Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU beitu 273 I I » 1• dieses Mal scheint mir der einzig richtige Ausweg.., die Pariser Kandidatenliste (ob mit oder ohne Rcinaeli, bleib!־ dein Ermessen jedes einzelnen überlassen) zu akzeptieren.“ 1*«» beweist von neuem, ״mit welchen Mitte!» Paris arbeitet,“ schreibt Herr Ben Aron. Dem Eeschlnsse der D. C. G״ Rcinnch \p>n der Kamlidatenlis'e zu streichen, batte ich aus mehreren Orün• den nicht widersprochen, erstens, weil ein Widerspruch mir als Wahlagitation für Rcinnch ausgelegt worden wiire, sodann, weil bei der Zusammensetzung mul Stini'iimig der Berliner Versammlung jeder Wider• ipruch in dieser Personenfrage nur noch mehr Ge• rci,thcit erzeugt hätte und endlich, weil der Beschlull doch nur so viel oder so wenig besagen konnte, in die von der D. C. ü. vor z u s clt I a ge n d e Liste den Namen Rcinnch nicht aufz.unehmen. Ich glaube immer noch, dal! das Präsidium der ü. C. 0״ das wie!erholt auf die demokratische Institution der Alh’nce liingcwiesen hat, keinen Augenblick bcab• sid'1!;׳l haben kann, mit diesem Beschlüsse irgend• cin. iii Mitgiiedc eine Uebcrzcugtmg zu diktieren oder zu verbieten, Stimmen zu binden und das freie Stimm• rce'd zu beeinträchtigen. Nur, wem» die D. C. G. sic:■ als Partei betrachten dürfte, wäre Reinadis Wald ei,: »׳ergehen gegen die Pariei• Disziplin gewesen, und ich wäre vielleicht jetzt dazu verurteilt worden, aus der Partei zu ״fliegen“. Aber ich habe in meinem Pr׳ teste vom 5. Mai der I). C. G. aufs nachdrück• lio.ste das Recht bestritten, als Oppositionspartei gegen div (.'entralleitung aufzutreten. Des weiteren habe ich nach Herrn Ben Aron bc• h.viptct, daß die Wahlen in der D. C. G. mit den Geldern der Alliance ״gemacht“ worden sind. Ich hal'C mich in meinem Briefe nicht so drastisch ausgi.bückt, sondern nur behauptet, und behaupte noch, d..r. die Mitglieder der I). C. G. als solche nicht da'־ Recht hatten, einen Wahlkampf gegen die Pariser Liste mit den Geldern der Alliance und in der von da Alliance bezahlten Zeitschrift ״Ost und West“ zu unternehmen. Was auf der Tagung der D. C. G. in meiner Gegenwart von Herrn Geheimrat Landau festgestellt worden ist, war nur die Notwendigkeit da Schaffung eines besonderen Wahlfonds für den Wahlkampf der D. C. G, Daß die damals völlig fehlenden Mittel für die Wahlen inzwischen ״lediglieh von privater Seite gezeichnet worden sind,“ ist mir neu. Aber die von mir behauptete Tatsache bleibt trotzdem bestehen, daß vor der Zeichnung dieser Mittel (die idt übrigens, da sic der D. C. G. zur Verfügung gestellt und von der D. C. G. verwendet worden sind, auch Gelder der Alliance nenne) die Kosten der Bekämpfung des Ccntral-Comites durch die D. C. G. ganz und auch nachher noch wenig- 6tc!1s teilweise mit den Mitteln und Kräften des Deutschen Bureaus der A. 1. U., und in der Zeit- Schrift ״Ost und West“, also mit Geldern der Alliance bestritten worden sind. Wer “huch nach dieser Berichtigung in meinem Verhalten gegenüber der Confercnz-Oemcinschaft ein unfaires Auftreten erblicken will, richtet sich selbst. Alle, die es angeht, wissen, daß ich der D. C. G. nicht in den Rücken gefallen bin, sondern offen und ehrlich in meinem ausführlichen Protcstschrciben vom 5. Mai ihr Vorgehen mißbilligt habe. Meine ehrliche Ueberzcugting lasse ich mir durch keinen Be- Schluß verkümmern, mein gutes Recht werde ich auch weiter mir zu wahren wissen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner