Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ן _<*יזז *» mn , י n JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 345 Zionistische Disziplin und Zionistisches Pflichtbewußtsein Von Referendar Möller• Altona, % Sieben Jahre sind vergangen seit dem Tode Theojnr 11 e .׳ z I s, mul mit der Trauer um den heimlge>1.׳n|men Führer verbindet sich die Sorge jfc$;"•> halte;! kur/ י frag‘ an/m* auf ׳י׳ soll, nun;, die!•׳'« lalle ■ Naei 1m ״' Immg il und mit der Trauer •'!ihrer verbindet sich die Sorge um das ״ikimliige (iedeiben unserer Bewegung. Denn seit jjer/ls; «nie hat die zionistische Bewegung eine Reihe von K:־m1i durehgemaeht und jedesmal hat sielt das pflile'i Her/Is bemerkbar gemacht. Tmt/dem aber de׳ /ionismus dank seiner inneren Lebenskraft jus r Krise neu gestärkt hervorgegangen, und diese׳ Bewußtsein erweckt in uns die Hoffnung, daß diesesma! so sein wird. Nichts destoweniger •vir cs für unsere!*flicht in diesem Augenblicke t dem X. Kongreß au unsere Ctesiunungsgev den Mahnruf /u richten, nicht wieder neue Streit-!, die den Lebensnerv der Bewegung berühren, .; cn. Ich meine die ״K u 11 u r f r a g e", die :11 X. Kongreß einen breiten Raunt entnehmen ' ,nd als wenn der Zufall selbst unserer Malt- ,וו Hilfe kommen wollte, haben sich gerade in i Wochen innerhalb der deutschen Zionisten Vor-!׳gespielt, die unserer Mahnung den kräftigsten 'nick verleihen.;:i Anschluß an die Vorträge des Herrn Dr.;in solt n haben tlic misrachistischci! Gesingenossen in Frankfurt und Nürnberg sich veranl.ii't gesehen, gegen die Tendenzen die den Mossinsoltii'ilien Ausführungen früher und heute zugrunde geh.;ו״ haben, Front zu machen, und das Deutsche Zcim.'lkoinitce bat in seiner Plenarsitzung vom 9. Juli mH in überaus scharfer Form gegen die Frankfuru, und Nürnberger Misracliisten Stellung genommen. und seine Beschlüsse entgegen den sonstigen (ieptigoenheiten im Wortlaut veröffentlicht. Pie ״Jüdische Rundschau" bringt diese Beschlüsse iiiitu der Ueberschrift: ״Misrachi und Disziplin" und vernitt die Anschauung, daß das Vorgehen der Frankfurtvr und Nürnberger Gesinnungsgenossen gegen die?iotii'lische Disziplin verstoßen habe. Trotzdem wir die Beweggründe, die das Deutsche Zentralkomitee zu seiner Stellungnahme veranlaßt haben mögen verstellen, können wir nicht umhin, diese Beschlüsse auf das Schärfste z.u mißbilligen und insbesondere den!,unkt 3 der Resolution zu verurteilen, da cs den Herlimr Herren ohne Zweifel bekannt gewesen ist, daß die Mitglieder des inisrachisdschcii Zcntralburtaus zu den I lerren gehören, die gegen die Berufung des Herrn Mnssinsolm protestiert haben. An und für sich ist es natürlicher •Weise das Recht eines jeden Oruppcnvorstandes zu entscheiden, I wen er in seiner Mitte sprechen lassen ׳will, aber es ItcilvuU't geradezu eine Provokation der Misradtisteil, wenn mau eben vor dem X. Kongreß, auf dem die Kiilturfragc zur Debatte stellt, einen Mann wie Br. Mossinsalin zu Vorträgen beruft, dessen Stellung zur Religion und dessen Wirksamkeit am Gymnasiiim in Jaffa den Grund zu vielen Auseinanderset/imgeii gegeben hat, zumal da die Frage, ob die Kiihurdehatte auf dem Kongreß statthaft ist, z.u einem Hl״ lebhaften Briefwechsel Veranlassung gegeben h.11. Wenn schon das Auftreten des Herrn Dr, Mossins״!m zu solch bedauerlichen Vorkommnissen geführt hu, m» kann man sich vorstcllcn, zu welchen Ausein.i Versetzungen die Kullurfrage auf dem Kongresse fiiliiiii wird. «Man scheint im Aktionskomitee noch immer das Ho/,'sehe Wort ״Der Zionismus ist die Rückkehr zuiii judciitum vor der Rückkehr ins Judenland" nicht rcd t verstehen zu können. Hcrzl und wir alle haben den /.ionismus als eine Bewegung aufgefaßt, die eine