Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 276 Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Pankow, Wollankstr. 6; Redakteur Erich KtiUner, Charlottcnburg, Kurfürstcmlanim 75; Witwe Ciliarlotte, genannt Lina Kuttner, gcl>. Kanfiuaun, Kurfürstundamm 75; Anna Vnndewart, gcb. Marcus, Cltarlottcnburg, Kaiserin Augusta-Allec 55; Verlagsbucli- I1;indlcr l)r. Georg Itonili, Oruucwald, llerbertstr. 15; Fräulein Anna Victorius, (irunewald, Delbrückstr. Ca; Rcgicrungsbaumeistcr Julius Leeser, Charlottcnburg, Momniscnstr. ■19; Realschüler Felix Schön, Schöneberg, Vorhergstr. 5; Kurt Halle, Schöneberg,.Akazienstrafte 7; Hans Halle, Schöneberg, Akazienslralle 7; Fräulein Erna Saalheini, Rixdorf, Leincslr. 50; Handelsschüler Robert Schön, Schöueberg, Vorhergstr, 5; Elfricdc Weinberg, Ebertystr. 21; Rechtsanwalt Hugo Rosenberg, Wilheluistr, 55; Kaufmann Hans Schön, Schöneberg, Vorhergstr. 5; Martha von Fiuctti, geh. Bcrmann, gesell. Rosenberg, Charlottenburg, Syhcl- Straße 30; Buchhalter Eugen Reiß. Köpenicker Str. 28; Chemiker Dr. Heinrich Loebell, Bülowstr. 32. Karlsbad. Unser schöner Kurplatz ist mit getauften Aerztcn reichlich gesegnet. Ein kleines Verzcichnis wird auch die reichsländischen Juden, die den Ort aufzusuchen pflegen, interessieren: Hie Herren: Dr. Gustav Aranyi, Dr. Adolf Charmatz, Dr. Franz Fokschancr, Dr. Edgar Oanz, Dr. Emil Goldschcider, Dr. Hugo Gutli, Dr. Stefan Kelen, Dr. Rudolf Kolisch, Dr. Alexander Koniaromv, Dr. Friedrich Kraus, Dr. Arnold Lorand, Dr. Heinrich Munk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Ignaz Wcrnier, I>\ Leo Zunnik. Herr Dr. Eugen Frank ist konlessionslos una hat seine Kinder taufen lassen. Herr Dr. Dcsidcrius Sipos ist konfessionslos. AUS HAMBURG-ALTOnfi Vereinigung zur Erörterung jiid. Angelegenheiten In einer der letzten Nummern dieser Zeitung schrieben wir über den Bestand, Zweck und Ziel unserer Vereinigung. — In den letzten Versammlungen sprachen wir u. 3. über das Thema: ״Die Juden und deutsche Rcichspolitik". Der Redner beleuchete die Konflikte, in die die deutschen Juden geraten, wenn sic zur Rcichspoütik Stellung nehmen sollen. Er versuchte die Stellung, und zwar die wirkliche Stellung, der verschiedenen Parteien zu den Juden klar zu legen. U. a. besprach er den Konflikt bei der Wahl zwischen einem Antisemiten und Täufling. Der letzte wurde als gefährlicher hingestellt, weil er auf das Judentum zersetzend wirkt, während der Antisemit bei all seinen schlechten Absichten und Taten doch engen Zusammenschluß der Bedrückten bedingt. — Die "Debatte beschäftigte sich mit den einzelnen Parteien und ihren Taten dem Judentum gegenüber, Als Rcsunie kann angenommen werden, daß wir, deutsche Juden, keine wahren Freunde in unserem lieben Deutschland haben, Daß eine selbständige jüdische Politik nicht möglich ist und mau sehen muß, sich so leidlich wie möglich durchzuarbeiten. — Ein anderer Vortrag der letzten Zeit war: ״Die Orthodoxie und das Judentum1‘. Der Redner, ein Orthodox, sprach von den Tatsachen der Feinde und Freunde seiner Ideen, von den guten und schlechten Seiten der übrigen jüdischen Bestrebungen, die beim Mangel des für das Judentum notwendigen religiösen Momentes doch nicht im Ende ein Ganzes für das Judentum sein können. Zum Schluß sprach er die bittere Tatsache aus, daß seine Bestrebungen, wenn