Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 357 Nr. 31 S»1״ P[״• f st c r*Willy Not h m a n n (»roß-Strelilitz, Pr, P 1 n c z o w e r - Kattowitz. I rsalztlclegicrlc. Siraßbtirü!• EI9.1 Professor Pr. Delegierter. — ca ml. Kurt I isat/dclegierter. R• I) r c y f u II, N a w r a »z k i, Pulsburg-Düsseldorf ז Pr. H. Epstein. Dclevielter. — J. M i c h a I o w s k i - Piisseldurf, Ersatzdclegicrter. * I Stettin: Referendar Willy O r e i f e n h a g e n, f Xde•! h'ierter. — Lazarus B a r t h Berlin, Ersatz- I delegierter. |,clpzl1׳*Chcmnltzז Leopold J a c ״ b v Chemnitz. I )elegierter. — S. P r e c z c p Leipzig, Ersatzdelegierter. Portmuml-Esscn 1 L. Rosenberg• Essen, Pclej ״jener. — Daniel Treu- Essen, Ersatz-! delegierter. ' Elberi'eld-Escliwcilcrs Rechtsanwalt Pr. Bern- , stein* Elberfeld, Delegierter. — Pr. G r ü n e borg• Elberfeld, Ersatzdelegicrter.! Frciburg-Konstanz{ Jacob Pa 11 bc*Freiburg, De-!t gierter. — Dr. M c i 11 r a 111 Konstanz, Er-! satzdelegierter. ’ f 1 .e Zusammenstellung derjenigen Delegier- :teil, die als Vertreter der dculsehen Gruppen am! Kong״• H teilnchmcn, sowie eine Liste der deutschen | Zioni'H'ii, die am X. ׳Kongreß außerdeutschc Gruppen j vertreten, werden wir in der nächsten Nummer ver- | öffentlichen. I ___ _ Wider die Frauenorganisation ן Von H c I c n e - H a n n a C 0 h 11. 1 Mn einiger Bangigkeit vernehmen wir die Kunde, I daß auf dein X. Kongreß über die Gründung einer I neuen Föderation innerhalb der zionistischen Partei 1 beraten werden soll, nämlich der Frauenorgani-; sation,!י Föderationen sind, so notwendig sic in vielen 1 Fällen sein mögen, immer eine Gefahr für eine poli- ’ lisclie Partei. Die Verfolgung von Staudcsintcressen, die alleinige Betonung eines Teiles des Gesamtprogranmics durch einzelne Gruppen führt leicht zu einer Zersplitterung der Kräfte, besonders dann, wenn die Interessensphären der Gruppen nicht genügend abgegrenzt werden können, daß Kollisionen vermieden wcrJen, Gewöhnlich ist die Bildung zahlreicher Föderatioi'en ein Zeichen der Altersschwäche einer Partei, ein Zeichen, daß ihre Mitglieder auf dem Wege sind, die Gcsamtidcc der Bewegung aus den Augen zu ver• lieren. S> jung unsere Bewegung ist, so hat doch auch sie auf diesem Gebiet schon trübe Erfahrungen gesammelt. Angesichts dieser Gefahren müssen wir uns ernst• lieh die Frage vorlegcn, ob die Frauen organis a t i 011 wirklich eine unbedingte Notwendigkeit ist, ob ihre Tätigkeit wirk-; lieh eine so spezielle sein w ii r d e , daß! sie nicht von den Ortsgruppen und b e * \ feit« bestehenden Vereinen geleistet י werden kann. ' Wie aus den beiden letzthin in der ״Welt" und; ״Rundschau“ erschienen Artikeln hervorgeht, soll } sich die Frauenarbeit wesentlich auf das kultureih• Gebiet erstrecken. Es wird von der Not* wendigkeit der Gründung von j ü d i s c 11 c 11 G c s c 11 i c 111 s und Literat tirk ursen, von j dir Verbreitung des Hebräischen ge- יף:. dien. Als ob diese Bestrebungen nicht längst 1 dui.h eine Anzahl von Vereinen verfolgt würden, und als ub cs den Frauen jemals verwehrt gewesen wäre, von diesen Vereinsbestrebungen zu profitieren und sie zu fördern! Wer die Tätigkeit unserer Ortsgruppen keimt, der weiß, daß hier ein beträchtlicher Teil der Arbeit durch Frauen geleistet wird, in einem solchen Maße sogar, daß in vielen Städten die Gründung 1 ׳'incr Frauengruppc geradezu den Untergang der 0 r 1 s g c u p p e bedeuten würde — ein Resultat, das wohl keinem vernünftigen Menschen wfinschcnswert erscheinen wird. Aber wir hören bereits von anderen