Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ch. 9W»U •S|1ffchal11n<lrn Df*n«t«sf und Doonefitag 51) ־ Uhr oaHimiÜaga. ׳V חח ü J c c DO. p ( h k ך- J ך־»•׳ J c -■/ ר¬¬ / ד p. ¬ל U ב¬׳/ ח ü C j c7־ l ב 1 1 s I L. /"ח ר er-כ (ju ü ח r n /o M j \ f f n Lj u ׳«^ ־ייJ Nummer 30 Berlin, den 28. Juli 1911 — 3. Ab 5671 XVI. Jahrgang ״Der Zionismus erstrebt für das jUdlschc Volk die Schaffung׳ einer Sffent• lieb-rechtlich gesicherten Heimstätte in I'alüstina.“ Baseler Programm• Ausweis Schekel: Ostrowo i. I*. 4 Mk., l-'raiikfurt;1. M. |3 Mi... Leipzig 10 Mk., Eydtkulmen 2 Mk., liciiin 12 Mark. ן l.nmlesbcitrüge: Ostrowo i. I*. 3 Mk. 1 Organisationst'onds: Alfred Lew, Eviltkulmen, 14 Mark. j Eingang vom 21.—26. Julis Schekel: 21׳ Mk., jLnmlcsbeiträge: 3 Mk.׳ Orgauisationsfomls: •I Mk. 1 tiesamteingmigs Schekel: 7773, 55 Mk., I.amles• jbi'iträgc: 5(100,05 Mk., Orgauisationsfomls: 8017,25 M. I Adresse für Geldsendungen s Zionistisches Zentralbureau, Charlottcnburg 2, Blcibtrcufjlralle 49. | Postscheckkonto 8091, Bankkonto 1 A. H. Hey■ imann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. Der X. Kongress Zwei Antworten an Prof. Wcizmann Auf den in voriger Nummer erschienenen Artikel von Prof. Dr. Wc i 2. m a n n Manchester sind uns mehrere Anfragen und zwei Ein• Sendungen zugekommen. Die beiden letzteren geben wir im folgenden wörtlich wieder, auf die Anfragen sei uns vorerst eine kurze Be• nierkung gestattet. Rein formell ist cs natürlich ganz selbstverständlich, daß ein von seinem Autor m i t voll e m N a m c n gezeichneter Artikel, wie der von Professor Woizmann, die Anschauungen des Verfassers und nicht die der Redaktion oder gar der Herausgeberin (etwa der Zionistischen Vereinigung für Deutschland) zum Ausdruck bringt, ganz gleich, an welcher Stelle des Blattes er nun Abdruck gelangt. Sachlich ist es ebenso selbstverständlich, daß die Redaktion einem Artikel, den der Autor mit seinem eigenen, noch dazu im Leserkreise wohlbekannten Namen deckt, ohne Bedenken Aufnahme gewährt, wenn der Verfasser etwas Wesentliches zu sagen hat und vs in nach Meinung der Redaktion angemessener l״rm vorbringt. Es ist schließlich nach unserer ׳Meinung auch ganz selbstverständlich, daß die Redaktion eines zionistischen Blattes einem Manne wie Prof. Wcizmann — der zudem in Jahren kaum je einmal den Raum einer ziouisti- *dien Zeitung in Anspruch nimmt — die aller- Weitgehendste Freiheit gibt, seine Ausführungen Möglichst gut plaziert tind sich besonderer Be• Merklingen enthält, wenn nicht etwa ganz prindpielic Gegensätze aufziizeigcn sind. Alle diese rein formellen und mehr sachliehen Dinge als Antwort auf die formalistischen b'agen, ob Prof. Wcizmanns Artikel die Ansichten der Redaktion oder der Z. V. f. D. darstelle. Wir beantworten sic diesmal so atisfiihrich, weil jetzt vor dein Kongreß alle Miß* Verständnisse mit verdoppelter Vorsicht ver* Mieden werden sollten, obschon wir, wie gesagt, 1kr Meinung sind,. damit nichts als Selbst- Verständlichkeiten gesagt zu haben. —־ In sach- '׳eher Hinsicht wollen wir am Ende unsere Anschauung ganz kurz präzisieren. Wir lassen jetzt die beiden Zuschriften von Rechtsanwalt Gronemann-Berlin und Dr. Jeremias- Posen folgen. Vor dem Kongreß Von S a 111 in y C) r 011 e 111 a 1111. Der Exschah. von Persien soll einmal nach über• slamlcnein Hofkonzerl auf die Präge, was ihn am meisten interessier! hatte, gesagt haben: das Stimmen der Instrumente. Mau mull zugeben, wenn mau nicht Sinn für die Harmonie, das Ineinanderklingeu aller Instrumente hat, wer die einzelnen studieren will, kann jenem Urteil beipl'lichteu. Und beinahe glaubt man, wenn man all das