Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M* Saite 298 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 26 Zn einem solchen Zeitpunkt sollte man siel» «an* besonders daran erinnern, dal) ein j u n g c r Z i o » 1 s■ 11111 s vor allein eine / i o n i s t i s c 11 e J u g e n u erfordert. ... Der ganze Komplex zionistischer Grmidhegriftc ist wie dazu geschaffen, um gerade» auf die Jugend zu wirken. Kein Wort trifft unsere Bewegung besser, als das vom J u 11 g j u d e n t u m. Zum jungen Judentum gehört aber die j ii d i s c h e J u g e 11 d, Die zionistische Idee hat auch in der lat ihren grollten EiuflutJ auf die Kreise unserer Jugend gehabt. Dem im Leben stehenden Mann fehlt nicht selten der leichte Mut, über den Kampf ums Brot sich höheren Interessen zu/uweudcn, oft die geistige Elastizität, die notwendig ist, um umzuleruen. Iler junge Mensch hingegen wird mehr Zeit und Sinn finden, sich mit ideellen Fragen zu beschäftigen, sieh in sie zu vertiefen. Der junge Jude von Intelligenz und jüdischem Interesse, der ein warutfühlendcs Herz besitzt, ist noch nie den zionistischen Gedanken• gangen ferngebliebeu, w e 1111 er r i c 111 i g d am i l vertraut wurde. Das kann man täglich bei der Propagandatätigkeit konstatieren. Es ist auch klar. Für den Juden, der voller Sclbslhewußlseiii betont, dal) er unter allen Umständen Jude bleiben wolle, ist es nur noch ein kurzer Schritt zu allen Mall• nahmen, die dazu dienen sollen, dieses Judentum immer weiter hinaiifzuentwiekelu; es fehlt dann nicht mehr viel bis zur HcrcitWilligkeit, durch persönliche Mitarbeit an der Gründung einer öffentlich-rechtlich gesicherten H e i m s t ä 11 e die einzige Möglichkeit zu schaffen, jüdische Eigenart vollkommen ungehindert ' zu entfalten und zu konzentrieren. Das Baseler Urogramm bedeutet den Niederschlag unseres jüdischen I d e a I i s m u s. War aber die Jugend nicht von jeher gerade idealen Bestrebungen zugänglich? Es muH nun eine Organisation geschaffen werden, die sieh die Heranziehung und Erziehung dieser wertvollen Jugend zur Aufgabe macht. Sie ist im einzelnen schon vorhanden. In der ganzen Welt existieren zionistische Jugendvereine; ob sie nun Ilerzl-Kltib, Z'ire-Zion, Kadimalt Bezahl oder einfach Jtigeiulgruppe heillcn. Um diese alte muH das Hand gelegt werden, das sic hält. Eine zionistische J u g e 11 d Organisation ist imstände, sich an ein Publikum zu wenden, das der Werbetätigkeit der Ortsgruppen bisher entging. Schon dadurch, dalleine noch nicht glänzend dotierte Jugend die hohen ()rlsgrtippenbeiiräge oft nicht leisten möchte. Die Jugendorganisation braucht auller dem Schekel nur ganz geringe Beiträge zu erheben. Die Ortsgruppen werden gerne ihre Unterstützungen zur (iewinmmg der Jugend für unsere Idee gewähren. Zunächst sollen in allen Orolistädtcu die Jugendgruppen gebildet werden, die selbstverständlich beide Geschlechter umfassen sollen. Wo wenig Jugend vorhanden, müssen der Organisation angeschlossene Diskntierklubs zwangloser Art die Gruppe ersetzen 11. a. in. Die auf solche Weise herangezogene Jugend wird an Organisation gewöhnt. Sie stellt das spätere Kontingent zu den Ortsgruppen. , Das 1י r og ra in in ist einfach. Keine falsche Neu- Iralität zwingt uns, Rücksichten zu nehmen, die 1111• jüdische sind. Z i o n i s t i s c it e Vorträge, jüdische Oe• schichte, hebräische Sprache, jüdisch e Wissenschaft, Tenne 11 usw,, a 11 e O e g e 11 w a r t s p r o b 1 e 111 c des J 11 d e 111 u m 8 , die j ü d i s c 11 c 11 O r g a n i s a t i o n c n , T u r n a h t e i I u 11 gen (evtl, i in A 