Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 383 Nr. 33__ mir einige einleitende Worte zum Bericht zu sagen, darin ";״I mein Kollege im E. A. C., Professor Wa r I* " r K * 1,‘,.cr ‘,IC!*al.istinntihiLikcit besonders bcricbl11 '• .־׳<! ••־•׳ p p u , unser Vertreter in Patästln.i, ist verhindert, hier zu erscheinen, und was er noc'• 1׳! s;1j׳en hatte, das wird Ilmtu Prof. War• bnrfל ׳ •neu. wir haben den Bericht so ausführlich wie in׳׳;;*ich gemacht, besonders auch die Tätigkeit des N. I'. hineinjrcnonimen mul wir glauben in jeder!גZiehung vollständig. $« wissen ja, daß unsere Freunde in R u II land ״esonders im letzten Jahre Schwierigkeiten mit di ׳ Arbeit gehabt haben, und um diese Schwierigkeilen nicht *t> vermehren, haben wir es für richtig gctial*• ׳. darüber Vollständig zu schweigen. Hervor• liebe: ׳.;■»ehtc ich aus dem Bericht mir, dal! drei Lands• 111.11111• ׳״aftcii besonders günstig׳ gearbeitet 11 dien; leide: •iml es die kleinsten: 111 er.>tcr Linie Süd• afrik. dann Kanada, vornehmlich dank unserem Freui'■'!• Clarence de Sola (Beifall), und dann Ik'gi.m (Beit'!•'). 1 ■011 mul) ich noch auf ausdrückliches Ersuchen mein,• Kollegen Jakobus Kann, der durch iirzt* liehe- Verbot verhindert ist, hier zu erscheinen, 1 inen Uri I verlesen, den er an den Koitgrell gerichtet hat, •ve;l er Wert darauf legt, seinen Standpunkt zum Ausf'.uck zu bringen. Haag, im August 1911, Geehrter K o 11 g r e fl I \11f ärztlichen J^at werde ich den Beratungen des Kongresses dieses Mal nicht beiwohnen. Ich hed.:1׳t־re dies um so mehr, da ich dadurch nicht in der Laue hin, etwaige Anfragen an die Leitung, soweit diesiihen meinen Anteil betreffen werden, persönlich zu beantworten. Ich sende dem Kongrell auf diesem Wege meine besten Griilio und spreche den Wunsch aus dal) seine Beratungen von brüderlichem (leiste getragen sein und seine Beschlüsse unserer Sache zürn Heile gereichen mögen! Hätte ich persönlich .anwesend sein können, so liiitte ich Ihnen meine Gedanken über einige der Fragen, die uns;die beschäftigen, mündlich יוסוו geteilt. Gestatten Sic mir, dies jetzt schriftlich zu tun. Ich glaube, dal) w;r nach wie vor an dem Baseler Programm festhaltcn müssen. Abgesehen davon. daß niemand .an unseren Ernst glauben würde, wenn wir es fallen liehen, haben wir zu einem solchen Wandel weder eine üuliere, noch eine innere Veranlassung. Der Kongrell wird sich mit der Ausgestaltung unserer Organisation befassen, und von selbst wird sich dabei das Hauptinteresse der Einrichtung der Leit..:״׳ zuwciulen. leb habe immer den Standpunkt vertreten, dem ich auch liier Ausdruck verleihen w'.ll: unsere Leitung kann, wenn sie eine kräftige imil /:clsicliere sein soll, nur eine homogene, eine!.aheiilitlie, gleichgesinnte sein. Dies ist am besten tUtureli /u erreichen, dal) der Kongreß den Priisi• deuten der Bewegung wählt und daß dieser sich nach fre'eni Ermessen seine Mitarbeiter atiswähll. Ich weiß, daß sehr viele diese Lösung weder für möglich, noch für wünschenswert halten, aber ich bin überzeugt, daß d e Zukunft mir recht gehen wird. Dem Kongreß stellt die Aufgabe bevor, unser.־ Finanzen gründlich zu sanieren. Es wird nötig sein, daß wir unsere Ausgaben einseUränken, indem wir aufhören, große Summen für die Unterstützung von l'nssc Unternebmuiigen aufzuwenden, mul indem wir ferner das Bureau des Paläslinaressorls mit dem Zuiirnlburcnu verschmelzen. Andererseits sollen wir aber unsere Einnahmen vermehren. Obgleich ich fürinte, dal) die Idee der Besteuerung unserer lnst:1 :tionen bei der praktischen Durchführung auf Schwierigkeiten stoßen wird, wäre ich dafür, den Visuell zu machen. Vor allen Dingen sollen wir al■ '׳' den Saimnclnpparat des Jüdischen Nationalfoiuls in den Dienst der (icsamtorganisation stellen, indem bekannt gegeben wird, dal) von einem bestimmten!