Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 250 JUEDISCHE RUNDSCHAU gefunden. Die Chanuckahtage wurden beide Maie : iinrcli ein Pest geleiert, zu dem auch die Litern unserer Schüler und Freunde der Anstalt geladen waren, und in dessen Mittelpunkt eine dramatische Vorführung aus den Ereignissen* der Clianuckaligc• schichte stand. Bei Gelegenheit der Palast iiiafahrt einer ungarischen Reisegesellschaft im letzten Früh- ׳ jalire veranstaltete unsere Anstalt eine Begriiliungs• feier, die bei den Reisenden einen dauernden Lin• drucK von der Renaissance der jüdischen Sprache ' und jüdischen Kultur hervorgerufen haben wird. Am Schluß des Schuljahres 1909/10 fand in Anwesenheit aller Schüler die feierliche Entlassung der abgehenden Schüler statt, bei der der Direktor dieselben aut ihre fortdauernden Pflichten gegen die Schule hin- 11 wies. Der Beschluß des Sommerhalbjahrs 1910 wurde durch einen literarischen Abend begangen. Schüler aus ’ allen Jahresstufen legten durch geeignete jüdische Deklamationen Zeugnis von ihrem sprachlichen und künstlerischen Verständnis ab; ein historisches Schau• •' spiel ״David" von Salkind sowie die Vorführung 1 eines Aktes aus ״Athaiie" par Racine ernteten wegen ihrer schönen lebensvollen Darstellung den ungeteilten '׳ Beifall des Publikums. ' Der Gesundheitszustand der Schüler ließ •׳ besonders in den Sommermonaten viel zu wünschen - übrig. Fieber, Hautausschläge und Augcncntzüiulun- •',gen waren die häufigen Ursachen vielfachen Fehlens. /Mich innerhalb des Lehrerkollegiums veranlaßteu ‘ längere Erkrankungen häufigere Stockungen des Schul• ׳ ׳ Betriebs. Um den Schülern, die bereits bei der Ucbcrnaluue der Anstalt kurz vor dem Eintritt in das Berufs• leben standen, ein sicheres Fortkommen an/ubuhnen, richteten wir in den beiden Winterhalbjahren F 0 r t• b i hl 11 n g s k u r s c ein, in denen neben der Pflege , der hebräischen Sprache die Haudelswissenschafteu, ■ speziell kaufmännisches Rechnen, 1 laudelsgcographie, . französische und deutsche Korrespondenz, getrieben wurden. Um die Vorteile dieser Einrichtung auch anderen Interessenten, die nicht aus unserer Anstalt hervorgegaugen waren, zugute kommen zu lassen, . bildete sich ein . besonderer Verein junger j Kauflcute, der sich die Organisation dieser;l Abendkurse auf erweiterter Basis angelegen sein ließ. Wir betonen, daß in diesem freiwilligen Zusammen- Schluß gleichstrebender junger Leute m Palästina ein nicht zu unterschätzendes Kulturmoment enthalten ist, das auch auf anderen Gebieten seine schönen Früchte zeitigen wird. Unabhängig davon sind die Kurse, . die seit einem Jahre bestehen und von dem Direktor und ßr. Engel abgehalten werden, um besonders gut veranlagten Schülern die Möglichkeit zu höherer wissenschaftlicher Ausbildung zu geben. Es sind zur Zeit nur drei Schüler zu denselben zugclasse», die neben dem Unterricht in der Schule eine erweiterte und vertiefte Ausbildung erhalten, um später an unserer Schule als Lehrer zu wirken. Zurzeit wird von dein Schulrate unserer Anstalt eine Prüfungs• ordnung entworfen, die für die Austclluugsfählgkcit an unserer Schule entscheidend ist. Es ist vorge• sehen, daß mit der weiteren Entwicklung diese Kurse zu einem Sonderinstitut Anlaß geben werden, das auch der Vorbereitung zu anderen höheren Berufs• zweigen dienen soll. Zum Alliancestreit Mit welcher Einmütigkeit die Allianccmiigliedci an den verschiedenen Grten Deutschlands die Stellung׳ nähme der D. C. O. billigen, dokumentiert sich immer wieder durch den Verlauf der Versammlungen mögen sic nun von den Parteigängern Reinachs odci von der Oegcnpatlci cinberufen sein. Besonders symptomatisch erscheint uns ein Drahtbericht, dci uns aus Nürnberg zugeht, da diese־ Stadt stets ah llauptsitz der Anhänger des C. C. galt: Nürnberg, 3ü. Mai. Gestern fand hier ein» von Mitgliedern der Alliance einberufene Versanim׳ lung statt, an der sich 30U Personen beteiligten obwohl das Lokalkomitce ein Rundschreiben ver sandt hatte mit der Aufforderung, der Versammhin(, fe.