Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651735--07791-2664983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 275 in später Nachtstunde in die Wohnungen uiigesissciier jüdischer Hi1r*׳er ein und nimm( ״Revisionen“ vor, ob nicht irgend jemand ohne Wohnrecht sich ini Hanse befinde. Diese in Petersburg bisher in solchem Ilmfange unbekannten Maßregeln rufen unter der jüdischen Bevölkerung eine starke Unruhe hervor. England י Wie aus London berichtet wird, wird die ״Jcwish Lads Brigade", eine jüdische Knaben-,Militärorgani- Station, auf Wunsch des Königs an dem Krünungsniarsche unter dem übrigen Militär teiineluuen. Diese jüdische Knabenbrigade wurde im Jahre 1893 von dem seither verstorbenen Colonel Albert Goldsmith auf militärischer Grundlage gegründet. Sie hat ihre eigene Kaserne, in welcher die jugendlichen Marsbeflissenen wohnen müssen. Während des Sommers beziehen si*• alljährlich auf 10 Wochen in der Provinz, ein I < Idlager, in dessen Umgebung regelrechte Manöver ahgclialtcn werden. Natürlich gibt es auch hier Oflizicrc und Unteroffiziere aller Ränge. Der gegenw irlige Kommandant der jüdischen Brigade ist Colonel l»e Lara Cohen. Amerika Die Bewegung gegen das MlHsionsunwesen und ihre belästigende Seelenfängerei bat in Kanada stark an Umfang gewonnen. Linen aktiven Charakter nahm die Bewegung in Wimipez an. In einer Versammlung, im welcher mehrere anwesende Missionäre auf Seelenfang ansgiitgeit, traten die anwesenden Rabbiner gegen die Missionäre in schärfster Weise auf. In derselben Versammlung wurde auch eine Antitaufliga zur Bekämpfung der Missionäre und der getauften Juden gegründet. Wie ans Washington gemeldet wird, hat Kongiclimanu Sul/.er dem Kongreil die Protcstrcso« liiiion zahlreicher Organisationen gegen die imer* horten Zustände auf der Einwaiulcrimgsmsel Ellis Island unterbreitet. Die Resolution fordert, dall der Kongreli eine spezielle Untersuchungskornmission einsetzc, die die Aufgabe hätte, alle die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten aufzudecken, denen die Linwandcrer ausgesetzt sind, seitdem Williams dort als Einwanderungskomniissär regiert. Der Kongreß dürfte noch in dieser Session die Einsetzung der Untersuclmngskommission beschließen. ziomsTiscüe Bewegung Der X. Kongreß Die Arbeiten für die Vorbereitung des Kongresses sind nunmehr in vollem Gange. Am 3. Juli wird in Basel ein , Bureau des X. Zionistenkongresses eröffnet werden. Herr Professor Dr. L. S. Orn* stein, der im• Jahre 1907 die Leitung des Komitees, das den Haager Kongreß vorbereitet hat, iune halle und sich auch an den ersten Vorbereitungsarbeiten des Hamburger Kongresses beteiligt hat, hat sielt bereit erklärt, die Leitung der Vorbereitungsarbciten /um X. Kongreß und des Kongrellbureaus zu übernehmen. Das Baseler Lokalkomitee wird in gewohnter Weise verschiedene Kommissionen bilden, die sich mit der Vorbereitung der Veranstaltungen, welche anläßlich des Kongresses geplant sind, befassen werden. Am Samstagabend, den 27. Mai, hat eine Konferenz zwischen dem Baseler Lokalkomitce und den Herren S. Iloofien-Köln und Professor Dr. Ornstein stntigcfundcn, in der die prinzipiellen Riehtlinicn für das Zusammenarbeiten bei der Kongreß- Vorbereitung festgclegt wurden. Bis zum 3. Juli sind alle Korrespondenzen an das Zionistische Zentralhureau (Abteilung Kongreß), Köln, Karolingerring 31, zu richten. TribUncnkarten. Die