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Jüdische Rundschau · 1911-06-30 · Heft 26 (30.6.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nt. 26 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 209 ״Die I I;1mlwerkcrscl1ulc in Jerusalem, die seit lg$2■ besteht, stiftet sehr viel Gutes, imü der Leiter dieser Schule, Direktor Autebi, der best^chulitc und meist, uiiiuoibene Mann in Jerusalem, ein Mann, dein seine feinde sehr viel Heises, seine Freunde »och mehr Ontes nachsagen, von dem ein hervorragender Christ• lieber Gelehrter in Jerusalem uns gegenüber bemerkte: Autebi, e'est une puissance;“ d i e s e r e i n e M a 11 n, de! hunderte a u f wi eg t, leistet Hervor• r;1 .׳.׳ndcs zur geistigen, sittlichen und 111 ״ s e 11 a f 11 i c 11 e 11' II e b 11 n g der J11 d e 11 i n ין l ,'1 s I j n a.“ Wer könnte nach diesem Hardengesang nicht llt'.rn Autebi für das Muster eines Schulleiters, fiir eine Blüte aut Baume der Alliance hallen? Doch dem sorgfältigen Leser kann es nicht ente•!, dall dieser Passus im broschierten Bericht des Borge# fehlt. Wie kommt das wohl? Nun, Higart, der nach Ansicht d e s I I e r r 11 K• lli'i.n II«•! Hl |>: Borges unumschränkt in Baris reg.'.-il, paßte das Loh des Herrn Autebi nicht. De .halb schrieb das deutsche Bureau Herrn Dr. Borges um' hat ihn, die Lobrede auf Autebi weg/ulasseii. Dr. Borges war nicht nur einverstanden, sondern uuälcrlc umgehend, dall Antebis Heftigkeit und Rauheit ־־ fast möge er sagen Roheit — nach• g «1 ׳ a $1 e n 11 fange, einen pathologische n L111 «I ruck zu mache n. Was ihn später nicht ge• liiii 1011 hat, Herrn Autebi die freundschaftlichsten lii.ite zu senden. Das möge für heute genügen. Nuhstens mehr. Herrn Borges gegenwärtiges Ver• liaiieii wird nun schon niaiichem verständlicher werden. Cr täte besser, endlich mit Berichtigungen atifzuliören. t’iid wir stellen weiter öffentlich fest, d a II Herr Autebi, von dem der offizielle In• s ין e k t o r der A 11 i a n c e s c h u I e 11 ein 801• dies Bild entwirft, geruhig noch heute als Vertrauensmann der Baris er Lei• 111 n g seines Amtes mit Schrecken w a I tei. Ben Aron. Nachlese vom Gemeindetag Zur Angelegenheit des Ballcnstcdter Mandates, die auf dem Gcmeindctagc berechtigtes Aufsehen erregte, geht uns seitens des Herrn Landtagsabge* ordneten Dr. Colin ein Schreiben des Vorstehers׳ der Ballcnstcdter Gemeinde zu, das wir wiedergeben, obwohl es uns keineswegs geeignet erscheint, die Au• sichten, welche Herr Loch, Frankfurt a, M., auf der Tagung über diesen Fall äullertc, zu widerlegen: Ballenstedt, 15. 0. II. Herrn Rechtsanwalt Dr. Cohn Dessau, Sehr geehrter Herr! Ich erfahre soeben, daß Herr Loch aus Frank• fort einen Brief von mir bei Gelegenheit der Ver• Sammlung des D. I. ü. ß. in Berlin öffentlich vorgelesen hat. Zur Aufklärung erlaube ich mir, Ihnen folgendes /u unterbreiten: ich glaubte die Interessen unserer kleinen Oe• mcindc gut zu wahren, wenn ich Herrn Loch meine Vollmacht gab! nachdem dies geschehen, erhielt ich d׳c Aufforderung des dortigen Vorstandes, unsere hiesige Stimme gemeinsam mit sämtlichen Gemeinden Anhalts Herrn Geheimrat Sonucntlial zu übertragen. Ich habe dem Vorstand sofort geantwortet, daß ich bereits Herrn Locb die Vollmacht übertragen, mir sie aber sofort wieder zurückvernagen werde. Ich tat dies in einem Schreiben, worin ich Herrn Hieb bat, mir die Vollmacht zurückzugeben, und fügte, vielleicht unnötigerweise, hinzu, daß ich, da unsere Gemeinde von der Stiftung so reich bedacht wird, >’ieht anders kann. Es ist mir selbstredend nicht eingefallen, die Herren vom