Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 309 Nr. 27 Stiele "11' •,liulcl». dir mul mehr in konfessionell gemischte um• Die Ursachen dieser konfessionellen Ver- '.j icj״״,״cn sind nach Kruse: 1 j, l.ine u!»Kleie 11 e natürliche Vermehrung itw Koiifcssionsgeineinschaftcn durch einen größeren der ^יזי^יו״יייס■’« Ueherschull der Geburten über die Ttxlesialh‘* wobei besonders hervor/.ubeben ist, da» die clilb.iikeit bei den Katholiken gröber ist, als bei iS1 Evangelischen »»d jiulen. entfallen auf je eine entfallen au! je eine E h es eh I i e II u n g Vjcborene (in Preußen gibt die Zahl nur die Le• hfiul•, in Daycrn und Hessen auch die Totgeborcneu in): l’roulloa lluyurn II•« mu n <י ו•! jl.n .••.״,II •1 lil״.״., יי*ו זיין י י •יו ׳'»ין 11, *V, •י!״ len דזי h 1 rp«|1. •Thh-1 10ןי•. H;J n’i , . . . mimI Hiixcmi r• 111 ,וףי‘im. k Ui G ׳4 3" 3 £ Ü u Ui ס• 9 <1 US ft.ll 4.4 4,4 5/4 4,5 4,4 4,H 4,0 4,5 f׳.l 4,1 3.3 4,ן M 28 4,'.3,0 11,0 ׳ siebt, die Juden schneiden am ungünstig־ urd indi nid; •>';1 c 1 ine ungleiche Verteilung an der und Aus w a n d e r u n g , wobei bemerkt 1; muH, dall eine Religionsstatistik hier leider ״itlil möglich ist, da die Konfessionen der Ein• ,.iswanderer nicht erhoben wird, lieber! ritte und Austritte, Line ungleiche Verteilung der , k o m m e n s e h a f t aus g e mischt e 11 Ehen 11( da m Krage stehenden Konfessionsgemeinschaften. hiH.pfel, der in seiner dankenswerten Abhandlung;ebt ׳den Forderungen der Konfessionsstatisliker das *urt n'dcn /.u können glaubt, schlicht diese mit den ׳Kiiui: ״Dringend empfehlen möchten wir ber e 1 n e e i n g e h e 11 d e Unters u c h 11 n g der t e v ü I k e r u n g s b e w e g u n g d c r J u d e n, indem ir dm Ausführungen des besten Kenners der jiulidien Statistik, Dr. A. Ruppin, durchaus zustim• ich." Er zitiert nun eine Stelle aus Ruppins Mono* rapide, ״Die Juden in Hessen", wo ausgeführt ist, wie!1׳ J11 d e n gewissermailen das 11 n r 0 ui e t c r für die lirige Bevölkerung sind und Zustände schon jetzt eigen, die bei jener erst in der Zukunft zu erwarten sind, )iese Erwägungen haben die Großhcrzoglich hessi• die Zentralstelle für Landesstatistik in neuerer Zeit criiniallt, der Statistik der Juden ihre volle Aufmerk• samkeit zu widmen. 1111 2, Heft des 58. Bandes der lidträge zur Statistik des Orollherzogtums Hessen iml die Ergebnisse der Volkszählung 1003 für die uilen in einer Detailliertheit behandelt, die lauster• iihig zu nennen ist. Kimpfel spricht vom Verband für die Statistik ler Juden in Worten höchster Anerkennung, er nennt |lie ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der mleii“ ein ״gutgclcitetes Organ" und erwähnt den iah ״tüchtiger" Mitarbeiter und die ״trefflichen" Mo• 11« grapliien, die unter den Auspizien des Verbandes kiiisl.iuden sind. Wir wollen ohne Ueberhebtmg, aber doch stolz auf 1da< von Zionisten Geleistete liier eine Stelle zi• irren, die sich in einem Aufsatz von Dr. (Rudolf «•‘־‘ermann über die Juden und das Wirtschaftsleben i» den n i c h t z i 0 n i s t i s c h c 11 K. C. Blättern findet, winicr genannte Autor über demographischc Forschtm ״» Judentum folgendes ausfülirt: ״Bis zum Jahre FKH) sah es damit überhaupt öde aus. Historisch war ״v-r einiges geleistet, aber die Gegenwart lag in . 