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Jüdische Rundschau · 1911-06-23 · Heft 25 (23.6.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 284 j UEDISCHE RUNDSCHAU ,Mi , Nr. 25 'Alliancewahlen in Bulgarien i):1li cs bei den Wahlen am •I. Juni nicht mit rechten Dingen zugeheu würde, sahen wohl die meisten voraus. Berlin stellte daher die begründete Forderung, daß sämtlich« in Paris ciulaufeiulen Wahl• Zettel einer Kontrolle unterzogen werden sollen. Diese Vorsichtsmaßregel erwies sich jedoch als unzureichend, wie aus Nachfolgendem 'zu ersehen ist. tu einigen bulgarischen Kleinstädten, Stnra• B a g ״ r a, SI i w e n , K a s ״ n I i k und B u r g a s , erschien anfangs dieser Woche Herr Huko Konf i n o f, Exdirektor einer AllianCesehule zu Konslantinopcl, um Stimmen für Herrn Kein ach zu sammeln. ״Ihr wißt alle,“ so meinte er, ״daß die Alliance Euch nach dem russisch-türkischen Kriege 1877 aus schwerer materieller Not herauslialf. Wollt Ihr Euch dafür erkenntlich zeigen, so müßt Ihr Mitglieder der Alliance werden. Ihr habt nur 50 Ceutimes z.u zahlen und diese Liste zu unterzeichnen.“ Herrn Konfinof ist denn auch der Stimmenfang bei einer Anzahl von bulgarischen Landjuden vor/iig• lieh gelungen. Ihn persönlich (ordern wir zunächst auf, nachfolgende Anfragen ohne Umschweife zu bc• antworten:!.Werg a h 11 e r r n K ס n f 111 o f d a s R e c h t, in den Wahlkampf e i n z u g r e i f e n? Solange er im Solde der Alliance steht, hat er sich nicht darum zu kümmern, ob Herr Rcinach zu seinen Vorgesetzten zählt oder nicht. 2׳. Seit w!mit kan n tu an durch Z a 11 I u n g von 50 C e 111 i m es Mitglied 11 e r Alliance werden? Bekanntlich beträgt der Mlndcslbeitrag für Bulgarien doch ö Fr., für Deutsch• lund 5 Mk. und für die Türkei V» Lstr, 3, Wan 11 w 11 rd e n die Sil m m z e 11 e I ge• sammelt? Sicherlich nicht vorschriüsgcmüß am •I. Juni, denn oben bezeidmetc Ortschaften können kaum an einem und demselben Tage erreicht werden. 4. Verpflichtet eine Unterstützung durch die Alliance i in Jahre 1877 z. u r Stimmenabgabe für Herrn Rcinach? Soviel uns bekunnt ist, standen vor 34 Jahren doch ganz andere Persönlichkeiten an der Spitze unserer Institution. Die jüdische Intelligenz, aber fordern wir auf, entschieden gegen derartige Wnhhnachcn zu pro• testieren und die Maßregelung des Herrn Konfinof in Konstnntinopel zu verlangen. Außerdem ersuchen wir die Wahlprüfungskomutission, die Wahlz.ettel aus ge• nannten bulgarischen Ortschaften für nichtig zu er• klären. Joseph B. Pardo, Redakteur des ״H a s c h 0 f a r“. Die Juden in der Türkei Von Dr. Bernhard K a h n.*) In den Ländern der Türkei leben etwa eine halbe Million Juden. Davon kommen nicht ganz 200 000 auf die europäische Türkei, 20 (!03 auf das türkische Nord• afrika (Tripolis) und mehr als eine viertel Million auf die asiatischen Reichsteile. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Juden in den großen Städten konzentriert. So finden wir in Konstantinopcl ca. 70 000 Juden, in Saloniki (unter 150000 Einwohnern) 80000, in Jerusalem (unter 05000 Einwohnern) 00 000, in Bagdad 50 000 und in Smyrna 35 000 Juden. Weitere größere jüdische Oe* mcinden, die zwischen 10 000 und 000 20׳ Seelen auf• weisen, gibt es in Adrianopel, Aleppo, Damaskus, Safed und Jaffa. Während der mannigfachen Verfolgungen der Juden im Mittelalter war die Türkei den Bedrängten stets freundlich gesinnt und öffnete den aus anderen Ländern Vertriebenen gern das Land. Insbesondere ') Aus Anlaß der ״Oüomanisclien Studienreise“ bringt die treffliche Wochenschrift ״Die Hilfe“ (Berlin• Scltönebcrg) soeben eine Türken-Nummer heraus, der wir mit Genehmigung des Autors den obigen Artikel entnehmen. Einige in der ״Hilfe“ stehen geblichene Druckfehler sind hier