Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651744--07904-2665105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 33 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 379 nicht, oli wir zurüdkehren würden; und ein Rill ist in unseren Reihen entstanden, den wir nicht . wieder vereinigen konnten. Da ist Uer sie- 11 e 111e Kong r e II gekommen: Da haben wir uns wieder vereinigt und sind noch stärker als früher auf diese Tribüne gekommen. Und nachher war es wi< der so, geehrte Damen und Herren; wiedu ist ein Rill in unsere Reihen gekommen und c־ haben sich z w e i g e g n e r i s c h e L a ־ gcr;•׳,bildet. Die einen haben als Prinzip aufgesteh : Konzentration der Macht in einer oder in \vr-:gen Händen, mul Konzentration des zionistis.׳n Programms auf einen oder auf wenige Punk: , hauptsächlich auf politische und orga* nisat. ■•.sehe; der zweite Teil hat als Losung ausg*■׳,eben: Synthese der Kräfte, Sy nt hesiei. iig der besten Kräfte zur Leitun der Organisation, und Synthesicrn׳ ' der verschiedenen Strömungen des auflebe!!eu jüdischen Volkes zu einer allgemeinen. Das waren die programmatischen und organisato sehen Differenzen, die in unseren Reihen eine Rill gemacht und zwei feindliche Lager geh::det haben. Wir können es mit Genugtuung konitieren; wir haben uns in beiden Lagern beinah!, objektiv zu sein, einander zu schonen. Ahe: mit weilten Handschuhen geht mau nicht in d. 11 Kampf; es ist nicht möglich, immer die Schonung und Objektivität zu bewahren -- und ich i.iaube, ich brauche nicht zu erinnern an den t r a urigen Mo in ent, wo wir uns in II a m - bürg verabschiedeten. Wir sind auseinander gegangen und wir wußten nicht, wann werden wir nieder zu einer einheitlichen Partei zusammciiscin? Aber nach Hamburg ist nun wieder Basel gekommen. Wenn ich jetzt das alles, was hier im Laufe dieser Tage, insbesondere im Laufe der letzten Augenblicke, die wir durchgemacht haben, geschehen ist, wenn ich das alles überblicke, so denke ich, haben wir das Recht zu sagen, dall die Idee, die Ergebenheit in unsere Ziele stärker ist als alles andere in unseren Reihen (lebhafter Beifall), dal! auch diese Risse, diese gegnerischen Strömungen, lins nicht gefährlich sind, solange wir alle unserem Ideal, unserem Volke und 1111• seien! Lande ergeben sind, alle ohne Unterschii'd (Beifall). Und ich denke, geehrter Kon- •r־׳ll, viele von Ihnen, Sic alle sind jetzt von der Angst befreit, die wir alle in Hamburg hatten; ich denke, Sie sind alle sicher, dal! wir von hier als eine geeinigte brüderliche Organisation zuriiekkehren (lebhafter Beifall), und geehrter Kongreß, ich hoffe, auf diesem Pfade wird uns unser verehrter David W o I f f s o h n wie auch in vielem anderen ein Beispiel geben. (Beifall.) Nicht mit Rosen war der Weg bestreut, auf dem David Wolffsolin an der Spitze unserer Organisilion gearbeitet hat. Nicht wenig Verbittenis׳׳.s von der Dauer, die »ich mit dem Ocisle eint zu!י Schaffen in allen Zeiten. Diese Stunde s e 1! יי f. Alle fühlen cs. Und der Kongrclt halle sie:* in ihr erfüllt. Jeder hatte sich in ihr erfüllt, denn feit ׳:׳ schuf in sich selbst die Synthese des Lebens in ■',er Dauer aus der Einheit der Sprache mit der Eii:' eit des Wollens. Ls war die stärkste Stunde des Kongresses. Wer sie gefühlt hat, der weiß, wie groll jene Zeiten sin׳!, wo der Wille sich durch die Tat überwindet. Bin1 nur ahnend läßt sich fühlen, wie unendlich und erl1..'111׳ die Zeit ist, welche die Tat aller bringen winl |n1 'Willen der Unbediiigtlieit schafft diese Zeit jedes Einzelne, im Willen der Bedingnisse, der Symi'tsen schafft sic diesen Kongreß. Es wird ihm und allen gelingen. Denn er vermag sich sogar aus der Synthese zur unbedingten Tat zu erheben in starken Stunden. Dieser Plug reicht nah an den Himmel. . . , Siegfried Schmitz. Kerak am See Eine jüdische Vllicnstadt in Palästina. An der Stelle, wo der Jordan den T i b c r i n s s_ce verläßt, bildet er eine Art Halbinsel, die sich bis zu t5 m über den Sec und über das umliegende Land erhebt, Die Halbinsel gehört zu dem Boden der Parin Kincreth, Sie ist, wie der übrige Boden der Farm Kincreth, Eigentum des Jüdischen Nationalfonds und Ist von diesem auf 98 Jahre