Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seiler 252 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22 sich namentlich in der Neubelcbung der hebräischen Sprache offenbaren, und die Neugestaltung der suziulen Betätigung der jüdischen bevölkerung iv den dortigen Kolonien unu Städten. Das judiscuc Scitul• werk in Palästina bciinde sich zwar noc'li im Au- (angsstadium seiner Entwicklung; es habe jedoch bereits jetzt schon mit verhältnismäßig geringen Mitteln Früchte gezeitigt, die ui der Diaspora mit Millionen nicht erreicht werden konnten: die Heranbildung einer neuen, freien, selbstbewußten, von sccliscncr /wiespültigkeit und inneren üegensutzen nicht »iederge* drückten jüdisciten Ocueration, die den Nacltbarstammen und fremdelt Besuchern des Landes Achtung und Wertschätzung ciullöUc. Dr. Schemarja Lcwill, der daraut das Wort ergriff, vergleicht die Geistesverfassung der Judcnhcit m Palästina und in der Diaspora, liier seien die luden ״Handwerker des Lebens", Nachahmer und Kopisten; dort seien sie ״Künstler des Lebens", Eigensciiöpfer und Musterbilder, Ls sei kein Zufall, daß die liebraische Sprache gerade in den letzten 23 Jahren mehr bereichert und entwickelt wurde als in den letzten Jahrhunderten. Die Judcnhcit in der Diaspora sei innerlich unbefriedigt, suche nach einem geistigen Halt — und einen solchen biete ihr Palästina, das für sic Zweck und Mittel zugleich sei. ln Palästina werde der zerrissene historische Faden des jüdischen Volkes wieder aufgenommen. Darauf sprach Leo Motzkin — der Lciler der Versammlung — über ״die Renaissance der ltcbrä- 1selten Sprache". Es gebe, so führte er aus, keine Trennung zwischen der Renaissance des jüdischen Volkes und jener der hebräischen Sprache. Gewiß fordere die Neubelcbung das hebräische Opfer uuihrerseits — durch diese Opfer würden aber neue perle geschaffen. Das Pionicrtum des Hebräischen habe ebensolche Bedeutung wie das Pionicrtum der palästinensischen Bestrebungen. Was in den letzten 0 Jahren in bezug auf das Hebräische geschaffen Worden ist, gehöre zu den größter) Wundern der Menschheit. Die Regenerierung der hebräischen praclic sei der konkreteste Ausdruck des jüdischen icistcs. Dieses Ideal werden wir als Parole in ie jüdischen Massen werfen, denn die Zeit sei nicht ern, wo unsere Sprachenfrage in einigen Landern — ic Rußland und Galizien — zu einer politischen ampffrage werden müsse. Den Rednern wurde von der Versammlung lauter eifall gezolit, in der darauffolgenden Diskussion, an der sich abbincr Dr. Fink und Dr. .Heinrich Löwe beciligten, wurde namentlich die Stelluig der jüdischen "rthodoxic zu den auf die Neubelcbung der licbradien Sprache gerichteten Bestrebungen beleuchtet, n seinem Schlußwort wies sodann Dr. Mossinsohn arauf hin, daß in der hfbrätschen Renaissance die Kontinuität der im Judentum lebendigen Schaffensräftc sich offenbare. Spät nach Mitternacht schloß die Versammlung, ie einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hintcrlicß. Berlin, ln den Räumen des Thiergartenhofes and der zweite der von der Zionistischen Verein!• ung cinbcrufcncn Schekcltagc statt, der wie er erste sich trotz des warmen Wetters eines sehr uten Besuches erfreute. Nachdem der Vorsitzende, err Lazarus Barth, kurz auf die Bedeutung dieses chckcitagcs aufmerksam gemacht hatte, nahm Herr *arteisekretär Kurt Blumcnfcld das Wort zu einem Referate ״Der Sinn der Emanzipation und er Zionismus". Er gab einen .kurzen Ucberblick u! die seit der Emanzipation im Judentum erwach* cnen Generationen, indem er darlegte, wie jede von men ein wieder anders geartetes Kompromiß wischen dem Judentum und dem allgemeinen Leben lu suchen bestrebt war und wie immer mehr jüdische leerte hierbei verloren