Zielen, die d>e Frauenorganisation sich gestellt hat: von der ^Uindung von W o h 11 ü t i g k c i t s a n s t a 1 - 'ecu in Palästina. Ein kleines Krankenhaus existiert schon, ein wenig Waisenpflegc soll hinzukommen. In dieser Philanthropie unter der Flagge Jvs Zionismus liegt aber eine wirkliche Gefahr. Unsere Bewegung hat bisher die Klippe des Clu. .vewe; Zionismus glücklich umschifft, und zwar konnte sic das ״ur dadurch, daß alle unsere Einrichtungen in Pa- ״stina von weitschauenden Politikern geschaffen Wurden, die keinen Augenblick das Baseler Programm und den Stand der Wcllpolitik aus den Augen vor- 5 'oren. Wo aber haben wir die Garantien, daß die I!,1,atienorganisation imstande sein wird, selbständig; diese eminent politische Arbeit weiterzuführen, ״״£ ןc sich von Gcfühlsmoincntcn leiten zu lassen? 1 ינ״־ leicht entflammende Mitleid der Frau, ihr Wunsch, , ״en Leidenden und Unterdrückten wohlzutun, ist sicher* lieh eine ihrer schönsten Oabcn — der Zionismus :,.1זץי soll, wie oft haben wir das gehört, keine Wold* tätigkett, sondern eine Wohltat sein. Die ganze Idee der Fratteiiorganisalion scheint auf einer Verkennung der Tatsachen zu beruhen, die mit gewissen allgemeinen Zcitanscliauungeii im Zusammenhang steht. Die Frau von heutzutage ist leicht geneigt, den Wert ihres eigenen Wirkens zu unterschätzen; weil das ganze Leben ein wenig zu laut, ein wenig zu offiziell geworden ist, glaubt sic die Grenzen ihrer Tätigkeit immer weiter stecken zu müssen, um nicht übersehen zu werden. Nim ist hei den demokratischen Gesetzen unserer Organisation die Frau keineswegs gehindert, Sitz und Stimme in den Ortsgruppen, Landsmannschaften, Ver• einen zu erhalten, ihren Einfluß liier geltend zu machen, sich zu leitender Stellung aiif/.usehwingen, ja bei uns trägt sogar — man verzeihe mir die ,Variante — jede Frau die Prüsidcntcnglockc im Pompadour. Wenn trotzdem bisher nur wenige Zionistimien ihr Wirken über einen verhältnismäßig engen Kreis ausgedehnt haben, so ist dies eben nur ein neuer Beweis, daß die eigentliche Kulturaufgabo der Frau ihr Einfluß auf 11 i c nächste Umgebung ist. Zweifellos ist es vor allem der Frauen Pflicht, die national jüdische Idee in die Familie hiiieinzutragcn, ihren Kindern, überhaupt der Jugend jüdisches Wissen und Empfinden zu vermitteln, den jüdischen Kulturinhalt in sich seihst zu verarbeiten und auf ihre Umgelniug zuriickzustrahlcn. Aber diese Arbeit ist so fein, so subtil, so der Individualität jeder Einzelnen angepaßt, dafl hier der Zusammenschluß großer Fraucngenieiiiscliaften mit gewissen Schlagworten ab• solut nicht am Platze ist und auch schwerlich jemals tiefen Einfluß auf die wirklich wertvolle Tätigkeit der Zionistin gewinnen würde. Der Mann mag den Zionismus der Außenwelt gegenüber vertreten, die Frau dient der Sache am besten dadurch, daß sic ihn so tief wie möglich in sich erlebt. Sie wird dadurch der großen Idee mehr nutzen, als indem sic sich zur Uedncrin ausbildet. Bestellt denn bei uns wirklich ein solcher Mangel an Rediicrkräfien — —? Tätigkeit in dcrFamilic, für die Jug c nd , Mitwirkung an dem Ausbau der Ortsgruppen und Vereine — das bctrachte die nalionaljüdischc Frau als ihre vornehmste Pflicht. Sie wird dann viel höhere und feinere Aufgaben erfüllen, als wenn sie nach den Direktiven ihrer Föderation ein paar Arbeiten größeren Stils leistet, durch die sie eigentlich den anderen Verbäiulen Konkurrenz macht, Diese Art von Tätigkeit allein war cs auch, zu der I lcr/1 die Frauen heran׳- ziehen wollte. Zu diesem Wirken gehört aber vor allem das Bc* streben jeder Einzelnen, den zionistischen Grundgcdanken in seiner Gesamtheit, seiner ganzen Größe mul Reinheit zu erfassen und vor allem den anderen Zionisten in der Unterdrückung individueller Wünsche mit gutem Beispiel voranziigehen. Denn wenn wir das nicht lernen, schießen schließlich die von irgendeiner Teilidee beherrschten Sondergruppen wie Pilze aus dem Boden, und wir haben am Ende ״die Teile in der Hand — Fehlt leider nur das geistige Band.