Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651737--07815-2665009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JU EDiSCHE RUN DSCHAU Seite 297 Jjrjö___ diieil. auf 1'•ner EiM/ijjjkcit, die 1u>cl* jct/.l existier!, )jriiii• k.'iui) man auf sein Judentum nir stolz sein, |,‘.״n man es empfindet als etwas, das auch jct/.l '״eil •'II*■'״ Niclitjiidisehen fremd und womöglich iibe^• * .י״ /uiniiidest aber in seiner Gegensätzlichkeit gcicl1"׳eriig ist. Wo finden wir aber das im Judentum, ias auch heute noch von allein Niclitjüdischen sich ,fiiiiil' dzlich unterscheidet? Im rein •Religiösen, Sill- Iclie״, wie wir feststellten, nicht. Denn dessen Werte iiul A'Sgvmcingut der in Betracht kommenden Mensch• 1cj!!;!•worden. Es bleibt nur eins: das Nationale. Das jCw1!!iNcin, einem Volke anzugehüren, das in fünf. 3usc1tdjdhrij׳cr koiitinuierliclier Geschichte einzig .da• icltt, aas während dieser ganzen Zeit, vom ersten iuft!1׳ ׳ n irgendwelcher Kultureleineiitc bis zum heuti• cn 1 »ge, ein einzig dastehendes Volkstum sieh be• ■jlu;,, während dieser ganzen Zeit in allen seinen folk•! imsäullerungen, in der Religion, in der Kunst, ך ,Ic■ Wissenschaft, in der Philosophie, in der Poesie, l״ u iitscliaftsleben ein eigenes Gepräge von 1111■ fr11 nt wtiiiderherrliclier Farbenpracht besah und be• jl/t in einem Worl: das lebendige Vorkniipftseiii!il ,! Knllurgeschidite des Volkes überhaupt und ,ich: mir mit der Ueligionsgeschiehte, ist die einzig log. , lie Voraussetzung für einen Stolz, der. ebenso ״er!miterlich .als gerechtfertigt ist. Und ein rück-;1111 •י Sichhineinleben in diese Wurzeln, in dieses?11IL׳:״.m1, in seine Eigenart, ein volles Erkennen er ungeheuerlichen Kulturwertc, die noch in ihm cl1l1!i;m1er11, ein SichbewuHtwerdcn der unbegrenzten 1d1ait׳mgs1nüglichkcilen, die wir aus diesen Wurzeln aiigi״ können, verleiht uns die Stärke, die der t״l/ nötig hat, um zu siegen.- l ml mm, verehrter Herr Doktor, geben Sie mir UilU'irt: ücwiihrt das bisherige System des jüdischen luteiüchts auch nur die leiseste Möglichkeit hierzu? lic erden es selbst nicht behaupten können. Der esamtc Unterricht, wie er zurzeit gchandhabt wird, ient weit eher dazu, die Ketten zu lösen, die das Iünd mit seinem Volkstum verknüpft, als zu festigen, )je lirimde hierfür habe ich bereits angedeutet und rill sic noch einmal streifen. Dank jener ungeheuerlichen Begriffsverwirrung, 011׳ der ich bereits früher zu sprechen Gelegenheit idle,') sind wir Juden — als einziges Volk unter Jen Völkern — gezwungen, die gesamte Kultur• gcscliichtc zu erkennen durch theologische Brillen. Alles, was wir von der Geschichte unseres Volkes (ciincii, wird von vornherein in die alleinige Präge• Iclhmg gepreßt: wie verhält es sich zu dem — ur Zeit des Geschehnisses oft noch gar nicht vor• laiidcncn - Gesetze? Jedes politische Ereignis wird *ms dargestellt als ein religiöser Akt, bei den pro- ■allsten Dingen ein Zusammenhang mit Religion ge• Jüaltsain gesucht. Eine objektive Darstellung ist tclilidtiltiii unmöglich. Wenn ein König den religiösen Ansprüchen seiner zelotischcn Chronisten nicht ent• ipraeli, lernen wir ihn nur als Scheusal kennen, mag ur ein noch so hervorragender Krieger oder Staats• mann gewesen sein. So erging cs Aliab, der das Unglück hatte, ein Zeitgenosse Elisas zu sein — er Ist uns mir in der Verzerrung übermittelt, die Elisa oder sein Biograph zeichnete. Umgekehrt lernen wir