Grundlage schaffen soll für a 1.1 c Anschauungen im ■Nii'.tum, und die statt der T r e 11 n u n g die Einigung des Volkes auf der Grundlage ü <•' B a s e 1 e r Pronram m s schaffen soll. Dann ist es 1in Verkennen des zionistischen Grundgedankens, '**w. man sagt, der Zionismus ist eine rein nationale Bewegung. Der Zionismus ist mehr, er ist das, ׳ 'V;,v I lerzl in dem oben zitierten Satze so überaus behend ausgedriiekt hat. Der Zionismus muß inbilg.'dessen in religiöser Beziehung sich vollkommen iieincal verhalten. Neutralität bedeutet aber nicht ,b׳ Unterstützung jeder religiösen Richtung innerhalb 11«1 judcnlicit, sondern nach dem einfachen Worts'll״« die Unterstützung keiner religiösen Richtung. Die Propagierung der einen oder der anderen bklituiig muß zu diesem Zwecke sich bildenden Gfiippcn überlassen bleiben, denn man kann von "Cl״ Orthodoxen unmöglich verlangen, daß er eine Ji'ilvs Positive ablehnende Richtung als gleichberechtigt »»erkennt. Es ist infolgedessen keine Verletzung der ^01'istischcn Disziplin, wenn die Frankfurter und Nürnberger Gesinnungsgenossen gegen die Berufung die Ausführungen des Herrn Dr. Mossinsolm 'jhllting genommen haben, weil infolge der Persönlich- 1״'•I des Herrn Mossinsolin schon seine Berufung ein 1 r°gram1n bedeutet, vielmehr gebietet es uns Mis- *•5chisten, das zionistische Pflichtbcwußtscin, immer und immer wieder unsere Gesinnungsgenossen daran zu mahnen, daß eine Propagierung der Negation des Gesetzes nicht in den Rahmen der zionistischen Bewegung hincingchört, und daß die immer und immer wieder gemachten Versuche, diese Ideen als die Grund* läge und das Wesen des Zionismus hin/.Ustelleii, eine grobe Verfälschung des zionistischen Grundgedankens der Einigung des jüdischen Volkes darstellt, und daß!*man damit nicht eine gedeihliche Entwicklung der Bewegung anbahnt, .sondern stets von neuem die Streita.\t hervorholt, deren verheerende Wirkung wir bis jetzt Gott sei Dank noch nicht allzusehr gespürt haben. Aber es ist zweifelhaft, ob die Bewegung auf die Dauer solchen Kämpfen wird standhaiteii können, und man soll doch nicht vergessen, dal! die Zukunft des Zionismus nicht auf den liberalen sondern auf den orthodoxen Juden beruht, und daß es deshalb die Ptliclit aller Gesinnungsgenossen ist, die Einheit und den Frieden der Bewegung zu wahren. Wir Misrachistcn dürfen und werden auch nie den Standpunkt auf geben, daß die Anerkennung des Religionsgesetzes eine Conditio sine qua non für die richtige Erkenntnis des jüdischen Berufes auch von zionistischen (jesiclitspunkten aus ist. Für uns ist die jüdische Religiou mehr als mir e i n e Acußcrung des jüdischen Geistes, und für uns ist es nur eine Frage der Zeit, w a 11 n d e r Zionismus s i e 11 d i e s e Erkenntnis zu eigen machen wird. Wir erblicken eben im Zionismus die Rückkehr vom Lihcralismus über das Nationale zuiii religiös-nationalen Judentum. Wir haben mit dieser unserer Auffassung niemals hinter dem Berge gehalten, sondern sind stets frei und offen damit hervorgetreten. Trotzdem aber machen wir den Anspruch darauf, gute Zionisten zu sein, und gerade weil wir cs sind, halten wir es für unsere Pflicht, bei jeder Gelegenheit den Zionismus vor Abirrungen ztt bewahren. Diesen Standpunkt werden wir auch auf dem Kongresse in der Kulturfrage eiuuehmcit, und wir hoffen, daß die einsichtigen Zio• nisten unsere Beweggründe zu ehren wissen, und daß sie dafür Sorge tragen, daß die Referate über die Kulturfrage zu dem Ergebnis führen werucii, daß c i 11 c B e s c h ä f t ig u 11 g mit kulturell e 11 Dingen von der AIIge m e i 11 be w eg u 11 g f e r 11 g e 11 a 11 e n wird und den Sondergruppen Vorbehalten bleibt. Mögen die Ereignisse in