4 ו einem (lüstern Nebel da, Es fehlte vor allem an dem erforderlichen Zahlenmaterial. Das wurde ganz an• das, als im Jahre PJÜJ der Verband für Statistik der . udeii hauptsächlich d u r e h Z i o 11 i s t e n ... gegründet wurde. Auch diese Gründung hat, wie erwähnt, Anfeeli• tiingen und Zweifel begegnen müssen. Wie beute die W i s s e 11 s e 11 a f t und die a 11111 i c 11 c Statistik über sie denkt, haben wir gezeigt; kleine Geister — das hat schon Lassalle gesagt .sehen ihre Grolle ja immer im Vertuschen und im Bemänteln. Wir aber wollen das zu finden suchen, was ist, denn nur, wenn wir unsere Schwächen kennen, nur, wenn wir die Situation richtig erfassen, daun können wir, auf den Ergeh• nissen ntifbaueud, sicher und siegesgcwill der Zukunft ciitgegeiieilen. Die jüdische Konfessions-Statistik in Deutschland f ii 11 r t z. u einem klare » Resultat: Nur, w e n 11 e r 11 s 111 a f t e r W i 11 e z u m Juden• t u m uns beseelt, 11 u r d a 1111 wird di e d c u t s c 11 e J u d e 11 beit weit e r best e 11 e 11 k ö n n e n. Wo aber wäre dieser Wille ausgeprägter, als im Zionis• 11111s. Und darum wird die deutsche Judeulieit der nächsten Dezennien entweder zionistisch, oder sie wird in einigen Generationen ü berI!a upt uicht m ehr seinI*) Frauenfrage und Judenfrage Frauenfrage und JudenfrageI Es mag scheinen, als seien das zwei Ideenwelten, zwischen denen eine Verbindung, cm Hinüber• und licrübergleiten der Fäden unmöglich sei, zwei Kampfplätze, auf denen die Heere wohl neben• und gegeneinander, nicht aber Seite an Seite zu kämpfen vermögen. Dall dem nicht so ist, kamt allein schon die Tat• suche lehren, dall es eine grolle Anzahl solcher gibt, die in /. w e i 1 leerlagcrn stellen, Menschen, denen cs in gleicher Weise am Herzen liegen mul), die Frauen• frage wie die Judenfragc eine wahre und vollstän* dige Lösung erfahren zu sehen. Dieses Kontingent, das sowohl in den Reiben derer kiimpft, die der Frau die ihr im modernen Leben unserer Zeit ge• bühreiule Stellung erringen helfen wollen, als auch zu der Faline sich bekennt, die das Kampf• und Siegeszeichen einer jüdischen Renaissance bildet, ist das Kontingent der au der Zukunft ihres Volkes inlcr• cssierten jüdische 11 F raue n. 111 der christlichen Frau wie im jüdischen Manne erblicken wir die Träger nur einer grollen Selm• sucht, nur eines unermüdlichen Strebciis, entweder nach freiem Frauentum oder nach freiem J 11 d e 111 ti in. Die jüdische Frau fühlt eine doppelte Sehnsucht im Herzen, sie muH beides erringen, freies Frauentum und freies Judentum. Sollte es nun denkbar erscheinen, dall in der jüdischen Frau gleichsam zwei Seelen wohnten, eine 1• r a u e 11 s e e I e , die sich rückhaltslos den Frauen• zielen widmet, eine Judenseele, die zum neuen Judentum« strebt? Sollte es nicht vielmehr so sein, dall die einheitliche, unteilbare Seele der jüdischen *) Diese Probleme werden in einem soeben er* scliieneiieii Buch von Dr. Felix Tlieilhaber ״Der Werdegang der deutschen Juden" ausführlicher bc• bandelt. (Miinehen, Emst Reinhardt,) Aut dieses Buch, das mir bei Niederschrift des Obigen noch nicht zugänglich war, wird noch zurückzukommen sein. Frau int Streben nach beiden hohen Zielen eine ein• zige, unteilbare Aufgabe erblickt, dal) es für die jüdische Frau keine Lösung der Judenfragc gibt, die nicht im neuen Judcntumc auch der Frau die bereehtigte Stellung gibt, wie es für sie als weibliche Angehörige des Judentums keine innere, persönliche Lösung der Frauenfrage geben wird, die nicht auch von ihr forderte mul es ihr möglich machte, dal) sie die jüdische Eigenart ihrer Psyche zur Entfaltung bringe. Hier ist der Punkt, au dem die Kreise sich schneiden. Hier entsteht ein lebendiger Kontakt zwischen Frauenfrage und Judcidrage, durch die Seele der Frau, in der eine jüdische Seele lebt. Aber cs ist nicht diese Tatsache allein, die