11 s e 11111 li a 11 best e 11 e 11 d e j ü d i s c h e T11 r n v e r e i n e), g e s e 11 i g e V e r n 11 s t n 1111 n g e 11 u. u. m. Die Ausarbeitung eines einheitlichen Planes für alle diese Veranstaltungen sowie zum Aushau der Organisation, Gründung von Uediierschnlen, Biblio• tlieken usw. soll Aufgabe eines Komitees sein, das am besten während des kommenden Kongresse«, tagen könnte.. Unsere Stellung z 11 ö r 11 i e 11 e 11 a 11 d e r e 11 J u g c 11 d vc rein e 11 oder a 11 g e m e inen V e r , bänden ist gegeben. Wo solche sind, sollen sic durch persönliche Mitarbeit unterstützt werden. Schon unser jüdisches Interesse erheischt, dal) wir das z. I). im Verband der Jugendvereine in Deutschland auf• strebende jüdische Selbstbewulltsein starkem Aber nicht nur unsere einzelnen Mitglieder, schon unsere Existenz, wird in vieler Beziehung fördernd für die ein• /.einen anderen jüdischen Vereine sein, speziell auf deren jüdische Betätigung, Keine Organisation jüdischer Jngendvcreino kann uns der Illoyalität zeihen oder gar unsere Existenzberechtigung aiizwcifeln. Wir werden als Einzelne Mit• glieder dieser Vereine bleiben, aber wir wollen in corpore diese Mitglieder für den Zionismus erziehen, durch einen kräftigen Zusammenschluß die Verbrei• jung des Zionismus unter der jüdischen Jugend ermüg• und Intensiv fördern. Dies ist nicht nur unser Recht, sondern unsere Pflicht. Alle Kräfte müssen angestrengt werden, tim die jüdische Jugend fiir unsere Bewegung zu gewinnen. Ist sie unser, so wird der Zionismus auch wieder jung werden. Die jüdische Jugend ist die zionistische Zukunft I ein? wir lieben Unter der Ueherschrift: ,,Eine unserer nächsten Aufgaben" schreibt uns Herr Fritz Michel •Berlin zum gleichen Thema: In fast jeder zionistischen Agitali011s־Versam111ltmg wird das grolle Wort ausgesprochen: ״Die Jugend haben wir!" Ich glaube, dal) sieh bei uns die Anschauung verbreitet bat, es genüge, zu konstatieren, dal) ein grober Teil der Jugend zionistisch sei und damit wäre genug getan. Die folgenden Ausführungen» sollen sich mm, was ich besonders bemerken möchte, nur mit der nichtakademischen Jugend beschäftigen. Da 11111I1 es mm •einmal ausgesprochen werden, daII von seiten der Partei für die Agitation und Or• ganisatimi in def iiielitakadcinischcn Jugend so gut wie nichts getan ist. Das ist sehr bedauerlich, nicht nur für die Jugend, sondern vor allem für unsere Bewegung. Es ist doch geradezu jämmerlich, dall in einer Stadt wie Berlin z. I)., die ca. G der deutschen Juden beherbergt, die nichtakademische zionistische Jugendorganisation seit ihrem Bestehen, also seit ca; 5 Jahren, nie über die Zahl von 3t) Mitgliedern liinaiisgekommen ist. Wie kann da von einem zionistischen Nachwuchs gesprochen werden, wenn man vor allem daran denkt, in welchem Verhältnis die Zahl von 30 Mitgliedern zu den Tausenden von jungen jüdischen Kuuficutcn und Handwerken! stellt, die in Berlin leben, und an die diu zionistische Agitationswcllc wohl noch nie herangekommen ist. Die Art der bisherigen Agitation mul Organisation in der nichtakademischen Jugend hat sich also durch ihr Ergebnis von seihst gerichtet. Die Wege in der Agitation nach auflcn, die der I ler/MIlub, Berlin, durch imposante grollzügig au• gelegte Jugemlversaiiimlungen im verflossenen Winter augefangeil hat, zu besehreiten, scheinen mir einen glücklichen Wendepunkt in der Geschichte der zionisti• sehen Jugend zu bedeuten. Es 1111111 jetzt endlich damit aiigefangeu werden, die Agitation unter der nichtakademischen Jugend von höheren Gesichts• punkten aus zu