W. Porges. ״Der Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe“ zu Ehren, m die Herr Dr. Porges appelliert, haben wir folgendes zu erwidern: Wenn Herr Dr. Porges den in Nr. 22 dieser Zeitschrift besprochenen Brief auch einem Berliner Herrn zur beliebigen Benutzung übergeben hatte, so hat ihn dieser, doch keineswegs uns übermittelt und hatte ihn wohl auch kaum zu diesem Zwecke erhalten. Dein unbefangenen Leser wird wohl klar cein, daß die Verbreitung schwerlich in anderem, als dein an der Wahl beteiligten Kreise beabsichtigt v/ar. Diese Frage erscheint auch wirklich als nebenr.ichlich. Wesentlich ist, ob die Angaben des Herrn Porges den Tatsachen entsprechen und ob sich der Vorwurf rechtfertigt, daß er der D. C. 0. in den Rucken gefallen ist. Nach dieser Richtung konstatieren wir, daß sich Herr Dr. Porges wohl nicht im unklaren sein konnte, wie sehr verwirrend sein doch offenbar für Wähler bestimmter Brief wirken mußte. Erklärte er doch, für Reinach stimmen zu wollen, er als Rabbineri Und das geschah, nachdem er in der Sitzung der D. C. 0. der mehrfachen, sehr ausdrücklichen Kon- Datierung, über die Ausschaltung Rcinachs herrsche Einstimmigkeit, nicht widersprochen hatte I Der Zusatz seines Schreibens: ״ob mit oder ohne Reinach, bleibe dem Ermessen jedes Einzelnen überlassen,“ kann ihn da wirklich nicht salvicren. Denn wenn er als Rabbiner erklärte, Reinach zu wählen, so setzte <־r damit für diesen Bckämpfcr jüdischer Institutionen und Traditionen «eine religiöse Autorität ein. Er wußte auch, daß die Tagung der D. C. O. den• Vorsitzenden des Lokalkomitecs zur Pflicht gemacht hatte, sich für die Berliner Liste zu interessieren und schriftlich 1111 d ners ö 111 i c 11 d a f ü r e 111 z u t r e t e 11. Diesem Beschluß hat Herr Dr. Porges ebenfalls nicht widersprochen, gleichwohl in seinem Briefe die Pariser Liste empfohlen 1 Wie kann er ein solches Vorgehen rechtfertigen wollen? Weshalb erklärte er sich nicht gegen diese Bindung der Stimmen, wenn er doch gewillt war, dem Beschluß zuwider zu handeln? Wie erklärt er diesen Zwiespalt der Natur? Sollte Herr Dr. Borges seine Demission als Vorsitzender des Leipziger Komitees jetzt etwa nachträglich damit motivieren, daß er sich nicht auf die Berliner Liste verpflichten wollte, so käme eine solche Erklärung etwas sehr spät! Höchst eigentümlich aber ist die Rechtfertigung, die Herr Dr. Borges für seine Behauptung versucht, das Pariser Komitee sei mit Alliancegeldern bekämpft worden. Nein, Herr Dr. Porges! Nicht ein P f c n 11 i g von den Geldern der Alliance ist f iir den W» hIka m p f ver we n dc t worden. Diese Behauptung ist falsch und offenbar lediglich zu Wah I 7. weck e n a 11 f g e s t e 111, ohne vorherige F e 81 81 e I - lung der Tatsachen. Das Geld ist lediglich dem Wahlkomitee mul nicht der Alliance ge• spendet worden. Und selbst die Mehrkosten von Ost und West und die Kosten der Soiulerabdriickc, die den Lokalkomitecs ziigiiigen. wurden aus diesem )rivaten Walilfouds gezahlt. (Obwohl vermutlich die ,ariser Listen mul wahlkosten aus Alliancegeldern bezahlt worden sind, und also die D. C. ü. wohl auch moralisch berechtigt gewesen wäre, ilire Liste auf Alliaucekostcn zu propagieren.) Herrn Dr. Porges ist auch dies vielleicht ״neu“. Er befindet sich also noch immer ״in einem, gelinde gesagt, groben Irrtum, der nicht durch Unkenntnis der bache entschuldigt wird.