Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Seite 380 JI UE DlSCH_E_R IJ_N DSCH AU Nr. 33 niisschtiß, tler neben dem Kongreß <1011 ganzen Tag sich der mühevollen Aufgabe unterzog, die Kandidaten für die* * verschiedenen Ausschüsse zu sichten und schließlich uns das künftige grolle Actions-Comite und die Leitung, das Engere ActionS‘Comite, zu präsentieren. Und die liebereinstirnmung, die sich liier am Schlüsse dieses Kongresses kundgibt, ist nicht zum wenigsten auf die ernste Arbeit dieses Pcrmancnzausschus* ses zurückzuführen, — der Männer, die das Opfer gebracht haben, den Verhandlungen des Kongrosses zum grollten Teile fern zu bleiben, um diese mühevolle Arbeit segensreich zu führen. Geehrter Kongrcßl In zweiter Linie ist cs unsere Pflicht, allen denjenigen zu danken, die sonst zum Gelingen dieses Kongresses beigetragen haben. Wir danken insbesondere für das freundliche Schreiben der R c g i c r u n g d 0 s K a n t o n s B a s c I. (Lebhaftcr Beifall.) Wir sagen Dank den Zionisten Basels für die aufopferungsvolle Art und Weise, in der die Damen und Herren der hiesigen Ortsgruppe sich betätigt haben, alle die Wochen vor dem Kongreß und während des Kongrosses, Vorbereitungen zu treffen, unseren Verhandlungcn und dem Kongreil auch ein festliches üepräge zu geben durch die Veranstaltungen, zu denen sic die Kongrclldclegicrten eingeladen haben. (Lebhafter Beifall.) Wir danken den Damen und Herren des Bureaus und den Ordnern (Beifall). Meine Damen und Herren! Es ist ein Jubiläumsskongrcll, den wir feiern, und unser Freund Tschlenow hat schon darauf hingedcutet, welche bedeutungsvollen Vorgänge sich in diesem Saal für uns schon vollzogen haben. Nur muH ich eins sagen: cs hat mich gewundert, daß Freund Tschlenow, als er damals mit dieser Gruppe den Saal des Kongresses verließ, nicht wußte, ob er zurückkehren würde. Wir, wir wußten, daß er zurückkehren wird. Denn wir sind e i n Volk, wir haben uns für einen Zweck vereinigt. Wir sind untrennbar verbun- <1 e 11, bis wir das Ziel erreicht haben (Stürmischer Beifall). Wir haben hier auch Erinnerungen gepflegt und zur Feier dieses Jubiläums-Kongresses iiat sich die kleine Zahl derjenigen, die den ersten Kongreß »nitgemacht haben, im gleichen Saale versammelt, in dem wir damals getagt haben. Es war eine kleine Zahl: nur 21 Männer sind von jenem Tag geblieben, die wir uns hier versammelt haben: andere Kameraden haben wir durch den Tod verloren, oder si,e haben sich auf dein Weg von uns getrennt. Aber cs sind neue Scharen dazugekonmieii und heute sind wir dop• pclt und dreifach stärker als damals. Neue Männer haben sich uns angcsehlossen und u׳ir haben die Zukunft des jüdischen Volkes vor uns. Nun, meine Damen lind Herren, als ich in nach Semach und Tibcrias siel» nur noch auf eine Viertel• bzw. auf eine halbe Stunde belaufen. Wenn Theodor II erzl einst von der Errichtung einer modernen jüdischen Villcnstadt am Tibcrias-Scc geträumt und sic in ״Altneuland״ so reizvoll geschildert hat, so kann kein Ort in gleichem Maße wie Kerak für die Gründung einer solchen Stadt in Frage kommen. Tibcrias ist durch die An• Häufung von mehr als 10 000 Menschen auf engem Räume und durch die Armut seiner Bevölkerung für absehbare Zeit gehindert, sich zu einer modernen Stadt zu entwickeln. Kein