Quieken, Schnarren, Kratzen der musikalischen Geschirre hört, gar nicht mehr, daß sie sich in einem Wohlklang vereinigen können. Wenn man nicht zum Kapellmeister Vertrauen hat! Wenn man die einzelnen Stimiuiihungen hört, mit denen in unseren Blättern unsere Kongreßfiihrer das Nahen der Kongreßsvniphouie unkundigen, glaubt mau auch nicht recht au die Harmonie — (wenn mau nicht Vertrauen zum Kapellmeister hat). Letzthin hat Prof. Wcizmann au dieser Stelle sich vernehmen lassen mul die grimmigen, schneidenden Töne, die mau hörte, könnten gar verzweifeln lassen. Nur die Ueherleguug, dali ihm mit diesen Anschauungen an leitender Stelle des offiziellen Organes der deutschen Zionisten freier Raum gelassen wurde — von denen doch nur ganz Wenige mit ihm einverstanden sind gibt den Beweis, daß wenigstens auf dieser so mißtrauisch betrach• teten Seite die Neigung zum Verstehen und Kennen• lernen anderer Anschauungen, zu freundschaftlicher, brüderlicher Beratung vorhanden ist. Einen giolleren Beweis, wie ernst cs uns allen um die einheitliche Weiterarbeit ist, konnte man nicht gehen. Nun hat der gewiß berufene Vertreter der Oppo* sition unserer heutigen Leitung in aller Klarheit sich ausgesprochen. Er hat alles gesagt, was er von seinem Standpunkt aus sagen konnte. Es ist kein Vorwurf im Kocher zurückgeblieben, kein Vorschlag zurück• gehalten. — Ich wenigstens bin überzeugt davon! Weiter kann mau die Offenheit nicht treiben! — Es wird nun auch bei uns böse Zweifler geben und Krittler werden dies und das ausstellen: Warum sagt Weizmann nicht positiv, wie nun etwa die neuen Einnahmequellen geschaffen werden sollen, wie die organische Weiterarbeit gewährleistet werden soll, was das politische Komitee tun soll — welche Kulturarbeit die Leitung unternehmen soll —, und vor allem, inwieweit die neue Leitung anders arbeiten kann und will, als die alte! — Diese Prägen sind unberechtigt. Wenn der Professor Weizmann über diese Dinge nicht mehr sagt, als er gesagt hat, so ist das nur deshalb, weil er nichts weiter zu sagen hat! Und wenn dieser Manu schon sieh auf so allgemeine Sätze bc• schränken muß, fürchte ich, werden wir von anderen in vielleicht viel mehr Worten noch bedeutend weniger Inhalt hören. ״Es muß alles anders werden“ ist ein beliebtes oppositionelles Programm, leidet aber etwas an mangelnder Substantierung. Bleibt der Toni — Verstimmt und verstimmend! Man fragt sich vergebens, was in aller Welt dieser neuerliche Vorstoß gegen den Präsidenten — denn das ist's im wesentlichen — veranlaßt! — Von der Seite derer, die nicht glauben, mancherlei betrübliche Erscheinungen Herrn Wolfssohn oder gar Wolff• solin allein aufs Konto schieben zu müssen, ist Opfer auf Opfer gebracht -- nur um jenen unseligen Zwiespalt zu überbrücken, der seit Jahren klafft. Kein Mensch will die ״Russen“ ausschalten; im Gegenteil werden nur wenige dagegen sein, wenn von der jetzi• gen Opposition die Verantwortung ganz übernommen wird. Wir alle werden in unserer Arbeit nicht nach• lassen, werden, wo unsere Arbeit verlangt wird, zu jeder Zeit und an jeder Stelle sic leisten — wir werden glücklich sein, wenn günstige Konstellationen bessere Resultate liefern. — Aber wir erwarteten doch, daß jener mißtrauische, ironische Ton, mit dem wir im Westen seit langem von unsern Preundon im Osten behandelt werden, aufhört. Wenn man uns lächelnd die juristischen Paragrnphcnklügcleicn überläßt und für alles andere uns Sympathie und Verständnis ab» spricht, wird die Zusammenarbeit nicht eben erleich• tert. Vor allem aber sollte man dort nicht vergessen, daß die weitaus meisten von uns unserem jetzigen Präsidenten nicht nur