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Jüdische Rundschau · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M a 1 b c t r c t c ״ w erde n. Wir wiederholen, dnlt 11110 rill ebener Vertreter Ihrer ccscliat/.(cn Gemeinde Viel willkommener ist. U11I Unberufenen (!! Die R״Ü die CIciegeiiheil zu weil ereil Versuchen In dieser Augcl1.,genheit (!1) nb/.uschneideii, erscheint tms deren b 0 s c h I e u n {gt e Erledigung erwünscht. Hochachtungsvoll Der Ausschuli des Deutsch-Israelitischen Gemcindebundes, gez. Prof. Dr. M. Philipp.so 11, Ueschäftsfüliremler Vorsitzender. Will der Ausschuß des I). |, (I, ß, nun iiiuiicr noch behaupten, dali ihm die Interessen der kleineren Gemeinden ebenso an! Herzen liefen, wie die der Großgcmeinden? Und wie stelit's mit der {׳rollen Scliliillphrase des an die Presse versandten Komiminiipies, dall ״nicht eine Unterwerfung unter den Willen des Ausschusses, sondern die Befreiung von dessen Einfluß“ das Ziel der Statutenänderung sei?? Es lohnt nicht, diese Redensarten noch einmal zu widerlegen. Die kleinen U e in e i 11 d e 11 s i 11 d gewarnt — gelingt dem Ausschuli sein Planchen, ist der ״Liberalismus“, wie ihn gewisse Leute verstehen, 'stabilisiert. Mit dem Frieden im D. I, O. B. — wenn nicht etwa gnr mit diesem selbst! — wird cs dann allerdings wohl vorbei sein. Vielleicht sehen die ״Konsuln“ noch zur rechten /eit ein, was dem Staate Schaden bringt. Die ״Times“ und der Zionismus Die Londoner ״Times“, bekanntlich die angc* scheuste englische Zeitung, hatte am I I. April einen längeren Artikel ihres Konstantiiiopctcr Korrespon• deuten über den Zionismus in der Türkei, sowie einen kurzen Bericht über eine Rede gebracht, die ״ein bekannter zionistischer Propagandist, Santo Senio Cffeiidi" in Saloniki über die Einwanderung in Meso• potamien geballen batte. Iin Zusammenhang damit berichtete der Korrespondent, daß die türkische Zoi• tung ״Rumeli“, das Organ des Salonikier Komitees, den Zionismus heftig angegriffen habe, indem sie ihn ״als einen Deckmantel für deutsche Pläne und hauptsächlich für Projekte zur wirtschaftlichen Erobenmg und Ausbeutung Mesopotamiens“ be• zeichnete. Er bemerkte ferner, daß ״diese Ansichten je t/t unter vielen Türken sowohl Innerhalb als außer• halb der Komitee-Organisation zu herrschen scheinen, welche für die deutsche Unterstützung des Zio• nisimis Beweise in den starken deutschfreundlichen und antienglischcn Tendenzen der in der Türkei er־ scheinenden zionistischen Hauptorgane finden wollen, wie auch in der Tatsache, daß einige der führenden zionistischen Persönlichkeiten in Konstantinopel deutsche Staatsbürger sind. In dem längeren Artikel beschäftigt sich der Korrespondent mit der Entwicklung der zionistischen Tätigkeit seit dem Tage des alten Regimes. Er sagte, daß die Umwälzung von IDOS ״von vielen Zionisten als die Rettung ihres Planes zur Gründung eines Judcnstantcs in Palästina begrüßt wurde, aber, oh• gleich Dr. Naziin Bej und andere hervorragende jung• liirken sich einmal freundlich gegen eine Massencin• Wanderung russischer und rumänischer Juden in die türkischen Gebiete erklärten, so wurde cs doch allmählich klar, daß die neue Regierung sich einem zionistischen Plan widersetzen würde.