ausgemerzt. Die Red. hat die Türkei die Massen der aus Spanien und Purtugal vertriebenen Juden aufgeiiomiueu, deren Nach• kommen, die noch ein spanisches Idiom sprechen, heute den Grundstock der jüdischen Bevölkerung der europäischen Türkei bilden (Spaniolen). Die Einwanderer des 19. und 20. Jahrhunderts rekrutierten sich vornehmlich aus den osteuropäischen Juden (Aschkenasim); auch diese, freilich an Zahl den Spaniolen weit zurückstehend, bilden heute in manchen Städten der Türkei bereits ansehnliche üc• meiiideii. Die wirtschaftliche und soziale Lage der tiirki• scheu Juden ist für die großen Massen nichts weniger als glänzend. Nach einer verhältnismäßig kurzen Blütezeit im Mittelalter gerieten die türkischen Juden mit dem Niedergang des osmanischcii Reiches und bei der jatirluuidcri.mgeii Stagnation in einen schweren wir!• scliaftliehen und geistigen Verfall, aus dem sic sich erst in tmsern Tagen sichtlich, wenn auch langsam erholen. Das plötzliche, fast wunderbare Erwachen der Türkei, die Neugestaltung der politischen Verhält• nisse, die politische Freiheit und die beginnende auf• steigende wirtschaftliche Entwicklung hat auch in die dumpfe Abgeschiedenheit der türkischen Juden Licht und Luft gebracht, und in fleißiger Arbeit, in treuer Anhänglichkeit an das Reich, in neu äuge• regier Rührigkeit wirken sie mit an dem Aufbau, der Größe und der Wohlfahrt der neuen Türkei. Die Gruppierung der jüdischen Bevölkerung in den großen Städten und Handelszentren trägt dazu hei, daß sie belebend vor allem iitif Handel und Verkehr, auf Industrie und Technik cinwirkt. Die neu• cingcwandertcii Elemente unter den Juden stehen hier in vorderster Reihe. Da diese dem aschkenasi• scheu, gewissermaßen dem deutschsprachigen Teile der Juden angchörcn, so werden auch dem deutschen Handel und den deutschen Unternehmungsgeist durch die Juden viele neue Wege geöffnet. In der Türkei haben die Juden in hohem Grade auch ihre Eignung zur landwirtschaftlichen Arbeit erwiesen. Eine schöne Probe ihrer Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiete sind insbesondere die jüdischen Sied• hingen in Palästina. Von einer eigentlichen jüdischen Koionisations• tätigkeit in Palästina ־ kann man erst seit dem Bc• ginn der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts sprechen. Damals begannen die großen russischen Judenverfolgungen, und wie so oft in den Drangsalen der Jahrhunderte, richteten die Verfolgten ihren Blick nach der Türkei. Von den Vertriebenen und Bedrohten wanderten einige tausend von Rußland nach Palästina, um sich dort als Ackerbauer eine neue Existenz zu gründen. Die tapferen Versuche gelangen nur zum Teil. Widrigkeiten und Rückschläge aller Art drohten lange Zeit das Kolonisationswerk zu vernichten, aber die ziel• bewußte Ausdauer führte schließlich zu einem guten Erfolg. Aus den kleinen Anfängen heraus hat sich in den 30 Jahren das Kolonisationswerk in Palästina in schönster Weise entwickelt. Heute gibt cs über 30 jüdische Kolonien, deren Bodenfläche ca. 40000 ha beträgt, und die eine ücvvolincrzahl von 8000 Seelen haben. Die Kolonien liegen in den west-jordanischen Landesteilcn und bilden drei Gruppen, deren bedeutendste rings um Jaffa gelagert ist. Eine zweite Gruppe ist . in der Nähe der Städte Tibcrias und Safed, die übrigen befinden sich zumeist in der Küstenebene südlich von Haifa. /Ms die Kolonisation begann, wurde in der Haupt sadte WcinbaU betrieben. Jetzt ist die Kultur schon wesentlich vielseitiger; man baut Getreide, Wein, Orangen, Oliven und Mandeln. Sehr viel' haben die jüdischen Ansiedler zur Sanierung des Landes beige• tragen durch die zahlreiche Eukalyptuspflanzungen, die sic angelegt haben. Die landwirtschaftlichen Leistungen der Juden werden uneingeschränkt selbst von neutraler ,Seite anerkannt. Vorbildlich haben besonders die jüdischen EIBBBBBBBBBBBBBBE1P1 n ist cs für alle, die cs bisher versäumten, ihre Abomicmentserneiierung tiaclizuholcii. 