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Jüdische Rundschau · 1911-06-16 · Heft 24 (16.6.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 272 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Nr. 24 ו¬! 1 i 1 I I i! 1 1 ו I 1 ו 4 ־*■ ו 1 4 i des D. I. O. nt, daß er die Verhandlungen zum Ziele führen wird. Redner wende! sich an die Ver- Sammlung mit der Bitte um Mäßigung und warnt davor, durch allzu scharfes Vorgehen dem Ausschuß die Arbeitslust für seine weitere Tätigkeit zu rauben. Mit dieser Rede schloß die tyiskussiou. Es wurden verschiedene Anträge eingebracht, von denen derjenige von Locb*Frankfu11 der weitestgehende war una die Statutenänderung schlankweg ableimte, gleichzeitig aber den Ausschuß ersuchte, von der Einb r i n g u n g ähnlicher Anträge für immer ftbzuscltcn. Zur Abstimmung gelangte ein Vertagungsantrag, der gleichzeitig die Einsetzung einer Kommission bcschloß, die dem nächsten Oemcindetagc Vorschläge unterbreiten soll. Der Antrag wurdo mit 470 gegen 325 Stimmen angenommen. Die Kommission bestellt aus den derzeitigen Mitfliedern des Ausschusses und den folgenden 5 Herren: Loeb*Frankfurt a. M., KIee-Berlin, O u 11 in a n n •Breslau, Fried mann •Ologati, G a 1• lingcr-Nürnberg, Reich-Breslau, Loewy-Rawitsch, S 01 i g s o 11 n •Samotschin, L i I i c n t h a 1 -Berlin, S t c r 11 •Berlin, Werner-München, Ko Ile 11• eher •Posen. B a c b r -Waldenburg, Veilchen• fe Id -Köln, Holz-Königsberg, Behrendt-Danzig. Professor Philippson schloß die Tagung mit einem Dank an den Vorsitzenden, der alsdann die Versammlung nach einem Hoch auf den Leiter des Ocntcindcbundcs entließ. Die Reichsratswahlen in Oesterreich Wien, 14. Juni 1911. (Privattelegramm.) Bei den gestern in den westlichen Kroiiliindcrn vorgenommenen Wahlen zum Reichsratc siegte in seinem Wahlkreis Czernowitz unser Gesinnungsgenossc Strauch er im ersten Wahlgang. In Radautz (Bukowina) gelangt Lucian Brunner in die Stichwahl, während sein gleichfalls zionistischer Gegenkandidat Mahler ausgcschaltet wurde. In W i e n erhielt unser Zühlkandidat Stricker 799 Stimmen. Das sind doppelt soviel wie im Vorjahre, ln Mähren wurde durch die Bemühungen der Zionisten der antisemitische Tiiutling Redlich in schlechte Stichwahl gedrängt. Zahlreiche wcstgaüzisclie Kandidaturen der Zionisten wurden zurückgezogen, anscheinend auf Zusichcrung der Demokraten für die ostgalizischen Bezirke hin. Das Hauptereignis der Wahlen in den westliehen Kronläitdern — die über Erwarten starke E i וו• büße der Christlichsozialcn —, die von der ״Neuen Freien Presse“ und ihrem Berliner Gegenpart mit unendlichem Jubel als Sieg der Freiheit und des Rechts über die finstere Reaktion gefeiert wurde, ist für die Juden Oesterreichs nur von untergeordnetem Interesse. Die ״D c u 18 c h f r c i h c i 11 i c h e n“ — an denen ihr Name das Freiheitlichste ist — mit den ihnen nahestehenden üruppen, die sich anschicken, einen Teil des Erbes Luegers anzutreten, sind zwar weniger offene, aber doch ebenso intransigente Judenfeinde wie die Herren der Wiener Gemeindestube. Wichtiger sind für uns die — wenn auch teilweise nur moralischen Erfolge der kleinen jüdischnationalen Partei. Mit bewundernswerter Tatkraft sind unsere Gesinnungsgenossen in der Donaumonarchie vom Tage der