Europäer mit höheren KuUurauspcücUen könnte e» in der engen und *chmvui• gen Stadt längere Zeit aushaltcu. Es bleibt also, wenn man gleichzeitig eine Eisenbahnverbindung in der Nähe haben will, für die Anlage einer Stadt nur das Secufcr zwischen Tibcrias und Semach übrig, und auf dieser Strecke findet sich kein Punkt von gleich schöner Lage, wie die Halbinsel Kerak. Hier könnte der Hcrzl’schc Traum verwirklicht werden. Es sind dazu weder große Mittel noch besonders große An• strengungen erforderlich, Pie alten Steine würden *uni großen Teile ein vorzügliches Baumaterial ab. geben. Wasser zum Bau ist durch den Sec in un• begrenzter Menge vorhanden. Schon mit 10000 bis 20000 Frei, (je nach der Qrößc) würden sich schöne Villcngcbüudc aufführen lassen. Die Halbinsel ist über 200000 qm groß und hat für mindestens 200 Villen mit Gärten Platz. Etwa 30 Villen würden sich direkt am Sec aufführen lassen. Man kann sieh schon jetzt ausmaien. wie schon das Landsclialtshild sich *:estaiten wird, wenn vom lene hahuit Ufrtr V;iUac tm aaioc 'uirnaxzR. jenem Sank• war, da sah ich im Geiste ein Bild vor mir, ein Bild, das ich im Museum des Palais Luxemburg in Paris gesehen habe, ein Bild des Malers Delaille. Dieses Bild stellt ein schlafendes Heer vor: Kameraden liegen am Boden und träumen, mul da sehen sie in den Wolken die (icister ihrer hingeschiedeneii Kameraden in den Kampf vorausziehen, in den Kampf, der ihnen den Sieg der morgigen Schlacht bringen wird. Meine verehrten Damen und Herren, auch uns gleicht dieses schlafende Heer; die Geister der Hingeschiedenen, diejenigen, die die Begeisterung für die zionistische Sache früher in unsere Seelen geträufelt haben, die werden uns helfen, den Sieg zu erringen, wenn wir weiter fortschreiten. Und in diesem Bewußtsein können und dürfen wir uns geloben, der neuen Leitung mit derselben Hingebung, derselben Treue, derselben Bcgci* Sterling zu dienen, mit der wir in schweren Stun• den unserem Führer David Wolffsohn zur Seite gestanden haben. (Stürmischer Beifall.) Wenn wir nunmehr im Vertrauen auf die Energie und das Zielbewußtsein unserer neuen Leitung derselben folgen, dann darf uns das tröstliche Bewußtsein erfüllen, daß die Zukunft uns gehör e 11 wird, und daß, um mit Nordan zu sprechen, unserem anderen großen Führer, in unserem Lager, auf dein die blauweiße Flagge mit dem Davidschild weht — in unserem Lager Israel sein w i r d. Damit schließe ich den zehnten Zioni sten kongreß. (Stürmischer Beifall. Die Versammlung singt stehend die Hatikwah.) Dr. W c i zin a n n: Unter den 24 Männern vom ersten Kongreß befindet sich jetzt auch einer hier, den ich nur auf der Galerie gcsehen habe. Ach ad Ha'am. Ich hoffe, daß er auf dem nächsten Kongreß unten sitzen wird (Beifall). Schluß des Kongresses: II Uhr abends. Verliandlungsbericht Aus der Eröffnungssitzung tragen wir hier nach die Rede Dr. Max Nord aus nach: Geehrter K o 11 g r e ß! Zwei Jahrsielu'iite liahen ihren Kreis gerundet, seit unser unsterblicher Theodor Herz.I uns zum erstenmal berief, uni dem stummen oder unartikuliert klagenden Judentum die Sprache vviederzugeheit, um die uiclil mir äußerlich zerstreuten, sondern auch innerlich /iisammculianglos und chaotisch gewordenen Judcugruppeii wieder zu einem Volk zu organisieren. Dieser