sic nicht durch tatkräftige Unterstützung der beteiligten Kreise gefördert werden, einem jähen Untergänge zugehen. — Die Debatte, die diesen Ausführungen folgte, betonte die Möglichkeit eines Judentums ohne Religion und religiöse Gebräuche, sich stützend auf unsere vorgeschrittene Zeit. Alles wendete sich gegen die Ausführungen des Referenten und verwarf den orthodoxen Standpunkt als unmodern. Trotzdem ernannte man die Möglichkeit der Unterstützung dieser Ansichten an. VeRCINS-RUNDSCHAU Wir bitten unsere Korrespondenten wiederholt, uns ihre Berichte sö zeitig als möglich einzusenden. Manuskripte, die uns erst am Mittwoch erreichen, können nur dann noch auf Aufnahme rechnen, wenn die späte Absendung durch das Datum der Veranstaltung, über die berichtet wird, gerechtfertigt erscheint. Durch möglichste Kürze der ein* zducn Notizen werden wir der unangenehmen Pflicht der Streichung enthoben. Unsere Vcrcinsrundschau soll ein möglichst knappes, aber vielseitiges Bild des jüdischen Vercinslehcns in Deutschland geben, nicht aber einzelnen Referaten und Diskiissiouen —• die doch nur unvollkommen wiedergegeben werden — eine breitere Ocffentliclikeit schaffen. Den Referenten, die in den Berichten oftmals ihre eigenen Worte nicht wicdcrzucrkcnuen glauben, wird dadurch ein schlechter Dienst geleistet. Berlin. Verein jüdischer Mädchen, Am Miltwoeh, den 21. Juni, abends •19׳,'־ Uhr, findet in Neuinanns Festsälen, Roscnthaler Str. 36, ein Vortrag des .Herrn Hans Goslar: ״Zwei Generationen Juden“ statt. Freie Aussprache. Am Sonntag, den 25. Juni, findet ein Ausflug nach Buch statt. Treffpunkt 2!/1 Uhr Stettiner Vorortbahnhof. Berlin. Die JUdisch-nationaic Franenvcreinigtiug veranstaltet am Sonntag, den 2. Juli, einen Ausflug nach Lehnitz, verbunden mit einer Bcsielitigung des Genesungsheims. Abfahrt 2 Uhr vom Stettiner. Balmhof. 1׳ Uhr gemeinsame Kaffeetafel im Restaurant Seciöwen in Lehnitz; 5 Uhr Besielitigung des Genesungsheims; 6 Uhr Bootfahrt nach Oranienburg. Berlin. Der jüdische Frauenbund fllr Turnen und Sport veranstaltet am Sonntag, den 25. Juni, nachm. 5 Uhr, im Oartcu der Viktoria-Brauerei, Liitzowstr. 112, einen Sumincrruiiimcl mit Bai Champetrc. Aus dem reichhaltigen Programm sei hervorgehohen; Im Freilichttheater ״Faust III, Teil“ mit Spezialitäten ־- Einlage: Klassische Johannisnacht. Ferner: Somalidori, Rummelplatz mit Buden, Karusscls usw. - Billetts im Vorverkauf bis 21, Juni ä 2 Mk. iukl. Kaffee (au der Kasse 2,50 Mk.) bei Frau El wiua Lachmann, Regensburger Str. 13, und auf den Turnsälen zu haben. Charlottcnburg. Die zionistische Ortsgruppe Charlo'ttcnburg veranstaltet am Sonnabend, den 17. Juni, abends 9>/1 Uhr, im Cafe N 011 e n d 0 r f■- Casino, Kleistslr. 41, am Nollendorf-Platz, einen Vortragsabend von Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm I. e w y (Cliariottenluirg) über die ״P i c Kulturfrage und den M i s r a c 11 i". Dem Vortrage folgt eine freie Diskussion. Bei dem in letzter Zeit stark in den Vordergrund getretenen Interesse für das Thema hoffen wir auf einen starken Besuch unserer Freunde. •Glciwitz. Von den Ortsgruppen Glciwitz, R a t i l> o r, Z a b r z e und R y b n i k wird am Sonntag, den 25. Juni, ein gemeinsamer Somincrausflug nach Randen veranstaltet. Die Abialut erfolgt mit der Kleinbalm in Glciwitz ab 2,22 (vor dem Staatsbalmhof), in