Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 25t Beifall der Versammlung dgm Oruppenverbande bei• getreten. Daraut nahm Herr Biumentcfd zu einem längeren Referat über den X. Kongreß das Wort, wahrend Herr Dr. Hey mann ein Korrclcrat über denselben Oegenstand erstattete. Die Referate gaben zu einer längeren Debatte Veranlassung, die bis 11 Vs Uhr abends dauerte. Mit einer kernigen An• spräche schloß dann Herr Dr. Hey mann den Ver* bandstag, nachdem vorher noch Herr Dr. Moses• Dessau im Namen der Versammlung dem Ausschub in Halbcrstadt für seine intensive Tätigkeit und Herrn Dr. Heymann für die Leitung der Versammlung ge• dankt hatte. » So hat der II. Gruppenverbandstag, der stark besucht war, bei allen den besten Lindruck hinter• lassen. Er hat dazu beigetragen, die zionistische Anschauung der Teilnehmer zu vertiefen, die ein• zellten Gruppen zu weiterer eifriger Arbeit anzu• halten, und aas Band, das schon bisher die einzelnen Gruppen miteinander vereinigte, zu festigen. Agitationsreisen des Parteisekretärs Glogau. Mit einem Vorträge über das jüdische WirtschaftsprobIcm, der am 15. Mai hier stattfand, beschloß Herr Parteisekretär Kurt BI u in e 11• f e 1 d einen Zyklus von Vorträgen, durch welche er zum ersten Male In Glogau die jüdische Bevölla־• rung mit den Grundlagen und Zielen des Zionismus bekannt machte. Der Verlauf der letzten, trotz der vorgerückten Jahreszeit gut besuchten Versammlung wird Herrn!Ruinenfeld wohl den Beweis geliefert haben, daß cs ilun gelungen ist, weite Kreise für die zionistische Sache zu interessieren und Bresche zu legen in dem bisher hierorts herrschenden 111• differentismus. Wir hoffen, hier im nächsten Winter bereits so weit zu sein, eine Ortsgruppe gründen /u können. Auch an dieser Stelle wollen wir Herrn!Ruinenfeld unseren besten Dank für seine geistvollen Vorträge, mit denen er dem Zionismus eine Menge neuer Anhänger gewonnen hat, abstatten. Hannover. Am Dienstag, den 23. Mai, sprach in öffentlicher jüdischer Versammlung Herr Partei• sekretär Bl u men fei d über das Thema: ״Der Zionismus,dicLösung der Judenfrag e.“ Der vornehme, große Saal des Hansahauses war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die lokale Presse war vertreten. Die Ankündigung der Versammlung an den Plakatsäulen hatte ihre Wirkung getan. 'Anhaltender Beifall des im wesentlichen nicht• zionistischen Publikums folgte den klaren Ansfüh• rungen des in Hannover sehr beliebten Redners. In der Diskussion sprachen von zionistischer Seite noch die Herren Rechtsanwalt!Rock und Dr. mcd. Hirsch. Der gegnerische Standpunkt wurde zunächst von Herrn Bukowzer vertreten. Herr Bu• kowzer hat an unserer Lage in Deutschland angesichts der Tatsache, daß man zwar nicht in Preußen, aber doch in Bayern als Jude Reserveoffizier werden könne, durchaus nichts auszusetzen. Er will für unsere un* glücklichen Brüder in Rußland beruhigt und vertraucnsvoll den allgemeinen Fortschritt und — — die russische Duma sorgen lassen. — Ein christlicher Redner geißelte scharf den liulifferentis• mus, den viele Juden ihren nationalen Existenzkampf gegenüber an den Tag legen. — Als letzter Dis* kussionsreduer nahm noch Herr Rechtsanwalt Lichten• berg das Wort. Er warf Herrn!Ruinenfeld ״apodik• tische Behauptungen“ vor und lehnte es darauf ab, sich mit dem Zionismus auscinandcrzusctzen, solange dieser in seiner Kampfstellung allen anderen Rieh• tungen gegenüber verharre. Nach einem Schlußwort, in dem sich Herr Blumen- »cid als ein Meister der Diskussion bewies, fand die Versammlung nach Mitternacht ihr Ende. Der eindrucksvolle Verlauf des Abends hat unsere Position in Hannover wesentlich gefestigt. Eine der angesehensten hiesigen Zeitungen