verfügbaren Plätze werden zum größten Teile •ds numerierte Sitze für Voranmeldungen reserviert werden. Bei früheren Kongressen hat sich der Ucbclstand ergeben, daß Plätze für die ganze Dauer des Kongresses belegt, von den Inhabern der betreffenden Karten aber nur bei einigen Sitzungen benutzt wurden. Da bekanntlich die Tribünen im Baseler Kongreßhause bedeutend weniger Platz bieten, als dies im Haag und in Hamburg der Fall war, wäre zu befürchten, daß dieser Uebelstnmi sich auch diesmal i» erhöhtem Maße fühlbar machen würde. Es ist deshalb im Interesse der Gäste die Bestimmung getroffen worden, daß Karten nur für die einzelnen Kongreßtage verausgabt werden. Dieselben können im voraus bestellt werden. Eg werden, soweit der verfügbare Raum dies *ulfißt, Karten ausgegeben für den 9., 10., 11., 13. und 15, August. (Am Mpntag, den 14. August, finden keine öffentlich^! Sitzungen statt.) Die Voriiicikungsgebiihr beträgt: 1 Fr. pro Karte und pro Tag, also 3 l'res. pro Karte für sämtliche Verliaudluiigstage. Der Betrag ist hei der Anmeldung cin/usenden. Briefmarken aller Länder werden eiilgegengeiioinmeii. Wohnung. Das Kongreßbureau wird für die Delegierten und Gäste auf deren Wunsch in Basel Wohnungen in jeder Preislage in Hotels und Privathäusern besorgen. Die Besucher des Kongresses haben schon jetzt die Gelegenheit, mittels des auf Seite 511 abgedruckten Formulars, ihre Wünsche betreffs Unterkommen und Verpflegung dem Kongrußbureau zu übermitteln. Die Erledigung wird aber erst nach dem 3. Juli erfolgen. ׳ Presse. Anmeldungen für Pressekarten werden schon jetzt vom Zionistischen Zentralhureau (Abteilung Kongreß) entgegengeiiomnien. Sofern dieselben nicht direkt von den betreffenden Redaktionen ausgehen, ist ihnen eine genügende redaktionelle Legitimation 1 beizufügen, Ehrengericht Das Engere Aktionskomitee hat auf Grund des in der letzten Sitzung des A.-K. gefaßten Besehlusses nunmehr ein allgemeines Ehrengericht mit dem Sitz in Berlin für die Zeit bis zum X. Kongreß eiligesetzt. Dasselbe besteht aus folgenden Mitgliedern: Rechtsanwalt S. G r o n e tn a t! n, Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Hcllmut Friedemann, stellvertretender Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. E. L c 8 z y ti s k v, Referent, Rechtsanwalt Dr. Hcllbrunn, stellvertretender Referent, sowie den Herren Justi/rat D z. I a 1 o s / y n s k y, Dr.!*'eitel borg und Dr. Witkowsky. Zum Ehrengericlitsanwalt ist Herr Dr. Adolf Friedemann bestellt worden. ״Die Welt“ als Tagblatt Während der Dauer des X. Zionistenkongresses in Basel (0. bis 15. August I. J.) wird, wie in den früheren Jahren, auch diesmal unser Zentralorgan ״Die Welt“ in einer täglichen Kongreß ausgäbe erscheinen, die dem Zwecke einer ausführlichen und autlientisciicn Berichterstattung über den Kongreß dienen soll. Verlag und Redaktion der ״Welt" haben alle Maßnahmen getroffen, um durch diese Kongreßausgabe allen, die den Verhandlungen des X. Zionistenkongresses Interesse entgegenbringen, einen klaren Ueberhlick über sämtliche Vorgänge des Kongresses zu bieten. Wir zweifeln nicht daran, daß auch die Leser unseres Blattes, soweit sie nicht zu den regelmäßigen Beziehern der ״Welt" zählen, gerne die Gelegenheit benutzen werden, um sich über den X. Ziouisteukougreß durch rechtzeitige Bestellung der Kon* greßausgabe der ״Welt" zu orientieren. Wir möchten aber außerdem an alle