Parlamcntsauflösung an an das schwierige Werk׳ herangegangen, unseren politischen Besitzstand zu wahren und wenn irgend möglich auszudehnen. Und ־־ ß3s sei vorweg gesagt — wir können mit den Ergebnissen des 13. Juni zufrieden sein. Wie zu erwarten gewesen, hat der Kreis Czernowitz seinen beliebten Abgeordneten Dr. Strauch er wiederum entsandt. In Radautz hatten wir das wenig erfreuliche Schauspiel, zwei Gesinnungsfreunde gegeneinander kandidieren zu sehen. Nun da der eine, Lucian Brunner, in die Stichwahl gekommen, ist zu hoffen, daß eine geschlossen«: jüdische Wählcrmassc ihre Stimmen für ihn in die Wagschalc werfen und ihm zum Siege verhelfen werde. Aber unsere Gesinnungsgenossen haben nicht kleine Mandatspolitik getrieben, Sie sind darüber hinaus cingctrcten dafür, daß das Judentum — wenn die Zahl seiner Feinde im Parlament auch groß und die seiner Freunde noch so klein ist — nicht ge* schändet werde von einem Renegaten seines Stammes, der in seiner Judenfeindschaft die waschechtesten Christlichsozialcn zu übcrbictcn sucht. Wenn Prof. Dr. R e d i I c h, der dem aufgelösten Parlament zur Schande gereichte, wirklich durch die Bemühungen unserer Freunde hinweggefegt wird, so bedeutet das eine jüdische Tat, die ein jeder Jude Oesterreichs *־־ wie sein Parteistandpunkt auch Immer sei — Ihnen danken sollte. ur״* an v‘clcn onderen Orten wurden £Khlkandidaturcn aufgestcllt, für die unsere Freunde mit derselben Begeisterung eingetreten sind wie dort, wo ein greifbarer Erfolg im Bereiche der Möglichkeiten lag. in hunderten von Versammlungen wurden immer wieder unsere jüdischen Forderungen erhoben, und Tausende und Abertausende wurden bei dieser Gelegenheit mit unserem zionistischen Programm bekannt gemacht. In der Hochburg des Antisemitismus und der jüdischen Assimilation zugleich, von der vor 14 Jahren der jüdische Sammelruf erging, hat sieh die Zahl «ler zionistischen Wälder verdoppelt. 799 wählfällige mul wablliereilc zionistische Wähler In Wienf Der Tag, der־ uns das Debacle tler Wiener Christlichsozialcn brachte, wurde zum Triumph des selbstbewußten hauptstädtischen Judentums! Diesen schönen Erfolg verdanken wir in erster Linie der glänzenden, aufopfernden Campagne unseres Freundes Stricker, dessen Arbeit in den kurzen Wochen unsere Sache in Wien ein gut Stück vorwärts gebracht hat. Die Wahlen im Westen waren ein guter Anlang. Am 19. Juni folgt Ostgalizien, das Land des jüdischen Elends, des polnischen Stimmenkaufs und der skrupellosen Wnhlkorruption. Nacli dem, was bisher verlautete, stehen die diesmaligen ״Wahlvorbereitungen“ hinter denen von 1007 nicht zurück. Aber das galiz.ischc Judentum weiß jetzt, wo es seine Freunde zu suchen bat, weiß von den Beratungen über den Hausierhandel, von den Sehenkerdebatten und von vielen anderen Oelegenlicitcn her, was cs von polnischen Versprechungen zu halten hat. Möge der 19. Juni sich zu einem Ehrentage des armen, verfolgten galizischen Judentums gestalten I Ausweis Schekel: Halhcrstndt “2 Mk., Leipzig 100 Mk., Loslau (gesammelt durch Frau Kreuzwirth und Herrn Apotb. Preus) 27 Mk., Königsberg 10 Mk., Wrcschcn 22 Mk,, Berlin (duren Referendar Cohn, V. J. St.) 16 Mk., ('niesen •12 Mk., Fulda 41 Mk., Würzburg 18 Mk., Eschwcilcr •10 Mk., Kosclunin 17 Mk., Dortmuiid 75 Mk., Aachen 6 