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Jüdische Rundschau · 1911-07-14 · Heft 28 (14.7.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ו*. Seite 320 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28 Achttausend Schekelzaliler Alle agitatorisch tätigen Gesinnungsgenossen werden ein Gefühl der Genugtuung empfunden haben, als sic durch die letzte Nummer der ״Jüdischen Rund• schau" erfuhren, daß die Zahl der aus Deutschland cingcgangencn Schekolim die Höhe von fast 6000 erreicht hat, ja daII es unter Hiiiz.uzählimg der Mis• rachisten in Deutschland jetzt etwa 6000 organisierte Zionisten gibt. Und zu diesem Gefühl der Genug* tuung darüber, daß die Organisierung der national gesinnten deutschen Juden seit langer Zeit zum erstenmal wieder einen wesentlichen Fortschritt zu ver• zeichnen hat, gesellt sich ein Gefühl des Dankes an alle diejenigen, die in der Agitation ihren Mann gestanden haben, ein Gefühl des Dankes vor alten» an unseren Parteisekretär, der mit seiner aufopferungsvollen Tätigkeit, mit seiner hinreißenden, vornehmen Rednergabe den Löwenanteil des Erfolges für sich in Anspruch nehmen darf. Achttausend Schekelzahler — die Zahl verpflichtet. Und wenn uns augenblicklich alle auch die Fragen der Weltorganisation mehr bewegen, wenn wir jetzt vor allem den Problemen des Kongresses eine Lösung suchen sollen, wollen wir in diesem Moment, wo die Zahl noch auf uns wirkt, wo wir über die Ur- Sachen des erfreulichen Aufschwunges naehdenken, nicht unterlassen, kurz zu untersuchen, was uns auf dem Wege des Fortschritts weiter führen kann, auf welcher Hahn wir neuer Erfolge sicher sind. Als ich vor dem Frankfurter Delcgicrteutage in dieser Zeitung den ״Gruppcnverbands-Antrag“ der Halberstädter Ortsgruppe begründete, sagte ich, daß wir unbedingt versuchen müßten, die Zahl der Schekel• zahfer auf mindestens 8000 in diesem Jahre zu erhöhen. Eine der ersten Notwendigkeiten schien mir eine straffe Gliederung in Gruppenverbände zu sein — ich glaube, schon heute nach 0 Monaten, nach der Arbeit eines Winters hat cs sich gezeigt, wieviel die Gruppenverbände in der Lage sind, für die Agi• tation, für ein einheitliches, systematisches Vorgehen in der Werbearbeit zu leisten. Im Leitartikel der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau״ wird betont, um wieviel höher der ngitatorische Erfolg des letzten Winters anzuschlagen sei, als die Propaganda in den letzten Jahren sachlicher, vornehmer noch als früher geführt wurde, vor allem aber, weil weniger Werl auf äußere große Erfolge, als auf die innere Durchbildung der Mitglieder gelegt worden sei. Mir scheint — und diese Ansicht deckt sich ja wohl mit den Anschauungen der Leitung der deutschen Zionisten über ״Agitationsmethoden״ — daß gerade diese Durchbildung neben der Gruppen verbands-ldec am meisten die Agitation gefördert hat, weil sie den inneren Wert und damit natürlich auch den Arbeitseifer der einzelnen Zionisten wesentlich gehoben hat. Und so sind wir schon bei den wichtigsten Grundsätzen unserer Agitation angelangt: Innere Durchbildung und straffe Or ganisation scheinen mir die Voraussetzung für eine weitere Verbreitung der zionistischen Idee in Deutschland zu sein. Die Frage der Ausbildung der ״neuen" Zionisten, der Heranbildung der zionistischen Jugend sollte in noch höherem Maße als bisher die Sorge unserer Leitung sein. Ich selbst habe dafür einige, mir nütz■ liph scheinende Vorschläge, und ich bin überzeugt, daß genügend wertvolle