>••1)111 an ein gewisser Bruchteil der Nalionalfondsi sr׳‘־:den für die Zwecke der Organisation bestimmt 'vi.il. Jeder Spender wird von vornherein wissen, d. l er diesen Bruchteil seiner Spende der zionistU «non Organisation geben wird und ich glaube nicht, daß die OpferfremUgkeit dadurch abflaucu würde. Elin wird das Gegenteil cinlrctcn! Für Beiträge über einen gewissen Betrag hinaus, z. B. 1000 Fr., kö.ivAi» man, soforn dieselben Ul ז einen bestimmten Zv.'uk gespendet werden, eine Ausnahme machen. Auch mit der weiteren Ausgestaltung unserer!!;•:Elutionen wird sich der Kongreß befassen müssen. da muß ich einige sehr ernste Worte sprechen, wir sollen uns bfitcn, immer wieder mit kleinen, cbensunfiiiiigen oder schwachen Unternehmungen zu *0׳innen und dafür grolle Reklame in den Zeitungen um! in Versammlungen zu entfalten, wobei entweder nichts oder sehr wenig herauskommt, Noch hat *ich keine der vielen Unternehmungen yon Profcssor Warburg konsolidiert und schon kündigt er 111 der ״Welt“ (I9Ü, Nr. 1) neue Gründungen an, für die er gar die zukünftigen Einnahmen der Oelbauinspcnde ״verbuchen“ will I Ich habe Herrn Pro• K'ssor Warburg wiederholt gewarnt wegen seiner Führung der Oclbauinspcndc, ich habe Insncktioncn klangt, aber cs blieb alles beim alten*). Seine •deen mögen sehr schön sein, aber in der prak■■ *) Hierzu bemerkt Präsident Wolffsolm, daß in den letzten Tapfen ausführliche Gutachten über den Stand der Oeibaiinipflanzungcn, von denen Herrn Kann bei der Abfassung seines Briefes nichts bc• *annt war, cingdaufen sind. tischen Durchführung liegt die Schwierigkeit. Bevor die zionistische Organisation sich mit denselben identifiziert, wird es unsere Pflicht sein, die Gewähr dafür zu Verlangen, daß die Unternehmungen, für die Herr Professor Warburg verantwortlich ist, nach soliden, kaufmännischen Grundsätzen sichtrgcstcllt und weitergeführt werden. Was mm unsere weitere Arbeit betrifft, so glaube ich, dal) wir, was den praktischen Teil dieser Arbeit augeht, in erster Reihe werden bestrebt sein müssen, das, was wir haben, zu konsolidieren. Ich verstehe darunter, wie schon oben erwähnt, die Vereinigung des Paliistiiiarcssorts mit dem Zentralbureau. Fer-' ncr die Uebertragmig der Geschäfte des I. C. T. auf die A. P. C.; die Verwaltung der Oclbaumspcnde durch den jüdischen Nationalfonds; die Reorgatii• satioii tler P. L. D. C. und des Bezalcl. »Bei unseren neuen Unternehmungen werden wir mit der Tatsache rechnen müssen, dal) wir als zionistische Organisation dabei durchaus auf unsere eigenen.Kräfte angewiesen sein werden mul daß wir deshalb keine kostspieligen Experimente machen diir• feil, die unsere Kräfte übersteigen. Bei meinen längere Zeit fortgesetzten Bemühungen, das jüdische Großkapital in Paris, London und Berlin für unsere wirtschaftliehen Unternehmungen in Palästina hcranzu• ziehen, stellte es sich, obwohl ich großzügige und fachmännisch begutachtete Projekte rentabler Unternehnumgen auf dem Gebiete der Bewässerung, der elektrischen Anlagen, des Verkehrswesens tisw. ausgearbeitet hatte mul vorlegte, heraus, daß das nichtzionistische Kapital für unsere wirtschaftliche Arbeit noch kein Interesse zeigt. Darnach müssen wir uns richten. An dieser zukünftigen Arbeit hoffe ich, als privater ' Zionist und in den Stellungen, die mau mir anvertrauen wird, nach dem Malle meiner Kräfte initzuwirken. F.s würde mir aber unmöglich sein, in die ueuzuscliaffemle Leitung einzutreten. Ich sehe dabei ganz davon ab, daß schon mein Gesundheitszustand mich zwingt, mir größere Schonung als bisher aufzuerlegen. Ich habe aber die Erfahrung machen müssen, daß ich mit meinen Ansichten, von denen ich nicht ahgeluii kann, in der Minorität bleibe und dal) meine Warnungen nicht genügend beachtet werden. Ich könnte unmöglich die Verantwortung