Dankbarkeit für das Uebcrmaß geleisteter Arbeit mul gebrachter Opfer zullen, son• dem daß wir der Meinung sind, daß er der berufenste Piihrer unserer Bewegung schlechthin ist. Wenn seine Person mehr in den Hintergrund treten sollte, werden wir es bedauern; es wird schwer genug sein, seine Arbeit zu ersetzen, nicht zum mindesten die des kauf in ä 11!1 i s c 11 c n Treuhänders! Wenn aber .die Angriffe gegen seine Person, so wie sic mit dem Artikel des Prof. Weizmann wieder beginnen, nochmals auflebeu sollten, werden wir eine schwere Gefahr für die Zukunft unserer Bewegung darin erblicken. Denn mit den Grundsätzen der Wolfsobnschen Politik, auf der soliden Basis, die er geschaffen, werden alle unsere Idealisten arbeiten müssen, wollen sie weiter die Sachwalter des jüdischen Volkes bleiben. Ich glaube, Herr Professor Wei/mann wird gut tun, sein Instrument noch einmal zu stimmen. Vielleicht zieht er ganz andere Saiten auf! Als Entgcgcmmg auf den Artikel Professor Wcizmanns in der letzten Nummer der ,,Jiidi* scheu Rundschau“ schreibt uns unser geschätzter Gesinnungsgenosse Herr Dr. J crem ias-Poscn: Wir haben in diesen Tagen mit tiefer Wehmut wieder iler/ls Todestag begangen — und auch die Jungen und Jüngsten unter den ZinnEtcn sind wieder" einmal auf den Einzigen hingewiesen worden, ihm nachziistrchcu mul unehziilehen. t'ml wenige age danach wagt man es, in einem offiziellen ziouistisehen Organ mit höhnischer Genugtuung zu konstaderen, daß unsere Bewegung von ״uuzionistischen, autinationalcn, abenteuerlichen Projekten, wie es das Ugandaprojekt war, gesäubert“ ist. Also diese letzte große Intention unseres I lerzl, wie man sie auch praktisch mul taktisch beurteilen mag, darf inan, unter Beiseitclassung aller schamhaften Rücksicht gegen den großen Toten, unzionistisch und antinational nennen! Ja, es scheint fast, als wäre in diesen Kreisen Hcrzl schon sehr tot, ganz tot. Und doch, ein heimliches, unheimliches Gefühl sagt Herrn Weizmann, Hcrzl lebe dennoch in der Seele vieler noch, und das drängt ihn und andere, den Unsterblichen wieder und abermals tot zu reden; Da ist es ein erlösendes Wort, das Nordau jüngst in der (mir in der ״Welt“ veröffcntlichtcn) Vorrede zur Neuauflage des ersten Kongreßprotokolls über Alt- und Jungziouisimis sprach. Leset nur alle, Ihr Jungen, dieses historische Dokument, diesen weichen Quell großartigster Konzeption mul hochsinnigster Begeisterung im Zionismus, damit Ihr erfahret, daß cs außer dem verflucht praktischen, ״langsamen“ Zionismus einst einen verdammt tmpraktischen, ״schwungvollen“ Zionismus gegeben bat und — geben muß. Und leset um des Zionismus wißen den ״judcnstaaVM ich furchte, ein großer Teil unserer Jungen kennt dies titanische Werk nur aus der Kritik der ״praktischen“ Zionisten. Herr Weizmann wendet darauf zweifellos den mit Recht — meist gegen den Zionismus — beliebten terininus ״utopistisclie Schwärmereien“ an. Herr Lichtlicim spricht neben einigen verschämten Komplimenten von ״Phantasterei“ und ״grellfarbigem Bild“ und Herr Sokolow hat den Judenstaat einmal eine ,,hirnverbrannte Chimäre“ genannt! Dulce et decorum cst pro patria mori — wie süß und ehrenvoll ist es doch, für das jüdische Volk zu leben und zu sterben! Daß wir, d. h. die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, oder — um auch den strengsten Individualisten gerecht zu werden — noch genauer; der leitende Redakteur der ״Jüdischen Rundschau“, dessen Anschauungen ja nicht so ganz, unbekannt sein können, da er sie in den letzten Jahren oft genug den Lesern vorgetragen hat, und der sich doch für berechtigt halten muß, in einem gewissen Sinne namens der deutschen