einen Zusammenhang zwischen den beiden Weiten herstellt. Es bestellt auch in ihrem Wesen eine innere Achnlichkcit. Am deutlichsten prägt sich dieses homögen« beider Bewegungen in denjenigen ihrer Ziele aus, die in der Menschenwelt selbst liegen. Die Frauenbewegung will im weiblichen üesclilechte das Ucwuiitsein mul die Erkenntnis dessen wecken, dal) weibliche Eigenart Forderungen zu stellen habe an die Gesellschaft unserer Zeit, die dahin zielen, die Frau vom Geschlcchtswcsen zur Persönlichkeit zu erheben. Die Moderne des Judentums, die heute schon in alle jüdischen Kreise eingcdrungeii ist, und die ihren radikalsten Vertreter im Zionismus findet, will den Juden zurückfülireu zum lebendigen Quell alles Wesenhaftcn, zur Art seines Volkes. So stimmen Fraucnfrageu und Judenfragc überein im letzten Ideal ihrer Ziele: ״Höchstes Glück der Erdenkinder Ist doch die Persönlichkeit.“ Zu diesem starken inneren Zusammenhang ge• seilen sich eine Anzahl äullcrcr Momente. Die Frauenfrage wie die Judenfrage, beide sind sie breu• nende Gegenwartsprobleme, beide sind sie in ihrer Interessensphäre universell zu nennen, beide haben sie ein starkes, schier leidensciiaftlichcs Für und Wider der Meinungen hervorgerufen, das Interesse weitester Kreise zu wecken gewollt. Beide haben sie gleiche Feinde: Vorurteil, Egoismus, Reaktion. Beide haben die gleichen Freunde: Freisinn, Gerechtigkeit, Fortschritt. Beiden erwächst derselbe mächtige, kraft• volle Bundesgenosse: die Jugend. Wo bei zwei Bewegungen sich soviel innerlich wie äullcrlich Verwandtes zeigt, sollte da nicht die Möglichkeit gegeben sein, dal) beide sich die Hände reichten zum gemeinsamen Wirken? Es mag vielleicht beim ersten Anschein den Ein• druck maclicn, als fiele der Löwenanteil des üe* wiunes solches Beginnens dem Judentum« zu, als sei die Hilfe der nur einen kleineren Kreis von Frauen umfassenden 111udern*jüdiscl1en Bewegung vcrsclnvindend klein gegenüber der machtvollen Flilfe, die die Frauenbewegung der schwächeren jüdischen Schwester angedeihen lassen könnte. Dieser Gedanke ist schon deshalb nicht richtig, weil zwar jede jüdische Frau viel für die Frauen* beweguug tun kann, wogegen es ihrer Schwester geradezu fast unmöglich ist, irgend etwas Positives für die jüdische Bewegung zu tun. Die Jüdin kann stets mit ganzer Seele für ihr Frauentum kämpfen, kann sich unmittelbar zur Vorkämpferin für Frauen• rechte machen. Wie könnte die Frauenbewegung jluärn und von sich selbst durchdrungenen Ganzen jvwlmidct. Dieses Gesetz, selbst seinem Inhalt« nach JLi'a! wohl im ganzen erfallt werden, so wie wir es ja» «len Deutschen als einem Urvolke erfallt bähen; N Laim sogar durch Erwägung der Erscheinungen Nim s solchen Volkes noch näher in manchen seiner i"'liieren Bestimmungen begriffen werden; aber es j kann niemals von irgendeinem, der ja selbst immerfort j 11»'ir desselben ihm unbewußten Einflüsse bleibt, j ff•'mit dem Uegrilie durchdrungen werden, obwohl!‘!!gemeinen klar eingesehen werden kann, dal) es! 1'»י solches Gesetz gebe. Es ist dieses Gesetz ein Mehr j dyf Bildlichkeit, das mit dem Mehr der unbildlieheii i U'Nprüngliclikcit in der Erscheinung unmittelbar ver-; *d.uülzt; und so sind denn in der Erscheinung eben Niie nicht wieder zu trennen. Jenes Gesetz bestimmt diiicbatis und vollendet das, was man den National- 1]‘•irnkter eines Volkes genannt hat; jenes Gesetz der Entwicklung des Ursprünglichen und Göttlichen. Es •ü aus dem letzteren klar, daß Menschen, welche,; wie wir bisher die Ausländerei beschrieben haben, a״ «in Ursprüngliches und an eine