c•, kräftigte diese Erklärung des Präsidenten des A. C. Satz für Satz durch stürmischen Beifall.) ״״. Pjfe Pr• Bodenhclmcr schließt mit einigen?««Heben Mitteilungen die Sitzung. Schluß 7 Uhr will eine das ist üben kann. low, Profe!. . Die Liste wird cn bloc angenommen. mission hat das Recht der Kooptation. Für die Zusammensetzung der gestern ten P' i u a 11 z k 0111 m i s s i 0 11 schlägt die Permanenz* kommission folgende Liste vor: Finzi, Rosow, Heymann, Hantkc, Pinkus, Schein, Tropp, Harris, Norman,!!entwich, Horwich (Chicago), Dr. Spitzer mul Ludwig Bato. ■־־ Auch diese Liste wird e» bloc angenommen, Präsident Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Wir befinden uns seit gestern Nachmittag in einer Debatte über den Bericfit des Actionseoiniles. I lerr Adolf liöliui als erster Redner hat damit begonnen: ,,Nachdem Herr Wolflsohn seine Gesundheit in der Bewegung verbraucht hat, ,1il1 ich diesmal keine Kritik üben," Meine Herren 1 solche Kritik verdiene ich nicht; denn sch II in niste Kritik, die man r richtig!) Wenn Sic mich anklagcn, wenn Sic 1 angreifen, hin ich in der Lage, mich zu ver* gen. Wenn Sic aber sage», Sic wollen keine k üben — meine Damen und Herren, krank bin ich liier (zeigt auf das Herz) — aber nicht hier (zeigt auf die Stirn). (Stürmische, sich Immer er* neuernde Hcifallsovationcn und Hochrute.) Fs ist mir ferner uiitgeteiit worden, dah man mit Rücksicht darauf, daß Ich zurücktrete, keine Kritik üben will. Ich will die Herren darauf aufmerksam machen, daß sie damit für sich selbst ein Urteil sprechen, das auch sie nicht verdienen. Denn sonst wird man sagen, auf dem vorigen Kangreb nur deswegen ' ..' ־ Das wäre Interesse ich Sie: Jahren gcmacht worden sind, so Dringen ou. n,w vor, damit diese Fehler nicht wieder gemacht werden. Für die ist es irntiz glcicii, wer an der Spitze stellt. ׳»*-- *״ ״ ,r. Um daß die gu 11 g wi r d aber b I e ibe n. Ich bitte Sie daher: iihen Sie ungezwungen eine Kritik, eine würdige Kritik, die wir verdienen und die für unsere He* wegung gesund ist. (Stürmischer, andauernder und immer erneuter Beifall. Hochrufe.) Das Wort erhält nunmehr Dr. Zollscliani zur Berichterstattung über den ״I111 c r n a 11 o u a I c n Russenkongreß״. Redner führt etwa folgen* des aus: Ein Kongreß wie dieser konnte nicht unmittelbar politische Wirkungen auslösen. Trotzdem kann die Delegation mit dem Resultat ihrer Bemühungen zu* frieden sein. Die bedeutendsten Rechtslehrcr, Sozio* logen und Anthropologen aller Länder waren hier zu einem selten erlesenen Tribunal vereinigt, so mehr kommt cs vielleicht in Betracht, Wirkung der Debatte über die Judenfragc, die zum erstenmal vor einem rein wissenschaftlichen, nicht jüdischen Publikum hier stattfand und in durchaus nationalem Sinne geführt wurde, geradezu eine durchschlagende war. (Beifall.) Einige Bemerkungen möchte ich unter dem Ein* Busse und Eindruck, den ich aul dem Rassenkongreß empfangen habe, und unter dem Einfluß der Auf* fordormig W o I f t s 0 h n s, auch eine Kritik nicht zu scheuen, mir erlauben, Es sollen dies aber nur prinzipielle Worte ' sein, eine Kritik nicht einzclner Handlungen, sondern eine Kritik dertheo* r c t i s c 11 c n Grundlage n unserer Bewegung. Ich möchte um so lieber ein Wort darüber sprechen, als ich damit auch eine Gelegenheit zur Aeußcrung über meinen Standpunkt in der Beurteilung der Chancen des Zionismus habe, den ich in meinem Buche eingenommen habe und der manches Befremden unter unseren Freunden nervorrief, Dieser Pessimismus wurde unrichtig aufgefaßt, er bezieht sich auf die gegenwärtige Schwäche der Machtmittel der Partei. Es wurde aber übersehen, dal» ich daraul liinwies, (I aß es in unserer eigene.» Hand Hegt, diese Schwäche in ihr gerades Gegenteil zu ver. kehren, wenn wir nicht davor zuruekseheucn, /y untersuchen, was die tieferen Ursachen für dies ־!! Zustand eigentlich sind, warum wir noch immer unter der /iidenheit selbst, deren Interessen wir ja vertreten, und auch unter der intellektuellen Welt, die lür richtige Ideen ein doch etwas empfänglicheres °"r ״״ «ovlk'l Widerstünde stoßen. Durch meine Eindrücke aut dem Rassen, kongrcll mm wurde meine bisherige Ueberzeugung hoch verstärkt, daß die tiefsUu'^eiuleu Ursachen dalür in dem Fundamente unserer Uniinlanscliiiuiui. g e n und unserer Strategie zu suchen sind. Es ist mir natürlich hier nicht möglich, auf das Wesentliche dieser Sache ein/iigelieii; mir auf 'zwei Momente