Fingerzeige von anderer Seite gestattete Expedition ganz neue und grundlegende Ergebnisse zeitigen wird. Denn über die Konfiguration des Mecrcsbcckens, die chemische Heschaffenhcit des Wassers und seiner Strömungen, über das feinere Verhalten der verschiedenen Salzkomponenten des fast 2*1 Prozent Salz enthaltenden Wassers weiß man so gut ■wie nichts. Auch die organische Welt ist nicht genauer untersucht. Während man früher aiuinhm, daß das Tote Meer ohne alle Lebewesen sei, weiß man heute vom Vorkommen einer kleinen Fischart, die kbevwlc Junge zur Welt bringt. Man hofft aber auch andere lebende Organismen, Algenarleu, Hak* terien, die im Schwefelwasserstoff haltigen Wasser zu!eben vermögen, Plankton auffinden zu können. Auch für die von van t'Hoff über marine Salzablagcrungcn nufgcstellten Theorien wird eine genauere Untersuchung des Bodens des Toten Meeres und seiner Ablagerungen vielleicht wichtige Resultate zeitigen. . Die Expedition erweckt deshalb in wissenschaftlichen Kreisen lebhaftes Interesse, Die Kosten der Expedition sind der Gesellschaft für Palfistinaforsclnmg von Herrn Oskar Tietz in Berlin in großherziger Weise zur Verfügung gestellt worden. dafür zu haben sind. Das Problem drängt nach einer richtigen Lösung — Beweis dafür sind mir auch die jüngst veröffentlichten Zuschriften der Herren Perlmutter und Michel. Die Frage ist jedoch nicht in einigen Zeitungsartikeln zu erledigen, und deshalb möchte ich hierdurch an den Geschäftsführenden Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die Bitte richten, in B a sei, wo außer den Delegierten eine ganze Anzahl von Ortsgruppen- Leitern, von agitatorisch tätigen und organisatorisch fähigen deutschen Zionisten anwesend sein wird, eine Besprechung zu veranstalten, die dieser Frage gewidmet sein soll. Die Zeit des Jubiläums-, des Einigke i t s - Kongresses, ist dafür glänzend geeignet. Isaak F e u e r r i n g -1 lalbersladt, ״Misrachi“ und ״Disziplin“ ’ Inncrzionlstlschc Streitfragen Am Sonntag, dein 9. Juli 1911, fand in Berlin eine PI e n n r s i t z n n g des Z c 111 r n I k 0 in i t e v s statt, die einbernfen war, um zu tiefgellenden Differenzen, die zwischen den Ortsgruppen Nürnberg- Fürth und Frankfurt a. M. ,und einem Teil ihrer misraehistischeit Mitglieder ausgebroehen waren, Stellung zu nehmen. Wegen der Einzelheiten verweisen wir auf die untenstehenden Berichte unserer Ortsgruppen und die Erklärung der Federation Misrachi. Wir bringen diese Mitteilung erst heute, weil der gcsehiiftsfiihremlc Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland es für angebracht hielt zunächst die Meinung des Plenums des Zentralkomitees einzuholcn. Bei der Bedeutung der Angelegenheit veröffentlichen wir auch «ausnahmsweise die in dieser Sitzung gefaßten Be- :hliissc. Wir zweifeln nicht, daß unsere Leser mit uns insbesondere das hiervon misraehistischcr Seite ungewandte Verfahren mißbilligen werden, inner/.ionistisehe Streitfragen in anti-zionistische Blättern zu tragen. Wir lassen den Wortlaut der vom Zentralkomitce gefaßten Beschlüsse nunmehr folgen: 1. Das C. C. mißbilligt cs, daß misrachistischc Angehörige der Landesorganisation in Nürnberg und Frankfurt a. M. öffentliche zionistische Agitationsversaminlungen zu stören versucht und dadurch ihre Pflichten gegenüber der Zionistischen Oesamtorganisntion verletzt haben. 2. Das C. C. spricht den Ortsgruppen Frankfurt a. M. und N ü r 11 b e rg sein Vertrauen aus und erwartet, daß die Ortsgruppen sich in ihrer zionistischen Arbeit nicht be* irren lassen werden. 