Mk.' Lnndesbeiträßci Trier 30 Mk., Loslau 4 Mk., Wrcschcn 22 Mk., Berlin (durch Referendar Cohn, V. J. St.) 7 Mk., Würzburg 18 Mk. Organisationsfonds! Referendar Paul Löwe, Duisburg, 10 Mk., Adolf Heidemann, Jakob Hoffmann, Ruhen Samson, A. S. Winter je 10 Mk., Martin Zimmt 8 Mk., Isaac Feuerring, Fritz. Freund je 5 Mk. (sämtlich in I lalberstadt), Josef Wnrburg, Nordhausen, 5 Mk., S. T., Berlin, 12 Mk., Dr. E. Braunberger, Schiltigheim, 10 Mk., Ortsgruppe Tnrnowitz 60 Mk,, J. Miclialowski, Düsseldorf, 20 Mk., Zahnarzt Baschwitz, Bromherg, 25 Mk., Max Hermann, Dresden (1. Rate) 3 Mk., Max Goldreich, Köln, 5 Mk., Frl. Elsa Weishecker, Aachen, 5Mk., Eschwcilcr 5,60 Mk., Hamburg 3 Mk., Freiburg 2 Mk., Berlin —,50 Mk. (s. Ausweis in ״Verschiedene Spenden“), Eingang vom 8.—14. Juni! Schekel: 416 Mk.( Laudesbeiträge: 81 Mk., Orgnnisationsfonds 224,10 M. Gesamteingang: Schekel: 3375 Mk., Landesbeiträge: 3950,75 Mk,, Organisationsfonds: 846-1,85 Mk. Berichtigung: In Nr. 23 muß cs heißen: Berlin 3 Mk. Schekel (statt 5 Mk.), dagegen 4 Mk. Landesbeilrag aus Berlin (statt 2 Mk.); ln Nr. 22: Posen- Distrixt 15 Mk. Schekel (statt 20 Mk.) und 5 Mk. Landesheiträge. Die Addition verändert sich dementsprechend. Von den in dieser Nummer als Gesamteingang ausgewiesenen 3950,75 Mk. Landesbeiträge per 1911 sind S58.95 Mk. schon vor dem 1. Januar 1911 eingegangen und in der Bilanz per 31. Dezember 1910 verrechnet worden. Wir werden von jetzt ab nur die in diesem Jahre cingcgangenen Jahresbeiträge, die der diesjährigen Bilanz zugute kommen, als Gesamteingang jeweils ausweisen. Dies sind also bisher: 3091,80 Mk. Adresse für Geldsendungen: Zionistisches Zcntralbureau, Charlottenburg 2, Bleibtrcu- Straße 49. Postscheckkonto 8091, Bankkontos A. H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. םםםשפוש0ש₪ש0שפ0ש0ש sein Abonnement noch nicht erneuert hat, bediene sich zur Einsendung des Betrages von!•2. 1,2s PosCscIccc::r®rticu!ars das dieser Nummer beiliegt. פ0פש0'00טפ1שש0000ש0 Das Ergebnis der Allianccwahlen Bei den jüngsten Alliancewahlcn erhielt die Liue der Deutschen Confereiiz-Gcmeinscliaft von etwa 7000 beim deutschen Bureau cingegangcueu Stimmen 6024. Auf die Pariser Liste entfielen nur 930 Stimmen* davon wurden in Nürnberg 520 und in Frankfurt a. M. 160 abgegeben. Außerhalb dieser Orte und M a n n 11 c i in s bat also die Pariser Liste eine größere Zahl von Votanten nicht atmizielie» vermocht, Iti Frankfurt a, M. sind infolge des Vorgehens des Lokalkomilees, das sich völlig unberechtigterweise weigerte, die Berliner Stimmzettel anzimchtnen, über, haupt nur 210 Stimmen abgegeben worden, davon 60 auf die Berliner Liste. Von 1114 in Berlin abgegebenen Stimmen erhielt Herr Reinach n u r 51 In Holland haben sielt von etwa 901) Wählern nur etwa 300 für Paris entschieden, mich in Ant. werpe n erhielt die deutsche Liste die große Mehrheit, ebenso in S t. G n 11 v. n. Die Alliance zählt etwa 22000 Mitglieder. Dabei so umständlichen Wahlen erfahrungsgemäß hoch, stens 50—60״v> der Wähler von ihrem Wahlrecht Oebrattch machen, s o m u ß t e 1t a eit m e n s c h liebem Ermessen die Berliner Liste durch gedrungen sein, Jedenfalls hat die D. C, O. bei diesem Abstimmungsvcrhültiiis die doppelte Pflicht, sich nicht durcli die in Saloniki und andern Orten