Gcsinnungs* genossen die dringende Bitte richten, nicht nur selbst diese KongreßausgaJ)c der ״Welt" zu bestellen, sondem auch — da es sich hier tatsächlich um ein PropagandauüUel von stärkster und nachhaltigster Wirkung handelt — für deren intensive Verbreitung in allen jüdischen Kreisen bemüht zu sein, Gesinnungsgenossen, die bereit sind, eine größere Aktion für die Verbreitung der Kongreßausgabe zu unternehmen, mögen sich wegen Propagandamaterial mit dem Verlag der ״Welt" in Köln a. Rh., Karolingerring 31, in Verbindung setzen. Agitationsreisen des Parteisekretärs Brombcrß. Hier fand kürzlich eine zweite Propngandnversammhmg statt, in der Herr Blumenfeld über das Thema: ״Die Zukunft der Juden" sprach. Die Versammlung war von ca. 150 Personen besucht und folgte mit großem Interesse den geistvollen Ausführungen des Redners, der id gewaluitcc, eleganter Weise sein Thema behandelte. — In der Diskussion wurden die bekannten Einwiindc vorgcbracht, die wir vor Jahren, in dem Anfangsstadium unserer Bewegung, regelmäßig zu hören gewohnt waren. Wir mußten erkennen, daß gerade in den intelligenten Kreisen, mit deren ausschließlicher Gegnerschaft wir hier zu rechnen haben —־ und zwar auch in soleben Kreisen, die für ihr Judentum noch etwas übrig haben — über das Wesen des Zionismus ganz verkehrte Anschauungen bestehen. Hier aufklärend zu wirken, muß'unsere vornehmste Aufgabe sein. Dann erscheint es auch nicht ausgeschlossen, In absclt* barer Zeit hier vielleicht eine leistungsfähige Ortsgruppe zu gründen. Mitteilung des Zentralbureaus der Zlonlstlschcn Vereinigung für Deutschland Herr Moritz O old Schmidt, Hamburg* hat im Einvernehmen mit der Finanzvcrwaltung des ZioimtisiTien Zentralbiircaiis für Deutschland die Leitung iks Sharechihs nicdcrgclcgt. Die Geschäfte hat nun• mehr Herr Dr. Osias W a s e h i t z übernommen, und wir.bitten alle Gesinnungsgenossen, sich in Sachen lies Sharechihs nunmehr nur an Herrn Dr. Osias Wa - seliitz, Hamburg, Ferdinandstraße 55, part. rechts, Tel. Gruppe •I, Nr. 1202/3, zu wenden. Bank• und Postscheck-Konto wird noch bekanntgegeben. * Wir benötigen zur Komplettierung unserer Hand- CNomplare einige Nummern 30 des Jahrganges 1010 und bitten Gesinnungsgenossen, welche Exemplare 11er Nummern entbehren können, uns dieselben zur Verfiigtmg zu stcllcu. ßUS DEN GEMEINDEN Berlin. Der Vorsitzende des Vorstandes der A 11g e in e i 11 e 11 Jüdischen K o I o 11 i s a t io 11 s « Organisation (A. J. K. O.), Herr Dr. Ginsbürg, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nicdcrgcli'gb Es ist zunächst nicht ab/usclicii, wie die A. J. K. O. die s״ entstandene Krise überwinden wird. Dies durfte um so schwieriger sein, als, wie uns aus guter (Quelle berichtet wird, die Benin Innigen lies Geschäftsführers Dr. Nossig, Londoner jüdische Kreise zur Bereitstellung von Geldmitteln für die projeklierte Patzelliertingsbank zu gewinnen, als gescheilerl zu betrachten sind. Berlin, lieber die Vorlage zur Kenntnis״,ihm.• betr, Anbringung figürlichen Schmuckes an Grabdeukmülern aut dem jüdischen Friedhofe in WcilS.