“ Das Programm der Kommission für hebräische Sprache in Jerusalem Der Wand I lalaschon Haibrith in Jerusalem, dem unter andern Bcu-Jehuda, D. Ycllin, Dr. .Torczyner, Dr. Masie augehören, veröffentlicht jetzt die Grundsätzc für seine Tätigkeit, die in fünf Sitzungen in laugen Diskussionen dtircliberatcn wurden und die alle Freunde des Hebräischen interessieren dürften. Die Grundsätze lauten: Aufgabe des Waad Ha lasch on. Die Aufgaben des Waad sind folgende: 1. die hebräische Sprache dazu geeignet zu machen, daß sic als ge* s p r 0 c h c וו c Sprache in allen Lebensverhältnissen, zu Hause, in der Schule, iin öffentlichen Leben, in Handel und Wandel, in Handwerk und Industrie, in Kunst und Wissenschaft gebraucht werden kann; 2. auf den orientalischen Charakter der Sprache, ihre Aussprache, ihre Buchstaben im Wortbau und ihren Stil zu achten und zugleich ihr die nötige Biegsamkeit zu verleihen, damit sie die Gedanken unserer Zeit voll und ganz nusdrücken kann. Arbeit des Waad H a I a s c!10 n. Damit der Waad seine Aufgabe erfülle, befaßt er sich mit folgenden Arbeiten: 1. Er publiziert jene Wörter, die sich bereits im hebräischen Wortschatz befinden, dein großem Publikum jedoch nicht bekannt sind; 2. er sucht die fehlenden Wörter durch Schaffung neuer Wörter zu ergänzen. Sp rach 1 i ehe QucIIc n. 1. Der Waad durchforscht alle Gebiete der hebräischen Literatur und greift heraus n) alle rein hebräischen Wörter, die im Laufe der verschiedenen Epochen gebildet worden sind. In Fällen»- in denen der Sinn veincs Wortes zweifelhaft ist, sucht der Waad auf wissenschaftlicher Grundlage den Sinn klarzulcgcn. Wo eine endgültige , Klärung nicht möglich ist, zieht es der .Waad vor. ein neues Wort zu schaffen, anstatt sich eines strit* tigeu Wortes zu bedienen; b) aramäische Wörter, insofern sic fehlende hebräische Wörter ersetzen: In diesem Falle bestrebt sich der Waad den ,Worten in bezug auf Form, Laut und Schreibart ein hebräisches Gepräge zu verleihen; c) iiichlscmitische Wörter weiden iitir daun verwendet, wenn sic eine hebräische Form haben und schon lange in der Sprache eingebürgert sind. 2. Um fehlende Wörter zu ersetzen, schafft der Waad neue Wörter; n) in erster Reihe aus hebräischen Stainniwürlcrii; h) in zweiter Reihe aus allgemein semitischen Stammwörlern, aramäischen, phönizischcn, ägyptischen und insbesondere arahisehen; c) nichtsemitischc Wörter werden im allgemeinen vermieden; d) für wissenschaftliche Begriffe, für die in der alten Literatur noch kein Ausdruck geschaffen wurde, sucht der Waad die Benennung gemäß der Bedeutung der Begriffe zu bestimmen, und nicht den arischen Sprachen zu entlehnen; c) die neu zu schaffenden Wörter haben nicht bloß den sprachwissenschaftlichen, sondern auch den sprachästhetischen Anforderungen zu entsprechen. Brauchen wir eine Zionistische Jugendorganisation? Von Heinrich K u 11 n ־ Cliarlottenburg. Das Interesse an der Heranbildung der künftigen Generation wächst von Tag zu Tag. Pas erfahrene Alter wetteifert mit Fachgelehrten, Pädagogen und anderen Theoretikern um die Auffindung