“ Er erzählte weiter, daß nach der Absetzung von Abdul Hamid zwei Zeitungen, die ״Aurorc“ und der ״Jcune Turc“ nach zionistischen Grundsätzen gegründet wurden. Das ersterc Blatt unterstützt den Zionismus im all• gemeinen, während das zweite, indem es an die Mohammedaner appelliert, ״die junge Türkei als zukünftigen Retter zu betrachten, gleichzeitig die An• Siedlung einiger Millionen russischer Juden in Meso• Polinnen stark befürwortet“. ״Mit dieser Politik ver• breitet der ״Jcunc Turc“, bemerkt der Korrespondent ferner, ״eine heftige Feindseligkeit gegen Eng- Iar.,1 und einen deutschfreundlichen Enthusiasmus, welche kaum durch die bloße Tatsache zu erklären sind, daß sein Besitzer, Herr S. Höchberg, von deutsch-jüdischem Ursprung ist“. Der Korrespondent hewhrcibt dann die Ausdehnung der zionistischen Propaganda, und sagt unter anderem: ״Die Makknbi• vereine, Klubs zur Förderung der kulturellen und körperlichen Erziehung der ärmeren Juden, scheinen jetzt meistenteils unter der Führung der Propagan• disten zu stehen, deren Obmann, Dr. Jacobsolm, ein deutscher Jude ist“. Weiter bespricht er die Tätigkeit der A. I. K. O. und die Versprechungen, die ihr Vertreter in Konstantinopel gemacht hat. Hierbei wird die ״׳A. I. K. O.“ als eine neue Phase des Zionismus riufgcfaßt. Am 10. Mai veröffentlichte nun die ״Times“ fol* gende Zuschrift des Präsidenten Wolffsolm: An die Redaktion der ״Times“. Sehr geehrter Herr! Ich wäre Urnen sehr dankbar, wenn Sie mir gestatten würden, einiges zu dem Artikel Ihres K011• stanlinopeler Korrespondenten ״Die Jungtürken und der Zionismus“ zu bemerken, der in Ihrem geschätzten Blatte am M. April erschienen ist. Ich bedauere es sein', daß meine Abwesenheit von Köln mich bisher ycrhimlCrt hat, Unten zu schreiben. Diesen unvermeitl• liehen Aufschub lu-diltlre leb limsoinehr, als dieser Artikel mehrere gan/ Unrichtige Behauptungen enthält, und da nt,111׳ sie in den Spalten lltrer Zeitung weder bestritten nocii berichtigt hat, so fürchte ich, daß man sie vielleicht in gewissen Kreisen geglaubt hat. Da ich aber weiß, daß Sie durchaus nicht wiin• seheii, daß durch einen in Ihrer Zeitung erschienenen Artikel die Sache, die ich vertrete, irgendwie in falschem Licht erscheinen soll, hin ich überzeugt, daß Sie einige berichtigende und atifklärcude Bo merkmtgen gerne veröffentlichen werden. Indent Ich gerne anerkenne, daß Ihr Korrespon* ilciil objektiv tiilil tmuazlelisch über den Zionismus im Ottomanlscheil Reiche bericlileii wollte, bedaure ich, daß seine unzureichende Kenn (ui.•) unserer Be• wegung sowie die Quellen, ans denen er sic au• scheinend geschöpft hat, die Verwirklichung seiner Absicht unmöglich gemacht bähen. Der Hauptfehler seines Artikels besteht in der Voraussetzung, daß tler Zionismus ein Plan für die (Jründiing eines Juilciistauics in Palästina ist. Diese Voraussetzung ist falsch. Seine Bemerkungen über unsere Bewegung 11ml seine Darstellung der Ansichten, die man über sie in türkischen Kreisen teil, gehen hauptsächlich von dieser Voraussetzung aus. Da diese unrichtig ist, so sind st'inc Folgerungen 11111“ insofern von Interesse, als sie die Anschauungen Wiedersehen, die auch andere Kreise in der Türkei feilen, welche ebenfalls in bezug auf Unsere Ziele tuul liilentionen irrcgefiilirl worden sind, Die Mißdeutung unserer Position ist um so sonder• barer und unverzeihlicher, als ich aüf dem neunten Zionistenkongreß in Hamburg, im Dezember ausdrücklich erklärt habe, daß unsere Arbeit in tiefstem Respekt für die Verfassung und in vollster Auerkeummg der Souveränität der!,forte getan und geleitet wird. Wir wollen einfach Paläslina wieder zur nalio• naleii Heinisfäfle des jüdischen Volkes machen, mul um dieses Endziel zu erreichen, arbeiten wir für das wirtschaftliche und kulturelle Wiederatdieben des heiligen Landes in vollem Einklang mit dem Gesetze, Unser Zweck ist ein so friedlicher, und unsere Bestrebungen wollen die Interessen des ottomani• scheu Reiches in so hohem Grade fördern, daß cs uns in peinlicher Weise befremdet, daß unsere Be• wegung irgend ein Mißtrauen in maßgebenden Krei• sei! der Türkei hervorrufen soll. Das kann mir eine Folge der verschiedenen phantastischen Legenden sein, die von tmsern Gegnern, unter welchen es - ich bedaure, dies sagen zu müssen viele Juden gibt, verbreitet worden sind. Die neueste Legende lautet, daß die zionistische Tätigkeit im besonderen Interesse Deutschlands geschieht. Diese Legende ist absolut unbegründet, da wir keine Beziehungen haben, von denen man behaupten könnte, dali sie die Wirtschaft• liehen Interessen Deutschlands besonders förderten. Die Behauptungen, welche zur Bestätigung dieser Legende dienen sollen, sind ebenfalls unrichtig. Der ״Jeiiuc Turc“, der von Ihrem Korrespondenten zitiert wird, ist eine rein türkische Zeitung, welche zwar tatsächlich schon des Öftern eine jüdische Einwand׳.