3. Das C. C. erwartet, daß das Centralbureau der Federation Misrachi die Disziplinlosigkeit von Misrachisten in Nürnberg und Frankfurt aufs schärfste lügen und insbesonderc jede Gemeinschaft mit den Verfassern des anonymen Frankfurter Flugblatts ablehmm wird. Wir übergehen mmmclir die bei uns eingcganjtj. neu Berichte und Resolutionen der Oeffemliclikeit. Nürnberg-Fürth Die Ortsgruppe Nürnberg-Fürth hatte Juni einen Prupngn11dnvortr.1־g des Herrn Dr. Le will in Aussicht genommen. Einige Tage der hierfür angesetzten Zeit erkrankte jedoch Dr. Lewin plötzlich, so daß die Ortsgruppe sieh einem anderen Redner Umsehen mußte, Dmdi niiltluug des Zentralhureaiis in Berlin ciklärtv lerr Dr. Muss i 11 s o 11 n , der ohnedies nach .* für ScU. vor ILrr ־•״Hit Ver. «ich 'tun. herg zu reisen die Absicht hatte, bereit, an Süll,* des Heim Dr. Lewin dort zu sprechen. In der ordentlichen Mitgliederversammlung der Ortsgruppe vom H, Juni, an der mehrere Misravhisten — 11 n I e r «lies e 11 e i 11 i g e F ii 11 r c r teil, nahmen, wurde vom Vorsitzenden dieser Sa«11vcr. halt initgeteill und ausdrücklich bemerkt, «laß |)r Mnssinsohtt an Stelle des I lei 111 I >r. l.ewin sprerlicii werde, und ׳zwar über ״Jüdisches Leben in Palästina", Keiner der Anwesenden eihob Widerspruch. Hiermit hielt die Vorstamlscliaft di«; vor der Orlsgruppensilztiug von zwei Misrachkleii dem Vorsitzenden, Herrn Zahnarzt Singer, gegen, über persönlich erklärten Bedenken gegen Dr, Mo*.•an. solm, den sie bekämpfen müßten und zwar sachlich in der Diskussion, für erledigt. Mehrere Tage nach «1er Orlsgruppensilztiug, als der Vortrag bereits in den Tagesblättern augckündigt war, verlangten einige Misrachisicu. «lall «ler Vorliag des Herrn Dr. Mossiusolm unterbleibe. Diese )'<*• deruug wiederholten sie in einer gemeinsamen lk׳• snrechung mit der Vorstaudschafl «ler Ortsgruppe. Die von den Misrachisten gegen l)r. Mossiusolm ausgesprochenen Linwäude wurden von der Vor. staudschnft als nicht stichhaltig anerkannt. Ls wurde im Gegenteil wiederholt darauf hingcwicscu, daß vom zionistischen Standpunkte keinerlei Betlenken he• stehen können, Herrn l)r, «Mossiusolm, einen Privat• mann, der jahrelang in Palästina wohnt, über das jüdische Lehen in Palästina sprechen zu lassen. Sollte er nach Ansicht «ler Misrachisten in seinen Aus. fiihrungen zu weit gehen, so hätten sie ja Gelegen• heit, ihre gegenteiligen Anschauungen in «ler Dis• kussiou zum Ausdruck zu bringen. Angesichts dieser Meinungsverschiedenheiten wurde die endgültige Lnl• Scheidung bis zur Ankunft des Herrn Parteisekretärs ßl u men feltl, der in der Versammlung als zweiter Redner sprechen sollte, vertagt. Jedoch noch vor Ankimft des Herrn Blumcnfeld lief heim Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Zahnarzt Singer, ein Schreiben des misrachistischcn Vorstandsmitgliedes ein, in welchem im Namen von 20 «Misrachisten die Larilerung aufgcstellt wurde, Herr Dr. «Mossiusolm dürfe in keiner Weise das Wort ergreifen, da sie sonst von den äußersten Konse1|1ien/.e11 nicht zurück• schrecken würden. I liermit waren die Vcrmittlungs- Vorschläge von den «Misrachisten unberücksichtigt ge• lassen und die Unterhandlungen gescheitert. In der öffentlichen Versammlung vom 22, Juni; welche von etwa '300 Personen besucht war, hielt Herr Dr. «Mossiusolm einen sehr sachlichen und mtcr• cssuntcn Vortrag von ca. I Stunde: er sprach aus• fiihrlich über die Kolonien, das Aufblühen der hebr.ii• sehen Sprache, die jüdischen Kindergärten, erwähnte dann «len Bezalel und streifte zum Schluß mit wenigen Worten das hebräische Gvinnasiiun, oime das pail.1. gogisclic System zu berühren; ebenso ging er aut das religiöse Gebiet nicht ein. Der Vortrag fand stürmischen Beifall. Unmittelbar hiermit sprach H1׳r Blumcnfeld in gewohnter tiefgründiger Weise über ms Thema: ״W a rum sind deutsche J u d »■ n Zionisten?" Während der Pause wandten su1!