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Jüdische Rundschau · 1911-07-14 · Heft 28 (14.7.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JIJEDIS CH E RUNDSCHAU Seite 310 fincr gröberen Siminic, die gleich in der Presse ans- Lroniim־« ״־in1. I)ie 1*‘0״«״l gewöhnlich: ״Der Lrstaml »י »t bestätigt Herrn X. dankend jc״ ßmpfaiiK von Y Pfund Sterling, die seinem ^iMisdie «emiili tm die armen russische!»!ן ן a י‘ י1 יו " s K c 11 ״ s s c 11 verteilt werde»*'. Oft «׳rillen neue Vereine für die russischen Juden ׳,.)״riiiidet. Die erste Handlung des Vorstamles des ne«c*11 Vereins bestellt darin, in den Zeitungen einen Aufruf <׳» erlassen, in dem für die russischen Juden lf!8c!1u״ut wird. Vor kurzem kam es in der eng- Ili<cl1*judiscl1eu Presse zu einer Diskussion über das <lcs Herrn I)r. Adler in Sachen der Che• «rliei'li n!׳. Die russischen Juden in London fühlten drh »buch die Aussaue des ״Hauptes der jüdischen! j<jrclu’ in England" gekränkt und protestierten, worauf ihnen t’.ic Jewish World", das Organ der englischen ״l $ r .ר v I i t e n", antwortete, dal) die russisehen Juden, jie 11! r n e 11 in e 11 und auf die Wohltätigkeit der c״jj|i*>Inn (ilatihensuenossen angewiesen sind, kein Recht!iahen dreinzureden. Die englischen Wcst-End- Israelin n, die vor zwanzig oder mehr Jahren aus IV,»tu und Fürth mit dem leeren Rucksack ins Land }•clu'iunicii, sprechen von den russischen Juden, die vorn.! achtzehn oder sechzehn Jahren sich in England 11 icd׳ lassen, als von den ״armen" aiislämlisclie.1 (Ha1״ ::•genossen", denen man helfen muH. Hat es sו ״.*;!« J iirther oder Poscner Israelit in England zu etwa• gebracht, daun hcginnl er auch seine soziale |>״sj1i!ווי zu korrigieren . . . .Das macht inan am!IhOi;, durch Pliilantropie, durch marktschreierische PI1il.t:;!i0pie. Entweder er schlicht sich durch Hinter• legiwg eines größeren Cieldhetrages dem Vorstande eines schon bestehenden Vereines an, oder er gründet seihst einen Verein und macht sich selbständig — und schreit, was er kann, helfet, helfet, rettet . .. Wenn er lange gcscliricn und populär geworden ist (die Presse hat mittlerweile jeden Heller, den er gegeben, registriert), dann zieht er sich zurück und wird! ine maßgebende, führende Persönlichkeit. Seine Stelle nimmt dann ein anderer Parvenü ein. Was ist dabei, wird mail gewib einweiulcn? Das ist doch die moralische Weltordnung. Aber ich bitte: Die russischen Juden, die im Schweilte ihres Aniiit/es arbeiten, werden als Schnorrer und Öko• mimische Parasiten verrufen, nein, es wird dem Eng• liinder e i 11 g c U o n n c r t, dal! die russischen Juden I Schnorrer sind und sich mir dank der (in,׳ule der ״Israeliten" erhalten. Und die Folge ist, dah der ninmgslcsende Engländer und als solcher ist jeder Engländer zu betrachten, die russischen Juden ent• weder verachtet oder, wenn er, was selten vor• kommt, sentimental ist, sich ihrer erbarmt. Der Israelit dagegen steigt in dem Respekt des Eng• lämleis. Nun ist aber der Israelit, insbesondere in seine! Periode des Philantropeu a. I)., nur ein selbst• zufriedener, auf sein Werk stolzer Aiiglo-Sachse, dem I alles Jüdische, weil er ein ausgezeichneter Ignorant ist, in der Seele verhallt ist . . . ein Jmliiolos, ein Manschet, mit einem Worte ein Wesen, das jede Anti■ palltie verdient, Seine englische V a t e r 1 ä n d e r e i gehört in die Logik der Dinge. Ein solcher israeli• tisrher, anglo-säcbsischcr Vaterländer ans Fürth oder Wroiike ist ein wütender Anti/ionist, ein Oeguer lind Feind des Hebräischen, des jüdischen Volkstums 1 -!