Fortentwicklung 1״•!»selben gar nicht glauben, sondern bloß an einen 1י" igeit Kreislauf des scheinbaren Lebens, und welche eurcli ihren Glauben werden, wie sic glauben, im »blieren Sinne gar kein Volk 6ind und, da sie in der lat eigentlich auch nicht da sind, ebensowenig einen ״«Hionalcharakter •zu haben vermögen. Der Qlaube des edlen Menschen an die ewige Fortdauer seiner Wirksamkeit auch auf dieser Erde Kfündct sich,demnach auf die Hoffnung der ewigen Fortdauer des Volks, aus dem er selber siel» entwickelt bat, mul der Eigentümlichkeit desselben nach jenem verborgenen Gesetze ohne Einmischung und Ver* derbung durch irgendein Fremdes und in das Ganze dieser Gesetzgebung nicht Gehöriges. Diese Eigentüiulichkcit ist das Ewige, dem er die Ewigkeit seiner seihst und seines Fortwirkens anvertraut, die ewige Ordnung der Dinge, in die er sein Ewiges legt; ihre Fortdauer muß er wollen, denn sie allein ist ihm das entbindende Mittel, wodurch die kurze Spanne seines Lehens hienieden zu fortdauerndem Leben hienieden ausgedehnt wird. Sein Glaube und sein Streben, Unvergängliches zu pflanzen, sein Begriff, in welchem er sein eignes Leben als ein ewiges Leben erfallt, ist das llaiul, welches zunächst seine Nation und vermittelst ihrer das ganze Menschengeschlecht imiigst mit ihm selber verknüpft und ihrer aller Bedürfnisse bis ans Ende der Tage cinfiilirt in sein erweitertes Flerz. Dies ist seine Liehe zu seinem Volke, zuvörderst achtend, vertrauend, desselben sich freuend, mit der Abstamimtng daraus sich ehrend. Es ist Göttliches in ihm er• schienen, und das Ursprüngliche hat dasselbe gcwürdigt, es zu seiner Hülle mul zu seinem unmittel• baren Vcrflülhmgsmittcl in die Welt zu machen; es wird darum auch ferner Göttliches aus ihm hervorbrechen. Sodann tätig, wirksam, sich aufopfernd für dasselbe. Das Leben bloß als Leben, als Fortsetzen des wechselnden Daseins, hat für ihn ja ohnedies nie Wert gehabt, er hat es nur gewollt als Quelle des Dauernden; aber diese Dauer verspricht ihm allein die selbständige Fortdauer seiner Nation; um diese zu retten, muß er sogar sterben wollen, damit diese lebe und er in ihr lebe das einzige Leben, das er von je gemocht bat. So ist es. Die Liebe, die wahrhaftig Liebe sei und nicht bloß eine vorübergehende Begehrlichkeit, haftet nie auf Vergänglichem, sondern sie erwacht und ent• zündet sich und ruht allein in dem Ewigen. Nicht einmal sich selbst vermag der Mensch zu lieben, es sei denn, dall er sich als Ewiges erfasse: außerdem vermag er sich sogar nicht zu achten, noch zu billigen. Noch weniger vermag er etwas außer sich zu lieben, außer also, dal) er es aufuelune in die Ewigkeit seines Glaubens und seines Gemüts und es anknüpfe au diese. Wer nicht zuvörderst sich als ewig erblickt, der hat überhaupt keine Liebe und kann auch nicht lieben ein Vaterland, dergleichen es für ilm nicht gibt. Wer zwar vielleicht sein unsichtbares Leben, nicht aber eben also sein .sichtbares Leben als ewig erblickt, der mag wohl einen Himmel haben und in diesem sein Vaterland, aber hienieden hat er kein Vaterland, denn mich dieses wird nur unter dem Bilde der Ewigkeit erblickt, und er vermag daher auch nicht sein Vaterland zu lieben. Ist einem solchen kein« überliefert worden, so ist er zu beklagen; wem eins überliefert worden ist und in wessen Gemiite •Himmel und Erde, Unsichtbares und Sichtbares sich dtirchdringen und so erst einen wahren und gediegenen Himmel erschaffen, der kämpft bis auf den letzten Blutstropfen, um den teuren Besitz ungeschmälert wiederum zu überliefern an die Folgezeit.“