Kuratorium irgendwie bloßzustellen, im Gegenteil habe ich durch das Zurückverlangen meiner Vollmacht dem Herrn Loch meine Dankbarkeit dem Kuratorium gegenüber dokumentieren wollen. Diesen Sinn wollte ich in »nein Schreiben hincingclcgt wissen »md nicht, daß ich es aus Zwang tue. Daß Herr Loeb mein Schreiben öffentlich vorliest und es für seine Zwecke zureehtmodelte, finde ich s» ungehörig, daß mir jeder Ausdruck dafür fehlt. Ich werde diesem Herrn sofort schreiben und glaube kaum, daß er dies Schreiben wieder öffentlich vorlesen wird, Ich hege sowohl fiir Sie, geehrter Herr, als auch für die anderen Herren des Kuratoriums, die ich *um Teil persönlich kenne, große Hochachtung, Sie dürfen mir glauben, daß cs mir vollständig fern• gelegen hat, Ihnen Unannehmlichkeiten zu bereiten. Hätte z. Z. Dessau gleich anfangs eine Vollmacht von mir verlangt, wäre es mir nicht eingefallen, dieselbe nach Frankfurt zu geben. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst gcz. Her man 11, Cohn. New Yorker Sfaatsanecif/er ״ In beiden I läuscrn des amerikanischen Kon• grosses sind Anträge zur Kündigung de# Handels• Vertrages mit Uulilntid eingebrucht worden. Das Blatt schildert hei dieser Gelegenheit die Entwicklung, welche die Frage in den letzten Jahren genommen hat: ״Diese Anträge stützen sich auf die besten Gründe, die fiir eine Kündigung vorgebraeht werden können, nämlich darauf, dall der .Vertrag von dem anderen Kontrahenten nicht gehalten mul in offenkundiger Weise verletzt wird. Eine Kündigung wäre somit nur eine leere Formsaclie, weil der Vertrag von der anderen Seite nicht als bestellend, sicherlich nicht als bindend erachtet wird, sofern jüdische Amerikaner in Betracht kommen. Solchen Bürgern unseres Landes will Rußland die Vergünstigungen des Vertrages vor• enthalten, wobei es so weit gellt, daß es dieselben, auch wenn mit vollgültigen Bässen versehen, völlig ausschließt. A11 Vorstellungen hierüber bat es nie gefehlt, und nicht etwa jetzt, sondern schon vor etlichen Jahren ist die amerikanische Regierung um Remedur angegangen worden. Die Tatsache, dall solche Bässe nicht anerkannt werden, ist nie in Abrede gestellt worden, aber von Rußland sind alle darüber anhängig gemachten Vorstellungen entweder gar nicht oder mit der Erklärung beantwortet worden, daß es sich hierbei lediglich um Ordnung seiner inneren »\11ge• Icgcnhciten handle mul keineswegs irgendwelche Ver• tragshriieliigkeU oder Geringschätzung oder Miß• achtung der solche Bässe ausstcllemlcii Regierung beabsichtigt sei. Mit dieser Erklärung haben sich alle unsere Staatssekretäre zufrieden gegeben, unser jetzi• ger Bhilmuler gerade wie seine Vorgänger Bacon, Koot, llay lind Day. Immer war es das nämliche staatsmäniiisclic Bediiuern, das auf jede dahiuzielende Interpellation in unserem nationalen Barlament als Antwort gegeben wurde. Auf die im April 1902 von den» demokratischen Abgeordneten Goldfogle von New York eingebraehte und vom Hause angenommene Interpellation hatte die Regierung nichts weiter zu erwidern, als daß sie mit Bedauern die Tatsache zugab, daß die russische Re• gieruug die Bässe jüdischer Amerikaner, gleich oh eingeborener oder naturalisierter Bürger, nicht an• erkenne, im Juli 1902 wurde Präsident Koosevclt uni «Maßregeln zur Abstellung dieser ungehörigen Diskriminierung; der russischen Regierung wider jüdische Amerikaner ersucht, ohne daß jedoch etwas geschehen wäre. 1111 April 1901 na 11 in unser natio• nales Repräsentantenhaus folgende Resolution au: ״Der Präsident wird hiermit ersucht, aufs neue in Unterhandlungen mit solchen Ländern zu