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Jüdische Rundschau · 1911-07-28 · Heft 30 (28.7.1911) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sone 342 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30 Zionisten Redefreiheit in ihrem Organ zu erteilen - daß wir also ebensowenig grobe prinzipielle Einwendungen gegen den Artikel Weizmanns zu machen haben, wie wir ubs auch' nicht durch• aus mit ihm identifizieren wollen, haben wir einerseits durch die uneingeschränkte Aufnahme des Artikels wie andererseits dadurch dargetan, dal) wir dein Artikel den vollen Namen seines Verfassers voranslellten. •Von unserem (je• siniumgsgenossen Weizmann aber weilt jeder, der nicht ganz jung in der Bewegung ist, dal) er stets seine, und nur ganz seine eigenen An• sichten verlieht, die er auch nicht um ein Jota etwa, um sie vielleicht mit den unseren in lieber* cinstimmung zu bringen, modifizieren würde. Aus unserer früheren und ganzen bisherigen Stellungnahme sollte also jeder Leser der ״J. R“ wissen, worin wir mit Weizmann übereinstimmen, und worin nicht. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, über die ja gelegentlich des Kongresses noch genug ge• sprachen werden wird, möchten wir daher nur sagen, dal) wir doch wahrlich niemals, auch zu Lebzeiten llcrzls nicht, ebensowenig־ wie Weizmaun ein Hehl daraus gemacht haben, dal) wir das Ugandaprojekt mul alle ähnlichen Dinge für n i c h t im Rahmen einer j ü d i s c 11 ■ u a t i <1 - na len Politik liegend hielten und halten. Und alle seitherigen Kongresse und sonstigen Konferen/en haben diesen Standpunkt immer mehr anerkannt, gebilligt und hekrältigt. Wir können also weder Weizmann nach uns selbst irgend• welche Vorwürfe machen lassen, wenn das heute gelegentlich wiederholt wird. Aber das sind ja überhaupt alte, ganz alte Dinge. Wir müssen uns aber wie bisher auch weiter• hin das Recht wahren, der Meinung zu sein und ihr, wie das am IX. Kungrell von den ver• schiedensten Seiten geschehen ist, auch Ausdruck zu geben, dal) die Kritik der gegenwärtigen Situation des Zionismus bei der Tätig• keit der Leitung einzusetzen hat. Auch das sagen wir nicht erst jetzt, sondern sagten cs schon vor dem IX. Kongrel). Wenn unsere Meinung sich seither nicht ändern konnte, liegt die Schuld nicht bei uns. Ebenso haben wir für gewisse Gepflogen• beiten der P a r l a m e n t e monarchischer Staaten bei uns niemals die Analogie als berechtigt an• erkannt, dal) nämlich die Person des Pührers nicht direkt in die Kritik hineingezogen werden dürfe. Dafür fehlen bei uns alle anderen Voraussetzungen. Hallen wir z. 1). einen auf Lebenszeit gewählten ״Führer“ und daneben ein verantwortliches Ministerium, so liebe sich darüber reden — bei uns aber ist der Führer selbst der verantwortliche Ministerpräsident, und wir haben für uns und andere stets das Recht freiester Kritik gegenüber allen Funktionären der Be• wegung in Anspruch genommen, halten dieses Recht auch für die wesentlichste Grundlage ״Verlorene Welten“ von Salomon Dembitzcr. unserer Organisation, die anders verknöchern nüible. Sentimentale Einplindsamkeit in der Politik wird doch auch sonst gerade von denen, die in diesem Punkte unsere Gegner sind, am wenigsten anerkannt. In ״Angriffen“ allein, wenn sie sich nur in ziemlicher Form halten, vermögen wir eine Gefahr für die Bewegung niemals zu er• blicken, auch nicht wenn sie sich gegen den Präsidenten des Aktionskomitees richten. Denn sonst bürgert sich allzu leicht auch bei einzelnen Gruppen die Anschauung ein: ״Unser König absolut, wenn er uns den Willen tut lM Beispiele dafür gab cs und gibt es auch in der zionistischen Bewegung. ־-•■ Nicht einverstanden sind wir mit Wciz* inaiins Vorschlag der Schaffung eines mehr oder weniger selbständigen politischen Komitees, das übrigens zufällig auch von solchen Zionisten gefordert