-nzublciben, und auch sonst alles getan wurde um eine Autklärung der öffentlichen Meinung zi verhindern, Nach einem stürmisch akklamicrlci •Referat Dr. Yahudas wurde die folgende Reso lution einstimmig angenommen: _ ״Di« von MttgUvüvT der Alliance in Nürnber) einberufene, zahlreich besuchte Versammlung pro '• testiert gegen die Wiederwahl Reinach’s und sprich dem Zentralkomitee in Paris sein Erstaunen darübc . aus, daß cs noch immer an der Kandidatur Rcinach’1 festhält. Sic erblickt im weiteren Verbleibe! . Rcinacb's im Zentralkomitee eine Gefahr für di! Alliance und das Ansehen des Judentums. Einen ebenso scharfen Protest erheben die ii ־׳ der , Versammlung erschienenen Mitglieder de ־ Alliance gegen das pflichtwidrige Eingreifen de! Sekretärs Herrn Bigard in den Wahlkampf und ver :• >»»««״ energisch vom Zintralkomitce, daß cs Herr! Bigard wegen Verbreitung von unwahren Angabe( zur Rechenschaft •zieht. Sic billigen das Vorgehc! ■ der Leitung der Deutschen ConTercnzgcmeinschaf ., und sprechen Ihr das vollste Vertrauen aus.‘1 Aus Köln wird ferner gemeldet: Köln, 30. Mal. In einer imposanten Vcrsamm lung von etwa 300 Mitgliedern und Nichtmitgliedcri nCr- Alliance wurde eine scharfe Resolution gegei ®״genommen, die sich gleich ״ÄiPf• tfnc öffentliche Wahlprüfung ausspracl voU&er Leitung, der D. C. O. ihr vollstes Verbaue! :: AUS ALLCR IV61.T I » Ui'Hfsrfifaiid Gelegentlich der Beratung über die Verfassung»• reform Elsaß-Lothringen» wandte sich der kunser• vative Abgeordnete Wincklcr gegen die Be- Stimmung, daß auch ein Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaft der Ersten Kammer .•״»gehören soll. Diese Bedenken entsprangen natürlieh beileibe nicht antisemitischen Regungen, denn man achtet bekanntlich in diesen Kreisen die religiösen Gefühle »ler jüdischen Mitbürger. Die Be• »lenken sind staatsrechtlicher Natur. Bisher bestand dieses Privilegium nur für die beiden großen Kirchen• gemeinschaften, die evangelische und katholische; die Konsequenz würde sein, daß nun noch die verschic• »lenen kleineren christlichen Bekenntnisse eine Ver• trutung in »ler Ersten Kammer beanspruchen könnten. Der Redner verlangt daher getrennte Abstimmung. Der § 6 wurde trotzdem in der Kommissionsfassung angenommen. — Staatsrechtliche Bedenken beim Schiichtgesctz, staatsrechtliche Bedenken bei Ablchming jüdischer Vertreter in der rcichslündischen Kammer. Bald wird sich unsere ganze antisemitische Bewegung aus lauter ״staatsrechtlichen Bedenken" zusamiuensetzen. Ztufis/and Die berüchtigten antisemitischen Dumadeputierten P u risch kc wltz und Timuschkin haben den Anführern der dortigen ״echtrussischen1* Vereine mitgeteilt, daß sie in den nächsten Tagen nach Kiew zu kommen beabsichtigen, um auf eigene Faust eine ״Untersuchung" über die Ermordung des Knaben Juschtschinsky anzustellcn. Der Vorsitzende der russischen Rabbincrkom• mission, Rabbi J. L. Zirelson ln K is ch in e w, wendet sich in der jüdischen Presse an alle Rabbiner der Gouvernements- und Kreisstädte sowie an alle Cliassidimrabbis mit der Aufforderung, eine von ihm entworfene und in den größeren russischen