treten, welche gegen Amerikaner auf Gruml ihrer Religion oder Konfession diskriminieren. Es wird der Präsident hier• mit des weiteren ersucht, durch Verträge oder sonstwie eine gleiche Behandlung oder gleiche Schützling nmeri• kaniselicr Bürger, die sich in! rechtmäßigen Besitz gehörig ausgestellter Pässe der Vereinigten Staaten befinden, zu sichern, so daß allen amerikanischen Bürgern gleiche Reise* und Aufeiitlialtsiiiögliclikeiten in solchen Ländern zuteil werden und zwar ohne Unter schcidmig auf (irimd von Rasse, Konfession und Religion," Mit dieser Resolution hatte es sein Be wenden, worauf die beiden Nationalkonveute, die im nämlichen Jahre in Chikago bzw. St. Louis tagten, lies neueren dahin zielende Beschlüsse faßten. Die Demokraten fügten auf ihrem damaligen Konvent ihrer nationalen Platform folgende Blanke ein: ״Wir ver• pflichten uns, auf Gewährleistung von gerechtem mul gesetzmäßigem Schutz, unserer Bürger im eigenen Lande wie im Auslände zu bestehen, und wir fordern den Erlaß aller solcher geeigneten Maßregeln, die ihnen gleichen Schlitz der Gesetze und gleichen Ge• miß aller Rechte tmd zwar ohne Unterscheidung von Rasse oder Glauben verschaffen, wie sic ihnen auf Grund unserer Handels• oder Freundschaftsvcrtriige zukommen. Wo aber unter solchen Verträgen nmeri kauiselien Bürgern das Reise• und Aufenthaltsrccht nicht gewährt wird, oder amerikanische Bässe auf Grund von Rasse und Glauben nicht anerkannt werden, fordern wir die Anbahnung von Verhandlungen zur Entfernung solcher ungerechten Diskriminierung. . . . Wir fordern weiter, daß ein von der Regierung der Ver. Staaten für einen amerikanischen Bürger ord mmgsgemäß allsgefertigter Baß als Beweis anerkannt wird, daß der Betreffende ein amerikanischer Bürger ist und demgemäß berechtigt ist, als solcher behandelt zu werden.“ 111 dieser letzteren Erklärung liegt nicht nur die Berechtigung der Forderung auf Beschaffung gleichen Schutzes, sondern auch die ycrnfliclitmig zur Geltend• iiiaehiiug einer derartigen Forderung in allen Fällen, wo es an Gewährung solchen Sclmtz.es gebricht. Die Regierung der Ver. Staaten kann und darf nimmer zugeben, daß amerikanische Bürger im Auslände ihrer Religion tmd ihres Glaubens wegen irgendwelcher Hechle verlustig• gehen, die fiir Jeden amerikanischen Bürger durch Vertrag gewährleistet sind. Eine Unter• Scheidung zwischen amerikanischen Bürgern auf Grund des Glaubens und der Rasse steht keinem unserer Vertragslämler zu. Ein ungehöriges Unterfangen ist es, eine solche Scheidung als‘ eine innere Angelegen* heit zu bezeichnen, denn es ist lediglich unsere eigene Angelegenheit. Die Vereinigten Staaten sind die ein• zige zuständige Instanz in der Frage, wer als ameri• kanischer Bürger z.u betrachten ist. Wenn die Ver. Staaten keine Diskriminierung zwischen Bürgern auf Grund der Religion machen, dürfen sic aucli von anderen Ländern, die mit ihnen Freuudschaftsvertrügc abgeschlossen liuhcn, erwarten, daß diese sieh solcher Unterscheidung enthalten. Amerika darf sieh nimmer damit einverstanden erklären, (laß andere Länder unsere Bürger anders als amerikanische Bürger he• handeln. Auf irgendeine Weise muß diese unleidige Angelegenheit iure Erledigung finden. Unser Land sollte eine fortgesetzte I loiiiiaclitung seiner Verträge nicht länger dulden.“ ״ AUS ALLER WfLT ״ Deutsch 10)1(1 Wir meldeten in voriger Nummer, der ameri• klinische Bliilaiithrop Jacob Schiff habe eine größere Summe Geldes für die zu errichtende Universität in Frankfurt a. M. unter der Bedingung gestiftet, daß die in Preußen geübte Praxis der Nichtcrneiimmg von Juden zu ordentlichen Professoren in Frankfurt nicht angewandt werden sollte. Nun hat in einer kürzlich dort .