“ Und daß Beamte des Berliner Bureaus — sehr freiwillig, sogar in Überstunden! -־ für die Wahl gearbeitet haben, bedeutet zwar keine Verwendung von Alliancegeldern, wie Herr Porges eigentümlich konstruiert, ist aber auch moralisch von ihm als Pariser Parteigänger schwerlich zu beanstanden. Weiß er doch, daß Herr ßigart sogar weite Agitation*• reisen für Paris unternahm. Ist er wohl in der Lage, uns zu sagen, wer die bezahlt hat? Gar nicht zu reden von der unqualifizierbareu Wahltnnche von Angestellten der Alliance in Saloniki, Konstantinopel usw. zugunsten von Paris. Herr Dr. Porges hat also sehr unrichtig gehandelt und durch seinen oben wiedergegebenen Briet die Sache nicht verbessert. Wir wollen jedoch gerecht sein: geschadet hat er nichts. Von 89 in Leipzig abgegebenen Stimmen hat Herr Reinach nur 8 erhalten. Sein Verhalten erinnert, wie wir schon schrieben, auffallend an sein Vorgehen in der bekannten Hilfsvereinsangefegenheit sowohl wie bei seiner famosen I n s p e k t i o n s - reise im Orient, unter deren Folgen die Allianceschulen noch heute zu leiden haben. Ben A r o n. Eine Denunziation Ucbcr einen empörenden Vorfall berichtet die Jerusalemer Zeitung ״Hachcruth“. Ein Alliancesclnillchrer in “Liberias hielt gelegentlich einer festlichen Veranstaltung in seinem eigenen Namen (nicht etwa in seiner Eigenschaft als Schullehrcr) eine Rede in arabischer Sprache, in der er die großen Verdienste des türkischen Reiches um die aus Spanien vertriebenen Juden würdigte, die infolge der schmachvollen Inquisition ihre Heimat verlassen mußten und in der Türkei eine gastliche Zufluchtsstättc fanden. Der Gatte der Leiterin der dortigen Allianccschulc, Romanow, — also ein Jude —, der im spanischen Konsulat ein Amt bekleidet, setzte daraufhin alle Hebel in Bewegung, um eine Bestrafung des betreffenden Lehrers wegen Beleidigung der spanischen Nation und der katholischen Kirche zu erwirken. Besonders wurde auf die Verhaftung des Lehrers gedrängt, der sich infolgedessen drei Tage versteckt halten mußte. Die Affäre endete damit, daß der Lehrer sich beim spanischen Generalkonsu! in Haifa entschuldigen mußte. Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland Am 7. und 8. d, M. tagte im Saale des Verwaltungsgcbäudes der Jüdischen Gemeinde der Rabbinerverband in Deutschland. Herr Justizrat Dr. T i m cn d o r f c r, Berlin, nahm in seiner Eigenschaft als Vorstand der jüdischen Gemcindc an den Beratungen teil. Nach einem Begrüßungswort des Vorsitzenden des Verbandes, Herrn .Rabbiner Dr. Guttmann« Breslau, und einem sehr warmen Nachrufe auf die im letzten Jahre verstorbenen Kollegen Dr. H o r o - witz und Dr. L ö b wurde in die Beratung cingctreten, die sich vorwiegend mit den Anträgen des sogenannten absoluten Vetos ,/und eines cv. suspensiven Vetos beschäftigte. Der erstcre Antrag lautete: ״Für alle Beschlüsse über religiöse Angelegenheiten, insbesondere für etwaige Acndcrungcn in Kultus, Ritus und Religionsunterricht, ist die Ucbercinstitnmung der Gemeindebehörde und des Rabbiners erforderlich.“ Für »len Fall der Ablehnung dieses Antrages war ein zweiter ergänzender und weniger weitgehende!• Antrag fixiert worden. Derselbe lautete: ״Wird eine solche Uebereinstimmung nicht erreicht, so ist die Entscheidung über die strittigen Fragen bis zu einer Neuwahl der Gemeindevertretung zu verschieben und für die beantragte Acndcrung ist sodann eine Mehrheit von dreiviertel der Mitglieder der Gemeindevertretung erforderlich.