Tagesblättern zu veröffentlichende Protesterklärung der geistlichen Rabbiner zu unterzeichnen. Alle Züge von der russischen Qrcnzc bringen zahlreiche Jüdische Flüchtlinge aus verschiedenen Städten Bcssarabicns, die aus Furcht vor nahe bevorstehenden Pogromen die Heimat verlassen. In »len letzten Tagen wurden aus Kiew mehr als 50 der Schwarzen Hundert nach Bcssarabicn komniandiert, die namentlich in K i s c h i n c w (wie auch im Norden in H o m c I) ständige Komitees zur ״Er• mittclung von Ritualmorden" bilden. Antisemitische Agitatoren durchziehen die Städte und Dörfer unter dem Schutze der Polizei und anderer Behörden und verbreiten Ansichtskarten, auf denen mit feuerroten Buchstaben gedruckt ist: ״Rechtgläubige Christen, russische Männer, erbarmt euch eurer Kinder, nehmet Rache an den Judenl Auf, schlaget die Juden, bis, es nicht einen einzigen Juden in Rußland gibt." Die Intervention der jüdischen Bevölkerung bei den Bc• hürden war bisher erfolglos. ziomsTiscHe Be17e6ur1G Flugblatt-Preisausschreiben Auf das in Nr. 11 der ״Jüdischen Rundschau" vom 17. März erlassene Preisausschreiben zur Er• langmig geeigneter Flugblätter sind leider insgesamt nur sechs Bearbeitungen für zwei Flugblatttiiemnta cingcgangcn, Das vom öcschüftaführcndcn Ausschuß eingesetzte Preisriclitcrkollegium hat nur zwei Arbeiten für brauchbar befunden und hat diesen beiden ״Heul" und ״Kongreß", die die Themen ״Zionismus und Staatsbürgertum** und ״Was will der Zionismus" behandeln, den ausgesetzten Preis von je 50 Mark für jedes Thema zuerkannt. Wir wiederholen deshalb das Preis• ausscl»reiben für die beiden Themen, die bis jetzt noch keine Bearbeitung gefunden haben: 1. Liberales und nationales Judentum. 2. Zionismus und deutsche Politik. Die Bedingungen bleiben die gleichen wie bisher: jedem Bewerber ist cs gestattet, eines oder beide Themata zu bearbeiten. Der Umfang der Flugblätter soll etwa 60—100 Druckzeilen (zu je 25 Silben ge• rechnet) nicht überschreiten. Die Manuskripte sind jedes besonders in einem Kuvert cinzurcichcn, das als Aufschrift 1. das Thema, 2. ein Kennwort zu enthalten hat. Name und Adresse des Verfassers sind in einem besonderen verschlossenen Kuvert, welches das gleiche Kennwort tragen muß, mitzutcilcn. Wir setzen für die beste Bearbeitung jedes Themas einen Preis von Nr. 22 50 Mark aus, behalten uns aber vor, auch ander» als die preisgekrönten Entwürfe zu einem ans»! incsscncn Honorarsatz zu erwerben. ’ Einsendungen müssen bis Montag, d{. J. Jul i, in unseren I läuUcn sein. Alle Bewerbungen sind mit der Aufschrift ‘ Preisausschreiben i Zionistisciics Zentralbureau Charlottcnburg Uleibtrcuslr. 49 zu verseilen. Wir fordern unsere Gesinnungsgenossen auf an diesem Preisausschreiben zahlreich zu buciligtn Atißcr dem ausgesetzten Preise gilt cs nocli den Huhn unserer Agitation eines der ״nent’ behriiehsten Hilfsmittel zu ver. schaffen. Der geschäftsfUlircndc Ausschuß des Zentralkomitees der Z. V. f, 0. II. Mitteldeutscher Gruppenverbandstag Am Sonntag, den 21. Mai, tagte in Leipzig der zweite Uruppcn-Vcrbandstag des Mitteldeutschen Distrikts. Ungefähr 50 Vertreter der Gruppen Chcm• nitz, Göthen, Dessau, Dresden, Halberstadt, Hille, Leipzig und Zwickau, sowie des Kartells Zionistischer Verbindungen nahmen an den Verhandlungen teil. Der Tagung wohnten ferner vom Gcschäfhduliremkn Ausschuß Dr. Hans Gideon Hey mann, vem Zentralkomitee die Herren Dr. A s c h e r •Dessau und Parteisekretär B I u tu c n f e f d bei. Um 3 Uhr nachmittags eröflnctc Herr Dr. Ile)•, m a n n die Versammlung, begrüßte die Vertreter