־!!)gehaltenen Versammlung, in der über die Frankfurter Univcrsitatsgriimlimg diskutiert wurde, der Bankier Wolf mitgctcilt, Herr Schiff habe 2• •״. Millionen Mark spenden wollen, sei aber davon ab• gekommen, da er keine Garantien für die von ihm verlangte Gleichberechtigung der Juden .im akadcniisehen Lehrfach erholten konnte. Auch Baronin Wil* heim v. Rothschild hat dem Vernehmen nach, als sie zur Zeichnung aufgefordert wurde, die Garantie verlangt, daß wenigstens an dieser, in der Haupt• sache von jüdischem Oelde gestifteten Universität die Barität gewahrt werde. Diese Gewähr konnte ihr nicht geboten werden, lind sie hat demzufolge eine Zeichnung abgefeimt. Itttssfanri Nachdem die seit Jahrzehnten tätige, um die Bildmigsbestrebungcii hoch verdiente ״Gesellschaft zur Verbreitung von A 11 f k 1 ä r u 11 g u 111 e r d e 11 J11 d e 11“ hei der russischen Regierung drei Jahre hindurch um die Erlaubnis zur Organisierung von Sommerkursen fiir jüdische Volksschullehrer in Wilna vergebens nachgesuclit balle, wollten neunzig jüdische Lehrer aus den verschiedenen Teilen des Reiches wenigstens an den allgemeinen Kursen sich beteiligen, die jetzt 111 *eterslmrg stattfinden. Ob• wohl es sieb nur um wenige Wochen der Ferienzeit handelt, welche eine Anzahl angesehener Professoren tmd Pädagogen zur Abhaltung der Kurse benutzen, hat das Ministerium des innerii die .Zulassung der jüdischen Lehrer dadurch illusorisch zu machen ge• wulit, daß die betreffenden Hörer kein W o 11 n re c b t in Petersburg besäßen. Das Gesuch der Kurse• Verwaltung um Gewährung eines kurzfristigen Aufentlialtsreehts an die jüdischen Lehrer wurde schroff zurückgewiesen. Der Ministergeliilfe Krysclianowski hat im Gegenteil die Polizeibehörden aufs strengste angewiesen, alle jüdischen Lehrer, die etwa angekommeii sein sollten, sofort aus der Stadt a 11 s z 11 w eise n. * Vom Hilfsverein der deutschen Juden geht uns die nachstehende Mitteilung zu: ״Es war schon seit einiger Zeit in den politisch ciußcwcihtcii Kreisen Petersburgs bekannt, daß die russische Regierung die traurige Lage ihrer jüdischen Untertanen weiter zu verschlechtern beabsichtige. Diese Bläue scheinen uiiumclir u 11 mittel h a r vor ihrer Ausführung zu stehen. Wir erhalten aus absolut zuverlässiger Quelle in Petersburg ein Telegramm, das an der deutsch« russischen Grenze aufgegeben worden ist und folgendermaßen lautet: ״Eine weitere Ver• scbärfting der antisemitischen Politik wird ' die russische Regierung unmittelbar cintreten lassen. Der Z a r hat durch eine b e s 011 d c r e R e s o 1111 i o n hierzu seine Billigung ausgesprochen. Die wachsende Bedrückung im Innern soll zugleich der* Regierung ihre Position bei den Wahlen erleichtern.“ Hut ff arten Atu 19. Juni haben die Wahlen zur großen Sobranje stattgefunden. In Sofia wurde der jüdische Kandidat Apotheker Farclii mit großer Majorität gewählt. Amerika Seit kurzem erscheint liier unter dem Titel ״La America" (Oriental Spänisb-Jcwish Journal) ein jüdisches Wochenblatt in spaniolisclicr Sprache. Die Zeitung, die von der Oriental I* r i 111 i 11 g and B u b I i s 11 i 11 g C o. heratisgegeben wird, bringt auch kurze Artikel mul Notizen im j ii d i s c 11 d e 111 s c h c n Jargon, Höchst interessant ist ein in der Feuilleton• rubrik abgedrucktes, fiir die praktischen Bedürfnisse der in Amerika lebenden spaniolischcn Juden be• rechnete# spanioliscli-englisch-deutsclijüdisches Voka• bular.

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