Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1 •,V a Seite 264 JUEDISCHI־ RUNDSCHAU Nr. 23 Spiel in Dingen, die vom rein menschlichen sowohl, wie vom politischen Standpunkt recht ernster Natur sind, unterlassen. PALAe5TINA-RUM’DSCHAU Benschemen Die vielen Benaimmgai, die diese Siedlung in den letzten Jahren erfahren hat, haben zur Folge, dall sie im weiten Publikum ungenügend bekannt ist, denn jeder kennt sie unter einem anderen Namen. Es kommt vor, daß der eine einen Vorfall aus Heusehe• men erzählt, woraut der andere sagt, dall dies auch in Uetli-Arif passiert sei und dann ein dritter hartnackig behauptet, dies sei im ״Jnar*llcrzF' ge• schchcn, alle aber meinen sie einen und denselben Ort, Ich werde mich in der Folge des Namens Heu• scheinen bedienen, da er nunmehr der offizielle ist. Die Siedlung uiufatit 2IU<I Duuam. Der Hoden gehörte früher der Anglo Palcstinc Company, ging aber dann in Hesitz und Eigentum des Jüdischen Nationalfonds über, der ihn seinerzeit an Herrn Hel• hind für die von ihm gegründete landwirtschaftliche Schule verpachtete. Nach Auflösung der Helkimli• selten Schule ging man daran, dort einen Teil des Hcrzhvaldcs an/upflanzcn. Als Administrator wurde der Agronom J. Wilkansky engagiert, der auch in der hebräischen Literatur unter dem Pseudonym A. Zioni bekannt ist. Es wurde nun auf dieses Terrain eine größere Oliven• und Maudclbaiimpilan/nng auf den Namen von Dr. Her/l angelegt. Im vorigen Jahre haben die Arbeiter anläßlich der in Palästina überall abgehobenen Sinolvnskyfcicr auf eigene Rech• nung einen Smolcuskyhaiu. gepflanzt. Außer den Baumpflanzuiigcn werden 101) Duuam mb Ucrslc, Durra, Sesam usw. angebaut. Diesen Ackerbau bc• treibt eine Arbcitcrgruppc bestehend aus 8 Personen unter eigener Verantwortung. Per Administrator über• gibt ihnen Ptcrde, Arbeitsgeräte (selbstverständlich unter Aufsicht), gibt ihnen ferner erneu bestimmten monatlichen Lohn zum Lebensunterhalt und am Ende des Jahres wird der Reingewinn zu Hälfte zwischen der Arbeitergenossenschaft und der Wirtschaft ver• teilt. Im vorigen Jahre hat man mit der Arbeit etwas spät angefangen, dennoch waren die Resultate nicht ungünstig. Die Arbeitergruppe arbeitet euer• gisch, erstens, weil die Hälfte des Reingewinns ihr gehört und zweitens, weil sic aus 2 gesunden Eie• menten zusammengesetzt ist u. zw. tüchtige, er• fahrenc Arbeiter einerseits und begeisterte Idealisten andererseits. Der Administrator, der große Keimt• nissc in der Landwirtschaft besitzt, arbeitet uuer« müdlich und ist bestrebt, durch verschiedene Versuche den Hoden zu ameliorieren, Die Gruppe bildet eine Art Uebergang zwischen Arbeitern und Pächtern und führt ein besonderes Leben. Sic führt sogar eine eigene Küche und kommt nicht mit den anderen Arbeitern in Hcriihrung, cs sei denn, wenn es viele Arbeit gibt, z. H. zur Zeit des Pfliigciis, des Mähens, wo sie noch Arbeiter für Tagelohn aus der Wirtschaft beschäftigt. Außer dieser Oruppc arbeiten noch in der Wirt• schaft 20—40 Arbeiter, darunter 5 monatliche und die übrigen Tagelöhner. Der Arbeitslohn beträgt 10—12 Piaster bei 8 Arbeitsstunden. In der Wirtschaft gibt cs besondere Zimmer für die Arbeiter mit 4—5 Helten in jedem Zimmer. Die Arbeiter haben eine gemein• scliaftliclie Küche eingerichtet, die die Administration mit einer bedeutenden Summe subventioniert. Sic haben ein großes Speisezimmer, das den Arbeitern auch für ihre geselligen Zusammenkünfte dient. Die Arbeiter sind sehr zufrieden, denn sic meinen, daß