weiter mittragen für eine Politik, die die meinige nicht ist und die ich mißbillige. Ich mißbillige die lieberstiirzuiig, mit der seit einigen Jahren neue Projekte vorbereitet oder ausgeführt werden, und ich sehe leider meine Ansichten durch die negativen Resultate bcstätigt. In der Organisation herrschen Auffassungen, mit denen Ich mich nicht befreunden kann. Wir Juden sind immer zur Kritik geneigt, und das hat seine gute Seite, solange nicht die Disziplin darunter leidet. Ich meine nicht die formale und erzwungene Disziplin, sondern die freie und freudige Unterordnung und Einordnung in das Ganze. Die vereinzelten Fälle, die bei uns vorgekommen sind, daß Zionisten versucht haben, die Ehre mul das Ansehen der eigenen Gesinnungsgenossen allzugreifen, lasse ich dabei ganz, außer Spiel. So etwas kommt überall yor, 11ml es ist damit wahrscheinlich bei uns nicht sclilimmer als hei anderen. Was ich aber meine, sind die sieh immer wiederholenden Verstöße gegen die ersten Grundgesetze einer kräftigen und wohlgeordik'lcn Organisation. Jeder Zionist soll in jedem Jahre den Schekel zahlen. Wie viele Zionisten gibt es, die dies regelmäßig tun? jedes Lamieskoniite soll in jedem fahre mit gleichem Eifer den Schekel sammeln. Wie viele Landeskomites genügen dieser Pflicht? Jeder Zionist soll sich in organisatorischen Dingen nach den Anordnungen seines Landeskomites richten! Wo ist (las Landeskomite, das sich noch nicht zu wiederholten Malen über das eigenmächtige Vorgehen einzelner Mitglieder oder ganzer Gruppen zu beklagen gehabt hat? Die Gesamt- Organisation wählt sich durch ihre Vertretung eine Leitung. Wie oft und von wie vielen Seiten und wie hartnäckig hat man nicht schon versucht, die Autori* tiit dieser Leitung zu untergraben? Solange wir diese Auffassungen zu überwinden nicht imstande sind, werden wir immer in unserer Arbeit gehemmt bleiben und wird jeder Schritt näher zum Ziele •uns tausend unnötige Schwierigkeiten bc• reiten. Möge dieser Kongreß den Anfangspunkt einer neuen Aeta bilden; mögen seine Beratungen und deren Ergebnisse •einen neuen frischen Geist in die Bewegung und in die Organisation liineintragen. Möge er uns eine Leitung schaffen, die kräftig und ziel• bewußt, getragen vom Vertrauen der ganzen Be• wegung. uns •weiterführt auf dem Wege zü unserem Ziele. Dies ist mein innigster Wunsch, J. H. Kann. Präsident Wolffsohn: Damit habe ich meine Einleitung zur 'Debatte beendigt. Hierauf erstattete Professor Warburg von stürmischem, lauganhaltciulem Beifall begrüßt, das fotgendc Palästlnarcfcrat. Zu Beginn des X. zionistischen Kongresses ist cs wohl am Platze, die Entwicklung der Arbeit unserer Organisation in Palästina bis zum heutigen Tage sich kurz ins Gedächtnis zurückzurufen. Schon auf dem ersten Kongreß stand, was vielfach vergessen ist, die Palästinaarbeit zur De• batte, und erlangte sogar, wenigstens in theoretischer Beziehung, eine hervorragende Bedeutung. Von den Mitteln zur Errciehtung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina wurde nämlich an die erste Stelle gesetzt: ״Die zweckdienliche Forderung der Besiedelung' Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Hand• werkern und Gewerbetreibenden.“ ׳ Nicht ohne (irtuul wurde hierbei dem Ackerbau die erste Stelle, dem Handwerk die zweite Stelle eingeräumt. Audi wählte schon der erste Kongreß eine ״Kam• itiission für praktische Kolonisation“ — von der man freilich nie etwas weiteres gehört iiat. Auf dem z w eiten K o 11 g r e ß wurde sogar eine ״Kommission für Ueherwaclmng mul Leitung der Kolonisationsangelegeulieiten" gewählt, ja man bc• willigte ihr die für die Administralioiisnusgaben nö. tigen Mittel, was aber nicht verhinderte, daß auch diese Kommission so gut wie gar nichts zu erreichen vermochte. Der dritte Kongreß wählte abermals ein