brachte einen aus• tulirlichen Bericht über diese erste ״öffentliche jü• dische Versammlung“ in unserer Stadt. Die Veranstaltung bedeutet für uns einen Erfolg auf der ganzen Linie. Nordhausen• Der Vortrag von Kurt Blumen• feld: ״Judentum und freies Menschen• tum“ wurde allseits mit großem Interesse erwartet, da seine erste Rede in nachhaltiger Wirkung jeder• mann zur Prüfung der berührten Fragen und zur Stellungnahme zu ihnen veranlaßt hatte. Auch seine diesmaligen Ausführungen, mit unerschöpflicher Beredsamkeit vorgetragen, zwangen Freunde und Gegner in den Kreis seiner Oedankengänge. Mitteilung des Zentralbureaus der Zlonlstischcn Vereinigung für Deutschland Herr Moritz Qoldschmidt, Hamburg, hat im Einvernehmen mit der Finanzverwaltung des Zionistischen Zentralbureaus für Deutschland die Leitung des Sharcciub» nicdcrgclcgt. Die Geschäfte hat nun• mehr Herr Dr. Osias Waschitz übernommen, und wir bitten alle Gesinnungsgenossen, sich in Sachen ,du Sharedubs ouamehr nur an Herrn Dr. Osias Waschitz, Hamburg, Ferdinand• Straße 55, part. rechts, Tel. Oruppc 4, Nr. 1202/3, zu wenden. Bank* und Postscheck-Konto wird noch bekannt• gegeben. * Wegen der jüdischen und der christlichen Feier• tage bleiben unsere Bureaus von Freitag, den 2. Juni, bis zum Montag, den 5. Juni, einschließlich, geschlossen. Wir benötigen zur Komplettierung unserer Hand• exemplare einige Nummern 39 des Jahrganges 1909 und bitten Gesinnungsgenossen, welche Exemplare der Nummern entbehren können, uns dieselben zur Verfügung zu stellen. AUS Den (3eM€IND€N Berlin• Der bisherige Geschäftsführer der Alliance brachte Universelle, Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel, ist, wie in letzter Nummer in einer Erklärung bereits erwähnt worden war, aus seinem Amte ge• schieden. Seine Tätigkeit war schon seit »Monaten nur noch eine nominelle. — Wir haben keinen Anlaß, das Ausscheiden Dr. Apfels zu bedauern, und auch die Alliance dürfte mit anderen Mitteln, als sie Herr Dr. Apfel bisweilen beliebte, ihren Interessen besser dienen. Berlin. Nad» längeren ,Vorarbeiten ist es nun, wie in Hamburg, Frankfurt »t. M. und anderen Groß, sjädten, audi in Berlin gelungen, für die Tachkcmoni- Schule in Jaffa ein L o k a I C o in i t <5 zu schaffen. In der konstituierenden Sitzung wurden gewählt: Geh. Reg.-Rat. Prof. Dr. I. Barth zum L, B. Galewski zum II. Vors., S. Engel zum Kassierer, Prof. Dr. A. Berliner, Dr. F. Bluincittltal, Rabb. Dr. W. Lewy, Rabb. Dr. Liebcrniann, Hermann Struck zu Beisitzern. Das Comitö wird sogleich daran gehen, die Zahl der bei• tragenden »Mitglieder in Berlin zu vermehren, was umso nötiger ist, als aus Mangel an Mitteln zu Beginn des neuen Semesters von 20Ü neu angcincldcten Kin• dern nur 20 Aufnahme finden konnten. Anmeldung neuer Mitglieder an die Adresse des I. Vorsitzenden (Louisenpiatz 8) oder des 11. Vorsitzenden (B. Galewski, Kurfürstcndamin 167/108) erbeten, Crono a. Br. Dem Leiter der hiesigen pari• tätischcn Schule. Herrn Lehrer F r a n k c n s t e i n , wurde der ihm kürzlich verliehene Adler der Inhaber des liolieiizollernschcit Hausordens heute vormittag in der Schule vor versammeltem Lehrerkollegium und den Schülern der oberen Klassen durch Herrn Kreis• sehulinspektor Boder feierlichst überreicht. Nacii dem Gesänge des Chorals ״Lobe den Herren“ widmete Herr Kreisscliuliiispektor Boder Herrn Frankciistciu warme Worte der Anerkennung für seine 40 jährige hiesige Tätigkeit als Lehrer und mehrjähriger Leiter der Schule. Herr Fr. dankte mit bewegten Worten und brachte ein Kaiserhoch aus. Magdeburg. Am 24. Mai 1911 fand eine Trauer• feicr für unseren Gesinnungsgenossen, den ver״ storbenen Dr. Walter Pcrlitz, statt. Pie Feier wurde von dein Synagogengesangverein in stimmungs• voller Weise durch Gesang cingclcitct; alsdann hielt Herr Rabbiner Dr. Wilde die Gedächtnisrede. Dieser folgte abermals Gesang. Die Feier nahm einen würdigen und ernsten Verlauf; die rege Teilnahme (der Saal war nahezu gefüllt), bewies den tiefen Schmerz um den Heimgegangenen und zeugte für di.