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Jüdische Rundschau · 1911-07-28 · Heft 30 (28.7.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 344 JÜEDI SCHE RUNDSCHAU Nr. 30 Leitung war schlecht; cs gab gar tvcitic Leitung. Sr» viel Wahres diese unerfreuliche Tatsache enthalten majr, so wahr ist es auch, dal! der Leitung von vornherein nicht das genügende Vertraue!» entgegengebracht wurde. Es genügt auf die finan/ielle Lage der Leitung liinziiweisen um zu erkennen, dal! vihr die nötige UnlersHit/img nicht /»Heit wurde. Man verlangte Herzliche Arbeit, trotzdem Hcrzl nicht mehr da war und trotzdem die ller/isehe Methode ,aufgegeben wurde, man verlangte grolle Taten, und man trieb kleine, zuweilen kleinliche Politik. Es gab viele, gute, zu beherzigende Gedanken, aber es fehlte eine grolle dominierende Idee. Man sagte mit Recht, wir haben keine größere Idee als den Zionismus. Gewill, aber auch ,in der Ausführung muli es eine 11 Gedanken eine K r u n «11 c R c n 11 c Richtlinie geben. Die gesamte Arbeit muH von c i 11 e m Gedanken getragen nach einer Richtung hinstreben, Eine anhaltende Tätigkeit kann gewisser, periodisch cintretender Erfolge auf die Datier nicht entbehren. Das Fehlen eines festen Arbeitsplanes n.'ihrl ntilierdcm übertriebene Hoffiumgen, die am Ende in Entmutigung Umschlagen. DerX.Ktmgreli soll u. A. ein neues Orgauisatlonsstalut beraten und annehmen. Auf den ersten Blick erscheint dieses als eine Formsache sekuudarcn Ranges. Tatsächlich ist die Frage aber jetzt von g r u 11 d I e g c n d e r B e d e u t u 11 g für unsere Bewegung. Wir müssen unsere vielen, kleinen Kräfte, die vielen Energien, wie die Flüsse zu einem Strom zusammen fließen lassen und auf einen Punkt hinzielen. Wir müsse 11 einen Weg haben... Wir müssen zurück zum p o I i t i s c h e n Zionismus. Wenn wir nicht mehr den Charter erstreben, müssen wir eben eine andere durchdachte, aussichthietemlc Politik haben . . . Wir müssen eine neue Leitung wählen. Da wir keine gutbezahlten Ehrcnstcllcn, sondern ehrenhafte Arbeitsstellen zu vergeben bähen, ist der Wahlkampf bei uns viel ehrlicher als anderwärts. Wir können aber nicht bloß nach rein prinzipiellen Gesichtspunkten die Leitung wählen, weil wir mit den uns zur Verfügung stellenden Personen zu rechnen haben. Diese müssen Fähigkeiten verschiedenster Art in sich vereinigen, und da kommen wir über einen gewissen Kreis nicht hinaus. Solange wir also keine geeignctcreii Personen zur Wahl stellen können, bietet cs die Vorsicht die Alten zu wählen. Leitung kann und muß crgänzl werden, aber einfacher Pcrsonen-Wcchsel und die Verlegung Bureaus vom Rhein gar keine Bürgschaft von Bedeutung. Die ge- Die em der an die Spree tragen ,in sieb für irgend welche Besserung Leitung muß ergänzt werden. Außerdem muß ein politi sc lies Co mite gew ii 1111 w erden, welches »eben und mit der Leitung die spezielle Aufgabe hat, die allgemeine Politik, die Richtung, in der gearbeitet werden muß, zu hestimmen. Wir werden ein neues Organisationsstatut he* kommen. Kleinliche Parteibedenken und Fraktionsgelüste dürfen bei der Beratung nicht ausschlaggebend sein. Wie die Paragraphen auch lauten mögen, ein lebendiger Organisationsgeist muß uns beseelen um durch die Vervielfältigung unserer einzelnen Kräfte eine große, geschlossene, starke Einheit zu bilden," gaben des Natioiialfonds schreiben, Dr. Müller behandelt die Kulturfragen, Adolf Böhm die Bedeutung des Kongresses für die Paliistinaaibeit, Hugo Schachtel gibt einen Ueberhlick über die Ent- Wicklung Palästinas seit