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Jüdische Rundschau · 1911-06-02 · Heft 22 (2.6.1911) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 22 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 JUE Dl SC HE׳ RUNDSCHAU Seite 249 PL m M. '.ז ' V־* <ח \״ #־ ' *r׳ Vierer des Ruderclubs ״Ivria“ Wenn ein Zurückbleiben in einem Match für jeden Ruderklub eine Schande bedeutet, so trifft dies in viel höherem Malic für einen jüdischen Klub /11, denn indem man sich ihm überlegen zeigt, glaubt in,in zugleich die Inferiorität der jüdischen Rasse zu beweisen. Dem Ruderklub ״lvria“ fällt also die wichtige Aufgabe zu, das Judentum auf dem Wasser /u repräsentieren. Man kann hoffen — und alle »Weichen deuten darauf hin —, daß cs der ״Ivria“ gelingen wird, dieser Aufgabe immer mehr und mehr gerecht zu werden, und der weißen, blaugcstreiftcn Flagge mit dem blauen Davidsstern zu Ehre und Ansehen auf dem Wasser zu verhelfen. So erlegt die Mitgliedschaft zum jüdischen Ruder• klub ״Ivria“ schwere, verantwortungsreiche Pflichten auf. Sie gewährt dafür aber als seltensten Lohn das stolze Bewußtsein, wirklich positive Arbeit für das Judentum zu leisten. Neben dieser bitterernsten Seite der Betätigung im jüdischen Ruderklub kommen nun aber auch die Erholung und die Freude zu ihrem Recht. Das Kudern soll ja schließlich auch ein Vergnügen sein. In dieser Hinsicht sind neben den größeren Touren, die z. B. Ostern und Pfingsten stattfinden, die all• wöchentlichen Sonntagsfahrten zu erwähnen. Schon früh des Morgens fahren die Boote von dem neuen, gemütlich eingerichteten üootshause in Niederschüncweide ab, und dann geht es entweder über Schmöckwitz nach einem der dort gelegenen wunderschönen Seen oder über Fricdricltshagcn hin• auf in die Lücknitz oder nach einem andern idyllisch gelegenen Platze weit ab von dem 'Dunstkreise Berlins. Das Mittag kocht man selbst ab, eine ein• fache Kost, die aber nach den Anstrengungen der I alirt besser mundet, als manches nusgcwähltc Mahl. Unter allerhand Sportspielen, die von einem Stündchen der Ruhe angenehm unterbrochen werden, vergehen die vier bis sechs Stunden der Ugerpausc, und um die Kaffeczcit wird die Heimfahrt angetreten. Neu• gestärkt für die Arbeit der Woche und um eine Menge neuer Eindrücke bereichert, kommen die Ruderer nach Hause zurück. Neben den sonntäglichen Tagesfahrten finden jeden Dienstag und Donnerstag, von VaS—10 Uhr, Ucbungsabendc im Üootshause Niederschöneweide, Berliner Straße 97/OS, statt, an denen Oiiste Qc• icgenheit haben, sich des näheren über den Klub zu orientieren. E. H. Die Hebräische Mittelschule Tachkemoni in Jaffa sendet uns ihren ״Bericht für die Schuljahre 1000/10 und 1910/1P‘, dem wir lolgcndcs entnehmen: ״ , ׳Die Tachkmnonischule ist aus ganz geringen An• entstanden. Einige in der auibiüUenden Hafen״ stadt Jaffa ansässige Kaufleutc riefen vor 5 Jahren eine kleine Schule ins Leben, in der neben den hiblisclMahmidischcn Stoffen Unterricht in protanen '•elirgrgcnstimden erteilt wurde. Mangel an ideellen 1>״d materiellen Mitteln und Schwierigkeiten andrer Art ließen aber die Schule nicht zu rechter HJutc gelangen. Darum trat vor 2*/j? Jahren das Jaffacr Komitee mit einem frankfurter Komilce, das zu jener feit die Eröffnung einer Mittelschule in Jaffa pinnte, nt Verhandlungen ein, deren Ergebnis die Uciw• «ahme der Scnule in unsere׳ Verwaltung war. Vor allem ■handelte es sich darum, eine Neu- Organisation der Schule sowohl hiiUicht• heb des Lehrplanes wie auch der pädagogischen Au?