־ Herr Blumcnfeld und einige andere Herren nocluuds an die Misrachisten und ersuchten sic dringend mit Rücksicht auf den objektiven sachlichen Vortrag <hs Im Vorwort des Ver- Auflage dieses Buches Ghetto-Dämmerung Jakob Fromcr hat von seiner Lehcnsgcschichtc i.votn Ghetto zur modernen Kuitur"einc neue Auflage (Verlag Schuster & Loeffler, Berlin) ncrstcllcn lassen und diese mit dem Titel ״Ghetto- D ä m m erun g" versehen, fassers heißt es: ״Die erste ist im Jahre FMK» unter dem Titel ״Vom Ghetto zur modernen Kultur" erschienen. Es zerfiel in zwei ungleichartige Abschnitte. «Meine Vergangenheit, die ich im ersten Abschnitte schilderte, war zwar nicht minder unerfreulich als die Gegenwart. Aber die Entfernung halte sie in einen milder geklärten Schein gehüllt. Ich stand ihr frei gegenüber. Die Erlebnisse des ׳/.weiten Abschnittes dagegen erdrückten mich durch ihre Nähe. «Menschen und Dinge, die dem Fernstehenden kaum noch beachtenswert sind, Ereignisse, über die er mit einem befreienden Lachen hinwcggegnngcii wäre, erschienen mir damals äußerst wichtig und tragisch. Das Schlimmste war, ‘daß ich hier bei der Auswahl und Schichtung des Materials jeden architektonischen Blick verloren hatte. Ich habe nun den ersten Abschnitt —• bis auf wenige stilistische Verbesserungen und einige eingestreute Notizen und Episoden — unverändert gelassen, den zweiten hingegen durch einen neuen ersetzt." In der Hauptsache beschränkt sich die Veränderung der Fassung auf die Forllassimg des Aufsatzes über ״Das Wesen des Judentums", des ״Planes einer Reatkonkordaiiz", und einiger Briefe, i linzugefügt sind eine Anzahl Tagebuchblütter. Da diese Ausschnitte und Notizen neue Züge zum Bilde des Verfassers nicht bieten, liegt kein Anlaß vor, sich mit der Neuauflage näher zu beschäftigen, zumal die Akten über den• ״Fall Fromcr" ohnehin längst geschlossen sind, Die Schwindsucht ln Egypten und die Juden Vor einiger Zeit erschien ein Referat im Druck, «L< der städtische Arzt in Alexandrien- Dr. «M. Lcvv :■af dem vorjährigen internationalen Tuberkulosenkong״ I! in Barcelona gehalten hatte. Dr. Lcvv ist der I•• griimler einer Liga zur Bekämpfung der Tul1crkul׳'C in Egypten und macht den interessanten Hinvuis auf den Irrtum, der in Europa herrscht, wo man 1׳• nimmt, daß Elypten frei von Schwindsucht sei. D m sei nicht so. Hingegen erfahren wir von ihm die er• (rculichc Tatsache, daß seine langjährigen Uni• ז• sucliungcn ergeben haben, daß zwischen den scpB.trnimmt, daß Egypten frei von Schwindsucht sei. Dem die Tuberkulose fast gar nicht vorhanden sei. D׳c Juden in diesen Ländern waren auch die ersten uiul lange Zeit die einzigen, die seine Vorsichtsmaßregeln strikte befolgten, ״Till Eulenspiegel“, ein romantisches Spiel in t Aufzug, aus der Feiler unseres Königsberger Gesinnungsgenossen Heinz Michaelis .gelangte am 4. Juli am Neuen Schauspielhaus zu Königsberg i. Pr. erst• malig zur Aufführung und fand hei Presse und Publikum freundlichen Beifall. '״zsssssaum

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