Ratibor ab 2,20, Die ohersclileslsehen Gesinnung«• genossen aus den übrigen Ortsgruppen werden ge• beten, sieh möglichst zahlreich an dem Ausfluge zu beteiligen. Halle a./S. Für den zweiten Pfingstfeiertag hatte der hiesige ״Jüdisch-Akadcmlschc Verein" (in welchem die jüdisch-national empfindenden, meist aus Rußland stammenden Studenten organisiert sind) seinen Leipziger üruderverein, den ״Verein für jüdische Kultur" bei sich zu Gaste geladen. Nach Absolvierung eines abwechslungsreichen Tagcsprogramms, das neben anderem eine Oomlelpuriie auf der Saale enthielt, fand am Abend eine Veranstaltung statt, zu der auch einzelne deutsche Zionisten sich cingcfunden hatten. Gerade für die Letztgenannten gestaltete sich der Abend äußerst eindrucksvoll. Erlaugte man doch hier einmal Einblick in ein echt jüdisches Milieu, wie mau es sonst in deutschen Landen mir selten anzutreffen Gelegenheit finden dürfte. — Der Vorsitzende, Herr S i n ga 1 o ws ki, sprach über den hebräischen Dichter Feierberg: ״Tragisch war dieses Dichters Lehen und Schaffen. Erew fom tamv ist er gestorben.“ — Eine glänzende Rednerbcgabmig, ausgezeichnet durch tiefe Enipfindüng und geradezu plastische Darstcllungsweisc, hielt die Zuhörer bis zum Schluß in Spannung. Udingens bediente sich der Redner des Jargons, allerdings eines Wortschatzes, der sich durch die Bezeichnung ״akademisch“ charakterisieren ließe. — Dann setzte die Diskussfon ein. Und die Aussprache, welche das ״Kulturproblcm“ betraf, war bemerkenswert genug. Erwähnt sei zunächst, daß in deutscher und russischer Sprache, in Jargon und Hebräisch (asclikenasiscli und sefardisch) Reden gehalten wurden; indes wurde Russisch bevorzugt. Als erfreulichere Erscheinungen der Debatte seien hervorgehoben der vornchm-sachliehe Ton{ der sittliche Ernst und das Fehlen ict״.. unklaren Schwärmerei aus frühen Zeiten. Ahm sprach auch hülieu und drüben über die wünschenswerte Annäherung zwischen deutschem und osteuropäischen! Judentum; mögen diese frommen Wünsche bald in Erfüllung gehen. Manche Vorurteile gegen ״üj״ Russen" gilt es in uusern deutsch-jüdischen Kr<־i$cn zu beseitigen. Aber mir ein einiges jüdische• Volk wird Zion erreichen. Aud lau owdoh tik. wanßemi. . . bss.SPRECH SA ALP» Mensa academfca Der große Ruf der polytechnischen Hochschule in Charlottcnburg zieht von Jahr zu Jahr eine zunehmende Anzahl Studierender nach der deutschen Rciclisln.iipt. stadt, mit der Charlottcnburg völlig /usam11R;!:׳e. wachsen ist. Obwohl nun unter den vielen jungen Leuten, die bei Beginn jeden Semesters hierher• kommen, ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz von luden sich befindet, so ist, so unglaublich das auch klingen mag, jüdischerseits bisher auch nicht das nllcriniiulcste geschehen, um, wenn auch nur einen Teil dieser überaus zahlreichen hier ortsfremden jungen Leute in jüdische Kreise liercinzuzielien, ihnen irgeinj. ein Aequivnlent fiir das bisher häufig gewohnte jüdische Familienleben aiizubieten, sich einmal um ihr Schicksal zu kümmern oder durch Gründung irgendeiner jüdisch-sozialen Institution, die dem jugendlichen Empfinden und jüdischen Bedürfnissen entspräche, oder endlich durch Teilnahme an ju• disclieni Leben entgegenziikomnien. Dabei tritt ein nicht unbcträelitiiclier Teil dieser jungen Männer zum erstenmal in die Welt, war bis dahin von