־ Achtung und Liebe, die er in der kurzen Zeit seines Wirkens in Magdeburg errungen hat. In unserem Herzen wird ihm eine bleibende Stätte bereitet sein. Marburg. Der König!. Kronenorden 4. Klasse wurde Herrn Koppel Strauß, hier, verliehen. Herr Strauß hat fast drei Jahrzehnte hindurch das Amt eines Gemeindeältesten der hiesigen israelitischen Ge• meiude bekleidet und wurde auf seinen Antrag wegen seines holten Alters — er befindet sich in seinem 81. Lebensjahre — heute aus seinem Amte ent• lassen. Die Ucberreichung des Ordens und die Ent• lassung erfolgte in der Synagoge durch Herrn Pro• viitzialrabbiucr Dr. »Munk unter anerkennender Hervorhebung der verdienstvollen und erfolgreichen Wirksamkeit ־ des Herrn Strauß für die religiösen Interessen der israelitischen Gemeinde. Posen. Auf der Ostdeutschen Ausstellung, die hier von Mai bis Oktober d. J. stattfindet, ist durch ein Büfett, das unter Aufsicht des hiesigen Geincindcrabbinats steht und von Herrn Fleischer• mcistcr Schlesinger, hier, verwaltet wird, dem Wunsche der gesetzestreuen Besucher der Ausstellung Rechnung getragen worden. Straßburg. Allenthalben finden jetzt hier so• genannte Narzissenfeste statt, bei denen neben anderen Veranstaltungen von der Frau Statthalter Gräfin von Wedel gestiftete Narzissen zugunsten eines elsaß-lothringischen Krüppelheims verkauft werden. Unsere elsaß-lothringische jüdische Bevölkc* rung tut sich dabei in der Beteiligung und den Spenden besonders hervor, obwohl das zu gründende Krüppelheim für uns Juden gar nicht in Betracht kommt. Lesen wir z. B. die Oabcnlistcn zur Tombola des Straßburger Festes, so treffen wir da überaus zahlreiche jüdische Firmen. In Straßburg hat man denn auch nicht versäumt, auch Juden in aas leitende Komitee zu berufen. Auch an den meisten anderen größeren und kleineren Plätzen hat man jüdische Damen zugezogen, um sich auch den jüdischen Geld• bcutel des clüdwothringischea Landes zu sichern, der der Wohltätigkeit, besonders wenn sic nach außen in Erscheinung treten darf, gerne sich öffnet. In anderen Städten war man allerdings nicht so ״tolerant“, so z. B. in Schlettstadt, Ein Bericht• erstatter der ״Str. Neuen Zeitung“ (in Nr. 138) bc• klagt sielt bitter darüber, daß man bei der Zusammen• set/.uug des Ehrcnkomitecs nur Damen der oberen Zehntausend berücksichtigt, dabei alle Stände zttge• zogen habe, daß man diese jedoch nach dem Tauf• Zeugnis ausgewählt habe. Und er berichtet froh• lockend, daß man sielt deshalb an der allgemeinen Sammlung nicht beteiligt habe, daß vielmehr die Juden unter sich gesammelt hätten, um den Betrag an den Fonds abzuiühren (nicht an den National• fand!»!). So lobenswert nun auch der Friede und die Eintracht unter den Konfessionen ist, so sind die Sclilcttstädtcr hierin doch wieder z.u weit ge• gangen in ihrem Verlangen, nur ja nicht zurückzu• stehen und cs den andern gleich/utun. Recht war es zwar von ihnen, eine nachträgliche Kooptation dankend abzulcluicn; aber wozu eine eigene Saturn• lung veranstalten? Wir sind die letzten, die einer Beteiligung an interkonfessionellen Sammlungen entgegentreten. Wäre es jedoch nicht in dem Falle angebrachter gewesen wenn man absolut demon* stricrcn wollte, eine Sammlung für einen jüdischen Zweck zu veranstalten. Harren der jüdischen Wohl• tätigkeit nicht genügend Aufgaben im Lande? Das (ireisenasyl und