׳• rung in das otlomanische Reich, im Interesse des Reiches selbst, befürwortet hat, aber cs ist deshalb nicht der geringste Grund vorhanden, hieraus “zu schließen, daß wir auch nur im mindesten für die Politik dieser Zeitung verantwortlich sind. Es ist daher für uns unwesentlich, ob ihr Verleger, Herr Höchberg, ein deutscher Jude, oder, wie ich zu• verlässig weiß, ein russischer Jude ist. Dr. V. Jacob• soll, der einer der führenden Zionisten in Konstan• tinopel und Manager einer englischen Gesellschaft, der Anglo-Levantine Banking Company, ist, ist ebenfalls ein russischer Staatsangehöriger. Schließlich will ich bemerken, daß die zionistische Organisation absolut keine Beziehungen zu der All• gemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation also, oder vielmehr ihres Vertreters, des Herrn Dr. Nossig, bildet weder eine ״neue Phase" noch überhaupt irgendeine ״Phase“ des Zionismus, und die Folgerungen, die man aus dieser Tätigkeit gezogen hat, können nicht als Argument gegen unsere Bewegung gelten. Ich bin überzeugt, daß alle diejenigen, welche am Zionismus Interesse nehmen, seine friedlichen In• tcntioucn und seine nutzbringenden Bestrebungen ver■ stehen werden, sobald sie steh von den verschiedenen phantastischen Legenden freigcmaclit haben werden, welche man verbreitet hat, um dem Zionismus zu schaden. Unsere Organisation hat in den wenigen Jahren ihrer Tätigkeit in Palästina das kaufmännische und industrielle Lehen fm Lande schon kräftig gefördert, vornehmlich mittelst unserer Gesellschaften, welche dort tätig sind. Diese Gesellschaften, die Anglo Pa• lesline Company Ltd., der Jewisli National Fund Ltd., und die Pafcstine Land Development Company Ltd., s|nd alle in London als englische Gesellschaften eingetragen worden. Die Rolle, die sie jetzt in der wirtschaftlichen Verbesserung Palästinas spielen, ist nur eine Probe der großen Arbeit, die dem Zionismus zu leisten bestimmt ist, und die er mit dem Wohlwollen der ottomanischen Regierung durchführen wird. Ihr ganz ergebener gez. D. Wolffsohn, Präsident der zionistischen Organisation. Köln, den 1, Mal 1011. Breslauer Brief Wie in ״Antizionismus“ gemacht wird Breslau zählt über 20 00(1 Juden. Es bringt der zionistischen Organisation an Schckolim jährlich nur knapp •100 Mark. Sehr wenig für die große Zahl jüdischer Seelen. Indes Berlin mit seinen 100 000 Juden hat nur SOO Schckolim, also im Verhältnis erheblich weniger. Und dabei hat Berlin so viel östliche Juden, die eine fürsorgliche Regierung von Breslau fernliiilt, weil sie angeblich eine Stärkung des slawischen Elements bedeuten. Wie dem aber auch sei, wir Breslauer Zionisten empfinden es schmerzlich, daß es uns nicht möglich ist, eine größere ScIiekcIsUinme ahzuführen. Woran das liegen mag? Wir haben wohl oft darüber nachgedacht, aber eine rechte Antwort nicht gefunden. Am Zionismus liegt cs nicht. Ziiiii Teil liegt es wohl an der geringen Zahl ortsansässiger Zionisten, die zur Propaganda• arbeit fällig und bereit sind. Niehl jeder Sehekcl/aliler ist ja ein Arbeitswilliger mul -fähiger. Es liegt nicht an einer allgemeinen Untätigkeit. Denn trotz der nur 100 Schekel bringen wir alljährlich eine nicht, unerhebliche Summe Ihr zionistische mul Palästinazwecke