Frankfurt und Nürnberg allen Kongreßteilnelimern die Augen geöffnet haben über die Uefuhr, die das 1 lineintragen solcher Dinge in die Bewegung in sieh birgt, und möge der Kongreß Rcsolutioneu wie die des Deutschen Zentralkomitees unmöglich machen! Videaut consulcs, ne quid detrimenti res publica capiatl * * * Wir haben dem in voriger Nummer bereits Gesagten auch aulälilicli dieses Artikels, dem wir wegen seiner maßvollen Form gern Aufnahme gewährten, nichts Neues hiuzufügen. Gesetzestreue und religiöse Freidenker aller Arten werden sich in der zionistischeu Bewegung, die eine nationale und keine religiöse ist, tolerieren müssen. Toleranz kann aber nicht einseitig geübt und verlangt werden. Eine b c sonder e Toleranz für den Misradti, weil er das volle und echte Judentum vertrete, kann auch nicht gefordert werden, denn die anderen werden selbstverständlich der Voraussetzung dieser Forderung energisch widersprechen. Das aber ist ja der Kernpunkt des ganzen Streites, daß der Misradti für sieh und seine Anschaumigen eine ganz besonders weitgehende Kon- Zession verlangt, die alle anderen Zionisten ihm machen müßten. Und da er diesen Anspruch unter dem Einfluß von Artikeln und Reden auch kaum aufgeben wird — ist es doch der klerikale Zug aller Besitzer des vermeintlich echten .Ringes, der sich hier iu unserer Mitte geltend macht —, so wird nur ein Beschluß des Zentralkomitees, das ja in Basel zusammentretcii wird, ähnlichen Konflikten für die Zukunft Vorbeugen können. Vielleicht wird cs dabei nötig sein, das Abkommen des Frankfurter Delegiertentages mit dem Misraclü einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Einig sind sich wohl alle, Misracliisten und Nicht- Misracliisten, gesetzestreue und weniger oder gamicht religiöse Zionisten, in der Meinung, daß solche Dinge wie in Nürnberg und Frankfurt untcrallcn Umständen verhindert werden müssen. Gebt das absolut nicht ohne eine strenge Scheidung nach der religiösen Stellung — nun, so muß sie eben gemacht werden, was freilich für die politische Reife derjenigen Misracliisten, die sic forderten, recht bcschämend wäre. Bis zu der Baseler Sitzung wird sich auch gezeigt haben, ob die zahlreichen deutschen Parteigenassen, die heute noch in der Landesorganisationt u n d im Misrachi sind, die also den niisrachistischcn Sezessiouisten in Nürnberg und Frankfurt nicht gefolgt sind, sieh der Resolution des Misrachi-Komitees identif/iieren werden. Jedenfalls aber kann das alles an der Stellungnähme der zionistischen Partei als solcher nicht das Geringste;indem! * * * Der Vorstand der Misrachigruppc Nürnberg-Fürth sendet uns die folgende Erklärung, der wir lediglieh deshalb hier Raum geben, weil wir keine neue ״Affäre" schaffen wollm. Demi für die Beurteilung des disziplinlosen Verhallens der Niirnberger Misracliisten ist es völlig b e l a 11 g I o s , wie die nachstehend hchamlcltcn Dinge sielt zugetragen haben! Die Erklärung lautet: Auf die Darstellung dk׳r Affäre Mossinsolm seitens der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe haben wir kurz, folgendes zu erwidern: 1. Die Vorstaiulschaft der Zionistischen Ortsgriuipe ist laug e v o r ü e r e 11 d g ü 11 i g e 11 B er u I u 11 g nicht von ,.irgend einem Mitgliede", sondern von ernster unterrichteter Seite aufmerksam gemacht worden auf die Konsequenzen eines solchen Affronts. 2. Ferner hat ein misracbistise'.ies Vorstandsmitglied der Zionistischen Ortsgruppe sofort nach Bckanntwcrdeii des V o r s t a 11 d s •Beschlusses sein Amt niedergelegt und vor Eröffnung der vi.-lgenannten ()rtsgrunpensitzung noclimn’s ganz energisch und bestimmt Widerspruch erhoben gegen die Bertlfung des Herrn D.׳. .Mossiiisoluis. 