013ששש0םפושםםםםשששש Baum Pflanzungen gewirkt, aber auch in der Ver. Wendung von Maschinen (namentlich zur Bewässerung der Orangcnplantngcn) und verbesserten Geräten gingen die jüdischen Kolonisten voran. In den Kolonien lebt, wie wir gesehen haben, nur ein geringer Teil der Juden Palästinas, dessen judi. sehe Bevölkerung auf 95 000 veranschlagt wird. |>je meisten wohnen hier wie anderwärts in den Städten. Die Kolonisationsbcstrebungcn und die damit ver* buudeuc Einwanderung von Juden nach Palästina haben aber auch das bild der städtischen Juden!גי• iästiuas gegen früher wesentlich verändert. Wal!, reml die älteren Einwanderer aus Elementen bestanden, die ein frommer Drang nach dem Heiligen Lande trieb und die zumeist von der Unterstützung der europäischen Judcuhcit lebten, sind die neuen Ein- Wanderer Kntifleute und Handwerker, Gcwcrbetrei• bemie aller Art, die Haud׳:l, Industrie und llamlsverk iu den Stätten beleben. Die jährliche Einwanderung nach Palästina und Syrien seit den großen Progro• men in Rußland ist ziemlich stetig geblieben und bc• trägt etwa 2000 im Jahr. Sie rekrutiert sich mehr und mehr aus der Mittelklasse, die Kapital und Unter• »ehmungsgeist ins Land bringt und die bereits viel zum Aufblühen des Landes beigetragen hat. Es muß merkwürdig anmuten, daß gerade diese erfolgreichen Bestrebungen der Juden in Palästina, die dein Lande so großen Nutzen bereits gebracht haben, in der letzten Zeit zum Gegenstand heftiger politischer Erregungen in türkischen Kreisen gewor* den sind, weil Einige glauben machen wollen, daß durch die Siedlungen sowie durch die Tätigkeit der Juden in Palästina überhaupt der Türkei ein neuer Nationalitätcnkonflikt drohe. In der Geschichte des türkischen Reiches gibt cs kaum ein andres Bcvölkerungselemcnt von so er• probier Treue für die Türkei wie die Juden. Trotzdem ihnen von jeher zur Regelung ihrer eigenen Angc• Icgcnliciten eine gewisse Selbständigkeit allzeit ein• geräumt worden ist, haben sic diese nie benutzt, um der Türkei Schwierigkeiten zu machen. Es darf als ausgeschlossen gelten, daß die kolonisatorische oder sonstige Arbeit in Palästina an dieser Treue der Juden für die türkische I lerrsdiaft etwas ändern weide. Daher sollten die Erfolge iu Palästina die Türkei veranlassen, die Einwanderung der Juden nach l'a• lüstina und nach allen Teilen des türkischen Reiches zu ermuntern und zu fördern. Die geringe Bevölkerungsdichte der türkischen Länder verlangt nach einer starken Einwanderung, wenn das Land zu einer gesunden und natürlichen , Entwicklung kommen will. Für eine Einwanderung nach der Türkei sind die Juden Osteuropas besonders geeignet. Die Entfernungen sind verhältnismäßig gering, das Milieu ist ihnen nicht vollständig fremd, sie können nicht nur ihren Unternehmungsgeist, ihre Geschicklichkeit, ihren Fleiß und auch ihr Kapital iu den Dienst des tiirki• sehen Reiches stellen, sie bringen zudem noch wert• volle Handelsbeziehungen mit Europa in das otio* manische Reich mit. Die Türkei würde durch eine Begünstigung der jüdischen Einwanderung ihrer .historischen Tradition treu bleiben. Von der Begründung des türkischen Reiches an war cs immer in den schweren Zeiten der Verfolgung der Juden ein offenes und sicheres I י Schekel, die nach dem 30. dieser Kongreßwahl nicht mehr m ECLIiGu’cCöi'FGGtlO 'dOT 2. U. ff. D , CZScr»Es;3&cho UGtrolnigung ffUr Deutschland) J□ü□□□□□□□uy□□□□□ rm p*. ך־״י p«ך-* ן «um LJ L_J UmJ Luil LJ L J 1-•■ 4 n { .! ü 013םםםםמבוםמםםםמםממחממחםםםםםםםםםםםםםםם₪םם3ו s eingehen, dürfen wir bei

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