“ Der erstcre Antrag ist mit 18׳ zu 32 Stimmen angenommen worden. Die Verhandlungen des /.weiten Tages wurden mit einem Referate des Herrn Dr. Bccrmann in Insterburg ״Der Rabbiner als Gefängnis- Seelsorger“ cingcleitel. Im wesentlichen bcscliaf* tigten sich die Verhandlungen mit der Aufgabe der Stellung des Rabbiners zum Religionsunterricht, zum Kultus und zu den rituellen Einrichtungen, Die ״bestimmenden jüdischen Kreise“ In der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 9. Juni 1911 findet sich eine Besprechung von Emil Cohns schönem Artikel ״Die religiöse Judenfrage“. Verfasser ist Herr Ludwig Geiger, Professor au der Universität Berlin. Geiger hält den Aufsatz Cohns für schön geschrieben, aber für völlig unklar und widerspruchsvoll. Ucbcr diese Auffassung will ich mit ihm nicht rechten. Aber in der Besprechung findet sieh ein Satz, der den Standpunkt und die Gesiiuumg des Herrn Professors in das hellste Licht rückt und deshalb näherer Betrachtung wert ist. Herr Geiger behauptet: ״Ich halte es für unmöglich, daß der Verfasser trotz seiner glänzenden Darstclhmgsweise einen Urteilsfähigen überzeugt, und bedaure mir, daß seine Auseinandersetzung in einem vornehmen allgemeinen Organ erschienen ist und somit vielen christlichen Lesern eine falsche Vorstellung von dem gibt, was in den bestimmenden jüdischen Kreisen geglaubt und gehofft wird.“ Niui wissen wir, daß alle, die das Reform- und Vcrtcgcnhcitsjudcntum des Herrn Geiger nicht mitmachen, urteilsunfähigc Trottel sind; nun wissen wir auch, was wir unter ״den bestimmenden jüdischen Kreisen“ zu verstehen haben. Und nun, lieber jüdischer Leser, beachte noch den ängstlichen Seitenblick nach den ״vielen christlichen Lesern“ des Cohnschen Artikels und du wirst nicht daran zweifeln, daß ״die bestimmenden jüdischen Kreise“ sich glücklich schätzen werden, einen Mann von der Art des Hern» Geiger zu den Ihrigen zu zählen. In eigener Sache wenden wir uns heute an den weiten Kreis unserer Leser und Freunde. Wir erbitten eine kleine Hilfe, die ein jeder ohne Unterschied zu leisten imstande ist und gewiß auch leisten wird, sobald er sich über die außerordentliche Bedcutung, die diese Unterstützung für die Zionistische Bewegung gewinnen kann, w c n n s i c h k c i n c r a u s s c h I i e ß t, im Klaren ist. Wir meinen die Werbetätigkeit für unsere ״Jüdische Runds c h a u“. Für viele wird es etwas Selbstverständliebes sein, das ein jedesmal wenige Wochen vorm Quartalsschluß diese Tätigkeit zu beginnen hat, Ihnen danken wir zum großen Teil die Ausbreitung unseres Blattes, die in den letzten Jahren einen solch erfreulichen Aufschwung genommen bat. Wenn diesmal auch alle jene, denen unser Blatt gefällt und die bisher hierbei abseits standen, sich dieser Werbegemeinde anschiießcn und auch in Zukunft sich jedesmal vor Quartals- Schluß dieser zionistischen Pflicht erinnern, dann muß die ״Jüdische Rundschau“ bald zum weitestverbreiteten und einflußreichsten jüdischen Blatt in Deutschland werden. Was das für die Zionistischc Bewegung bedeuten würde, brauchen wir wohl kaum unseren Lesern auseinanderzusetzen. Wir bitten deshalb einen jeden, der diese Zeilen gelesen hat und uns recht gibt, sofort zu überlegen: Bei wem beginne ich mit der Rundschau- Propaganda? und dann: Wie überzeuge ich ihn von der Notwendigkeit für den gebildeten Juden ein jüdisches Blatt überhaupt und dann gerade die ״Jüdische Rundschau“ dauernd zu lesen? Ein jeder unserer Freunde wird selbst am besten wissen, was ihm unser Blatt lesenswert macht. Verlag und Redaktion ״Jüdische Rundschau14 J I I ו ,! t i! I 1 i! i ־ f f t I 1 I I A