Kongreß ist der zehnte der Reihe, und man bat sieh allgemein daran gewöhnt, ilm den Jubclkon• g r e ß z.u iteimcn, der er ja auch in seiner Weise ist. Jedesmal, wenn wir uns als die gewählten und bcauf• tragten Vertreter des zionistischen Judentums ver• sammeln, beginnen wir die Ausübung unseres Mau• schauen, wenn Treppen von den Häusern bis zum Niveau des Sees liiiiuntcrführen und kleine Nachen den Verkehr von Villa zu Villa vermitteln. I )ic heißen Schwefelquellen bei T i b c r i a s, die seit dem Altertum berühmt sind und in ihrer Heilwirkung bei Rheumatismus und anderen Leiden den Vergleich mit den bekanntesten europäischen Schwefelbädern aushaltcn, könnten mit Motorboot in etwa 20 Minuten erreicht werden. Das würde wahr, scheinlich bald dazu Anlaß geben, auf der Halbinsel ein Sanatorium oder I lotet zu errichten, dessen Oästc die Hader bequem benutzen könnten, ohne doch nötig zu )iahen, bei den Bädern selbst z.u wohnen, deren Umgehung ganz, reizlos ist. Aus Palästina selbst würde ein solches Sanatorium oder Hotel viele Besucher haben, und auch aus dem Auslände würde cs wahr• scheinlich bald Besucher lierauzieltcu. Außer den Tiberiasbädcrn sind auch die heißen Quc 11 c n vo n El Hamm i ״ die im Altertum sehr geschätzt und besucht waren (noch heute finden sich dort die Ruinen eines großen Theaters aus römischer Zeit), von der Station Semach mit der Bahn nur eine halbe Stunde entfernt und können deshalb bequem benutzt werden. Ein frischer Wind weht fast stets vom Hcrinon und Sec herüber und macht, mit Ausnahme der Som• mernmnate, den Aufenthalt trotz mancher heißen Sirokko-Tagc sehr angenehm. Die Temperatur wett• eifert im Winter mit der Riviera und Aegypten, da der Tiberias.See durch seine exzeptionell tiefe Lage (ca. 200 m unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres) 'leramüerrr. milde:: 'VauerUUma hau t'־.<״. nu-rrrmnuter;sec •<vnr ',vrrvciun• um ,Haar, '1 dales mit tiefer Bewegung. Unsere Emolioii ist di1-s. in.11 ganz besonders' feierlich, weil wir gewissermaßen am Ende eines Zyklus Mellen, auf den wir nicht zimicksclien können, ohne uns /u einer ausnahmsweise ernsten (icwissenspnifuug gedrängt zu füllten, ohne uns selbst zur Aufstellung einer!Bilanz unseres bis. herigeu Wollen* lind Wirkens und seiner Ergebnisse an/ubaltcn. Es entspricht der Bedeutung, die wir diesem zehnten Kongreß beimessen, daß wir ihn in denselben Räumen halten wollten, die dein ersten zur Wiege gedient batten. Wir knüpfen die Folge an den Beginn lind bezeugen damit auch äußerlich die Einheitlichkeit unserer Entwicklungen. An diesen Mauern haften für uns heilige Erinnerungen, deren wir hei unserem mühevollen iind'verantwortungs. schweren Werke stets eingedenk sind, die uns auf dein richtigen Wege halten und die uns immer wieder ermutigen, wenn u׳ir uns von Bangen beschleichen lassen wollen. Ich habe erwähnt, daß man diesen zehnten Kon• grell allgemein den Jubelkongreß nennt. Wir he• gehen nicht den clhvmologisclicn Irrtum, den Aus. druck ״Jubel" in die.cm Worte von der lateinischen, und deutsch gewordenen Wurzel hcr/uleitcu. Wir wissen sehr gut, daß er von unserem hebräischen ״jo• bal" stammt, das nichts mit jubilarc gemein hat. Und wahrlich, zu jubilieren haben wir heute weniger Ur. Sache als zu irgendeiner Zeit seit der