dem ersten Kongreß, Boris G old b erg (Wilna) spricht über die Erf order* n i 8 8 e der P n I ä s t i n a a r b e i t, Dr. I lugo B e r gm a n 11 (!,rag) über die a r a bische Frag e. Ferner entlädt die Nummer Artikel von Dr, Arthur R tippin und Pr. Jakob Thon und noch andere Beiträge, von denen ein Aufsatz über den Nutzen, welchen die jüdische Kolonisation Ihr die Türkei bisher gebracht bat, besonders hervargehoben sei. Im Feuilleton der ״Frankfurter Zeitung" vom 20. Juli bespricht Dr. Rudolph Wassermann• (München) ״Das Malthusschc Gesetz und die Bevölkerungsentwicklung d c r J u d e n" und kommt zu ähnlich pessimistischen Schlußfolgerungen wie das hier bcrcils crwälinte neue Werk unseres Freundes Thcilhabcr. Von den vielen wertvollen Beiträgen, die das was Ext c r n c n" sagt, der Beachtung unserer Leser empfohlen. י"" MVII VIVIIU WMIYUIICII l>wurilggu9 Uli* Juliheft von ״Ost und West" bringt sei das, Sei! mar ja Levin über ״Das Ende der 1 Juden im Sport ln einem lesenswerten Artikel über ״Sport und Rasse“ im Sportblatt des ״B. T" kommt Dr. J. »Pier auf •die sportliche Eignung der Juden zu sprechen:.Auch daß eine ganze Menge guter Unsere neue Programmschrift Die Abfassung einer programmatischen zionistischeu Agitationsbioscbiire war keine leichte Aufgabe. Ihre Schwierigkeit beweist die Tatsache, daü eine umfassende deutsche Propngaiid.ischrift erst jetzt, nach fünfzehn Jahren zionistischer Agitationsnrbeit. erscheint. F r i e d e in a 11 n\s vorzügliche kleine Schrift ״Was will der Zionismus?" war ein erweitertes Flugblatt, das, anregend mul interessierend, zum Besuch einer zionistischen Versammlung ermunterte. Sic hat der Agitation gute Dienste geleistet. Wer aber, nachdenklich geworden, eine Versammlung verließ, — dem konnte man bisher einen guten und ,sicheren Wegführer zum Zionismus nicht mit nach Hause gehen. Die Schwierigkeit der Aufgabe lag in der Not* Wendigkeit begründet, in der, durch den Propagandist!• sehen Charakter der Schrift bedingten Kürze ein ganzes System der Judenfrngc, eine Antwort auf alle erdenklichen Zweifel zu geben. Diese erschöpfende Vielseitigkeit wäre nicht in so hohem Made Erfordcr- 11 is einer deutschen Agitationsschrift, wenn die natioaale Agitation sichere, unverlierbare Aukiiüpfungsmüglielikeiten in der Seele des deutschen ,Juden hätte; wenn er spezifische, positive Eigenschaften besäße, die sieh mit Sicherheit zionistisch wcitcrbildon •ließen,, Aber die zahlreichen, seiner zionistischen Entwiekhing feindlichen inneren Widerstände: seine Unklarheit, Unsicherheit und Urteilslosigkeit in jüdischen Dingen, seine skeptische Abkehr vom Judentum überluiupt, nicht zum mindesten auch seine krasse Ignoranz können nur durch eine gründliche mul prinzipielle Erörterung aller jüdischen Gegenwartsfragen überwunden werden. Alle Versuche, den deutschen Juden von einer bestimmten Seite her für den Zionismus zu gewinnen, die Bemühungen etwa, sein philanthropisches Kolonisntionsintercsse vorsichtig in Zionismus umzudculcn, sind von vornherein wertlos amd vergeblich. Die literarischen Erzeugnisse dieser Orgaiiisationsmethoden sind mit Recht der Vergessenheit verfallen. Pie Absicht der Llchihcim’schcu Schrift*) war eine gründliche, prinzipielle Darstellung des Zionismus. Es ist ihr erster großer Vorzug, daß sie mit gutem Verständnis für die innere Beschaffenheit des deutschen Juden nichts voraussetzt, ilm nur seine Unklarheit, Unsicherheit und Unwissenheit empfinden läßt und ilm als einen liomo novus in den Kreis zionistischer Gedanken, einfiilirt. Sie geht