• Gestaltung des gesamten Schulbetricbes vorztmehmru. Mit dieser• Aufgabe wurde > Herr Oberlehrer N. Schlesinger von Hamburg-Eimsbüttel betraut; als zweiter Lehrer wurde gleichzeitig Herr Dr. Engel, früher Lehrer am jüdischen Gymnasium zu Uug. ürud, gewonnen. Die von Semester zu Semester wachsende Schülerzahl, die wiederholt von maßgebenden Kreisen an uns gelangte Aufforderung, auch in anderen Orten Knaben* und Mädchenschulen nach dem Vorbild unserer Anstalt zu errichten — ein Zeugnis dafür, daß unsere Schule immer mehr Anerkennung auch in jenen Bcvölkcrtmgsschichtcn findet, die sich bisher aus religiösen Bedenken aller Profanbildtmg vorschließ וו,.׳ zu müssen glaubten —, alle diese Tat- Sachen beweisen,. daß wir ein bedeutungsvolles KulUirweik in Angriff genommen haben, das von reichstem Segen tür unsere Glaubensgenossen in Palästina sein wird. Diese Wünsche, unser Schuhverk auch aut andre Plätze aus/udclmcn, konnten wir vorerst nicht erfüllen, da wir zunächst unser Jaffacr Werk voll* ständig zu Ende führen müssen. Dazu gehört vor allein die Beschaffung eines eigenen Schulhauscs. Bis jetzt ist die Schule in engen gemieteten Räumen uulcrgcbraeht, so daß die Anmeldungen neu aufzunehmender Schüler vielfach aus Platzmangel unberückst׳ uligt bleiben mußten. Es ist uns mm gc• hingen, mit den uns für diesen Zweck zur Verfiigung gestellten Mitteln, einen Bauplatz in bester l äge Jaflas zu erwerben, auf dem wir ein Schulgebäude errichten wollen. Wir rechnen dabei auf die weitgehende Unterstützung unserer Freunde. Da« Ziel, das wir in unserer Erziehungsanstalt anstrebeii, ist die Erziehung für Palästina; unser׳.• Jugend soll mit allen Fasern ihres Herzens, mit allen Kräften ihres Geistes in dem sich hier neu gestaltenden jüdischen Volkskörper Wurzel fassen; darum wollen wir der Jugend alles das an üeistesgaben vermitteln, was das Leben aul dem alten Hcimatbodcn unserer Väter erfordert, und was sic /ur verständnisvollen Anteilnahme an den in• telk'ktuellen, technischen und industriellen Fort• schritten der Welt befähigt. Als Mittel zur Erreichung unseres Zieles erstreben wir einerseits innige Be* kanntschaft mit unserer alten Literatur und Ge• schichte, das Erfassen des Geistes unserer Gesetze und das Linlcben in ihren Pflichtenkreis. Anderseits wollen wir unsern Schülern eine gründliche Allgemeinbildung verschaffen, die sie befähigt, die im Lande gegebenen Erwerbsmüglichkeiien auszu• nutzer, und sich eine selbständige Existenz zu gründen. Unser Lehrplan enthält daher neben der um• fasscmlstcn Berücksichtigung der jüdischen Fächer eine äquivalente Stundenzahl für die allgemein bil• dvndcn Fächer. Die Auswahl und Beschränkung derselben wurde von dem Gesichtspunkt der Vcr• wendbarkeit für größere städtische Berufsklassen ge• leitet, für welche unsere Anstalt zunächst gegründet wurde. Nach den bisher gemachten Erfahrungen scheint unser Lehrplan mit genügendem Lchrerfolg durchführbar zu sein. Bisher konnte er in dieser Form noch nicht völlig zur Anwendung kommen, da das bei der Ucbcrnahme vorhandene