Zerstörung des /weiten Tempels. Das jüdische Volk lebt gegenwärtig die düstersten Tage seiner Geschichte in der Zer• Streuung. Alle unsere Posten haben uns nur eine Mel• duug zu erstatten: ״Feinde ringsum 1" Die Pest des Antisemitismus, die überall örtliche endemische Herde hat, überzieht gegenwärtig epide. misch den ganzen Erdkreis. Der Judenhaß, der auch in den kurzen Pausen trügerischer Ruhe nirgendwo völlig erloschen ist, flammt gegenwärtig überall zu heller Lohe empor. Seihst in den Ländern, wo cs uns am besten geht, brauchen wir nur das Ohr an den Hoden zu legen, um unter der dünnen Oberflächen• schiebt der amtlichen, gesetzlichen Gleichberechtigung aller Staatsbürger die wilden Wasser der Judenfeind• schaft brausen zu hören. Im freiesten Laude der Well, im Lande der größten sozialen Gerechtigkeit, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, muß der Präsident in Person einem Oberst eine scharfe Rüge erteilen, weil er nach berühmtem Muster einem voll qualifizierten Jüngling die Zulassung zum Offi• zicrssintide mit der ausdrücklichen ׳ dreisten Begrün* düng verweigert, daß er Jude sei, Avhnlichc Züge könnte ich aus allen anderen Ländern anfüliren, auch aus jenen, wo Juden Minister und kommandierende Generäle sind, teil Unterlasse es. Uns sage ich mit der• artigen Aufzählungen nichts Neues und bei den Nicht• judeu möchte ich nicht den Eindruck weichlicher, weibischer Wehleidigkeit liervorrnfeii, die sorgfältig jeden kleinsten Anlaß zur Beschwerde sammelt und in weilierlichen Klagen über die da und dort erlittenen Kränkungen gewissermaßen selbstquälerisch schwelgt. Uehcr die kleinen Nadelstiche, die man uns boshaft, doch verstohlen versetzt, über die moralischen Miß• handlungcn, denen wir uns durch stolze Zurückhaltung, durch dauernde Selbstüberwaclmng, durch Vorsicht ln unserem gesellschaftlichen Verhalten lind unserem Ehrgeiz, entziehen können, setzen wir uns bis 20 Grad Celsius, tun von April an auf 20 bis 2ä und im Sommer bis 30 und mehr Grad zu steigen. Die Temperatur des Wassers im See erlaubt das Baden fast während des ganzen Jahres. Durch die unmittelbare Nähe der Farmen Kincrcth und Umdjuni ist die Versorgung mit frischer Milch, Butter, Geflügel, Eiern und Gemüse gewährleistet. Der Sec liefert beinahe das ganze Jahr hindurch äußerst schmackhafte Fische, die weithin berühmt sind. Der Fischrcichtum ist so außerordentlich• daß man z. B. im Jordan,!licht an seinem Ausfluß aus dem Sec, die Fische mit einem einzigen Netz zu Hunderten, fangen kann. Sportfreunde haben durch Angeln, Rudern, Segeln, Schwimmen, Jagd auf Wasservögel, Ritte und Fuß• Wanderungen unerschöpfliche Abwechslung. Die benachbarten jüdischen Kolonien Ki• nereth, Jemmn, ßcdschcn, Poria, Mesha, Mclhamiv, Scdschcra, Medschdel bieten Gelegenheit zum Verkehr mit jüdischen Kolonisten und zur Kenntnis ihres Lebens. Ausflüge in das galiläisclic Bergland, in das wildromantische Jarmuktai oder in das Ostjordan• land, Fahrten aut dem See zum Besuch der zahl• reichen jüdischen Kuiiicnstältcn am Ufer des Sees Rfbcn die Möglichkeit, hochinteressante Teile Palä• fttinas kennen zu lernen. Alle Anfragen und Aufträge in Sachen der Par• *cllicrung sind zu richten an da* Bureau der Pale• stlne Land Development Company, Bcr- Um W 15, Bleihtrenstrnlle 34.35. I