gegangen seien. Er zeigte, iß es aus diesem Oedankcn heraus auch nur ein weiteres Zeichen der Dekadenz sei, wenn man heute ו neu gegründeten Verbänden so oft höre, man sei tolz auf sein Judentum, aber man lehne die zioistische Bewegung ab; es ׳ sei aber bei diesen Meinungsäußerungen in so vielen Fällen nichts anderes h die Benutzung von Schlagworten, die der Zionismus ,«schaffen habe, die aber in dem Zusammenhang, י dem sic dort ׳ gesprochen werden, *inhaltlos seien, •eil man nicht tatsächlich jüdische Werte kultivieren üer-gar schaffen wolle. — Herr Dr. Heinrich Löwe richtete im Anschluß hieran noch einen Appell zu 1 eitriger Tätigkeit au die Versammlung, iiulcm er be* I somiers am die kulturelle Tätigkeit der palästiueusielie» Juden hiuwies und den Vergleich zwischen dem (mliis-judentum und dem sich in Palästina entwickelnden freien Menschentum zog, 1 )ie Vernastaltuiig hintcrließ hei den Anwesenden einen sichtlich starken Eindruck, Aus der vorwöchigen Debatte ist an dieser Stelle noch auf die Austuhruugen des Herrn Motzkin zurück/.ukommcu. Herr Motzkin betonte einleitend, er begreife den Zwiespalt, der bei den orthodoxen Zionisten Platz greifen müsse, wenn ihnen der (Jeisf des Sehuhverks nicht genehm sei. Doch sei d.cscni Problem in Palästina nicht nuszuweiclien, das Lehen in Pa'äsiina dränge vorwärts, und wenn sich der Zionismus ständig der Erfüllung aktueller Aufgaben entziehe, so würde man mit Recht ihm einen Vorwurf daraus machen können, daß sein Kontobuch leer sei, wahrend andere ständig neue Aktivposten ciutragcii konnten. Es genüge nicht nur, darauf hinzuweisen, daß wir in Palästina Arbeit anregen und größere Ideen in diese Aktion lüiieiutrügen, sondern wir müßten auch überall als zionistische Organisation mit llauü anlegeii. Deshalb müssen wir uns an der kulturellen Palästina-Arbeit intensiv beteiligen, Berlin. Am Donnerstag, den 23, Mai, voran, staltete der Hcrzi Club eine Tugcspartic über Hicsentlial, Eberswaldc nach M c s 8 i n g w c r k. Hier hielt der I lcr/1 Club gemeinsam mit der zionistischen Ortsgruppe Eberswalde-Messingwcrk eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel ab, in der Herr Dr. Heinrich Löwe über ״J ü d i 8 c 11 c Reu ui 8׳ s a 11 c e" referierte. Der Referent erntete stürmischen Beifall, und eine Sammlung für den Natioiiaiiouds ergab ca. 20 M. A11 die Versammlung schloß sich ein gemeinsamer Gottesdienst in der Messingwerker Synagoge an, worauf man gegen 10 Uhr nach Berlin zuiückkclirfe. Die ganze Veranstaltung nahm einen äußerst harmonischen Verlauf. Berlin. Der ״Verein Jüdischer Mädchen" ver• anstaliete am Mittwoch, den 24, Mai 1011, in Neu* manns Fcstsalcn einen sehr gut besuchten VortragsaheiuJ, an den! Herr Rabbiner Dr. B I c i c h r 0 d e über das Thema ״Das Judentum — eine Wcltrcllgion?" sprach. Herr Dr. Bleich rode erntete für seine interessanten Ausführungen den lebhaften Beifall der Versammlung. Der Verein verdankt dem Redner eine Reihe von neuen Mitgliedern. Es sei Herrn Rabbiner Dr. Bleichrodc an dieser Stelle noch einmal der herzliebste Dank ausgesprochen. Berlin. In der hiesigen Ortsgruppe der ״Organisation für hebräische Sprache und Kultur" hielt l)r. Mossiiisolui-Jnffa ain 22, Mai einen in Form und Inhalt fesselnden hebräischen Vortrag über ״Volk und Land im Lichte der Bibel", Redner schilderte die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit seinem Lande, wie sie sieh in den heiligen Schriften, namentlich in den prophetischen Kundgebungen, offenhart. und die auch in der nachbiblischen Zeit mit tiefer Kraft fortwirkt. Die glänzende oratorische Fähigkeit des 'Referenten trat auch bei diesem mehr Wissenschaftliehen Vortrag hervor, und seine zweistündigen Ausführuugen hinterlicßen einen