verschiedene andere Institutionen harren schon längst ihrer Gründung, und, wenn matt nicht neu gründen will, unsere Waisenhäuser, Hand• werkcrscltuien können jede Unterstützung gebrauchen. Audi an verschiedenen anderen Orten hat mau cs durchaus nicht für nötig befunden, Juden in die leitenden Komitees mit hcranzu/ichcn; desto mehr hat matt aber die jüdischen Mädchen als Blumen• Verkäuferinnen verwandt, um sielt ja aut diese Weise auch der jüdischen Beiträge zu sichern. Sclbstzu• frieden berichten dann einzelne Orte in den hiesigen jüdischen Wochenblättern, wieviel jüdiscitc Mädchen Blumen verkaufen durften, und stellen dies als ein Beispiel der konfessionellen Eintradit hin. Man ver• steht hier nette Toleranz schon, wenn man mitbei• steuern darf; in diesem Sinne kennt allerdings die hiesige Toleranz keine Grenzen. VeReiNS-RUNDSCHAU Berlin. Der Hcrzl-Club veranstaltet am Mitt• woclt, den 7. Juni, im Saal des Cafes ״Tiergarten• hol" einen Vortrag. Der Referent Herr Dr. Heinrich L 0 e w e spricht über das Thema: ״Lebenskraft t nt Z i o n i s nt u s.“ Beginn 9 Uhr. Gäste, insbe• sondere junge Kauflcutc und Handwerker will• kommen. Berlin. Atn II. Juni veranstaltet der Jüdische Jugendbund seinen diesjährigen Dampfer-Aus• f I u g nach Woitersdoricr Schleuse. Es sind groß• artige Arrangements getroffen. — Festkarten zu »Mark 1,50 sind int Kaufhaus des Westens und in der Buchhandlung Louis Lamm, Neue Friedrich• Straße 60—63, bis zum 6. Juni erhältlich. — Nach diesem Tage werden Karten nur mit einem Auf• schlag von Mk. 0,50 in geringer Anzahl durch Herrn Wilhelm Sand, Berlin N. 58, Wörtherstr. 4, aus• gegeben. Berlin. Der Verein ״Kadimalt“ (Gruppe d. B. Z. V.) veranstaltet am Sonnabend, den 3. Juni, 9 Uhr abends, in den Sophiensälen, Sopliicnstr. 17/18, einen großen Schckcltag, in dem die Herren: Dr. Heinr. Loewe und Dr. TI1. Zloeist über: ״Die Zukunit des Judentums und der Zionis• mus“ referieren werden. Freie DiskussionI Gäste willkommen. Berlin. Am Dienstag, 23. Mai, sprach in der Berliner Zionistischen Vereinigung Herr Lazarus Barth über ״Die Aufgaben des X. Kongresses und der künftigen Parteileitung“. Das Referat beschäftigte sich iitt ersten Teile mit den vorwöchigen Ausfüh• rungen Hantkes über das gleiche Thema, itn zweiten mit der hauptsächlich das kulturelle Problem be* handelnden Debatte der vorigen Versammlung. Redner skizzierte die Forderungen für ein zionistisches Schul• werk, das nur organisch aus den im jüdischen Pa• lästina herrschenden Leben erwachsen, den prak• tischen Bedürfnissen sielt anpassen und die religiösen Gefühle respektieren müsse. Auf einzelne der pa• lästincnsischcn Schulen wurde an Hand ihrer Berichte hingewiesen. In der ausführlichen Debatte sprachen die t ierren Groß mann, Klee (über ״Erweiterung der zionistischen Tätigkeit“), Friede mann (über ״Alliance und Kulturtragcn“), Scheittarja Lewin, der in kultureller Beziehung Friedematin opponierte und andere. In der nächsten Versammlung wird Herr M 0 t z k i n referieren. Berlin. Die ״Organisation für hebräische Sprache und Kultur" (״Histadruth Ibrith“) veran• stattete am 27. »Mai eine öffentliche Versammlung, die einen eindrucksvollen Verlauf nahm. Der c*wa 1000 Personen fassende Fcstsaal des ״Tiergartenhofs“ war, trotz der heißen Jahreszeit, bis auf den letzten Platz gefüllt, und man bemerkte unter den An״ wesenden zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus der Berliner jüdischen Intelligenz und den großen jüdischen Gesellschaften. — Als . erster Redner referierte Dr. Mossinsohn vom hebräischen Gymnasium in Jaffa über ״Das neue jüdische Leben in Palästina“. Er schilderte das Ent* lieben einer jüdischen Eigenkuitur in Palästina, die