wird, die sonst mit Weizmann durchaus nicht eines Sinnes sind. (Vergl. z. B. die unten zitierten Aeulleruugen Jean Fischers in der ״Hatikwah“.) Ein solches politisches Komitee könnte höchstens als Beirat der Leitung in Frage kommcii, verliert aber dann natürlich ganz seine selbständige Bedeutung. Die Leitung selbst mul) unbedingt und durchaus soweit als irgend möglich konzentriert sein. Mit jedem Versuch einer Dezentralisation der Leitung würden wir gerade bei der Eigenart unserer Bewegung die allertibelstcn Erfahrungen machen. Durchaus einig «her sind wir mit Wcizmum in seinem Appell an den Kongrel), er möge sich an die Berliner Beschlüsse d e r J a h r e skonfereuz halten, die die einzige Möglichkeit darslellen, endlich zmn Frieden zu gelangen. Wer es auf geraden oder krummen Wegen ver* suchen sollte, die Durchführung dieser Beschlüsse zu hintertreiben, der wird die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn etwa auch der X. Kongreil die Frage der Organisation nicht definitiv zu lösen imstande sein wird. Denn das würde dann die Krise, die alle Zionisten so herzlich gern überwinden möchten, und die unsere Feinde bereits als den Anfang vom Ende de!. Zionismus ausriefen, zu 'einer dauernden machen. - Es bleibt uns nur zu hoffen, dal) nicht etwa andere Streitfragen untergeordneter Natur die Lage derartig verwirren möchten, dal) eine klare Scheidung und Entscheidung in der wichtigsten aller Fragen, der unserer Organisation unmög• lieh wird. Denn hier handelt es sich nicht um Paragraphenklügelei, sondern um die Lebensfrage der Bewegung. Das soll aber auch von allen bedacht werden, wenn über Paragraphen gesprochen wird! ...... " ■ .—mmmmmmm* Obend Sülle Klangen kummen on Vun weit . . , Im Verlage von Dr. F. Lcd ermann, Berlin W. 50, hat Dembitzcr seinen in weiteren Kreisen bekanntgewordenen ״L c bc n s k I a n g c n“ ein Bändchen ״Hausiererlicder“*) folgen lassen, das zweifellos die wohlwollende Beurteilung, welche dem Erstlingsbaudu in der jüdischen und allgemeinen Presse gezollt wurde, bestätigen wird. Der Versuch, die Jargondicluung einem weiteren nichtjiidischen Kreise durch Wiedergabe in lateinischen Leitern zu• gängtich zu machen, mag Widerspruch finden. Mau darf einwenden, dal) das Schicksal anderer Idiome auf einen bestimmten Kreis, der mit ihnen Vertrauten beschränkt zu bleiben auch dem jüdischen angemessen wäre. Eine weitere Verbreitung sollte der Kunst der Ucbersetzcr Vorbehalten bleiben. Durch die meisten der Dichtungen zieht eine traurige, tief pessimistische Note, die dem Büchlein in erster Linie Qlcichgcstimintc zu Freunden machen wird. Aber ein Zweifel an der Echtheit der Stimmungen, denen jedes falsche Pathos fernblcibt, kann nicht aufkommen. Am charakteristischsten für Dcmbitzcrs Art zu sehen sind seine rein lyrischen Schöpfungen, von denen wir eine Probe wiedergeben׳ b Still liegt itzt dos Feld und tracht, 's hot die Sunn zuletzt gelacht, Ruhen geht sie über KasUV, Emir, flieht, Emiz flieht dort oiben weit, ,s is a Vaigel, — 's eilt die Zeit, Jeder sucht sein Zelt. Dunkel werd der Himmel, still. In a heimlcch süß Gefühl Liegt eingehüllt dos Feld. ’s singt noch wer, men heert es kaum, ’s is Geheimnis, ,s is der Traum׳ Vnn der Welt. '8 steht a groißer Boim verneigt, Kuckt auf allem, un er schweigt . . , Emiz hot Asoi lieblech still gered't, Asa weich un süß Gebet Zu Gott ... *) Preis ü,85 M. Als Gegenstück setzen wir noch eine hoch• deutsche Uebertragung eines unserer Freunde hier• Zionistische Preßstiinmen I >ie Wiener ״J ü d i s 1• )1 e Zeit ti ״ g•* schreib! im Leitartikel ihrer letzten Nummer: ״Es s«HI ein Jtibil.iiimskougreß sein und wir wollen deshalb die Fcstcsstiiiumiug nicht gerne vcrilcrbeii. Ist doch in den letzten zwei Jahren wieder so ui.indi״ Schritt vorwärts getan woidcn und somit gewiß An• laß sieli der zionistischen