nachhaltigen Eindruck im überaus zahlreichen Publikum, unter welchem man eine Reihe bekannter Persönlichkeiten bemerken konnte und auch das weibliche Geschlecht stark vertreten war. Während der Versammlung traten dein Verein viele neue Mitglieder bei, Eschwcilcr. Am 23. Mai sprach in der hiesigen Ortsgruppe Fräulein Bertha S t i c H Eschwcilcr über das fhema: ״Was hat der Zionismus bisher geleistet?" Die jugendliche Kellnerin erntete mit ihrem gut cingcleitctcn Vortrag reichen Beifall von den zahlreich Erschienenen, imii eine angeregte Diskussion entspann sicli nach ihren interessanten Auslüliriingcu. Fräulein Stiel kann die Ehre für sich in Anspruch nehmen, die erste Rcdnerin int ganzen Regierungsbezirk zu sein: Vivant sequentes. Sonntag, den 28. Mai hielt die Ortsgruppe nachmittags jn der Zweigabteilung Höngen eine Versammlung ab, deren Besuch durch Gewitterregen leider etwas beeinträchtig! wurde. Herr Arthur Oelber, Düsscldorf, sprach über ״Gegenwartsarbeit in Palästina" und verstand cs, uns in meisterhafter Weise all das vorzuführen, was zionistische Arbeit im Lande unserer Väter• bereits geschaffen hat. Die Zuhörer bekamen ein klares um! erschöpfendes Bild von der "latigkeit der Kolonien, der Bank und uiiseitr amlcren liishUitionen, Reicher Beifall belohnte Herrn Gelber für seinen schönen und gediegenen Voitrag, der für unsere Propaganda von größter Bedeutung .war, Am gleichen läge abends sprach in gut be• suebter Versammlung der Zweigabteilung blolbeig Herr Kdcre-mlar Max Strausz, Aachen, über ״/io• nismus und deutsches Staatsbürgerin»)‘‘. Auch ihm ward für sein Referat, das sieh durch straffe Logik und gründliches Erfassen der Materie aus/cielmctc, der \vol11verdiente, lebhafte Dank der Erschienenen zuteil. Es kam zu einer sehr ausführlichen und intcr• essantcu. Debatte, in der das Verhältnis der Parteien zu uns und umgekehrt nach allen Seilen hin beleuchtet wurde, ־ - Nient unerwähnt wollen wir lassen, dali nach jedem Vortrage Neuaiiinclduiigen zu verzeichnen waren. Allen Rednern sei auch an dieser Stelle noch• mala der Dank der Ortsgruppe ausgesprochen. Frankfurt a. M. ln der diesjährigen Generalversa in in I u 11 g der Zionistischen Ortsgruppe erstattete t lerr Rechtsanwalt D r. S e h w a r zs e 11 i Id den Jahresbericht. Die Milghcder/alil ist im Berichts• jalire gestiegen, ebenso die Nalionallöiidseing.inge. Eine große Leistung war die würdige Veranstaltung des Delegierteutags der Deutschen Zionisten. Versehiedene kleine Versammlungen fanden statt. Die hauptsächlichste Arbeit bestand in der Versendung zionistischer Broschüren, die die Mitglieder gratis erhielten. Der Gruppen verband hat in der Umgegenü zahlreiche Versammlungen abgehalten, eine jugendgruppe hat sich gegründet, die ca. 12U Mitglieder besitzt und hei halbjährigem Bestehen 14 Versammlungen abhielt. Ein Shareklub hat Aktien der verschiedenen Banken vermittelt, ln der Diskussion bemängelt zunächst Herr Barueh Stern, daß die Arbeitsgemeinschaft mit dem Misraelii zu wenig in Kraft trat, in längeren Ausführungen sucht L, Perl m u 11 e r nachzuweisen, daß die Ortsgruppe sich noch nicht entsprechend der Bedeutung des Oe- Samtzionismus entwickelt habe. Er verlangt Ermictung eines ständigen Lokals evtl, mit anderen jüdische» Körperschaften zusammen, Festsetzung eines bestimmten Tags in jeder Woche zu Zusammenkünften, bessere Arbeitsteilung im Vorstand, Einsetzung einer Nationalfondskommission, ferner mit Misracliigruppe und Jugcmlgruppc Aufstellung eines gemcinschaftliehen winterprogranuns mit jüdischen Qcschichts• kursen usw. und großzügige üemeindearbeit. M. Lcvigard, ü. Freudenstein, J. Hirsch, Dr. Göttlich und Fischt sprachen sich in ähnlichem Sinne aus. und Fritz S 0 n d 11 c i 111 e