den Bluthund Ichu von einer außerordentlich sympatliischcit Seite keimen — der Grund liegt nahe: ichu, der keinerlei besondere Eigenschaften besaß *) ״Sendschreiben an einen traditionell-gcsetzes• treuen Juden“, Bücher und Zeitschriften Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege. Statistisches Jahrbuch 1911. I ׳! rausgegeben vom Deutsch-Israelitischen Ge* uicindcbund Berlin, Zum zwanzigsten Male in den •12 Jahren seines jkskmdes gibt der Deutsch-Israelitische Gcmcindcbund i״ diesem Jahre sein Handbuch heraus. Jeder, der mit der jüdischen Gemeindeverwaltung zu tun hat, oder der lur irgendwelchen wohltätigen Zweck die Adresse 11״er Institution oder Stiftung sucht, findet in dem Uiche bald das Gewünschte. Nach den Personalien des Gemeindebundes finden wir die genaue Zu• *umiienstellung der über ganz Deutschland sich er- *•1reckenden Vereinigungen, dann eine genaue Zu• suiiinenstellung der jüdischen Gemeinden Deutsch• l'iuls und der Plätze, in welchen Juden wohnen, mit Angaben über Statistik, Personalbestand, Organisation, *״»wie Schul• und Vcrcinswesen. Aus dieser Auf- Stellung geht hervor, daß cs im Deutschen Reiche etwa •1000 Plätze mit Juden gibt, von denen gegen 2500 als (,esondere Rcligionsgemeinden organisiert sind. Da jedoch, wie sich aus Nr. 78 der Mitteilungen des Ucineindebundes ergibt, nur etwas über 1000 Ge- 1«eitulcn sich dem Bunde angcschlossen haben, so ersieht man auch aus dem Buche, welch großes Arbeitsfeld noch für die Agitation, welche nach den Ergebnissen des vor einigen Wochen obgehaUcneu außer seiner Grausamkeit, war ein Werkzeug in den I landen der Priester; von ihnen angesliftei, rottete er das ganze ״sündige“ Haus Allahs mal alle Baals• pricsler ans kurzum: überall diese eine erst zu einer viel späteren Zeit (frühestens tiaeh Josia) berechtigten Perspektive des Jahvetlieiicrs, Dali man ein baten• lender Mensch sein kann, auch wenn man der Gottes• lehre femstelit, so wie die griechischen und römischen Helden prachtvolle Gestalten sind, ohne «laß sie dem Gollesglauben nahegestamlcn hätten, das ist etwas, wofür unser Unterricht kein Verständnis hat mul haben darf: Ist er doch - Religionsunterricht! Zwei Stunden wöchentlich haben wir die Möglich• keit, unsere Jugend mit dem Judentum vertraut zu machen. Was geschieht? Statt diese wenigen Stunden aiiszunutzcn, gellt mau mit ihnen so leichtsinnig um, als ob man noch ruhig und behütet, sicher vor allen Verlockungen fremder Kulturen, im dunklen Chedcr kauerte. Nimmt sich Zeit. Wurstelt weiter. Lehrt die Kulturgeschichte, politische Geschichte als Re• liginul Veranschaulicht nur die Taten jener Männer, die recht gottesgläuliig waren oder seidenen lind stempelt deren laten, auch wenn sie noch so sehr dem jüdischen Sittengesetz widersprechen, gewaltsam zu religiösen Akten (wie Jehtis Blutdurst). Was ist die Folge? Sobald jemand das Interesse verliert an der jüdischen R e 1 i g i o 11 s gcscliichtc, verliert er, da er beides für identisch hält, jegliches Interesse an der jüdischen Geschichte, am Judentum überhaupt. Bibel? Nie würde er sie in die Hand nehmen. Wozu denn? Die ewigen Religiousstreitereien! Mal ein Götzendiener, mal ein jaliveist auf dem ThronI Wenn ihm daun aber jemand zufällig, gesprächsweise, die slaatsuiäuuisclie Bedeutung Simris, die Heldengestalt Allahs, den grandiosen Tod der Ische! lebendig macht oder den profanen, jeglichem Gottestiim fremden Pcld• liaiiptmann Jonb vorführt, fragt er, starr vor Staunen ob dieses Reichtums, wie meine Preundin, die Lehrerin: ״Steht das auch in der Bibel?