׳in Renegat. Diese lächerliche Reiiegatenfigur ist j eine mabgebende Persönlichkeit, von dem naiven Eng• | lämlcr geachtet, von den armen Juden, die wirklich der Iblfe bedürfen, gefürchtet. Handelt es sich darum, eine ן N ■t als einzelner seine Stimme, um gegen Zag• iuit und Ausländem, krassen Materialismus und stumpfe Ergebung in das selbstverschuldete : S.'iieksal an/ukäuipfcii. Der Feind war im l.irnlc, Napoleons Späher umlauerten alle frei• lifitlidi Gesinnten. Palms Schicksal hätte einen Schwächeren warnen können. Aber seine strafenden Billpredigten machten nicht halt vor den ,Mächtigen dieser Weh, urnl Fürsten und Adel wurden furcht•!"י ihres Glorienscheines entkleidet und ihr Verrat allem Volke verkündet. Er wühle, dall alle politische •Arbeit erfolglos lileiben muhte, wenn der Erhebung nicht eine durch• greifende Erziehung und Läuterung des Volkes voran• ging, und er glaubte, durch einen groll entworfenen Lr/ielnmgsplan bei der Jugend den Anfang machen zu müssen. Gleich jenen alten Propheten war er im tiefsten Innern überzeugt von der Mission, die seinem Volke als Volk unter den Völkern vorhe• •halten sei. Jenen Kleinmütigen aber, die seinen frohen nationalen Optimismus nicht verstehen konnten, die heim hohen Fluge seiner Gedanken schwindelte, die ihn einen Utopisten und Phantasten schalten, hat er ein paar Worte gesagt, die auch unsere zionistische Zuversicht stützen und über die kleinen Einwürfe unserer allzu praktischen Gegner erheben können. Er gibt einige Beispiele aus der Weltgeschichte, die beweisen sollen, wie oftmals die Macht einer Idee über die Waffen (sagen wir für unseren Fall und unsere Zeit ־— des Geldes) gesiegt, und fährt dann fort; antizionistiselie Kundgebung zu veranstalten, ein natio• ualjüdisclies Unternehmen zu diskreditieren, den jtidisehen Nationalismus des Verrates am Vaterlande zu zeihen, so ist unser israelitischer Pliil.uitrop immer dabei. Und da er angesehen ist und Hinfluh besitzt (die er sich durch sein Pliilantiopisicren an den russischen Juden erworben), so gilt seine Knudgelniiig etwas. Und er weilt schon dafür zu sorgen, dah seine Kundgebung zur allgemeinen Kenntnis gelange. Dieser Philanlrop ist aber noch nicht die sehtecliteste Figur in der israelitischen I leldcngalerie. E s g i h t 11 ä 111 lieh ei n e g a uze i s r a e li tische Pili i I a n t r o p e.n s o r t c , die zu d e r h e k a 11111 e n P a r t e i der N i c h t G e b e r gehört. Die Männer dieser Nielitgcber-Partci wollen auch zur Geltung und zu Eiufluli kommen. Aber wie? Demi nicht einmal der Tod ist umsonst. Lang lebe der kluge israelitische Kopf, er weilt Rat. ״Die jüdische Sittlichkeit ist bedroht, der jüdische Mädchenhandel hat die jüdische Familie ruiniert, die jüdische Moral ist im argen, helfet, rettet, Polizei, Slutistik, Kongresse, Aufruf an die Presse", also schreit der Philautrop der N ich! g e her• P a r t e i und voll Bewunderung blickt die Welt zti diesem moralischen Kelter seiner Glaubensgenossen empor. Wer erinnert sieh nicht des israelitischen [Kongresses zur lk•• känipftmg des jüdischen Mädchenhandels, der im letzten Jahre in London tagte? Drei Monate bevor der ״KongrelS‘׳ ziisammeiitrat, erschienen tagaus, tageiu Notizen und Mitteilungen in der englischen Presse, die etwa lauteten: ״Der Kongrcl) zur Bekämpfung des jüdischen Mädchenhandels wird bald slattfinden, wird den jüdischen Mädchenhandel im Orient heb a 11 d ein, w i r 11 Mittel und Wege .suche», wie die um sieh greifende Unsittliclikcit unter den r 11 s s i s c I! e n Juden zu bekämpfen" usw. Was muH der naive Leser von solchen Kundgehtmgeu, sowie von den