Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUED1SCWE RUNDSCHAU bcilc 343 Nr. 30 Je ז**>_ w; "r* %. *,י licfii^kcit, aber mit u a c r s c 11 ü tt c r l i c 11 e r e r jj j 1• in Ui esc in Sinne tätig sein, H|cr Erfolg illrc״ Bestrebungen wird einen Port• l|1ritt f»r die Entwicklung der zionistischen Hcwe• 11,1״ deren Organisation, bedeuten." י In ,1(111 liier erwähnten Artikel der ״Welt", ■s jes'-i n Verfasser Dr. Jakob Klatzkin zeichnet, cillt c» u. 1‘.: 1(\\!. ruhten uns zu einer Kongrellfeier, zu einem u[)ilü1n׳: •kongrell, und dieser Jubiläumsfeier geht die t.Ki1> *.!.(ditioncll gewordene Gedenkfeier voran, die f1,ne1 1:1:1 den Tod des Schöpfers unseres Kongresses lic k! ,c Linie, die zwischen diesen zwei Arten Gedenktage liegt, bezeichnet den Weg von ״er zuin Trost. Stimmt uns die üedenkiiuiütig, s» sollen wir angesichts der Konrillfii•: Mut schöpfen, besagt di* eine: Uvzl ist ,dit!;ihr, so soll uns die andere sagen: Doch 11! n in unserer Mitte fort. Es lebt der Kongreil, ״ne (iiiehmstc Schöpfung, es lebt die Idee, 1r da er gestorben. . . . \\ •.!ui wir in.iiicliiual vom Kleinmut befallen wer• cn, wenn Verzagen sieh Eingang in unsere Keilten dseh.ott mul wir, uns diesen Stimmungen hingehend, dsiuid werden auf unser stolz und freimütig;•ns• opn,׳:neues Programm nach gewissen Richtungen m Vu/ieht zu leisten, so sollten wir um• des toten '1,110!י erinnern, dei dem zionistischen Ideal Schwung!ml ll 'lie gab und sic!; nicht vor. augenblicklichen;:miiiuaigen und vorübergehenden Situationen hat bc• rau lassen. Wenn wir aul unserii Wegen manchen iilmicrigkcitcn begegnen, die den Kur/.sichligen als milui windbar erscheinen, und sofort bereit sind, uns ducken mul unsere Ansprüche ängstlich auf ein hiiiimnii zu reduzieren, das fast der Aufhebung des MUsiischcn Ideals gleichkouuut und den Unterschied uiMia'ii der (irollziigigkeit unseres Prograumis mul cm «iir vielen jiliilnulhropisclien Institutionen aulhebl, 11 miIIu-ii wir des grollen Führers eingedenk sein, der klUi ui den Anfängen der /ioni.slischen Arbeit, als!»11׳ in teil schwach war und vielen I liiideruisseii ent• egciiHcncii imilltc, die Würde und Strenge unserer P«.siul.de in tiefer Ucberzeugung und zielbewullteiii Trotz aufrecht erhalten hatte. . . . Leider müssen wir noch oft die Erfahrung machen, d,1li der ller/.lsche (ieist, der zionistische Mut umi die ziuiiistisehe Strenge, nur einen Teil unserer de• Isiimnng'geiiosseii beseelt. Noch gibt es eine gewisse Schar vmi Zionisten, die sich brüsten, den Zionismus tiefer als sein Schöpfer erfüllt zu haben. Sie werfen ihm kar/Mchtige Diplomatie und Mangel an Instori• mIichi Sinn vor — ihm, der den tiefen Satz prägte: |״Der Zionismus׳ ist die Rückkehr zum Judentum vor |der Rückkehr ins Judeiiiand." dar manche unter uns sind in den letzten Jahren politisch klug geworden und glauben die politische Einsicht Hcr/Is dadurch i״ Mißkredit zu bringen, dal! sie auf die Neugestaltung der Verhältnisse in der Türkei hiuweisen. Meistens siml es Zionisten, die eine volle Anpassung unserer Arhe-it an die augenblicklichen, im Wandel begriffenen Verhältnisse fordern und es doch nicht zu begreifen vermögen, dall die von l lerzl angewandten Methoden seinerzeit nicht nur berechtigt, sondern notwendig ' vii, um die dargcbolencn Möglichkeiten, den zeit• liehest Bedingungen Rechnung tragend, nicht uitver• swi t /״ lassen, ohne jedoch, wie es heute leider ge• Und er wagt es kaum zu reden. Doch sein Antlitz spricht für ihn. Und erzählt die tiefen Leiden, Seines Schicksals, seiner Müh’n. Drin den Herren ist's nichts Neues, Diese ״Schnorrer" kennen sie, Und sie lachen mit den Damen Und •/.usatumen flüstern sie. Der Beratungen Ergebnis, . Wie dem Mann zu helfen sei, Ist ganz kurz: Hier, eine Karte, Kostet ganzer Franken zwei. Ein livreegeschniückter Diener Führt den Acrmstcn hin zur Bahn, Denn verkaufen kann die Karte Noch — der bleiche, arme Mann.