an die Pa- Icstiiie Land Development Company verpachtet, Anrimg hat er im Laufe dieser Jahre empfinden müssen; nicht mir diejenigen Sorgen, die in miNcrcr Bewegung unter so komplizierten und schwierigen Verhältnissen den verantwortlichen Vertreter belasten. Aber ich denke, ja, ich bin überzeugt, dall dieser Kampf, den er in den bestell Absichten, in der treuesten Ergebenheit für das führte, was ihm das wichtigste für unsere Bewegung schien, mm zu Ende ist. Als David W o I f f s o 11 n zur Ueberzeugmig kam, dall eine Aendcrting geschaffen werden müsse,׳ war er in Berlin der erste und der eifrigste, der zu diesen l'riedensbeschlüsseii beigetragen hat. (Lebhafter Beifall.) Und erst auf diesem Kongresse, am zweiten Tage hat uns Herr Wolffsolin Worte gesagt, die mir stets in Erinnerung bleiben werden: Ob auf der höchsten Spitze oder als einer in der Reihe, — er wird ebenso der Sache ergeben sein und ebenso für unser heiliges Ideal wirken. (Beifall.) Ich bin überzeugt, diese W o r t e w erden auch Taten sein und nicht nur Herr Wolffsolin, sondern alle, die hier sind, sind jetzt durchdrungen von dieser Strömung, die unsere Bewegung weiter und weiter bringt. Darum denke ich, daß wir nicht nur einen Jubelkongrcll, sondern einen Friedenskongreß haben. (Beifall.) Meine geehrten Damen und Herren, wir haben wieder eine neue Leitung. Auch ihr Weg wird nicht mit Rosen belegt sein; denn der zionistischen Organisation zu dienen, wird ja keine leichte Aufgabe sein. Aber ich bin überzeugt, ilalt alle, wenn es auch in unseren Reihen manche gegeben hat, die vielleicht mit schwerem Herzen, dem Bedürfnis unserer Organisation Rechnung tragend, die Hand für diese neue Leitung erhoben haben, in kurzer Zeit volles Vertrauen zur neuen Leitung haben werden. Demi ich hoffe, sie wird durch ihre Ergebenheit und durch ihre ernste Arbeit sich dieses Vortrauen aller gewinnen. Und mm, in diesem Moment, wo wir von diesem Friedenskongreß wieder scheiden, in diesem friedlichen Augenblick, wo der Geist des Stifters des Zionismus hier in diesem Saale schwebt, wende ich mich an Euch alle mit meinem herzlichsten Wunsch: Wir sind zwar noch nicht das ganze jüdische Volk, wir sind aber der Teil des Volkes, der zum Auf leben strebt. Wir sind jetzt von inneren Reibungen und Kämpfen frei. Wir wollen jetzt unsere ganzen Kräfte dem Dienst unserer Sache widmen und wir wollen von hier, jeder in seine Stadt, jeder in seine Umgcbung zu den verschiedenen Schichten unseres Volkes geben und wollen sie zum Anschluß a ti unsere Arbeit und in unsere Reihen rufen. Wie in den Zeiten unserer Makkabäer wollen wir ihnen sagen: ״Wer für Qott, der komme zu uns!“ (Slüriiiischer Beifall.) scheinend war Jic Halbinsel in früherer Zeit durch einen Nebenarm des Jordan ganz vom Lande ahgetrennt. Allmählich ist dieser Nebenarm zugesclnvcinnit und schließlich durch einen im Jahre PJlü von der Palcstinc Land Development Company errichteten Damm ganz abgedämmt worden, so daß aus dem alten Flußbett fruchtbares Ackerland geworden ist. Auf dieser Halbinsel stand in der Zeit, als der jüdische Staat noch existierte, die befestigte Stadt 1' a r i c 11 ä a , die in römischer Zeit zerstört wurde. Aller ihre Spuren sind nicht verloren. Der Lauf der Fc.slungswälle ist noch heute gut zu verfolgen. Die ganze Halbinsel ist mit Trümmern von behauenen Bausteinen übersät, und au vielen Stellen zeigen sich noch wohlerlialtene Fundamente von Gebänden. Reste von Säulen sind ringsum zerstreut; auch mächtige Quadersteine aus Basalt, in der Mitte durchbohrt, die einmal als Wasserlcitungsrolire dienten mul frisches Uuellwasser aus dem Wadi Fcd• sclias hierher brachten, zeugen durch ihre virtuose, bis beule unnachahmliche Bearbeitung des barten Basaltgosteins von dem, was einst liier war. In ganz Palästina gibt es vielleicht keinen Ort von so eigenartigem I a n d s c 11 a f 11 i c 11 c 111 R e I z, wie diese Halbinsel Kerak. Ist an sich schon das gewaltige Wasserbecken des Tib crias-Sees ht dem von Natur wasserarmen Lande ein Naturscliauspicl, das durch seine wunderbaren Farben und die von Wellen, Nachen und Wasservögeln belebte Oberfläche den Sinn stets von neuem gefangen nimmt, so ist die hohe Halbinsel