betrachten und mit stärkerer Energie und gröllerer Plaiunäfligkeit zu betreiben. Aber, wenn man hiermit beginnt, daun ist Hoch Eines, mindestens ebenso Wichtiges, erforderlich: Die Art unserer internen Arbeit in der zionistischen Jugend• Organisation mul) von Grund aus geändert werden. Es eht nicht, dall inan in der zionistischen Agitation nach nullen' einen großen Anlauf nimmt und dal) einem dann in der internen Arbeit der Durchbildung sozusagen der Atem ausgeht. Wenn nicht die zionistische Durchbildung der neuen Mitglieder in systematischer Weise erfolgt, ist der ganze Erfolg der Agitation hinfällig. Es muH vor allem mit diesen bunt durcheinander gewürfelten, zusammenhanglosen Vorträgen und Diskussionsnbcmlcn gebrochen werden. Die Mitglieder müssen systematisch in die zionistische Wissenschaft eingcfiilirt werden. Woher kommt denn diese Passivität und woher kommt denn zum Teil auch der Pessimismus? Weil wir gerade in nichtakademischen Kreisen nicht eine zionistische A11 11 ä 11 g e r s c 11 n f t, sondern mehr eine zionistische Zuhörerschaft haben. Der Grund dafür aber ist zum grollen Teil der, daß die Leute infolge ihres Wissensmangels in zionistischen Dingen zur Passivität und zum ״Nur-Geldgeben" verurteilt sind. Wie soll es auch denn nuders sein. Die Akademiker haben ihre zionistischen Fiisenstuiuleii. Die Nicht• akademiker aller müssen sich ihr zionistisches Wissen und Anschauungen zusammeiisetzen, nus einem italienischen Salat von Vorträgen mit Themen, die heute lauten ״Zionismus und StaatsbürgerUuu", mor• gen ״Die jüdischen Kolonien in Palästina", dmm wieder ״Die Juden als Rasse" und dann wohl noch ״Jüdische Kulturprohlcmc". Man schreit jetzt so nach ״Begeisterung und Innerlichkeit", aber woher soll auch mir eine einheitliche zionistische Weltanschauung kommen, wenn mau den Leuten, statt sie systematisch mul Schritt für Schritt in den Zionismus einziifiihren, mit Diskussionsnbcmlcn mul Themen wie oben kommt, die mehr eine zionistische Abeiidunterliaitung als ein Eindringen in den Zionismus darstellen. Nur wenige unter den Nichtnkndcmikcrn haben die Zeit, Begabung und Energie, sich seihst durch ein gehendes Studium der zionistischen Literatur, der jüdischen, besonders modern-jüdischen Geschichte eine einheitliche auf wissenschaftlicher Basis ruhende zionistische Anschauung zu verschaffen. Hier muß eben die Partei cinsetzen und Kurse, 11 c 1111 cn wir sic meinetwegen Parte schulen, gründen, die es auch den Nicht• :!Kademikerii ermöglichen, sich auf leichtere und doch wissenschaftlichere Art als sie das Selbststudium dar• stellt, eingehend und systematisch über die Probl des Zionismus zu unterrichten. Alles dies ist leichter durchzufülircn, wenn endlich einmal das ׳zustande bringen, was schon einmal vergeblich versucht worden ist: Den Zusammenschluß der schon hcslclicml«) zionistischen Jugendorganisationen zu einem Verbau^ Ich möchte den Verband aber nur als eines unter den Mitteln zur Erreichung oben erwähnter Ziele bc. trachten, nämlich: Besondere energische Agit;ujon u n t c r d e n j u u g c n j ü d i s c h e 11 Kan f 1 c-111 c n 11!ul II a n d w e r k e r 11, E i 11 r i c 1111111 g von Kursen, Parteischulen usw. zur s v s t e. malischen und wissenschaftlichen Durchbildung der jungen Zionisten. Fritz Mich c I, Dr. Porges und die Alliance-Wahlen Herr Rabbiner Dr. uns: Porges •Leipzig schreibt 10. Juni l'Hl. Leipzig, Seltr geehrte Redaktion! Ich bedauere sehr, Sic noch einmal mit der Hiue um Aufnahme einer Berichtigung in meinem Interesse bemühen' zu müssen. Was Herr Ben Ar0 11 in