‘ In der Bahn sitzt er ganz stille, Uebers Antlitz kummerbleicb, Rinnen glühend hei Oe Tränen. Ach! An Tränen ist er reich. '8 fährt der Zug schon, Und die Reise Führt den Armen weiter fort. Achl Du armer milder Wandrer, Wann find'st endlich deinen Ort? ' sehieht, den historisch ewigen Charakter unseres nabonalcii Wollens zu schmälern. In den letzten Jahren haben wir zu unserer Ile• sehämiing erfahren müssen, wie sehr noch vielen Zionisten der echte Sinn für unsere Hoffnungen ab• gehl. Jedes Hindernis, dem wir auf uiiserm Wege begegnen, maelil sie stulzig und versetzt sie in eine A e 11 g s 11 i c h k e i I, die ihre G e s i 11 u u 11 g s t ä r k e bezweifeln lallt und jedenfalls der historischen Würde unsrer nationalen Sache nicht entspricht. Diese (huch vorübergehende Störungen hervorgernfvite Aengsllielikeit wird sogar von manchen unter uns zum Prinzip mul zu einer zionistischen Methode er• hohen. Mau verlangt mitunter nicht mehr ttml nicht weniger, als die Rückkehr zum Chowewe־Zionism11s, die im (inimle genommen das Preisgehen der zionistisclien Eigenart zu bedeuten hätte. Audi in bezug auf unsre kulturelle Renaissance muH gesagt werden, das llerzl bei weitem noch nicht gebührend erkannt und gewürdigt wird. Es muH sogar befremden, dall die Fürsprecher dieser Rena;:-*a11ec sich ir. Gegensatz zu den v:*n ller/l verkündeten;lalional-politisehen Ideen stellen zu müssen glaul)’:•), - als ob nicht HerzI in seiner ganzen Pe:sönlichkeU die körperliche und geistige Rcgcnc• atiou des Judentums, die Erlösung , der ״dolus• psyche" vertreten hätte . . . So ist es sehr zu beklagen, dall sie, in ihrem Eifer für unnötig komplizierte t.;:׳l deplazierte Theorien, einen llerzl, der dem Ooitisgciste zu ,seitiicnt mul zu klar und zu wenig Theoretiker ist, als einen kurzsielitigten Diplomaten, dessen Rolle in unserer natio• nalen Bewegung schon ausgcspielt ist, oft abtun und ihm einen s o g e 11 a 11 n t e 11 ״K u 1111 r /. i o 11 i s m u s" entgegensetzen zu sollen meinen, der wohl mehr Kaum für Pltrasendreehsler ttml Wortpriiger gewährt, jedoch keinen neuen Inhalt zu bedeuten hat. . Es ist daher Eitelkeit und Selhstdüukel, wenn manche Ostziouisleit den Unterschied zwischen dem sögenannten Ost• und Westz.ionismus zugunsten des erstem konstruieren; wenn mau den westlichen Zionismus als seicht und aussichtslos verleumdet. Es ist nicht von ungefähr, dall ller/l, der Prototyp des gesunden gohislu'freiteu nationalen Juden, uns int Westen ent• standen war. Es ist daher recht naiv, wenn manche unserer Wesller sieh einreden lassen, sie seien nicht viel wert und für die Zukunft unserer Idee nicht von Bedeutung. Wer aber die nationale Arbeit im besagten Osten gründlich kennt und sielt vom Lokal• Patriotismus befreit weil!, wer ein richtiges Verstand• nis für den Rcgenerationsgedaiiken besitzt, muH es schmerzlich bedauern, dall der Geist Herzls selbst int Osten noch nicht genügend wirksam