vorgekomtnenen Wahltnnchcnschaftcn um die Früchte ihrer Arbeit bringen zu lassen. Alle drei amerikanischen Mitglieder des Central- Comites der Alliance haben energischen Protest in Paris gegen die AufrcchtcrhaUung der Kandidatur Salomon Rcinachs eingelegt. In Amerika ist die Aufregung über die Hartnäckigkeit des Pariser Ccnlral-Comitcs sehr groß. Die Mitglieder sind entschieden der Meinung, daß das Komitee in Paris gegen das Interesse der Alliance handelt, und daß das Verbleiben des Herrn Rcinacli eine Gefahr für «lie Alliance und für das Schuiwcrk im Orient bedeutet. Aus Zürich berichtet man der ״N. J. K.“: Hier beteiligten sich von 118 Mitgliedern der Alliance 82 an der Wahl. •13 Stimmen wurden für die Pariser Liste, jedoch mit Merzbach statt Rcinacli, 31 für die Berliner Liste und mir fünf für die ungeändeilc Pariser Liste — also mit Rcinacli — abgegeben. — ln Basel haben von den 142 Wahlberechtigten 78 ihr Stimmrecht nusgeübt; 3 Stimmen waren ungültig. Salomon Rcinacli erhielt von den 75 gültigen Stimmen nur 30, blieb also auch in Basel, dessen führenden jüdischen Kreisen man sonst Sytnpathien für Paris nnchsagt, in der Minderheit. Aus Memel wird uns berichtet: Von den 45 hiesigen Alliancemitglicdem nahmen 42 an den Waiden teil. Die Berliner Liste siegte. Für R c i n a c h wurde nicht eine einzige Stimme abgegeben. Auch in Königsberg und andern ostpreußisclien Städten wurde Rcinacli einstimmig ״wcggewählt“. Wie wir erfahren, erhielt Herr Rcinacli in Mar* bürg eine einzige Stimme. Herr Geheimrat Cohen hat in seinem bekannten, von Paris veröffentlichten Schreiben sich für Rcinacli als ״Monotheisten“ erklärt, er hat aber keine Nachfolge gefunden. * Uns geht das folgende Schreiben zu: Leipzig, 4. Juni 1911. An die geehrte Redaktion der Jüdischen Rundschau Berlin. Sehr geehrte Redaktion! Von Ihrer Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe erwarte ich die Aufnahme folgender Berichtigung. In Nr. 22 Ihrer gesell, Zeitung S. 246, bespricht Herr Ben Aron einen Brief von mir, der ״von neuem beweisen“ soll, ״mit welchen Mitteln Paris arbeitet“ und auf welche Weise ich ״der Conferenz* Gemeinschaft“ in den Rücken faUc.“ Herr B. S. befindet sich damit — gelinde gesagt — in einem groben Irrtum, der nicht durch Unkenntnis der Sache entschuldigt wird. Vor allem hätte erwähnt werden müssen, «laß mir das Bekamttwerden dieses meines Briefes durchaus nicht die unliebsame Ucbcrraschung einer Enthüllung bereiten konnte, wie Ihr LesepubUkum anzunchmcn geneigt sein dürfte. Hatte ich doch den Empfänger des Briefes ausdrücklich ermächtigt, von diesem ganz nach seinem Ermessen Gebrauch zu machen. Mein sonach nicht zufällig auf ihren Redakttons• tisch geflogener Brief vom 25. Mai war die Erwklcrung auf ein Schreiben vom 23. Mai, worin ein hoch־ angesehenes Mitglied des Berliner Lokal-Komitcs mich um Mitteilung meiner Ansicht über Keinach, insbesondere über sein Verhalten zum Schuiwcrk der Alliance dringend ersucht hatte. Ich habe in meinem Antwortschreiben begründet, warum ich für Rcinach — Herr B. A. schreibt: ״kaltblütig" — stimmen werde. Eine Wahlagitation für R. zu treiben, lag mir aber fern, darum schrieb ich zum Schluß: ״Für נ¬!: $ I »* r i 1 ,1 < l ־G k, | J I I i 1 I t I i 1

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