Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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?»וי 4 Seife 378 den. Wir im Permanenzausschuß haben sie die Friede 11 slistc genannt. Möge die Liste und die Arbeit der Herren zum Frieden und zur Ocsundung der Bewegung bei* tragen! (Stürmischer Beifall.) % In diesem Sinne beehre ich mich, den Antrag auf En bloc-Annahmc der Liste zu stellen. (Sturmischcr Beifall.) Del. Ben Zwi ist gegen die En bioc*An* nähme und verlangt getrennte Abstimmung. Er schlägt die Wahl der Herren Sch ci n k in Jaffa und Jnffc-Jerusalem als Vertreter Palästinas ins A. C. vor. Del. Sch’cinkin erklärt im Namen des Herrn Jaffc und im eigenen Namen, daß sic auf die Wahl verzichten, da die Entfernung zu groß ist, als daß sic stets zu den Sitzungen kommen könnten. Es wird die En bloc-Abstimmung beschlossen und sodann unter minutenlangem Beifall die ganze Liste angenommen. Wahl des Engeren A. C. Vors. Dr. Marmorek: Herr Dr. Weizmann, ich bitte, fortzufahren. Prof. Dr. Wcizmann: Für das Engere Actions-Comitö schlägt Ihnen die Permanenz* kommission die folgenden Herren vor: Professor Dr. Otto Warburg, Berlin Dr. Artur Hantke, Berlin Dr. Jacobson, Konstantinopel Dr. Schmarja Lewin, Berlin Nahum Sokclow, Warschau Die Verlesung jedes Namens ruft immer neue Ovationen hervor. Der Referent beantragt die En bioc-Annabmc. Vors. Dr. Marmorek: Da kein anderer Antrag vorlicgt, so bitte ich alle diejenigen, weiche diese Liste cn bioc annclimcn wollen, die Hand zu erheben. Die Liste ist angenommen, somit sind die Wahlen beendigt. (Stürmischer langandauernder Beifall.) Dr. Bodcnhelmer übernimmt den Vorsitz: Die Mitglieder des Großen A. C. versammeln sich morgen um 11 Uhr vormittags, die russisciic Landsmannschaft um 10 Uhr, die deutsche Landsmannschaft um 10 Uhr vormittags. — Icii erteile das Wort Herrn Prof. Dr. Otto Warburg. (Der Redner wird bei seinem Erscheinen auf der Rednertribüne mit brausenden Ovationen empfangen. Es dauert geraume Zeit, che er zu sprechen bc• ginnen kann.) Verehrter Kongreßl Im Namen der eben gewählten Mitglieder des E, A. C. erlaube ich' mir, dem hohen Kongreß Die stärkste Stunde des Kongresses Ba sei, 14. August 1911. Der Kongreß ist der Wille aller zum Schaffen: seine stärkste Stunde ist die, in welcher er schafft; dann erfüllt er sich und bejaht sich damit. Dieser Kongreß ist der Wille zur Einheit. Und seiner Star* ken Augenblicke sind viele, viele, in denen er sich bejaht, viele, in denen er sich zur Größe hebt. Sic sind eigenartig, und wunderbare Freude wecken sic in den Herzen, die sich selbst bejahenl ln die große Sitzung mit all ihrer Zaubcrmacht jenes Uebcrwältigcnden, das uns ergreift, weil wir selbst unser Qeschick lenken 'und leiten, in jene großartige, rauschende Stunde der Begeisterung tönen einfache, kleine Worte: ״Ein Gott, ein Volk, eine Sprache, ein Land, ein Zionismus!“ Diese Worte machen die Stunde des Rauschens und Rausches zum ernsten, stillen Augenblick in einer langen Dauer, die nur unser Herz fühlt, zu der Dauer, in der Gegen• wart, Vergangenheit und Zukunft auslöschen. Und durch die Unendlichkeit leuchtet die große Lebensc i n h c i t. Sic ist cs, die den Kongreß zur Größe hebt, weil sein Wille in die Unendlichkeiten ragt. Es war der erste große Augenblick dieses Kongresses. In einem der Augenblicke, wo die kleinen Ereignissc des Kongresses vorherrschen — und es gibt viel Kleines auf den Kongressen —, streckt plötzlich eine Zukunftsfragc ihr Haupt in diese kleinen Klcinig* keiten der kleinen Zeit des Golus. Aus einem mäßi• gen Streit erhebt sich der Kongreß über sich selbst zu J U EDISCH E RUN DSC 11AU unseren tiefgefühlten Dank für die große Ehre der Wahl nuszudrücken. Wir können versichern, daß wir uns der Größe der Aufgaben, die zu lösen uns obliegt, und der Schwert* der Verantwortung! die w i r zu tragen haben werden, voll und ganz bewußt sind. Wenn