möchte ich, um ein Beispiel zu gehen, hmweb.n. Ich weiß, daß 'ich mit dem, was ich jetzt sage,;;־.!» starken Widerspruch stoßen werde, mul» cs aber zur Hauptsache doch aufrecht hallen. Ich halte die Fis. hörige durch anderthalb Jahrzehnte verfolgte Taktik nicht für richtig, von dem Qeg en sa t ze zwi. sehen Zionisten und A s s 1 in i la n t e n, uic von dem zwischen guten und bösen Menschen zu reden. Ich glaube, man müsse sich mehr an das sokratischc Prinzip halten, das — von einer Reihe bewußt schlechter Kreaturen und Denunzianten ab. gesehen — weniger die Menschen in gute und böse, ds m verstehende und nichlvcrstehenuc cintcilt. Und sowie ich mich überzeugt halte, dah es möglich ist, das wissenschaftliche Publikum aut seine Seite zu bringe», selbst lür Ideen, die ihm vielleicht nicht sympathisch sind, so kommen wir mich, wenn wir mir mit der Argumentation unserer eigenen Idee in genügende Tiefe gehen, dabei aut dasjenige Fun. dament, das auch, wenn wir nicht das geringste von unseren Prinzipien auigeben, für uns jenen Boden darstcilt, auf dem wir zusammen mit unseren der. zeitigen Oegnern für unser Ideal wirken können. Genauer: Wer, wie der Zionismus, der wirkliche Sachwalter des ganzen Judentums sein soll, der darf z. B. gegenüber dem furchtbaren Feinde der Judcnhcit nicht inaktiv sein. Das Gefühl gegen den Antisemitismus ist etwas, das alle Schichten der Judcnhcit von dem elendsten Schnorrer bis zum mächtigsten Bankier in derselben Intensität beherrscht. Würden wir den Kampf gegen denselben atifnchmcn, wenn auch mir in uer uns ziemenden wissenschaftlichen Weise, eine Flut mächtiger Sympathien würden sich ganz von selbst in den Dienst unserer Sache stellen. Würden wir, statt unsere Gegner immer nur als erpichte Bösewichte hin/ustcllcii, ihre Gründe aiifzu'lüscn trachten, so müßten wir dabei notwendig auch zu derjenigen Vertiefung unserer Ideen fortschreitcn, die heute als so unendlich dringend von allen Seiten gefordert wird. Eine Vertiefung, die für uns selbst dadurch, daß sie uns eine theoretische Grundlage unserer Arg»- meutatiou geben würde, den von uns so stark empliin• denen Mängeln abhelfen würde. Es gibt ja keine einzige politische Partei, die nicht das Bedürfnis nach einer theoretischen wissenschaftlichen Basis als not* wendig fühlt und die Stärke oder die Schwäche aller politischen Parteien wächst und fällt mit der Kraft oder Schwäche der theoretischen Grundlage. Wenn wir diese sogenannte wissenschaftliche Grundlage des Antisemitismus mit ersuchen, so kommen wir heim Studium derselben zur Erkenntnis, daß sic nicht nur eine ungelnnrc Menge von Unrichtigkeiten in sich birgt, som'rn daß 1ms die dann gewonnene genaue Beurteil;.g unserer eigenen Volkspsychc auch darüber hei.lut, daß wir das Recht lialieu zu einem Rasscst׳'!/ von ganz gewaltiger Tragweite. So daß gegenüber dem furchtbaren Zcrmnlniungsnrozeß, der sich in der Oe* genwart abspielt, gegenüber der Erkenntnis, daß ■1er Zionismus das einzige Reinedium dagegen bcdciiit; ideale Kraft, die dann uns und wohl mich die anderen Juden erfüllt, sich uns eine Perspektive unsere! künftigen Machtmittel eröffnet, derart, daß alle Momente, die den ge!. :11• würtigeu Schwächezustand verursachen, zusamt:11 '׳• schrumpfen müssen, so daß man dann von .1<v»1 eher, als von Pessimismus reden könnte. Davis Trlctsch (zur Geschäftsordnung): Herr Wolflsohn hat *ich gegen eine Einschränkung der Kritik des Vcrg.־,.:re* neu gewandt. Er hat darin nicht unrecht, und ich »ii! deshalb die Zurückziehung meiner Wortmeldung wie* der au fliehen. Der Redner beantragt, daß er aui die gestern geschlossene Rednerliste nachträglich ges.tzt werde. (Abgclehnt.) Dr. Reich 1 Ich spreche im Namen der gafizischeu Landsmann• schalt. Ich betone dies, um Ihnen den freudigen Beweis zu bringen, daß die galizischen Juden meid nur einig sind in formalen Angelegenheiten der Or• ganisation, sondern auch in den prinzipiellen An• schaumigen über unsere Bewegung. Die bisherigen Zustände waren nicht sehr geeignet, sehr viel Ersprießlichcs für die Bewegung zu leisten, und wir sind mit manchem, was geleistet, und vielleicht noch mehr mit manchem, das nicht geleistet wurde, nicht ganz zufrieden. Wir sind unzufrieden, daß zu wenig Rück• sicht genommen worden ist, die öffentliche Meinung über unsere Tendenzen aufzuklären. 111 den letzt(•*״ zwei Jahren ist eine erhebliche Besserung cingttf(dcn•

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