späteren Kongrellverliand* hingen, die eine infame Beschimpfung und Dcgradie• rimg der russisehen Juden waren, halten? Der englische Zcihmgslescr, der sich auf Grund der Berichte der pliilaiitropisehen und Vcrsiltliehimgs• täligkeit der I lerrcn Israeliten von den russischen Juden ein klares Bild machen will, wird zu folgendem Urteil kommen: 1״. Die russischen Juden sind entweder Schnorrer und Parasiten, die nicht arbeiten wollen, oder Men• sehen, die ökonomisch impotent sind. 2. Die russischen Juden sind sittlich verkommen. Die Töchter sind Huren und die Männer Mädchenhämllcr. 3. Wenn nicht unsere englischen Juden, wären sie schon längst ganz verkommen." Solche Urteile über die russischen Juden habe i e 11 s e 11 o 11 p e r s ö 111 i c 11 v o 11 E n g I ii n d er», ui i t w e I c 11 e 11 i c 11 m i c f» ii b e r die russische Jiidcnfrago unterhielt, zu hören bekommen. Diese Engländer, zum Teil hochgestellte Persönlichkeiten und durchaus vorurteilslose Männer, haben sich, wie ich erfahren konnte, ihre Urteile über die russisehen Juden nur auf Grund isr.ielitiscli-plühintropiselier Zeitungsberichte gebildet. Seil Jahren brüllen die israelitischen Philantropeu der Niehtgcber-Partei philaiitropiseh-lierremuällig ״Die jüdischen Mädelienliändler, die verschacherten russi• sehen Jüdinnen, Statistik, Polizei usw." Was haben die dickbäuchigen Tugendbolde bis jetzt für die Be• ״Diese und alle andere in der Weltgeschichte, die ihres Sinnes waren, habe» gesiegt, weil das Ewige sie begeisterte, und so siegt immer mul notwendig diese Begeisterung über den, der nicht begeistert ist. Nicht die Gewalt der Arme noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemütes ist es, welche Siege erkämpft. Wer ein begrenztes Ziel sieh setzt seiner Aufopferungen und sich nicht weiter wagen mag als bis zu einem gewissen Punkte, der gibt den Widerstand' auf, sobald die Gefahr ihm;m diesen durchaus nicht aufzugehciulen noch zu ent* hehreiulen Punkt kommt. Wer gar kein Ziel siel» gesetzt hat, sondern alles mul das Höchste, was man hieiiiedcn verlieren kann, das Lehen, daran setzt, gibt den Widerstand nie auf und siegt, so der Gegner ein bcgrcnztercs Ziel hat, ohne Zweifel. Ein Volk, das da fällig ist, sei es auch mir in seinen höchsten Stellvertretern und Anführern, das Gesicht aus der Geisterwelt, Selbständigkeit, fest ins Auge zu fassen und von der Liebe dafür ergriffen zu werden wie unsre ältesten Vorfahren, siegt gewiß über ein solches, das mir zum Werkzeuge fremder Herrsch• sucht und zur Unterjochung selbständiger Völker ge• braucht wird wie die römischen Heere; denn die erstem haben alles zu verlieren, die letztem liloll einiges zu gewinnen." Das sollte unseren neunmaiweisen ״Tacliles• juden" in allen Gassen verkündet werden. Dieser peist, der dem alten Israel nicht fremd war und aus dem auch Herzls ״Judenstaat" geboren wurde. Der Satz, den Fichte aus der Weltgeschichte vor 1813 känipfuiig tles Mädchenhandels, den sie für einen nur jüdischen Handel aiisgeben, getan? Polizei, Statistik, Kongresse . , . aller das ״Weil!