Kolonisationskomitce, das sogar in Palästina ein Durcau einricliten sollte, auch faßte mau schon den Bc• Schluß, daß die neu errichtete Bank den ״gut situierten Kolonisten billigen I!ypotiiekarkreilit gewähren solle,“ freilicli nur, ״soweit die Kräfte reichen." Da aber die Kräfte der Bank offenbar nicht soweit reichten, und andere Mittel nicht vorhanden waren, so unterblieb wieder jede wirkliche Arbeit, und man konnte auf dein folgenden Kongreß mir von ״Füliluugsnnhmc mit andern, ähnliche Zwecke verfolgenden Vereinen“ bc• richten. Mußte sich dieser vierte K 0 n g r c ß noch mit allgemeinen Erörterungen über die Palästinaarbeit bc• gmigcn, so erhoffte mau um so mehr von der jetzt bald in Aktion tretenden Bank und dem noch zu gründenden Nationalfoiuls. Die Idee, für Zwecke der Palästina• arbcii sich besondere Fonds zu verschaffen, scheint jedoch bis dahin kaum ernstlich erwogen war• den zu sein. . Der fünfte Kongreß, der vor jetzt zehn Jahren stattfaml, legte endlich den Grundstein zu unserer Tätigkeit in Palästina, und zwar durch Annähme des Antrages Ussischkin, der dahinging, in Palästina eine Geschäftsstelle der Bank zu errichten, denn hieraus entwickelte sich die jetzt so wichtige Anglo-Paleslina-Co. Der Kolonisations* ausschul) spielte hingegen auf diesem Kongreß dieselbe klägliche Rolle, wie die analogen Kommissionen auf den vorhergehenden. Die schüchtern und ohne Selbstvertrauen vorgetragenen Wünsche erstreckten sich auf nur 5L0U Franken, und es gelang nicht einmal, auch mir diese wirklich bescheidene Summe bewilligt zu erhalten. Von der allergrößten Bedeutung für die Zukunft war hingegen der Beschluß, den N a t i o 11 a I f o n 11 s jetzt wiiklich ins Lehen zu rufen. So muß mau denn den fünften Kongreß als das Wiegenfest der Palästinaarbeit mischen; sie feiert also heute die zehnjährigen Wiederkehr ihres Ge• burtstages, wenngleich noch mehrere Jahre vergehen sollten, bis sie die Wiege verließ und das Land ihrer Bestimmung aufzusuchen imstande war. Wenn man nun fragt, wie war es mir möglich, daß eine Arbeit, die schon am ersten Kongreß als das wichtigste Mittel zur Erlangung des Endzieles des Zionismus erkannt worden war, erst nach so vielen Jahren, ich möchte sagen, wiegenreif wurde, so findet man die Erklärung in dem ursprünglich rein politischen Charakter der Bewegung, der eine Belastung mit praktischen Aufgaben, die, einmal begonnen, nicht mehr einzustelleii waren, mit Recht fürchten mußte. An dieser Sachlage änderte sieh auch nichts, als vom dritten Kongreß an der diplu• malische Zionismus allmählich immer mehr gegenüber dem aufkommemleii Charterismus verblaßte. Zwar stand Hcrzl auch noch nach dem fünften Kongreß auf dem Boden der Erstrclnmg eines Charters, wie die El ArlsVi-Expcüitbn und die Ugandaepisode beweisen, aber cs waren die letzten großen Anstrcn• gungen nach dieser Richtung hin. Nur zu gut er• kannte er mit seinem Scharfblick, daß seine Gefolg. schuft ungeduldig wurde und mm nicht länger warten wollte. Manche halten schon das Schiff des Zionismus verlassen, andere hatten es, da ihnen die Erreichung Palästinas auf diesem Weg fraglich schien, überhaupt nicht betreten. Tat I lerzl es aus Opportunismiis oder hatte er seihst schon das unbedingte Vertrauen in die Erlangung eines Charters eingebüßt, das mag dahingestellt bleiben, jedenfalls berief er im Jahre 1902 Dr. Franz Oppenheimer, Dr. S os kin und mich, also drei Anhänger der praktischen Kolonisation nach Wien zu einer Sitzung des großen Aktions-Komitees, tun sich Vorschläge für die praktische Palästinaarbeit von ihnen unterbreiten zu lassen; und zwar stimmte man den Vorschlägen zu, eine Lehrlarni, eine landwirt• schaftlichc Versuchsstation und ein genossenscliaftliebes Gut in Palästina zu errichten. Um die Vor• arbeiten hierfür zu machen, wurde auf dem scch.