ist und die von ihm erstrebte Gesundung der Golusseele noch viel zu wünschen übrig lällt . . . In der ״H a t i k w a It", dem Organ der Belgischen Zionistischen Föderation, schreibt Jean F i s c he r : ״llerzl hat seine grandiose Arbeit auf dem VI. Kougrcfl beendet. Her/.l wollte rasch, bald zum Ziele kommen. Es hat sich gezeigt, dall ein geschieht! lieber Prozell, seihst durch das stärkste Genie nicht beschleunigt werden kann, wenn die Verhältnisse es nicht gestatten. Mau hört oft sagen: ״Wenn unser llerzl noch lebte, dann wären wir viel weiter gekom• meii.“ Der Verlust Herzls ist gewill ein imermelllicher Schaden für unsere Bewegung, HerzI hatte überdies, Archiv*) 111 der literarischen Beilage des Berliner Tage• blattis, der ״Zcitgcis t" vom 21. Juli veröffentlichte Lu F r i t s c h eine Arbeit, ״H e i n r i c It H c i n c u 11 «I s c i 11 V o I k", die uns das Problem mit seltener Schärfe mul schönem Temperament zu behandeln scheint. Im Juliheit der ״N e tt c tt R u n d s ch a u" be• spricht Franz. Oppenheimer Sombarts Werk über das Judentum, attllcrdem enthält das Heft ein feines Essay ״Lord B y r o tt und L a s s a I e" von Emil Ludwig, das Wesen Und Schicksal des jüdischen Emporkömmlings dem des adligen Schöngeistes gegen• überstellt. Im ״Marz" vom 18. Juli befallt sich Dr. Adolf Grabowsky unter der Uebcrschrift ״J ii d i s c It e Z tt k u 11 f t" mit dem neuen F r o m e rs c h e 11 Buche. Die Stelle seiner Ausführungen, an der er von dem warmen Loh, das er der zionistischen i d e e spendet, zur Verurteilung zionistischer Tate n überspringt, wird manchem einen interessanten Einblick gewähren in die schwache Argumentation unserer wohlmeinenden Gegner. Aber auch durch diese Arbeit klingt Jakob W u II e r in a 11 n s Mahnung an die Juden hindurch, die europäische Vergangenheit zu ver• gessen und sich der asiatischen zu erinnern, Im vor• angehenden Heft der gleichen Wochenschrift bringt *) Die Mitarbeit unserer Freunde an dieser neuen Rubrik ist uns sehr erwünscht. ohne jeden Zweifel etwas Groll/iigiges uiiteriiom• men — er hätte die geschichtlichen Ereignisse der letzten Jahre nicht Vorbeigehen lassen, ohne ernste Schritte z.u tun. — Und doch beweist nichts, dall wir heute erheblich weiter gewesen wäre. jedenfalls ller/l ist nicht mehr, llclrachumgen über das,, was möglicherweise gewesen wäre, hringeil uns nicht weiter. Die Zukunft unseres Volkes, konnte und kamt unmöglich von der Existenz eines und wäre es auch des grollten Menschen ahliangeit. Iterzl hat das Wort ausgesprochen, das in den lleizeit von l lunderttatisendeii schlummerte. Der Zionismus entsprang der jüdischen Volksseele umi ist in uns bcgiuiidct. Au uiis ist es, Mittel und Wege zu suchen, 11 m zum Ziele zu kommen. Das Ugandaprojekt, ein unbestreitbar grober poli• tischcr Erfolg bildet den Abschlul! der l ler/lseheii Tätigkeit. Das hochherzige Anerbieten der britischen Regieimig bleibt in der Geschichte des;.ubseiien Volkes mit goldenen Lettern euige'ragen. Leider war das Land nicht Palästina. Wir konnten das Projekt nicht auiichmcu. v Auf dem VII. KongrcU ist mit der Her/Iseheu Methode gebrochen worden. Wir Itabeu nicht blob das Ugaudaprojekt abgelehnt und unser unerschülter• IiC1.es Festhalten an Palästina ktmugegeoen. Wir habet; die C 11 a r t e r I d e e und den Weg der b t o II e .: d i p I o in a t i s e 11 e n V e r It a 11 d I u u g e 1• a tt I g e g e b v 11 u n d d e!1 