dies fast der einzige Ort in Palästina ist, wo es dem Jüdischen Arbeiter möglich Ist, ein mcnschcn• würdiges Leben zu führen. Auch der kulturelle Zu« stand ist befriedigend. Die Arbeiter sind junge Leute, die Schulen absolviert habe», viele von ihnen sprechen hebräisch und fast alle verstehen sic die hebräische Sprache. Sie haben auch eine Bibliothek, erhaben aus• und inländische Zeitungen und Herr Dr. Pick• holz, der in Bcnschcincn als Praktikant tätig ist, hält oft in hebräischer Sprache Referate über Agra• nomie. Dank den Bemühungen des Administrators hat man dort iin vorigen Winter einen Konsumverein gegründet. Unter den Arbeitern, deren Zahl mit• unter bis 40 Arbeiter beträgt, gibt cs Anhänger der verschiedensten Parteien. Am meisten sind vertreten die Mitglieder der Poalc Zion, die leicht erregbar sind und die Mitglieder das Hapoocl Hazair, die ihre Arbeit in Ruhe und ohne Lärm verrichten. Es gibt auch unparteiische Arbeiter, alle aber leben sic in Frieden und in Freundschaft, halten gesondert ihre Versammlungen ab und kaufen gegenseitig auch die Presse der andern gegenseitigen Partei. Es kommt vor, daß die Poate Zion sich über die Mitglieder des Hapoocl Hazair lustig machen, weil sie stets das Hebräische markieren. Diese aber reagieren nicht darauf, um nicht das gute Einvernehmen unter den Arbeitern zu stören. Sic sprechen untereinander nur hebräisch und achten nicht auf die Kritik ihre Gegner. Fs arbeiten noch in Bcnscltcmcn einige Jane• niten, die je eine Wohnung für jede Familie und ein Zimmer ziun Bethnus erhallen haben. Die Jane• uitai leben friedlich. Es kommen nie Streitigkeiten zwischen ihnen und den anderen Arbeitern vor, und sie freuen sich so oft sic einen nschkaiasischen Ar• beiter besuchen. Ebenso sind sie mit ihrem jetzigen Los zufrieden. Wir haben sagen sic in ihrem Iiehn'iisclicn Dialekt Parnassa, Wohnungen bat mau uns gegeben, der Verwalter ist ein guter Mensch, wir li.ihai nicht zu klagen, hamcii haschen. Wenn mau von Jerusalem nach Jaffa mit der Eisenbahn führt, so erblickt man!von der Ferne hei der Station Rauileli ein schönes großes Gebäude,' - das ist Heu Schemen. Eine halbe Stunde von der Station Lydda kommt man an die Gellind Seifenfabrik, die die Gesellschaft ״Athid“ vor fünf Jahren erbaut und an drei ihrer Aktionäre verpachtet hat. Die Fabrik arbeitet tags und nachts (außer Sabbalh und Feiertage) und beschäftigt mehrere Ar• heiter. Die wichtige» verantwortlichen Arbeiten werden von Juden aiisgefiilirt. Für alle andern Arbeiten werden auch Araber hcraiigczogcn. Um die Fabrik herum wohnen vier jüdische Familien, die mit den Arbeitern zusammen eine Siedlung bilden. In diesem Kreise herrscht die russische Sprache vor, was von «len Arbeitern Batschemen's empfunden wird. Von der Fabrik an beginnt das Jüdische Terrain. Man geht etwa 10 Minuten ostwärts zwischen Ge* treidefeider und dann kommt mau zu einer großen Pflanzung von Oelhiuuucn, die mit verschiedenen Zier• bäumen und Blumcu bepflanzt ist, das ist der Smo• laiskyn-l laiu. Au diesen Hain schließt sich das Wirt• sclialtsgehäude an. Das Gebäude ist von einem großen Hof umgehen und es befinden sich dort die W011• mmgen für Verwalter und Arbeiter, der Laden des Konsumvereins, die Stallungen tiir Pferde, Kühe, Schafe und Geflügel; ebenso die Scheunen für das Getreide und den Schuppen für die Wagen, Mäh• maschinell und anderer landwirtschaftlicher Geräte. Das Auge erblickt liier von allen Seiten schöne palästinische Landschaften: von einer Seite hohe