wir dennoch' das schwere Amt auf uns zu nehmen entschlossen sind, so geschieht cs deshalb, weil wir es als Pflicht eines jeden Zionisten betrachten, dem Rufe, der seitens des Kongresses, unserer obersten Instanz, ergeht, unbedingt und unweigerlich’ Folge zu leisten. (Stür* mischcr Beifall.) Wir zweifeln nicht, daß, wenn uns Ihre Unterstützung gewährt werden wird, die nächsten zwei Jahre nicht fruchtlos für die Bewegung sein werden, und wenn wir nach zwei Jahren wieder vor Sic hintreten, so mögen Sic sine ira ct Studio entscheiden, ob wir Ihren Er- Wartungen entsprochen haben werden. Unsere Aufgabe ist keine leichte. Der Weg führte von Wien über Köln nacii Berlin. Wir wissen, daß Berlin auch nur ein Durchgangs- Stadium sei!» wird. Geht der Zug später nach London, nach Paris, nach Rußland — wir wissen es nicht, das eine aber wissen wir: er c n d e t i n Jerusalem. (Großer Beifall.) Und auch das wissen wir, daß die Tradition, die sich in vierzehn Jahren zionistischer Tätigkeit ausgebiSdet hat, nicht verloren sein wird. Wir betrachten cs als eine ernste Pflicht, diese Tradition zu bewahren und nicht nur jeden Bruch mit dem alten zu vermeiden, sondern die treuesten Hüter des Baseler Progranunes zu sein. (Stürmischer Beifall.) Seien Sic versichert, daß wir die bisher geleistete Arbeit zu schätzen wissen und wir glauben in Ihrer aller Namen zu sprechen, wenn wir denjenigen beiden Mitgliedern des vergangenen E. A. C., die im Dienste unserer Sache sich auf ge rieben haben, auch von dieser Stelle unscrem herzlichsten Dank Ausdruck geben. (Stürmischer, langandauernder Beifall.) Mögen Herr W o l f f s o 11 n und Herr Kann in Bälde ihre Kraft in vollem Maße gewinnen. Wir aber bitten für unsere zukünftige Arbeit um Nachsicht. Was wir zu Um vermögen, das wird geleistet werden. Viel bicibt noch zu tun, und Sie wissen ja alle aus der Vergangenheit, daß das Tempo des Fortschrittes unserer Bewegung ein langsames ist. Aber ein Fortschritt wird, das hoffen wir bestimmt, auch in Zukunft stattfinden und wenn wir alle in Einigkeit weiter arbeiten, so werden wir doch mit der Zeit dem, was er will, zur Einheit, zur Synthese. Die Zukunft ragte einmal bei unserem Schaffen in die Gegenwart hinein. Sie fand unvorbereitete Menschen, solche, die sie überhaupt nicht fassen konnten, sulche, welche ihrer Grüße hilflos bewundernd gegenüber• standen. Und nun zanken sie im Kongreß aufein• ander. Da reckt sich einer empor, der die Macht des Kongresses ist, der schaffende Wille, und droht zugleich und segnet und durchtünt mit klarer, starker Stimme das Zankgekreisch. Seine Worte fassen die große Zukunft und stellen sic mitten in die Gegenwart des Kongresses und zeigen den Weg, wie jeder sie ermgen kann, die, welche noch nicht fassen und die, welche das Staunen gefaßt hat, mit wildem Frcndencifer. Und wenn diese erzenen Worte klar und einfach und groß dem Munde jenes steinern• wilienhaften Mannes entströmen, da leuchtet ans dem Himmel seiner hellblauen Augen die Freude über dieses Ahnen des Seins. Und den ganzen Kongreß erfaßt cs zauberstark, und die Zukunft für alle, die sic wollen, ersteht durch die Worlc jenes Mannes mitten unter ihnen allen. Sie glauben an die Synthese mit Urfrcudc und alt unser Werk ist bejaht. Eine Stunde des großen, starken, frohen Wirkens aus dem 1 (erzen, das der großen Frage des Seins fretidvoll entgegenhallt mit dem gläubigen Ja. Doch die stärkste Stunde dieses Kongresses war nicht die, wo er sich aus dein Herzen bejahte und aus der Gegenwart zur Größe der Dauer hob, die stärkste Stunde dieses Kongresses war jene, in der er sich ganz, erfüllte, weit ergänz schuf. Da war der Wille zur Einheit die Einheit selbst geworden, der Wille aller zur Tat aller. All jene große Nr. 33 unser großes, 1ms allen so heiliges Ziel erreichen! (Minutenlanger Beifall, Hämleklatschen, Tücher• schwenken.) Vorsitzender Dr. B o d e » h e t m e