Arbeit zu freuen . Aber wir können unseres Fortschrittes nicht recht froh werden, solange jene I rage, welche fnr die Orga• iiisalion als solche die wichtigste ist, nämlich jene der Leit 11 n g , eine Frage, welche nun sclum seil tlvr/h Tod immer nur mit Provisorien behandelt wurde, nicht der endgültigen Lösung zugeliihrt ist. Die Wiener Zionisten sind seit Jahren inr da׳ Reform der Leitung im Sinne einer Vergrößerung der• selben unter Heranziehung der Veitreier unserer ״st• liehen Massen und einer Verlegung der Leitung in ein g r ö I) e r e s j ii d i s 111 ׳ e s Z e 111 r u in unentwegt ein• getreten. Der Wcstosterrcichische Parteitag zu Wien vom Frühjahr Iß 10 hat diese Forderungen in fear, lieben Resolutionen festge'.egt mul alle Parteigenossen in Oesterreich haben au dem Ergebnis der J all res• k o u f e r e 11 z z n B c r־l i n , welche die Lösung der Frage in diesem Sinne in ■Aussicht iialiin, iidlitli teilgenomnuii. .... Hoffentlich sind es nur redaktionelle Min. griffe, wenn im Kölner Zentralorgan ״Die Welt", welches doch vor allem die I riedeiisstimmung zu wahren und die Berliner Beschlüsse zu verteidigen Witte, Norilati wieder einmal als streitbarer Wnrtüihicr des ״reinen Zionismus" auüaueht, wenn ferner im etzteii Leitartikel ״Z 11 ruck zu H e rzI!•• down lehre Psyche gegen die in der Goltispsvclic sleekeiigebliehe.’.en Ostzimiisten ausgc«piell mul wenn schließlich durch Abdruck eines Artikels aus dein ״Rasswjet“ versucht wird, die Frage der Leitung zu bagatellisieren. .... Falsch und irreführend ist der begütigende Rat, wir mögen den Offiziellen nach wie vor alle Würden der Partei überlassen, da ja auch bisher die zionistische Arbeit und sohin i'ic Entwicklung unserer Idee mul Partei zum Großteil der Opposition über• lassen blieb. . , . Wohl ist es richtig, daß wir sclum im Haag gegen die Offiziellen und gegen die Regierimg dem Prinzip der Palästina-Arbeit zum Sieg ver• hülfen, daß wir auch den N'ationajfoud auf diesen Weg gebracht mul bezüglich der Taktik in Koiistantinopvi trotz des Widerstandes der Leitung durchgeset/t haben, die öffentliche Meinung der Türkei sei durch eine zionistische Presse aufzuklären. Wir wissen, daß die Agitationsliteratur der letzten Jahre fast nur von den Oppositionellen herstammt. , . . Aber um wie vieles mehr könnten diese Kralle der Opposition für ihr Programm und ihre Ideen leisten, wenn sie sich nicht alle am Wuleistamk׳ der Leitung müde zu rennen brauchten! Die Mitarbeit von Vertretern der Opposition ans dem Osten an der Leitung ist in Köln nicht möglich. Wir hoffen, daß etwa Berlin sich als geeignetes jüdisches Zentrum für den Sitz der zionistischen Welt• Organisation erweist, und werden uns dessen neidlos freuen. . . . Am zehnten Kongresse gilt es, das Mögliche zu erreichen und auf Grund der Berliner Be• Schlüsse im Sinne der genannten drei Postulnte die Leitung so gut, als es geht, zu reformieren. Die Delegierten aus Westösterrcicli werden gewiß ohne |1er, die erkennen läßt, daß die Gedichte — ohne von ihrer Eigenart einzubiißcu der ursprünglichen jüdisch-deutschen Sprache hätten cnlratcn können. Eine vollständige Uebertragung hätte das Werkelten wohl verdient. Vielleicht findet diese dankbare Aufgabe noch ihren Meister. Im Hilfsverein Aus dem Jiddischen übertragen von.r. Reiche Herren, junge Damen, Wir sind jetzt im Hilfsverein. Langsam, langsam sieht mau treten Zitternd einen Manu herein. Tiefer beugt er seinen Rücken, Zeit und Not bat ihn gebückt, Das Gefühl in ihm ertötet, Und den Stolz in ihm erstickt. Er begegnet ihren Blicken — Acht sic sind ihm so bekannt — Denn er fährt schon 1,י1£וו als Fremder Hin und her von Land zu Land. Und er hat auch schon erbeten Arbeit, einen ruhigen Ort: Doch der hilfsbereite Vorstand Hat genug von dieser ״Sort". 4 1:1 1

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