Berge mit starken Felsen, von der anderen Seito grüne Täler, und eine mit Getreidefeldern bedeckte Ebene. Ebenso sieht man von dort aus in weiter Ferne in nördlicher Richtung Jaffa und einige Koloiiien, westlicli die StadC Lydda und südlich die Stadt Rändelt. Weiter ostwärts führt ein gepdasterter Weg zu den neuen Häusern des He/.alel, die (int Fuße der Ju• däisclieu Berge stellen. (״IIAOR“, Jerusalem.) Bankgegeben. und Postscheck-Konto wird noch bekannt. ziofiisTisaie bcwcgung Die Kongreß-Ausgabe der ״Welt“ wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Der Bc• zugspreis beträgt für Deutschland 1,70 Mk. Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung des Betrages entgcgaigemmiinai. Der Bezugspreis kann auch in Briefmarken eines jeden beliebigen Landes entrichtet werden. Gesinnungsgenossen, welche größere Aktionen zur Gewinnung von Abonnenten für diu K011grcß*Ansgabc der ״WeUM zu unternehmen beabsichtigen, erhalten von uns die nötigen Drucksachen (Prospekte, Bc• stellkarten, Erlagscheine und Plakate) kostenlos in beliebiger Anzahl geliefert. Verlag ״Die Welt“ Köln a. Rh., Karolingerring 31. Wir benötigen zur Komplettierung unserer II,md• cxcmplnrc einige Niinimcrn 30 des Jahrganges |<>og und bitten Gesinnungsgenossen, welche Exemplare der ׳Nummern entbehren können, uns dieselben zur Ver• fiigung zu stellen.!VOM HILFSVeReiNi Um die junge Generation im Orient für den wir!, scliaftlichen Wettbewerb bereits aut der Schuh׳ aus• zurüsten, ist der llilfsverein der Deutschen Juden daran gegangen, die intellektuelle Ausbildung durch Einführung von H a 11 d f e r t i g k e i t s 11111 e r r i c 111 zu ergänzen. Der Hamlferligkcitsiuiterrieht — dessen Wirt für die körperliche und geistige Entwicklung, wie die Bcruisvorbildimg der Jugend immer mair akaimt wird ~* soll in den Semiten des Hilfsvereins ein besonderes Lchrlach bilden, das in den Händen (ach• müßig geschulter Lehrer liegt. In Konst;mtiuopu! ist bereits vor einigen Jahren — in der Gr*Thora*Scl1uie des tlilfsvcreins daselbst — der Anfang damit gemacht worden, und der Unter• rieht hat sieh dort bestens bewährt. Mit Unterstützung der Alexander und Fanny Sinion'scliai Stiftung in Hannover hat der Kilfs• verein .der De u ts c 11 e 11 Juden nunmehr die Einführung des 1 landfertigkeitsiinterrichts in den O r i e 111 s cli u 1 c u in weilerein Umfangein Angriff genommen. Am Anfang des neuen Schuljahres hat der llilfs• verein einen geprüften, praktisch wie theoretisch ge• bildeten Gewerbelehrer, Herrn Arthur W. Schmidt, einen Schüler von Georg Korschensteincr in München, nach Palästina entsandt, tun zu• förderst im dortigen Schuhvcrk des lülfsverciiis den llandiertigkeitsuiiterricht zu organisieren. Jetzt wird bereits an drei Anstalten des llilfs- Vereins von Herrn Schmidt Unterricht erteilt: an zwei Knabenschulen, in Jerusalem und dem benachbarten Jaffa, dem er zwei Tage in der Woche widmet, und dem Lehrerseminar in J v r u s a l e m. Der Unterricht wird alsdann auf weitere Institute des tlilfsvcreins in Palästina wie im europäischen Orient ausgedehnt werden. In erster Linie wird er in der Mittelschule des Hilfsvereins in Haifa zur Einführung gelangen, die den Unterbau für •las Itidiselie Institut für technische Erziehung in Pa* lüstina bildet. Durch die fachiuäßige Ausbildung der Zöglinge des Lehrerseminars in Haudlertigkeilai, die berufen sind, in der asiatischen Türkei wie in den Balkanlüiulerii in Stadt mul Land, an Schulen des 1 lilfsvereins wie an anderen Anstalten