“ Soll ich konkreter sein? Ich will cs tun; weiß ich doch, daß Sie gern den Vorwurf des Wortreichtmus und der Tachiisnrmut machen. Ich erinnere mich des unauslöschlichen Eindrucks, den beispielsweise s. Zt. Grubes Geschichtsbilder auf mich, den Knaben, machten. Noch heute sind mir die geringsten Einzelheiten lebendig: Wie Darius seine Krone (lein pfiffigen Stallmeister verdankte; wie Xcrxes das Meer peitschen ließ; wie Cyrus sieh durch die Kopfinschrifl eines Sklaven zum Aufstand bewegen ließ ich wühle in tmcruießlichen Schätzen historischen Reichtums. Wo aber bleiben wir? Wer kennt nicht die Geschichte von der Belagerung Trojas, von dem heldenmütigen Widerstand, von der List der Griechen, dem hölzernen Pferd? Wer aber weiß etwas von den Kämpfen, die um Jerusalcms Maliern tobten? Müssen uns Nichtjudcn (Cruilol, Ernst Trampe: ״Ein König von Juda“) erst die Grandiosität dieser Tragödien ins Gedäehtnis rufen? Wer weiß nicht die Geschichte vom Tode liektors, wer erinnert sich nicht, wie Achilles seine Pcrsen durchlöcherte und ihn hinter seinem Wagen Iterschleifen ließ im wilden Siegesrasen rings um die todesmatte Stadt? Wer aber weiß etwas von der Gestalt des Königs Aliab, der, den Todespfeil in der Brust, aufrecht ausliiclt auf seinem Wagen bis Sonnenuntergang, damit nicht die Nachricht seiner Verletzung Schrecken und Verwirrung in die Reihen des judäisdoisraelitisdien Heeres brächte? Die Geschichte der Demagogen und Voiksführcr ist jedem 1.11 —■- — ■■■.■-■■■ ..■Hi ■II ,.■'■■«.■»■.II.. ...1 außerordentlichen Oemeindetnges wohl bald für die nächste Tagung einsetzen wird, für alle Parteien vorhanden ist. Schließlich werden ip einem Anhang noch eine Menge von behördlichen Entscheidungen und Vcr- Ordnungen aus den Gebieten des Verwaltungswescns, des Religionsunterrichts und Schulwesens usw, gegeben. Das Buch ist für jeden, der sieh mH der Vcr* waltung jüdischer Institutionen zu befassen hat, eine unerschöpfliche Fundgrube, Hamburg, den 26. Juni 1011. Rechtsanwalt Dr. T a n 11 e 11 w a I d. 1111 Verlage unseres Gesinnungsgenossen Herrn Meier H ii b n e r in Nadworna, Galizien (Redaktion Pamilieublait, Vertreter mehrerer Verlage), der jüngst sein weitbekanntes Liederbuch ייי עירי ציון vierter vergrößerter Auflage und viele Klavier- und Violin- Noten herausgegeben hat, ist soeben ein ״Jüdisches Volkslicderbuch“ erschienen, welches eine Saiimilung der populärsten jüdischen Volkslieder enthält. Wir weisen heute kurz darauf hin und werden auf dieses Büchlein sowie auf die übrigen Vcröffcntlichungcn des erwähnten Verlages noch zurückkommen. Durch den erwähnten Verlag können auch sämtliche jüdische Zeitungen abonniert und Prospekte verlangt werden. vertraut - wer kennt die der Propheten? Jedernimm keimt den Volksichrer Sokrates, weiß, wie er starli; wer aber kennt den Volkslehrer• Jeremia, weiß, wie er in eine Zisterne geworfen, wie er im Tempelliof gefesselt und gezüchtigt wurde, weil er sich durch seine Sittlidikeitsprediglen mißliebig gemacht batte bei Hofe? Wer liebt nicht die Reckengestalt Hagen von Troujcs? Wer aber kamt Joah, den Peldhuupt« mann Davids, Joab und seine Brüder, die Söhne Zcrujas? Und noch eins: wer las nicht mit Entzücken die Minneliedcr Walters von der Vogelweide — — und kennt doch nicht das Hohelied? Genug - - genug ״■ ich fände kein Ende des Auf/älilens. So unsagbar reich ist ja die jüdische Geschichte an derlei ״profanen“ Dingen, Dinge, die von den meisten unter uns wohl mit den naiven Worten meiner Preundin, der Lehrerin, begrüßt werden mögen: ״Stellt das auch in der Bibel?