'J. Wenn wir trotzdem zugehen - und die Vorstnndseliaft der Zionisliselun Ortsgruppe stellt das der offiziellen Leitung gegenüber in ״loyaler Weise" auch nicht in Abrede •, daß in der Mitgliciler-Ver- Sammlung der Zionistiselieit Ortsgruppe vom 11. Juni d. J. außerhalb der Tagesordnung in \־o!gerückter Stunde die Rednerfrage gestreift und der Name Mossinsolm erwähnt wurde, so müssen wir es zum mindesten als Illoyalität erklären, wem) der Vorsitzende in Kenntnis der Sachlage den Vorschlag in einer solchen Weise der Versammlung Unterbreitete, daß eine ganze Anzahl d.r anwesenden Mitglieder, auch Niclilmisraehistet! vor allen Dingen der am Vorstandslisch sitzende Herr Oberndorfer, davon nichts gehört hat. Wir müssen es daher ganz, entschieden zuriickivciseii, daß wir die Konsequc.1z.cn der uns ver.neint'ieli naehgewieseneii Unaufmerksamkeit zu tragen hätten, um so mehr, als es sich in dieser Angelegenheit tun eine für uns so hervorragend wichtige Sache handelte. •1. Ucher die Frage, was jüdisch und unjüdiscli sei, lassen wir 1ms mit den Herren auf keine Diskussion ein angesichts der eminenten Gefahr des Systems des hebräischen Gymnasiums für die Zukimft Palästinas; wir wissen uns darin einig mit den besten Kennern Palästinas, die unser Vorgehen durchaus billigen, wenn sie auch nicht unserem religiösen Standpunkt angeboren, die aber gelernt haben mul wissen, was Judentum in seiner Totalität bedeutet. 5. Das Baseler Programm lautet: ״Der Zionis* 11111s erstrebt die Errichtung einer öffentlich rechtlieh gesicherten Heimstätte iisw." Von Kulturbeslrchungeii enthält dieses Programm nichts mul nur unter dieser Voraussetzung schlossen sich Gesetzcslreuc dem Zionismus an. Wir erkennen dieses Programm an; wir halten für dasselbe gekämpft, 1 a 11 g e J a 11 re vor der jetzigen A c r a der Vorst a 11 d sscliaft ־־• wir sind keine Zionisten von gestern und nicht eine Minorität, sondern die Majorität der hiesigen Ortsgruppe und werden weiter kämpfen. Die Vorstandschaft der Misrachi-Orlsgruppe Nürnberg-Fürth. Sachlich haben wir zu der Erklärung nicht anderes zu sagen, als was wir oben in unserem Artikel ausgeführt haben. Es handelt sich letztlich doch einfach um die Frage, wer in der zionistischen Organisation ausschlaggebend und richtungbestiimueiu! sein .soll, oh die Leitung der Partei oder eine dissenticremle Minderheit. Oas ist die einzige Frage, die man doch im Interesse der Ehrlichkeit unserer inneren Parteipolitik nicht verwischen soll! ״Auch Einer" Ein alter, uns allen wohlbekannter deutscher Zionist richtet au die Redaktion der ,,J. R." ein wehmütig-ironisches Schreiben, aus dem wir — dem Wunsche des Schreibers entsprechend — einige Stellen wiedergeben möchten: ״Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie sind doch (so denke ich mir) ein kongreß-erfahrener Mann. Vielleicht können Sie mir im Briefkasten Ihres sehr geschätzten Blatte einen Rat geben: Soll man zum Kongreß fahren, oder soll mau lieber zu Hause bleiben? .Eigentlich wollte ich ja fahren. Aber da las ich neulich, daß ich eigentlich gar kein richtiger Zionist bin, nur ein armer Irrender, der vom Wege abgeirrt und zum Jahre lt>97 erst wieder zurückgeführt werden müßte. . . . und Max Nord au muh cs doch wissen, erkennen ihn doch sogar die Misraclii als Autorität an!... Dann las ich wieder von dem plötzlich zurückgckchrtcu Doktor Klalzkin: Zurück zu Hcrzl! Ich habe zwar nicht verstanden, wieso ich mich von ihm entfernt habe, aber wenn ich das nicht einmal verstehe, was soll ich da beim Kongreß, — werde ich da nicht noch weniger verstellen? Und ein anderer K. (vielleicht auch uerselbe) setzt in der neuesten Nummer der ,,Welt" breit, aber weniger gefällig auseinander, daß man!