Nr. '21 Ihrer gesell. Zeitung schreibt, dal) ich meinen Brief vom 21. Mai ״auch einem Berliner Herrn zur beliebigen Bcuut/um; übergeben batte", muH ich dahin richtigstellen, dal) ich am Schlüsse dieses meines Briefes den Adrcssii״•« ausdrücklich ermächtigt hatte, davon nach seinem Ermessen Gebrauch zu machen, leb habe dieses nicht zn Walilzwceken getan, sondern nur, um den Schein zu vermeiden, als hätte ich als Rabbiner ein Interesse daran, dall mein Entschluß, für Rcinach zu stimmen, geheim bleibe. Die Gründe, die mich bewogen haben, Rcinach zu wählen, sind in meinem Briefe angegeben. Ich stelle ferner zur Rechtfertigung meines Vor• geliens fest, daß ich bereits am 7. Mai in einer Ver• Sammlung der hiesigen Ortsgruppe der Alliance ausdrücklicli erklärt hatte, daß ich mich außerstande sähe, dem Beschlüsse der D. C. G. gemäß fiir die Berliner Liste mündlich und schriftlich ein/utfeten und nur aus diesem einen Grunde unwiderruflich darauf bestehen müßte, meine ׳Demission als Vorsitzender des hiesigen Lokalkomitees zu gehen ,ariscr Liste lag damals noch nicht vor. Ich weiter zu erklären, daß ich von Anfang bis zu mich hei den hiesigen Mitgliedern der Alliance Wahlhccinfliissimg grundsätzlich völlig enthalten und cs sogar abgetelmt habe, als Wahlaufseher heim Skrutiniimi mitzuwirken. Erst heute habe ich aus ihrer gesell, Zeitung das Wahlergebnis erfahren, das mich darum recht überrascht hat, weil hier niemand für die Pariser Liste cingetrctcn ist. Was endlich mein Vorgehen bei meiner ״famosen Inspektionsreise" und mein Verhalten ״in der bc• kannten Hilfsvcreinsangeiegetiheil" betrifft, ist erderes in meinem Reiseberichte, letzteres seinerzeit in der Allgem. Zeitung des Judentums von mir genügend klargestellt worden. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabl», l)r. P arge s. 0 Herr Dr. Porges berichtigt also noch einmal und zwar mm nicht mehr bezüglich seiner miriel : gen Angaben über die Herkunft der Wahlgclder. aber über den Nebenpunkt, oh sein Schreiben vom T. Mai dem Empfänger zu unbeschränktem Gebrauch zu׳ Vor• lüguitg gestellt war. Er erklärt, er habe dies ni ät zu Walilzwceken getan, sondern mir, um den Anscl*• m zu vermeiden, als Italic er als Rabbiner ein Inlcrcss» ׳!ran gehabt, daß sein Entschluß, für Rcinach zu sti, men, geheim bleibe. Mit uns wird wohl bisher die O.'icut• liehkeit sehr slark den Eindruck gehabt habe•!, daß!lern! Dr. Porges als Rabbiner ein öffentliche - Ein• treten ihr einen Reinacli schwer fallen mußt■ Wir konstatieren jetzt, seinem Wunsche gemäß, daß Herr Dr, Porges sogar den Anschein solcher Seelenk, mpfc zu vermeiden wünschte. Die Sache wird all!•• *tilicU psychologisch wirklich immer interessanter. ,A'enn die Leipziger Wähler trotzdem bedenklicher w.tren» als ihr Seelenhirte, srv ist das auch ein Zeichen de! /eit. Herr Dr, Porges spricht dann davon, daß c!!•'•’•יי Vorgehen hei seiner famosen Inspektionsreise mal חי der Hilfsvereinsaiigck'genlieit schon klargestell! habe. Wir hätten wirklich in seinem Interesse gewünscht, daß er über diese Punkte geschwiegen hätte. Es macht uns auch gar keinen Spaß, diese Diskussion fort• zusetzen. Man wird gezwungen, immer mehr zu sagen, da uns aber Herr Dr. Porges mit einer eleganten Handbevvcgtmg ahzutun sucht, sind .wir es denn doch der ()Öffentlichkeit schuldig, Ihr reinen Wein über den Wert yon Berichten und Angaben ciuzuschenkeii, Bic aus seiner Feder stammen. Also ein Beispiel. In der Aprilnuinnicr des Jahres 1009 von Ost und West steht folgender lobhymnus auf den fürtreffliehen Herrn Antebi in Jerusalem: ‘‘**wanti