auf. Manche allerdings sagen, die Breslauer Zinm'sft'il verwenden darauf zu viel Arbeit, zu wenig für die cigciilliche zionistische Propaganda. Sic übersehen dabei, daß man auch in Breslau wie anderwiirts ursprünglich mir zionistisch agitierte, eine י große Propaganda entfaltete, die viel Geld verschlang, aber nicht viel Erfolg hatte, und daß man daun erst zu einer Sammeltätigkeit überging, die bessere Ergehnisse zeitigte. Es ist ja auch leichter, von jemand für irgendeinen Zweck Geld zu erhalten, als das Eingeständnis: Ich hin Zionist, Zumal dazu doch ein gewisser Mut zu gehören 'schein(, nicht bloß die innere Erkenntnis . . . Unter unseren Nichl/ionislen sind da Leute, die glauben, daß es keinen Zionismus mehr gibt, wenn sie einmal eine Zeitlang an den Anschlagsäulen keine Ankündigung einer Versammlung mehr lesen. Sie kommen zwar nicht in die Versammlungen, es fällt ihnen auch gar nicht ein, sich sonst über den Zionisimis zu orientieren, halte aber mal einige Zeit keine öffentliche Versammlung stattgefunden, so ver. künden sie: ״Mit dem Zionismus scheint cs ja aus zu sein“ oder wenigstens: ״Hier haben die Zionisten aber eingepnekt." Diesen wurde neulich das Vergütigen bereitet, daß sie an den Anschlagsäulen ein rotes Plakat zu sehen bekamen, das 7.1! einer öffent• liehen Versammlung mit zionistischem Thema ciiiluil. Zugleich erhielten ö(H) ״Auscrwäliltc“ briefliche, •100 weitere gedruckte Einladungen. Die Einladungen und Plakate waren gezeichnet von einer Anzahl hervorragender deutscher Gesinnungsgenossen und etlichen aus der Leitung der Ortsgruppe, ln der Versammlung wollten sie dem verchrliclicn Publikum durch den beredten Mund unseres Parteisekretärs Rede stehen, warum sic als deutsche Juden Zionisten s e i e 11. Diese Ankündigung ärgerte manche. Zwar fragen ja die Unterzeichneten als Deutsche und Juden und Zionisten mir: Warum sind wir deutschen Juden Zionisten? Aber wenn da nun ein echter Goj das etwa so verstände, daß alle deutschen Juden Zionisten sind? ״Wäre (las nicht eine Gefahr für die de nt sch en Juden?" so fragten sich einige muterfüllte deutsche Juden, und einer gab dem auch in einem Schreiben an die Ortsgruppe wörtlich so Ausdruck . . . Hier mußte etwas geschehen! sagten darauf welche von den Liberalen mul schleunigst trommelte man interessierte Kreise zusammen: Vorstandsmitglieder vom liberalen G e m e i n d c v c r c i n , vom traditionellen F ö r d e r u 11 g s v e r c i n und vom Z e 111 r a 1 v e r c i 11 deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Im Vorstand der beiden letztgenannten sitzen auch Zionisten, — die ließ man natürlich zu Haus. Nun beriet man. Einer schlug vor. \o\sc\vweigen (wie seiner Zeit bekanntlich mit gutem Erfolge das ״Berliner Tageblatt“ den Antisemitismus totgesclnvie• gen). Ein anderer meinte:!tingelten, diskutieren. Er wurde gewarnt: Mit den Zionisten ist nicht leicht diskutieren, da gibt es zu geübte Dehattcr (man vergaß liinzu/ufiigcii: sie kennen auch die Materie besser). Auch das wurde abgelclint. Schließlich ent• schloß man sich für - Inserate, groß, fett, auf• fällig und nicht bloß in den zwei Zeitungen, in denen wir die Versammlung inseriert, nein, nocii in einer dritten. In diesem Inserat, das am Morgen des Vcrsamnilungstagcs erschien, wurde ״fcstgc• stellt" (!!), ״daß nur ein verschwindend kleiner Bruch• teil deutscher Juden Anhänger der Zionistischen Be• wegung ist“. Unterschrieben war das Inserat an erster Stelle ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau“. Man hat dazu natürlich weder die Genehmigung aus Berlin eingcliolt, noch die der zionistischen Mitglieder der Ortsgruppe und ihres Vorstandes. Nun, darüber wird noch an anderer Stelle zu reden sein. Darunter stand

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