• Warengeschäft" in keiner Weise ausgerottet, ja nicht einmal vermindert. War aber nicht der ״Kongrcl! zur Bekämpfung des jüdischen Mädchenhandels" eine Infamie, eine helle Niedertracht? Was er hiiiterlasseu, waren nur Spuren und Flecken der Schmach auf den russischen Juden. Die Ostjiiden sind den Israeliten gut genug, sich au ihnen emporzurankeii, aller nicht mehr . . . Nikolaus I. lieh aus lebendigen Soldaten Pontorien schlagen. Mau nannte ilut Barbar. Westeuropäische Israeliten reiten über Leichen, um ihrem Ehrgeiz zu genügen, um als soziale und politische Führer dazu• stellen, und man nennt sie Philautropen. Liegt in dieser l.eiclienreiterei System? Ganz ge• will! Gibt es ein besseres Mittel, die S a e 11 e <1 0 s N a t i o n a I j 11 d e 11111 in s zu diskreditieren, a I s w e 11» in a 11 d er g r o I! e n Majorität des jüdischen Volkes das Siegel d e s Schnorrer• u n d P a r a s i t e n t u 111 s auf drückt? Welches gesunde Volk wird sieh mit uns einlassen wollen, welcher Europäer wird an uns politisches Interesse iieliineii, wenn er uns für sittlich Verkommene, ökonomisch Impotente oder gar für faulenzende Selmorrer hält? Die ökonomische und moralische Pliilantropie der Israeliten bildet eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das jüdische Volk. Jüdische Politik ist nur mög* lieh, wenn und solange mau die Juden für ein arbeits* tüchtiges und moralisch gesundes Volk hält. Diesen Glauben untergraben die israelitischen Philantropeu. Die israelitische Pliilantropie, wie sie oft in London und immer in Poris betrieben wird, ist eine ernste Gefahr für uns und eine Infamie an sich —. . . Durch diese Pliilantropie versperrt man den russi• sehen Juden überall die Tore. Vor einigen Tagen schrieb eine Londoner Zeitung: ״Wenn die russischeu Juden massenweise nach England kommen, fallen sie unseren Juden zur!.«־ist und englisches Geld fliellt in die Taschen der Fremden, an welchen wir kein Interesse haben." Soweit ,J1.1t cs die israelitischc Pliilantropie gebracht. Wenn es mir vergönnt sein wird, dem zehnten Zionistenkongrel! als Delegierter heiziiwolinen, werde ich mir gestatten, an den Präsidenten der zionistischen Organisation, Herrn David Wolffsohn, folgende Frage zu stellen: ״Herr Präsident, welche Maßnahmen gedenken Sie als Führer des jüdischen Volkes zu er• greifen, um das infame Werk der israelitischen Philau• tropie, die jede gesunde jüdische Politik zu vernichten droht, zu unterbinden?" Mehr werde ich nicht fragen. Eine positive Antwort des Herrn Präsidenten wird mir beweisen, dall er wirklich unser Führer ist. London, im Juni BMI. וייייייו ךי־ח ך,—ין •יייייייי״ו |^**r ך*■—*f ך~יין 1—■■*■< <——■# ך«■״r *•*•׳י• ךייייי• LJ LJ L J LJ Lj LJ lj Lj 1J LJ LJ LJ LJ Bestellungen auf die Kongreßausgabe der ״Welt“ sind sofort an den Verlag in Köln zu richten ־ □ ableitet, galt auch für dieses grolle Freiheitsjahr der Deutschen, er wird gelten in alle Ewigkeit auch für unser Judentum. ״Die Begeisterung siegt im in e r und n o t w e 11 d i g ii b e r d c 11, der nicht h e geistert i s t." Eine jüdische Expedition nach dem Toten Meere Die Gesellschaft für Palästiiiaforsehung in Berlin hat beschlossen, eine Expedition zur Erforschung des Toten Meeres nach Palästina zu entsenden. Sie soll im Oktober d. J. unter der Führung des Gustos am Königlichen Institut für Meereskunde in Berlin, Herrn Ludwig B r ii 111, von Jaffa aiifhreclien, der von drei oder vier Europäern begleitet wird, und sich etwa sechs Wochen laug mit der Erforschung des merk• würdigsten aller Binnenmeere zu beschäftigen gedenkt. im P). Jahrhundert haben bereits einige Forschimgsrciscn die genauere Untersuchung des etwa 75 km laugen und bis zu 22•.׳ km breiten ahflulllosen Gewässers zum Gegenstände gehabt. Aber mir eine einzige, die des Amerikaners Lynch, hat sieh über einen länger» Zeitraum erstreckt und mit aus• reichenden Instrumenten gearbeitet. Diese Expedition fand schon 18-18/T1) statt und arbeitete mit den damaligen unzulänglichen Methoden. Es ist deshalb anzunehmen, da(! eine mit modernem Rüstzeug aus-

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