r: Das Wort hat Herr Dr. Tschlcnow: Geehrter Kongreß! Unser Meister Dr. Nor da u hat in seiner Rede am ersten Tage des Kongresses uns erklärt, daß, obwohl wir jetzt einen Jttbclkongieß haben, wir doch seht wenig Veranlassung zum Jubilieren haben. Und er hat vollkommen recht, wenn wir von der Lage unseres Volkes reden. Wenn wir aber unsere Bewegung im Laufe dieser kurzen Periode vorn ersten Kongreß bis zu diesem Jubclkongrcß betrachten, so können wir sagen: Wohl nicht mit Jubel, so doch mit Befriedigung können wir dem Vergangenen folgen. Hier auf diesem Bild — Dr. Tschlcnow weist auf das Bild Hcrzls an der Wand zu Häupter! der Estrade — sehen Sie unsern Führer, als er uns zum Zusammenschluß unserer Kräfte zusammenberufen hat, um gemein sam ein Ende dem Elend des jüdischen Volkes z.u machen. Mit Prophctenblick übersieht er dc1׳ Weg, der von der Diaspora bis zur Heimat führt, und mit prophetischem Auge sieht er alles das, was auf dem noch wüslcn Lande in kurzer Zeit wieder blühen wird. Aber wie viele waren damals vor 11 Jahren, die ihm gefolgt sind, die das verstanden haben, was er mit seinem Prophetennugc dort klar geschaut hat! Das war ein kleines Häuflein, und wir hatten in unserm Heimatlnndc noch ganz kleine Anfänge. Wenn wir bedenken, was für eine starke und kräftige und einige Organisation wir jetzt haben, und wenn wir das ins Auge nehmen, was in unserm Lande in dieser kurzen Periode schon entstanden ist, so wiederliole ich: Wenn nicht mit Jubel, so können wir wenigstens mit B e f r i c d i gung sagen: Das jüdische Volk hat diese M Jahre nicht umsonst gc• lebt, und' die zionistische Organisation hat in diesen 14 Jahren dem jüdischen Volke einen ernsten Dienst geleistet. Aber, geehrter Kon• grell, für uns gibt cs noch ein Zeichen, das uns nicht nur zur Befriedigung, sondern auch zum Jubel Veranlassung gibt. Das ist dasjenige, meine sehr geehrten Damen und Herren, das wir jetzt in diesem Augenblick alle einsehen. (Zustimmung.) In dieser kurzen Periode, in diesen 14 Jahren hat unsere Organisation auch Krisen erlitten. Ich will Sie an die Ugandazeit erinnern. In diesem Saale war cs, von dieser Tribüne hin ich nach dem historischen Votum weggegangen und eine ganze Schaar von Delegierten ist mit mir zusammen hiuatisgegangcn, und wir wußten Stärke lag in der denkwürdigen Naclimiltagssilzung in welcher die Kultur fragen ausschließlich i> hebräischer Sprache behandelt und diskutic ׳׳• wurden. Die große Frage unserer Kultur macht die Ilc zen erbeben. Denn etwas Unendliches, Unbegref• liebes ersteht da, etwas, das sich nicht in den läge des Wollens erringen läßt, sondern nur durch d Taten des Schaffens. Die erste Tat des Schafft! ist das Leben unserer Sprache. Und il. Ausdruck war diese Sitzung. In dieser starken Stund■ in welcher der Mann die Versammlungen leitete, dessen Wille in Wort, Geste, Ausdruck und I >׳' stets ins Schaffen übergeht, war nicht etwa ein Neu.•.׳•. Besonderes, sondern sie war das Alte, Stelsgeleb: Natürliche, weil sie aus dem Erfüllen unseres Wolle:•־• erstand, weil da jener Weg licrvorleuchtctc, der die Grenzen des Geschehens führt, über sie Binar! zur unbedingten Tat, welche das Geschehen aufheb׳, weil wir selbst die Herren des Geschehens werden. Jene starke Stunde war d »c Tat des Kongresse׳:•, nicht nur aus sich seihst heraus, sondern sie war die Tat, weil alle sie taten. Die, welche der alten Sprache sich noch nicht genähert hatten, die Zag• haften, und auch die ungestümen Gegner, sie alle waren geeint in der Synthese der befreienden Tat dieser Stunde. Sic selbst halfen sic mit herbeiführen. Denn was in dieser Stunde geschah, ward nicht zum bchaglich-schmunzelnden Staunen für die einen und zum Gegenstand plebejischen Hasses für die andern, sondern es war allen, mögen sic rechts oder links oder Delegierte oder Gäste gewesen sein, die wunder• bare Entschleierung eines Geheimnisses, des Qchcim•