keinem Zweifel und keinem Problem aus dem Wege und hält dem skeptischen, nach Lücken suchenden Leser das Bild einer einheitlichen, völlig zu Ende gedachten zionistischen i.cbeiisaiischaiiimg entgegen. Es war ein kleines Kunststück, dies auf 52 Seiten zu Wege zu bringen. Wie eine gute Agitationsrede, so muß eine gute Agitatinusschrift den notwendigen Mangel ׳der eiulgültigen Beweisführung durch den überzeugenden Stil der Beweisformen ersetzen. Der Lichtheim'schcn Broschüre darf nacligerühmt werden, daß sie durch eine vornehme und geschmackvolle Sprache, durch feine Gruppierung des Stoffes, durch eine scharfe, nhgewogene und doch temperamentvolle Argumentation, den Stil ausgezeichnet getroffen hat, dessen Gesamt- *) Das Programm des Zionismus. Von Richard L i c 11111 c i in. I leransgegeben von der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland". Berlin lvlt, 52 Seiten, gr. 8". Preis 30 Pf. eindnick in jeder Agitationsschrift im Grunde ent. scheidend ist. Es war nicht leicht, in wenigen Zeilen das Wesen des Antisemitismus und die Ve1>!<lavu11״ der jüdischen Seele im GcUljuden und im Angehörigen der jüdischen Mittelklasse, die kulturelle UiKiclietlnit der Juden, den moralischen Minderwert der Assi, milatioii und die Gottlosigkeit des liberalen Juden", tuins — («!er ähnliche schwierige Fragen im Lithtc der zionistischen Kritik einleuchtend darzustellen. |)cr Verfasser hat die Aufgabe überraschend gut {•olosi Lichtheini will ganze Zionisten gewinnen. |).1r״llJ ist der nationale Charakter des Zionismus mit besoliderer Entschiedenheit immer wieder Itervorgelmben Er weiß auch, daß die nationale Idee zwar die grollten Widerstände gegen den Zionismus licrvorruft, aber daß ihr zugleich eine fast ebenso grolle agitatorische Kraft iunewolmt, wie dem sittlichen Ideengehalt des zionistischen Programms. Gegenüber der Darstellung der nationalen uml sittlichen Grundlagen des Zio. nismus nimmt die Erörterung seines soziaipoliiiMhen Programmiuhattcs einen verhältnismäßig gelingen Raum ein. So ist die Broschüre nicht auf den Ton der Agitationsschriften mul Flugblätter gestimmt, die dem Leser einreden wollen, daß er im Grunde schon Zionist ist. Sie betrachtet den Leser als Gegner und läßt ihn den Abstand seiner Anschauungen von der Höhe zionistischer Ideale tief empfinden. Sie beschämt ihn, um ihn wieder aufzuriittdii. Sie verzichtet darauf, all und jeden für den Zionismus zu gewinnen. Sie wendet sich an diejenigen, ״die die Schmach der gegenwärtigen Situation empfinden." Aber ein anderer Teil der Leser intiß sich sagen lassen: ״Pas halbassi. milierte jüdische Ignorantentum Westeuropas, das weder vom Judentum noch von jüdischer Gegenwart*. Politik etwas verstellt und nur die Bekämpfung des Zionismus als Sport betreibt, hat durch seine Haltung jedes Recht der Meinungsäußerung verwirkt.“ Im letzten Abschnitt werden dem Leser, der den Zi״ni$• iiiiis bisher als geistige Macht kennen gelernt lut. die politischen Ziele und die Arbeitsmethoden der zio. nisiischen Bewegungen erklärt: unter entschiedener Ablehnung der Judenstaatsidee (Jmlcnstaat ist ein Grenzhcgriff!), aber auch hier unter klarer Betonung der nationalen und politischen Ideen der zionistischen Kolonisation. Die deutsche zionistische Partei verfügt jetzt aber eine ausgezeichnete, zusammeiifasseude Propaganda• schrift, der sie — wie noch erwähnt werden muß auch eine würdige mul geschmackvolle äußere Ansstattung mit auf den Weg gegeben hat. Es wäre zu wünschen, daß die zionistische Vereinigung für Deutschland in naher Zukunft