eines Weges, auf dem die künftige Generation zu ihren zionistischen Zielen gelangen kann. Besonderes Aufsehen erregte wohl aber der Gedankengang, den Perlmutter in Nr. 2b der ״Jiid. Rundschau“ entwickelte. ״Z i 0 n i s t i s c 11 e Jugendorganisation“ lautet die Parole! Pa diese Frage nun gerade vor dem Kongreß aufgebracht wurde, will ich sie im Folgenden etwas näher untersuchen, allerdings nicht aus der Vogelperspektive des Alters oder durch die theoretischen Brillengläser des hochgelehrten Pädagogon, sondern mit dem frischen, lebendigen Mut der Jugend, der ich seihst angehörc, will ich sie betrachten! Was bedeutet es, inmitten der zionistischen Organisation eine Jugendorganisation zu schalten? Die Antwort ist nicht gerade erfreulich! Zer- Splitterung der (icsamtl) e w e g u n g ist meiner Ansicht nach jede Soiulerorganisalion innerhalb unserer Bewegung! In der Natur der Sache selbst liegt cs, daß jedes organisierte Unternehmen fcstumzeichuetc Richtlinien hat, die -- bei verschiedcncn Organisationen - natürlich auch verschieden sind. Werden nicht also Jugend•, Frauen-, Kultur- und andere Organisalionsuntcruchineu in der Grundorganisation Zersplitterung, Unübersichtlichkeit und Schwerfälligkeit hervorrnfen? Aber seihst unter Nkiitbciiicksichtigung dieser Bedenken glaube ich nicht, in einer organisierten Jugendbewegung besondere Vorteile für die Jugend erkennen zu können. Seihst beim besten Willen der Organisation wird der Erfolg ein geringer sein. Jeder zweckmäßige Organismus verbietet irgend ein Ab* weichen von seiner festgefügten Form; und die lugend, die ihrer Struktur nach unbeständig und labil ist, bildet sicherlich nicht das passende, ruhige Element für eine strafforganisierte Form. Hier setzt eine weitere, sehr wichtige Frage ein: ״Wer sind die Organisatoren?“ Bei einer so wichtigen Sache, wie es die Gestaltung der künftigen Generation ist, dürfte wohl der Kongreß die einzig zuständige Instanz hierfür sein. Es würden demnach Personen, d'te ihre Jugend in der mehr oder minder nicht ganz zeitgemäßen Vergangenheit verlebt haben, eine Form finden, unter der die junge Generation sich nun sammeln und — da sic unter anderen Zcithedingumjcn und •bedürfnissen heranreift — mit Schwierigkeit und Befremden zurcchtfindcn soll! Derart läßt sich eine Jugendorganisation nicht durchführen I Ferner scheitert auch die Idee an der ganzen Beschaffenheit des zionistischen Volkskörpers. In Westeuropa läßt sich ja immerhin alles ganz leidlich bearbeiten; wie aber können diese Probleme in Rußland zur Ausführung gelangen? So sehen wir, daß der selbstverständliche Organisationsgrundsatz ״E i n licltlichkeit und ü | c i c h h e i t für alle Glieder“ sich nicht verwirklichen läßt! Und warum denn noch eine Einrichtung ins Leben rufen, die für uns selbst unpraktisch und für unsere östlichen Gesinmingsgenossen unmgölich ist? Ich könnte nocli eine Anzahl von Gründen gegen die von Herrn Perlmutter angeregte Organisation vorführen; indessen ist es wohl besser, wenn ich zwei andere, gangbare Wege weise, die auch zum Ziele führen. — Sehr richtig erkennt Herr Perlmutter, daß die Heranbildung der jüdischen Jugend zum Zionismus auf z.wei Gebieten liegt: aut dem der geistigen und dem der körperlichen Erziehung, Herr Hr. Michel gibt nun in derselben Zeituugsausgabe für die geistige Heranbildung der lugend ucn Rat, Partc!schulen zu gründen, lieber die Güte dieses Planes läßt sich kaum etwas sagen. Derartige Partcischulcn würden so manchen Erfolg erzielen und eine gute Durchbildung und Vorbereitung für die