־nsec referierte in der Repräsentauteusit/uug vom 28. Mai Herr Dr. Minden. Es handelt sieh dabei lim die von einem (iemeindemitgiied an Vorstand uud Uepräscutaiitcu gerichtete Petition, die Aufstellung einer Janliitiere, deren Vorderseite mit Reliefdarstellungert' von Moses und Jeremias versehen ist, zu gestatten, nachdem die l'riedhofskoininission die Genehmigung dazu versagt hatte. Der Fall beschäftigte die Repräsentaiiteincrs.imiiiltmg bereits einmal in der Sitzung vom 5. I'ebrtiar d. J. Damals wurde beschlossen, Gutachten von sämtlichen Rabbinern einzuholeii. Diese Gutachten liegen nun vor mul sie gelangen alle ohne Ausnahme zu einem ablehnenden Resultate. Der Vorstand hat daraufhin beschloss.•11, den Antrag auf Genehmigung der Anbringung der Jardinicre in Gemäßheit der Bestimmungen der Friedhofsordmmg ah/tilehneu. Auch der Ati'-schuß, in dessen Namen Herr Dr. Minden referierte, ist zu dem gleichen Resultat gelangt lind beantragt, den Beschluß des Vorstandes zur Kenntnis zu nehmen. Den interessanten Ausführungen des Herrn Dr. Minden zu dieser Frage selbst sei hier entnommen, daß diese Frage die Repräsentanten im Laufe der Jahre wiederholt beschäftigt hat, uud daß die Gutachten der Herren Rabbiner aus früheren Jahren nicht immer einheitlich gelautet haben. Der erste Fall datiere aus dem Jahre 1800, wo ein hiesiger Arzt eine Photographie seines verstorbenen Kindes als Grabcssdmiiick verwenden wollte. Nach dem Gutachten des damaligen Rahbinatsassessors Rosenstein mußte die Photographie entfernt werden. Aus dein Jahre 1807 liegt ein Gutachten vor, das sich nur für das Verbot plastischer Darstellungen ausspricht. Aus dem Jahre 1895 sei der Fall des Redakteurs Davidsohn zu erwähnen, dem der Bruder, Prof, Dnvidsolm-IToreii/, nach dessen Tode ein Denkmal setzen wollte. Einige Gutachter erklären, Male- : reieu seien erlaubt, aber nicht ganze Figuren und tlastische Darstellungen. 1902 wurde die Aufslelung einer Plastik mit menschlicher Gestalt durch die Herren Rabbiner als nicht zulässig bezeichnet. 1901 durch ein Gutachten sämtlicher Rabbiner auch die Anbringung ״flammender Herzen" als Grahesschnmck für religionsgesetzlieh nicht zulässig erklärt. Dagegen habe ihm, dem Referenten, Herr Rechtsanwalt Dr. Giiggenheimcr, mitgeteilt, daß ihm gestattet worden sei, auf dem.Friedhof der frommen Gemeinde Worms am Grabmal seiner Mutter ״Vogelnester in Bronze" anzttltritigcn. Auf dem Friedhofe in Algier, den er kürzlich besuchte, habe er an einem Grabe eines Kindes eine vollständige Marmorhiistc des Kindes ausgestellt gesehen, und als er seinen einheimischen Begleiter dar,ml aufmerksam gemacht habe, daß das Religionsgesetz dies doch verbiete, sei er darauf Itingewiesen worden, daß ein Ohr des Kindes verstiiniiiielt dargcstcllt sei, also keine lehensgetreue Nachbildung, die allerdings verboten sei, vorliege. Bekannt sei, daß die talimulischei! Response» in dieser Frage selbst auseiiiaiulergeheii. Aber es liege int Interesse der Gleichheit im Tode, im Interesse des Friedens und der Friedhofswtirde, übermäßigen Grnbluxus nicht zuzulassen, daher stehe er auch perseitlich auf dem Standpunkt des Beschlusses des Vorstandes, und gleicher Ansicht sei man auch im Ausschuß gewesen. Nichtsdestoweniger sei cs von Interesse, daß sich auf dem Friedhote der frommen - - allerdings portugiesischen — Gemeinde zu Amstcrdam Grabdenkmäler mit geradezu wunderbar schönem figürlichen Schmuck befänden, wovon man sich aus den Reproduktionen, die er den Repräsentanten vorlege, überzeugen wolle. — Die Vorlage wird hieraut dcbattclos zur Kenntnis genommen. Berlin. Austritte aus dem Judentum in den Monaten Ajtrll und Mai 1911. Kommissionär Otto Hoffmann, FürstcnwalderStr. lln; Fräulein Lina Herz,