propagandistische Spezialschriftcii erscheinen ließe, die einzelne, besonders wichtige Teile des jüdischen Problems ausfülirln her behandeltet(, Pen deutschen Zionisten sei die Broschüre licht• heim״« auch zu eigener Lektüre sehr empfohlen. Die kraftvolle lieratisarbeilung der nationalen und •ütt• liehen Ideen des Zionismus hebt sie über die Hedeutung einer Agitationsschrift heraus und stempelt sie zu einer echten zionistischen Programm• und Kampfschrift. Felix Roscnbliuli. □□□□□□□□□□ca Allo Kongreßteilnehmer sollten sich mit einem Zionistischen Merkblatt versc hen □ □□□□□□□□□£; amerikanischer Pugilistcn mit wunderschön klingenden Yankeeuamen deutsches Blut in ihren Adern haben, ist wold nicht Geheimnis geblieben. Paß aber die jüdische Rasse gute Faustkämpfer gestellt hat, dürfte doch für viele etwas Neues sein. Und hier muß ich erwidmen, daß ein hoher Prozentsatz, aller Varietekraft• kiiustler Juden ist, vielleicht •Hl bis 50 Prozent. Paß Juden hervorragende Pralitseilkiinsller und Jongleure stellen: daß viele Zirkusiiiitcrnehmer, Dompteure, Dresseure jüdischer Herkunft sind; und auch im Ringkämpfe finden wir hervorragende Vertreter. Ich war erstaunt, in Amerika fast keinem Boxkampf beiwohnen zu können, ohne jüdische Pugilistcn zu treffen. Be• rühmt geworden ist in Amerika das Boxpiatcb Ahe Atell mit Frankic Bums im Winter 1011. Abraham (Abc) Atell hatte einen Monat vorher in einem bösen Match sein linkes Schlüsselbein gebrochen; einen Monat später sahen wir ihn in New York gegen Bums mit kaum verheiltem Knochen antreten. In der sechsten Runde brach das Schlüsselbein wieder;' sein linker Arm, der Hauptstoßarm im Boxen, hing schlaff herunter. Er gab nicht auf, obgleich Burns ihn, den Wehrlosen, furchtbar punchtc, und Atell siegte noch durch zwei furchtbare Rechtshänder im neunten und zehnten Gang, Die New Yorker waren ob so'.heu Heroismus außer sich vor Bewunderung; die Zeitungen brachten spaltenlangc Artikel. Joe Chomsky hatte eine Weltmeisterkiasse und Jeff ries sagte von ihm, daß er nie in seinem Leben härtere Stöße bekommen als in seinem Match mit Chomsky. Kid Hermann (ein Chicagoer jüdischer Boxer) focht ein iineiilschicdencs Match, obgleich er im «, Gang seinen Unterkiefer gebrochen hatte. Kid!: man (ein üostoncr jüdischer Boxer) war eim■ besten LeiehtgewiclUshoxcr der Welt. Joe Ber war der einzige Boxer, der den ״furchtbaren“ I . Mc Govcrn in seinem Siegeszuge aulhallen k! Harry Harrys (Chicago) war!in seiner Zci ״Wunder"; eine Klasse für sieh in seiner Gew klasse," len .011• d er ■ lein •(זזile : cm htx* Das Ad lernest Dr. Adler, der kürzlich verstorbene Großral uter von England, war, che er nach London berufen v id.s in dem kleinen d c ti t s c 11 e 11 L a n d s t ä d 11 •1 e 1' A. tätig, und man sali ihn dort, wo er sehr 1! ׳ieht beliebt war, mit lebhaftem Bedauern scheiden. Zu seiner Ehrung veranstaltete die Gemeinde ein gi.'ß« A b s c h i c d s b a 11 k e 11, wo es, sclbstverstäiuiß׳ ׳: an geistreichen, den verehrten Geistlichen feiernden Reden nicht fehlte. Einer der Redner hob hervor, daß, so schmerzlich auch der Verlust für die kleine Gemeinde sei, inan sieh doch gereclitcrweisc sagen müsse, daß einem solchen Adler ein größeres Nest gebühre. Hierauf soll der wegen seiner Berufung nach London überaus frohgemute Rabbiner zur großen Vcrblüiiu.ig aller Anwesenden schlagfertig erwidert haben, dies sei eigentlich nicht der Grund seines Scheidens, denn ein größeres Nest als A. gebe es anf ganzen Welt nicht. U der 'i'!.«

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