als Lehrer zu wirken, ist zu erwarten, daß dieser für die Re• geiieratiou der Judenheit im Orient höchst bedeuliings• volle Unterrichtszweig bald eine weite Verbreitung erfährt. * Für die Opfer des schweren Unglücks, das sieh am Lng*Beomcr bei Merou in der Nähe von Saffcd in Palästina ereignete, bei dem 11 Personen getötet und 25 verwundet worden sind, hat der llilfsverein der Deutschen Juden eine größere Unterstützung zur Verfügung gestellt, die namentlich für die bedauern«• werten verwaisten Kinder verwendet werden soll. Agitationsreiscn des Parteisekretärs Licgnitz. Am Mittwoch, den 17, Mal, fand hier zum ersten Male eine zionistische Agitationsversamm• Iuiir statt. Herr Parteisekretär Kurt B l u m c n f e I d hielt das Referat. Da die Versammlung von unserer Seite nicht ausreichend vorbereitet werden konnte und eine heftige ücgaiagitation wohl auch noch manche lenigehaUai hat, waren nur wenige Zuhörer crschic■ neu. Oer Vortrag wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und wir haben Grund zu der Annahme, daß Herr Blumenfeld nächstes Mal vor einer großen Ko• rmia wird sprechen können, unter der schon eine stattliche Zahl Zionisten zu! finden sein Wird. Wir wenigen Licgnitzcr Gesinnungsgenossen hoffen, daß cs unserer Arbeit gelingen wird, bis Zur nächsten öffentlichen Versammlung einen Stamm neuer Mit■ glieder zu gewinnen. K, Mitteilung des Zentralbureaus der Zlo• nlstischcn Vereinigung für Deutschland 1 lerr Moritz G 01 d s c 11 m i d t, Hamburg, hat im Einvernehmen mit der Fiiianzvcrwaitung des Zio• nistischcii Zcntralbureaiis (ür Deutschland die Leitung des Sliareclnhs niedcrgcicgt. Die Geschälte hat nuu• .mehr Herr Dr. Osias Wasch itz übernommen, und wir bitten alle Gesinnungsgenossen, sich in Sachen des Sharcclubs nunmehr mir an Herrn Dr. Osias Waschitz, Hamburg, Fcrdinaudstraßc 55, part, rechts, Tel. Gruppe 4, Nr. 1202/3, zu wenden. AUSD6N <56M€IHD€N Berlin. Wie wir soeben erfahren, sind heim Bureau der Alliance Israelite Universelle in Balm bereits mehr als 5000 Wahlzelle! eingegangai, welche die deutsche Liste enthalten. Die Zahl derer, die sich für Paris entschieden haben, ist ganz unbe• trüciitlieli. Es dürften etwa noch 1000 oder 2U0O Stimmen aus Deutschland in den nächsten Tagen cingeiicn. Berlin. Die Baruch Aucrbaclischen Waisen- Erziehungs-Anstalten haben nach ihrem eben aus* gegebenen 75. Jahresbericht seit der Begründung des neuen Aiistallsliauses, Schönhauser Alice 102, c'iie yci'inelirting um 13 Zöglingsstellai erfahren und er• ziehen gegenwärtig 59 Knaben und 31 Mädchen. Diese besuchen in der weit überwiegenden Melir/.iid höhere.Schulen, die Knahai fast durchweg bis zur Einjährig•!'rciwilligen-Bcrcclitigung, besonders he* gabte und würdige sogar bis zur Reifeprüfung, die im Berichtsjahre wieder einer bestanden bat, während die Mädchen in der Regel noch von der Anstalt aus ihrer beruflichen Ausbildung obliegen. Im ganzen haben bisher 67 i Zöglinge in den Anstalten Pflege, Erziehung und Ausbildung und weit ins Lehen hinaus reichende Fürsorge genossen. Dem letzteren Zwecke dient eine größere Anzahl besonders verwalteter Stif• tuugai, die wiederum namentlich zur Selbständigkeit und Verheiratung früherer Zöglinge größere Summen bcigcsleuert haben. h ... Konstanz. Auf Veranlassung der zionistischen Mitglieder uer liicsigcn jüdischen Fraucnverciiie o'ÄL dn-" ».fra,HcnvcrcIn Wr Kulturarbeit in ״ Mk. überwiesen, freilich nicht ohne er• regte Debatte, wobei sich als Qcgner besonders eine C c c r \ ר I l ( m