hart e n B o U n;> der reale n I als., eben betrete::. Geschenke haben wir niemals erwarte( und doch wuöten wir erst jetzt, nachdem so viele Versuche gemacht wurden bei den Machthabern, das Interesse fnr unsere gerechte Sache waehzurulen, dall wir atu Niemand zu reelmen hatten, als auf uns selbst, — Nicht einmal auf die grollen Juden, die unsere Sache lordera koimlcu und zuloige ihrer Stellung im Judentum uaturgemalt zu tms gehörten, konnten wir recnueit. E i n Volk befreit sieh nur selbst. Ls gilt ,ein hattes Ringen; wir müssen schrittweise Vorgehen. Wir siml dazu entschlossen, (Von den Ungeduldigen, die damals den Mut verloren und uns verheilen; sprechen wir heute nicht mehr.) Der VIII. Kongrell stand ganz im Zeichen des Kampfes, der sich aus den Zuständen ergehen iimllte. Praktische Arbeit, oder Politischer Zionismus. L),c politischen I lilisunllcl wurden noch mehr vernach* lässig!, die Palastiuaarbeit in den Vordergrund gestellt. Am IX. Kongrell traten diese I )ifferenzen nicht mehr scharf hervor. Alle hatten erkannt, dall die politischen mul praktischen Arbeiten sich ergänzen imilltc. Diese doppelte Arbeit ist aber nur zu leisten, wenn wir stark genug sind. Der IX. Kongrell hat uns denn auch gezeigt, dall die Grundlagen unserer Organisation gelesligt werden imültcn. Der parlameutarisehe Kampf wurde mit tiefem Ernst geführt, e i n e g e s c h u 11 e I > i s z i p I in t c i 11 e d c 11 Kon• g r c b in /. w ei geschlossene Lager, aber es f e 1111 nach den hei Heu De hatte 11 der ü c i s t, d c r a 11 c w i c d c r c i n i g t. Der Kampf hatte sielt zu sehr zugespitzt, man kämpfte um die Leitung, um Personen. Mibmulig gingen die ״Besiegten'• (?) aus dem Kongrell und mibumtig gingen sie nachher an die Arbeit. Matt sucht,nach den tiefen Gründen dieses Mill• niutes. Ein Süudcubock ist schneit gefunden. Es sind dieselben Personen, um die mau kümpflc. Die Berthold Viertel einige recht bittere Bemerkungen über den ״Irrtum von Drohobycz," Im Juliheit der ״Türmer“ widmet Dr. Carl Storck, dem verstorbenen Gustav Mahler ehrendes Gedenken. Der Würdigung dieses Taufjiidea glaubt er die folgenden, für das deutsche Judentum tiefbeseliaineiulcu Worte voranselzen zu sollen: ״Es wird ja wohl auch in Deutschland einmal die Zeit kommen, dall ״um, atme Gefahr zu laufen, hüben und drüben inibverstanden zu weiden und seine Aus• führungeii \\־r/.crrt zu sehen, die Probleme der Rassenfrage auf die einzelne Person aiiwenden darf. Heute ist es ja im allgemeinen noch so, dall, zumal wenn es sich um den Juden handelt, der Jude selber ja gclegent• lieh zur Glorifizierung eines Sfammesaiigehörigen dessen Judentum hervorhebeu darf, dal! aber, wo es von der anderen Seile geschieht, um irgendwelche Unterschiedlichkeit des Empfindens und Wirkens zu begründen, sofort ein Zetergeschrei über Antisemitis• itttis sielt erhebt. Da aber auch die Ausdeutungen solcher Ausführungen durch den grundsätzlichen Anti• semitismus nicht minder unangenehm und unlauter sind,• so hat immer mehr eine Selten Platz gegriffen, diesen Faktor zu erwähnen und in Rechnung zu stellen; so entsteht vielfach geradezu Spiegelfechterei und ein um die Dinge Herumreden.‘׳ Anlüblich des Kongresses erschien am 20. Juli die Zeitschrift ״P a 1 ii s t i 11 a" mit einer Reihe a k t ue11er Artikel von bedeu t s a in cn Auto• r c n. Die Nummer enthält Aufsätze von Dr. B o den• Itci mer mul Prof. Warburg, die über die Auf•