“ Werden Sie jetzt verstehen, verehrter Herr Doktor, was ich mit meiner unhöflichen Kritik bezwecke? Lassen Sie mich kurz einiges resümieren: Wählend zwei Stunden in der Woche ist uns die Möglichkeit geboten, in unseren Jungen Stolz und Stärke zu säen. Es liegt in der I land der Lehrer, Mögen sie sielt doch der Verantwortung bewußt werden, die auf ihnen ruht! Mögen sie doch daran denken, daß das jüdische Volk einst Rechenschaft fordern wird! Mögen sie sich davor bewahren, daß sie sieh nicht werden verbergen müssen vor dem Klagegeschrei ihrer Schüler, die um ihr I!eiligstes■, um ihr Volkstum, trauern! Daß sie nicht einmal werden flüchten müssen vor dem Aufmarsch jener hybriden Selbstiiiordgcstalten, denen sie statt Stolz und Stärke Schwäche und Demut, statt freudiger Schaffenskraft lichtscheue Impotenz, statt mutiger Gewissensfähigkeit feigen Nihilismus niilgabcn. — Nehmen Sie mir, verehrter Herr Doktor, meine Uiiliöflichkeiten nicht übel. Sie wissen, daß ich an der Ehrlichkeit Ihres Willens nie gc/.weifelt habe. Ergebenst Heinrich Margulics. Jüdische Jugend — die zionistische Zukunft Vorschlag zur Gründung einer zionistischen Jugendorganisation für alle Länder*) Von L. Perl mutier, Frankfurt a. M. Der Zionismus soll wieder jung werden. Diese Forderung klingt aus fast allen öffcnU liehen Manifestationen unserer Bewegung. Sie bildet den Inhalt der Agitalionsreden, sic durchzieht die Arbeit der Ortsgruppen und ist ganz besonders stark als Parole für den J u b i I ä u m s K o 11 g r e ß in mehreren zionistischen Organen (speziell Rußlands) ausgegeben worden. *) Mit uns werden viele unserer Leser den Zeit• punkt fiir geeignet halten, diese wichtige Präge vor der Aussprache der Kongreßtage noch einmal zur Diskussion zu stellen. Es ist gewiß kein Zufall, daß uns fast gleichzeitig mit den Ausführungen unseres Freundes I* e r 1111 u 11 e r ein zweiter Aufsatz erreichte, der sich unter ähnlichen Gesichtspunkten mit dem gleichen Thema befaßt. Wir geben die beiden Beiträge wieder und hoffen, daß diese sowie die weiter eingehenden Artikel zur Klärung der wichtigen incthodisclten Präge beitragen werden. —■—————...1״**׳ ■ Aus dem Inhalt des soeben erschienenen zwölften Heftes der illustrierten Zeitschrift Jung-Isracl! Ein Sehnsttehtslied von Jehuda llnlcvi, -- Moses Tod, eine jüdische Sage. — Von den Höhen der Mensch• heit. -- Der Libanon, — T)ie Landstreicher. Von Morris R 0 s e n f c 1 d, New York. — Der Polen Königswaltl. — Die jüdische Knabenbrigade im englisehen Krönungszug. — Eingegangene Bücher (Besprechung Vorbehalten.) * Heinrich-Hcinc-Briefe. (Pan-Vcrlag, Berlin.) Die Familie Großglück, Schalom Asch. (Vcr• lag S. Fischer, Berlin.) Elsic Llndtncr, Karin Michaeli s. (Concordia, deutsche Verlagsanstalt, Berlin.) * Schiller, sämtliche Werke, Band 2, •l und 5. (Der Tempel-Verlag,' Leipzig.) In Leiitenband 3 Mk. *Ghettodümmerung, Jacob'Fromer. (Verlag Schuster ft Locfflcr, Berlin.) Brosch. 3 Mk., gcb. 4 Mark. Illustrierte Religions- und Sittengeschichte aller Zeiten und Völker, von Dr. Otto H e n 11 e am Ryhn. (Verlag Strecker ft Schrocdcr, Stuttgart.) Brosch. 3 Mk., gcb. 4 Mk.