ain Ufer des Sees wiederum wohl der schönste Punkt am See. Man genießt einen ungehinderten Aus¬ M. Ussisclikin: (spricht hebräisch) Auch ich will einige Worte vor dem Abschied sagen. Der Held dieses Kongresses ist David Wolffsolin. (Stürmische Beifallskundgebungen.) Nicht deshalb, weil mau ihm Ovationen brachte, sondern weil er seinen Willen beherrschte. Ein Held ist, wer sieh seihst überwindet. W o I f f s o h 11 11 a t i m Interesse d e r S a c h e a 11 f die Leitung und seine bevorzugte Stellung v c r z. i c!11 c t. Hätte er es gewünscht, so wäre er jetzt noch Präsident. (Stürmischer Beifall.) Er schuf bei uns zuerst den Typus des gewesenen Präsidenten. Und ich, einer seiner ersten Gegner, werde ihm zurufen: üut so! Die neue Leitung muß die Verantwortung tragen, die Delegierten dürfen sich mit dem Frieden allein nicht begnügen, sondern müssen Arbeit leisten. (Lcbhaitcr Beifall•) Wolffsolin wird, als er, für die Ovationen dankend, sich von seinem Platze erhebt, stürmisch zugejubclt. Del. Julius Simon spricht dem Präsidium des Kongresses seinen Dank aus. Dank noch einmal Nordau, daß er sich an die Spitze des Kongresses gestellt hat. Dank unserin Boden he im er (Sturmischer Beifall), Marmorek (Lebhafter Beifall), der heute Proben seiner Fähigkeiten gegeben itmd jeden von 1ms, der nicht stillsitzt, mit seinem Hammer lestnageln möchte, Dank seinem Gegenstück, dem milden T s c 111 e n o w, Stand und Ussisclikin, dem die bedeutsame Aufgäbe und 11011c Ehre zufiel, die erste Ver- 11 a n d 1 u n g a u f d e in Kongreß i n h c b r ä i * scher Sprache durchzutühren (Stürmischer Beifall); es war ein verheißungsvoller Anfang und an uns wird cs liegen, die Konsequenzen daraus zu ziehen, die vollen Konsequenzen. Möge jedem Präsidium das gleiche Olück bcschicdcn sein wie diesem: die Kongresse, wie stürmisch ihre Verhandlungen sein mögen, wie schwer die Meinungen aufeinander platzen werden, zu glciehern friedvollem, einträchtigem Ende zu führen, wie diesen Kongreß. (Lebhafter Beifall.) Dr. Bodcnhcimcr: Verehrter Kongreßl Wir kommen zum Schlüsse diese r Tag 11 n g, zum Schlüsse dieses bedeutungsvollen Kongresses. Es ist viele und ernste Arbeit geleistet worden. Wir haben ein neues Organisationstatut geschaffen, eine neue Geschäftsordnung dem Kongreß gegeben. Die Palästinakommission hat in stunden- und tagclangeu Beratungen wertvolle Beschlüsse dem Kongresse zur Annahme unterbreitet. Dasselbe gilt für den Finanzausschuß und die anderen Ausschüsse, und nicht zum mindesten gilt es vom Permanenzblick über die g.m/c Fläche des Sees von Scniach im Süden bis nach Tapclia mul Kaperuamu 1111 Norden, und von da schweift der Blick ungehindert weiter bis zur Kette des II er in 011, dessen Gipfel, bis in den I loclisoiumer hinein mit Schnee bedeckt, greifbar deutlich zu sehen sind. Auf der östlichen Seite des Sees, der an dieser Stelle etwa 2 km breit ist, erbeben sich die zerklüfteten Berge des Dscliolan, die abends bis in die kleinsten Risse und Fältelten zu überschauen sind, wenn die Sonne auf der gegen• tiberlicgeiiden Seite hinter der hohen Jordanterrasse unterteilt und magische Lichtspiele auf Berg mul Himmel zaubert. Nach Süden folgt der Blick dem Jordan von der Stelle, wo er aus dem Sec austritt, landeinwärts. 111 gewundenem Laufe rauscht der Fluß mit starkem Gefälle, oft kleine Kaskaden bildend, in seinem tiefen Bette und staut sich au den noch gut erhaltenen Pfeilern der Uömerbrücke, die in alter Zeit auf vielen großen Bogen den Fluß überspannte. Hier wie nirgends in Palästina wäre der gecig* nctstc Platz für eine Ansicdlung reicher europäischer Juden. Die Verbindungen nach allen Richtungen sind vorzüglich. In etwa einer halben Stunde ist jetzt mittels Wagens oder Bootes die Bahnstation S c m ach zu erreichen, von der aus man in den komfortablen Wagen der Hedschasnahn binnen drei Stunden in Haifa sein kann. Inder anderen Riet!• tung bringt die Eisenbahn den «•:isciulcu in neun Stunden nach Damaskus, der Metropole Syriens. Die Stadt Tibcrias, in der die Juden die Mehrheit der Bevölkerung bilden, ist zu Wagen und zu Boot noch nicht eine Stunde entfernt, Mit der Indienststellung eines guten Motorbootes wird die Fahrtdauer