Schülermaterial in allen allgemcin-wissenschaitlichcn Fächern große, über die Klassenstufen hinatisreicheiide Lücken aufwics. Der äußere Ausbau der Anstalt hielt mit der inneren Ausgestaltung gleichen Schritt; die Schüler• zahl ist in den letzten 2 Jahren um das 2'A>fache gestiegen und der Lehrkörper um 5 Lehrkräfte er• höht worden. Die Anstalt besteht jetzt aus einer zweiklassigcn Vorschule und einem scchsklassigen Oberbau. Der Abschluß der Vorschule durch Auf• Setzung des dritten Vorschuljahrcs wird mit Beginn des neuen Schuljahres geschehen, die Weiterführuug der Hauptschule soll nach einem weiteren Unter• richtsjahr stufenweise und systematisch in Angrift genommen werden. Die Anstalt ging am t, April 1909 fn die Vcr* waitung des Komitees der Heor. Mittel *.ciuilc Tachkemoni in Jaffa mit dem Sitz In Frankfurt ä. M. über. Diesem steht ein Lokalkomitcc In Jaffa zur Seite, Durch das Lokalkomitcc, das mit den örtlichen An• Schaltungen und Bedürfnissen vertraut ist, erhalten die Wünsche der hiesigen Eltern und ihre Rechte an der Erziehung ihrer Kinder ein einflußreiches Organ, und werden wir vor Schablonisicrung unserer Arbeit geschützt. Die Schule weiß das Interesse der Eltern an der Bildung und Erziehung ihrer Kinder dankbar zu schätzen und kann auf diese intime Mit• Wirkung nicht verzichten. Ebenso erkennt sie mit Dankbarkeit die Dienste an, die ihr Herr Rabbiner Kuk in selbstlosester Weise durch Rat und Tat leistet. Mit feinem Vcr• ständnis für die realen Anforderungen des neuen Jischub begabt, ist sein ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, unsere Anstalt zu einer Musterschule in Palästina auszubaucu, die in dem jungen Geschlecht die Liebe zu dem Gotte seiner Väter, die Anhänglichkeit und Treue zu den überlieferten Pflichtgeboten, die Begeisterung für die Scholle seiner alten Heimat und für die auf derselben zu lösende jüdische Menschheitsanfgnbc zu wecken und zu pflegen weiß, die aber auch die moralischen und materiellen Mittel zur Ertüchtigung und realen Verwirklichung der idealen Ziele an die Hand gibt. Mit wcitschauendcm Blick hat Herr Rabbiner Kuk die Notwendigkeit einer solchen Anstalt erkannt und erblickt in ihrer fort• schreitenden Entwicklung allein eine sichere Gewähr für den Bestand und die gesunde Fortdauer der vielen aut die kulturelle und soziale Hebung Palästinas bedachten modernen jüdischen Bewegungen. Aus diesen Erwägungen heraus verfolgt datier auch Herr Rabbiner Kuk alle Phasen der Entwicklung unserer Anstalt mit dem lebhaftesten Interesse, unterzieht von Zeit zu Zeit alle Klassen einer lnspektion und hält besonders bei Gelegenheit der Semesterabschiüssc Klassenprüfungen ab, um sich selbst über die Fortschritte der Schüler ein Urteil zu bilden und die Leistungsfähigkeit der ganzen Anstalt zu prüfen. Die Schwierigkeit der Einführung eines Ucbergangsstndiums, um die bei der Ucbcrnahme bereit» vorhandenen Klassen auf die Höhe unseres allgc* meinen Lehr-Prograinms zu bringen, kann jetzt im großen und ganzen als gehoben bezeichnet werden, wir haben uns bereits sehr dem anfangs festgelegten Lehrplan genähert und können jetzt an die Einführung der bisher noch fehlenden Disziplinen her• antreten. Aus diesen Gründen heraus mußten wir auch in den oberen Klassen von der häufig nach• gesuchten