elterlicher Liebe und Fürsorge umgeben, ist wvlttiuerfahrni, weiß oft nicht, von den tausend Lockungen der Großstadt verführt, von der noch ungewohnten treien Selbstbestimmung den richtigen Gebrauch zu machen, lind ist schon dadurch moralisch und physisch ernst• lieh gefährdet, in der größeren Zahl der Fälle sind die auf der technischen Hochschule Studierenden aus der sozial besten Gcscllsclial'tsseliiclit und meistens an jüdisches Familieuleheu gewöhnt. Wie schweren Herzens Eitern oft ihre Söhne nach Cliariottenluirg, das ihnen vom jüdischen Standpunkt gänzlich tmbekannt ist, schicken, weiß der Verfasser dieser Zeilen aus reichlicher persönlicher Erfahrung. Seitdem er in Cliariottenluirg wohnt, ist noch kein einziges So• mester gekommen und gegangen, in welchem nicht junge Männer, von den Freunden, Bekannten oder oft auch gänzlich unlicknnnten Leuten mit der Bitte empfohlen wurden, jene in seinem Familienkreis auf. ztutchmen. Sehr oft Itaheit auch solche jungen Leute cs schmerzlich empfunden, liier in Charlottcnburg wie mit einem Schlag aus allem jüdischen Lehen attsgcschaltet worden zu sein, weil gerade hier in Norddeutsclilaitd der Eintritt und Zutritt zu l'amiliiii■ kreisen ungleich schwieriger ist. als in der I lcim.1t der meistens aus Ungarn mul süddeutschen und öst! r• reichis'clien Ländern kommenden Studierenden. Ucln-r• aus sclimer/Iieli empfinden aber auch nicht wenige junge Leute den völligen Mangel eines rituell.■n Restaurants. Demi, obgleich Cliarlotlenhiirg all! in über 20 000 jüdische Seelen zählt, gibt es nirgendwo daselbst eine rituelle Speiseeitirichtung, und wer dar• auf Gewicht legt, wirklich ,rituell leben zu wollen, ist gezwungen, erst nach Berlin zu fahren oder s! .11 Beschränkungen attfztierlegen, wie sonst an eine וי von Juden gänzlich freien Ort. Es ist wahrlich beschämend für Cliarlottcnlm׳;׳ mit einem so zahlreichen jüdischen Geineinwesra, in dessen Mauern eine weltberühmte technische Ho!'»• schule, Konservatorien, Künstlersclmlen usw. besteh■!1, die von Hunderten von jüdischen jungen Lein n jahraus, jahrein frequentiert werden, nuch nicht eine einzige, wenn auch noch so bescheidene jüdisch• soziale Institution zu haben, wo der Fremde irgt!1 ׳• einen Anhaltspunkt gewinnen könnte, mit dem jtiiUa• tum in Fühlung zu kommen. Es ist beschäme:'(! für die Charlottenburger Juden, daß gerade in ci.vr Zeit, in der die jüdischen Studierenden von ilirrrt christlichen Komilitoncn gesellschaftlich überall r.1s• geschaltet werden, von Keiner Seite aus etwas ׳>•• schiebt, um den ortsfremden jungen Leuten cir.ui Sammelpunkt gesellschaftlichen Lebens zu schab'•.!!. Es ist aber auch völlig unlogisch auf der ciiicii Seite über den zunehmenden Abfall vom jüdischen Volksstamm zu klagen, wenn man andererseits nichts tut, utn der Jugend das lebendige Judentum mit seinem ethischen Wirklichkeitsgchalt durch tatsäch• liehe Verhältnisse wertvoll zu machen. Nicht duieli abstrakte Belehrungen, Vorträge und Schriften, nicat durch theoretische Betrachtungen werden wir nie m VS.J Soeben erschien eine hochaktuelle jüdische Broschüre: # Oi 4Vf Q <p rr• נו rr",,יך rv[rn 1• |וז)יןיז>\ von K3E23 CcDEas'־ ז.1 1 Einzelpreis M. 0,50. — Bei Sammelbezug durch die Vereine und Ortsgruppen M. 0,30 Zu beziehen durch den ׳ Vertag ,,Jüdische Rundschau», Eortin-SSssrtoKaiabiape, CJcEbtoenotpasse491