du Gruppen und gab in großen Zügen ein Bild dt! gegenwärtigen Lage unserer Bewegung in Deutsch- Fand. In einer ernsten und dringenden Mahnung תג die Gruppen, die Berliner Zentrale nach jeder Kid»• tung hin zu unterstützen, klangen die Ausführungen des Redners aus, die mit lebhaftem iicilall autge• nommen wurden. Daraut nahm Herr Feuerring •Halbcrstndt das Wort, um namens des Verbands-Ausschusses in Halberstadt den Bericht über die Tätigkeit des Gruppenverbandes in den 14 Monaten seines Bc• Stehens zu erstatten. Dem Bericht ist u. a. zu cot* nehmen, daß eine große Anzahl von Vcrsamm• lungen abgchaltcn wurden, darunter auch in Erfurt, Annabcrg, Hildesheim, Magdeburg, Nordliausen, Gscherslcbcn, Thale und Zwickau — in Orten also, in denen vorher noch nicht versucht worden war, unserer Idee Eingang zu vcrschaftcn. Der positive Erfolg der Versammlungen kam in der Gründung der Ortsgruppe Magelcburg und der Schekel• zahlergruppe Zwickau, ferner in der Kcorgani• sation der Ortsgruppe Dresden zum Ausdruck. In einer Anzahl der anderen Orte sind tätige Ver• traucusmänncr gewonnen worden, die für die weitere Arbeit von großem Werte sein werden. Bevor die Versammlung in der Tagesordnung fortfuhr, widmete Parteisekretär B I u m e 111 e I d dem vor einer Woche jäh dahingcschicdcncn ür. Pcrlitt• Magdeburg einen längeren warmen Nacbnü, der von der Versammlung stehend angchürt wurde. U.׳.nn hielt der Parteisekretär sein Referat über ״Z i o n i s n s che A g i ta t i o ns in c 111 od c n". Herrn Ulumcnlcld» vorzügliche Ausführungen, die auch unsere! Stellung zu anderen Organisationen galten, lösten Lhhafien Beifall aus. An beide Rcterate knüpfte sich «int eingehende Debatte, in der nacheinander Vertreter sämtlicher Gruppen zu den verschiedenen Fragen Stellung nahmen und über die Verhältnisse ihrer Gruppen berichteten. Die Tätigkeit des Anschusses in rialbcrstadt fand allgemeine Anerkennung. Nachdem die Diskussion über diesen Gegen* stand geschlossen war, erstattete üg. Dr. Walter F r ä nkc I-Chemnitz ein instruktives RcU'al über .,Arbeit für den Nation alronil s". Das Referat enthielt solch wertvolle Anregungen, dal! der Verbanüstag beschloß, das Referat zu vervielfältig«/1 und es den einzelnen Gruppen zuzustcllcn. An d|C Ausführungen des Referenten schloß sich •in« «1n* gehende Aussprache, in der wiederum die Vertreter der verschiedenen Gruppen Gelegenheit fanden, p« Erfahrungen bei der Arbeit für unsern Vorschau auszutauschen und einander lehrreiche Anregung«״ für eine systematische Erschließung weiterer Kreis« für den Nationalfonds zu geben. , ״Die Bedeutung uer Pa lest in« La״״ Development Co. Tür die praktische Arbeit!״ Palästina" war der nächste Punkt der Tagesordnung• In anschaulicher Weise referierte Herr Dr. י!'3״ Gideon H c y m a n n über den Zweck der P. L. D.{׳•* ihre bisherige Tätigkeit und ihre Aussichten. Die Ln»* kussion, die dein mit großem Bcitall aufgenommen«״ Referate folgte, zeigte, daß in den Ortsgrupp״ unseres Verbamies volles Verständnis für die zi«c dieser Gesellschaft vorhanden ist. Der Verba־״}״ ausschuß beabsichtigt daher auch, im Herbst in 3 Gruppen die Agitation für die P. L. D. C. autzu* nehmen, und zwar soft die Propaganda in der A״ der Agitation für die Sicdlungsgeuosscnsciiaft 8*‘ macht werden, Um 73/4 Uhr abends wurden die Verhandlung״}׳ durch eine Pause unterbrochen, die bis 8% dauerte. Nach der Pause wurden zuerst die Wal״«* vorgenommen, die die einstimmige Wiederwahl Halbcrstadts zum Vorort ergab. ־־ Die Ortsgrupl* Leipzig war bereit! am Nachmittag unter lebhaft«״ •i ז