Aufnahme von Schülern aus anderen hiesigen Schulanstalten nbschcn, da diese, nach wesentlieh anderen Richtungen ausgcbildet, in unser Lehrprogramin sich nicht cinfügen konnten und unserer angestrengten Uebergnngsarbcit nur hinderlich gewesen wären. Daher haben wir auch bis jetzt aut die Fortführung unserer Anstalt nach oben hin ver• zichtet und werden erst jetzt den erwähnten Oberbau aufsetzen. Um so freudiger öffneten wir dagegen die mittleren und unteren Klassen den Einlaß bcgehrenden Schülern. Hierin sahen wir uns leider durch die Grenze des zur Verfügung stehenden Raumes gebunden; soweit als möglich berück• sichtigtcn wir auch die auswärtigen Anforderungen. So weist unser Schülermaterial zur Zeit die inter* cssaiitcu Züge internationaler Mischung auf. Neben asclikenasischen Juden aus allen Ländern der Diasjmra und den entlegensten Himmelsstrichen Bitzen Kinder einheimischer seph,irdischer Juden, neben Kindern marokkanischer Einwanderer solche aus Persien und dem Kaukasus. Bei diesem Zustrom von Schülern aus aller Herren Länder und den verschiedensten Sprachgebieten war es nötig, eine E i n h e i t s s p ra c h e cinzuführcn, die allen Elementen gleich teuer und lieb ist, um so die störende Inhomogenität des Schülcrmatcrials aufzuheben. Es empfahl sich dabei allein die hebräisclie Sprache, die von jeher die versprengten Teile unseres Volkes aneinander gekettet hatte, und die bereits׳ seit zwei Jahrzehnten auf dem heiligen Boden eine kräftige Renaissance erlebt hatte. Indem wir so das H c b r ä i 3 c h e in der einheimischen sephardischcn Aussprache zur alleinigen Unterrichtssprache erhoben, nimmt unsere Anstalt hinwieder Anteil an der Popularisierung der hebräischen Verkehrssprache und hilft mit ein festes Band weben, das das neue Geschlecht mit seiner Erde verknüpft. Den vielseitigen Wert der Ausflüge ancrkennend, haben wir monatliche kleinere Exkursionen in die Umgebung Jaffas für sämtliche Klassen ein• geführt. Daneben unternahmen die größeren Schüler verschiedene größere Ausflüge, so eine mehrtägige Fußwanderung durch die jüdischen Kolonien Risclion Ic Zion, Ncss Zionah, Rechoboth, Ekron und zu wiederholten Maien auf verschiedenen Wegen nach Pcthach Tikwah. Ueberail genossen unsere Schüler die herzlichste Gastfreundschaft und erhielten Ein• blick in die Größe und Bedeutung der jüdischen Landwirtschaft. Zu besonderem Danke sind wir der Verwaltung der Weinkellerei in Richon-Ie- Zion verpflichtet, die unter sachkundiger Leitung unseren Schülern alle Zweige der Weinbereitung vorführte. Durch eine Spende eines ungenannten Gönners konnten wir in den vorjährigen Chamickahtagcn einen großen Ausflug per Wagen nach Jerusalem, Totes Meer, Jordan und Jericho unternehmen. Es nahmen 28 Schüler und 6 Lehrer daran teil; die Führung von Jerusalem aus übernahm in liebenswürdigster Weise Herr Dr. G r ü n 11 u t, durch dessen reiche topographischen Hinweise diese Exkursion neben reichlichen Anregungen aller Art auch archäologisch anziehend wurde. Die oberen Klassen besichtigten außerdem noch eine Ocrberci und ein amerikanisches Kriegsschiff, das liier einige Tage lang stationiert war.. Auch verschiedene Veranstaltungen innerhalb der Schule haben in den Berichtsjahren statt-

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