r wies auf die bisherige Teilnahme an der Gemeindearbeit Jiin. In den Vorstand wurden gewählt: Dr. Schwarz- Schild (1. Vors.), F. S 0 n d h e i nt c r (2. Vors,), Frau L. Bambergcr, D. S. Ocis. 5. Goldmann, Dr. K o w a I s k y, M. L e v t g a r d und Max Wolf. Kattowitz. In einer überaus gut besuchten Ver- Sammlung sprach in der Reichslialfe de! zionistische Parteisekretär Kurt Blumcnfcld- Berlin über das Thema: ״Warum sind noch nicht alle deutschen Juden Zionisten? An die Ausführungen des Redners schloß sich eine lebhafte, oft temperamentvolle Auscinandersetzung mit den zahlreich erschienenen Gegnern. Prof. Dr. Q old Schmidt und Herr Purd i tz-Berlin bekämpften den Zionismus, weil er angeblich einen — von den Antisemiten längst gepredigten unpatriotischen. Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum lehre. Dcnigcgcnübct wurde betont, daß sich der moderne Staat in der ersten Reihe aufbaut auf dem Staatsbürger- und nicht aul dem Nationalitätcnprinzip. Man könne ein überaus loyaler deutscher Staatsbürger auch dann sein, wenn man nicht dem deutschen Stamme angehörc. Dies ab• solvicrc nicht den geringsten Verzicht aucli nur auf den kleinsten Teil ucr Staatsbürgcrrcclitc, welche als vollkommen unabhängig von der Abstammung, d. h. von der nationalen Zugehörigkeit zu betrachten seien. Herr Fritz Cohn wandte sich gegen die vom Zionistnus stipulicrte Trennung von jüdischer Nation und Religion und griff von seinem streng orthodoxen Standpunkte aus weniger den Zionismus als die nicht• orthodoxen Zionisten an. In einer Schlußrede hielt ihm Herr Arnold Wiener von seinem eben* ß i %. 1 1 g X •Mit grosirr Spannung sicht die gesamte *V P H H Q'w H P'ח 70/ח ח n O rל)°ח;'־ f־?]Q cntKcßcnder diesmal 5׳' jüdische Welt den Verhandlungen des &3luVL✓ üsitlu) Ü LaLi \JLL \JVlJL OcJ9.-15. August d.J. sta in Basel vom stattfinden wird. Die ausserordentlich bedeutsame Tagesordnung de9 Kongresses erwecken dürfte. , * enthält• eine Reihe von Gegenständen, die das Interesse jedes Juden — ob er der zionistischen Organisation angchört oder nicht , , Hervorgehobeu seien besonders diejenigen Referate, die sich mit der ‘ allgemeinen Lage des jüdischen Volkes, der wirtschaftlichen Entwickelung des Judentums in Palästina, den national-kulturellen Bestrebungen! ••■ in Palästina und in der Diaspora befassen werden, und für welche hervorragende Vertreter dca modernen Judentums als Referenten herangezogen worden i sind. — Die Leitung der zionistischen Organisation hat alle Massnahmen getroffen,, die eine rasche, objektive und umfassende Berichterstattung über die \«nt!®מ Bing tSgltchB Konsress-ilusgahB M JEF/r, des ZsntpaJoroones der Zionistischen Weitorpnisation { ,• erscheine» lassen. — Wer einen authentischen und vollständigen Bericht über den X, Zlonistcnkonjjrcsa zu erhalten wünscht, möge die Kongress-Ausgabe ■ der *WELT• abonnieren. —׳.Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) richte man an den | 'י'׳ , Verlag!,DIE XrjCW•‘, KC2n ם• Rfcelsi» Karoilngorrlng 31. •V < ־ 1׳? ■ Die Kongress-Ausgabe der .,WELT* erscheint vom 9. bis 15. August a. c. in Basel; sie wird fünf Nummern umfassen und kostet: für Dmituchland M. 1,70, /i . ־' für Onatorroleh-Üngara, Kr. 2,—, für ltu*8lnml 110. ׳L—, fUr^iroHHjiritiuinlon iuKl <110 Kolonlon Sh.2/2, für ilolhutd Hfl. 1,20, für die Vereinigten kV ■ *3, Ä ן» * m m m m w. *4 —<f * Stauten und Knmulu Doll. 0,1*0, für ftllu übrigen LUntlor Fr*. 2,50. Die ständigen und »He ab l. Juli a. c,;neu cintrctcndcn Abonnenten der ,WELT״ erhalten die Kongress-Ausgabe kostenlos geliefert. 9 *יי■»••,!»■* Vיי,'•* *■י״/• *"•*ייל■ *״■* V"* •.‘■״/9 *ייy יי■״״׳ »/*f *־■“*/•♦•־»״f * ״׳״# —« —- *-•■*». >-• r ־־׳•״••'•‘׳׳.ס *■״»■* *#•<.• •י״*״•* •/• IM■•* w