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Jüdische Rundschau · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 238 JU EDI SG HE RUNDSCHAU Nr. 21 M. B. H. Hnrtogunsis, Baltimore, 11. Prof. Dr. Leop. L a 11 d a u, («eheimer Medizinal• rat, Berlin, 12. I>. E. Lioni, Amsterdam, 13. Kommandant Armand L i 11 in a n n, Versailles, 14. Heinrich O s c h i n s k y, Breslau, % 15. Kahl). Dr. A. N. No hei, Frankluri q. M., 16. Rabl). Dr. R o s e n t h a I, Breslau, 17. Adolf Salomo n, Bukarest, 18. Hermann Löh Stern, Mannheim, 19. Hamann W i 11 n e r, Leipzig. Weiterhin geht uns die folgende Berichtigung zu. In verschiedenen jüdischen Zeitungen ist berichtet worden, dall in der am 15. Mai in Nürnberg statt• gehabten Vollversammlung der Mitglieder der Alliance unter warmer Befürwortung der Herren (ich. Hol• und Justizrat Dr. Josephthal und Rabbiner Dr. 1־' r e u d e 11111 n I einstimmig beschlossen wurde, die Pariser Kandidatenliste zu akzeptieren und die Berliner Liste abzulehnen. Auch die orthodoxen Mitglieder akzeptierten die Pariser Liste einschließlich Saloinon Rcinachs. Die Resolution soll den deutschen Lokal• Komitees und den Pariser und Berliner Bureaus zur Weitervcrhrcitung mitgeteilt werden. Dem gegen• über crkliire ich: 1. Cs ist unwahr, dall hier eine Vollversanuu• lung der Alliaitcemitgiiedcr stattgefunden hat, vielmehr waren nur 14 Mitglieder des Komitees beisammen, um über die Wald zu beraten. 2. Der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Freuden• thai hat nicht die Pariser Liste ״warm“ empfohlen, sondern objektiv berichtet. 3. Der einzige Vertreter der Orthodoxie im Komitee war ich, und ich habe nicht die Pariser Liste mit Herrn Rcinaclt emptohlen, sondern erklärt, es ist mir unbegreiflich, wie ein Jude den Namen Reinacb bei seinem Standpunkt zum Judentum aut die Liste setzen könne. 4. Cs ist unwahr, dall beschlossen wurde, allen Lokal-Komitees Mitteilungen von der Nürnberger Vcr* Handlung zu machen, im Gegenteil, ein dahingehender Antrag wurde abgelchnt. gez. A. Grün bau tu. Wie die Stimmung in grollen Alliancegruppen ist, darüber berichtet uns ein T e I e g ra tu m von einer Versammlung der Baseler Ortsgruppe der A, I. U.: Basel, 22. Mai. Heute sprach liier in einer Alliance-Versammlung, die in der Synagoge statt• fand, Herr Jacques Bignrd, der Sekretär des Pariser Zentralkomitees der Alliance Isrnclite Um■ verseile, vor einem zahlreichen Publikum /11 g u n s I e n der Wiederwahl Rein a c h s. Während der Diskussion gestand Herr Bignrd, von Dr. Yahuda in die Enge getrieben, ein, dall er selbst mehrere Exemplare des ״Temps“ und des ״Figaro" mit einer Notiz über die Rede Levens gcg e n den Zion is m 11s an ve r sch i e d e n c türkische Politiker nach Konstauti• nopcl gesandt habe. Dieses Deiumzinutenslück* eben weckte in der gröiltenteils von Nichtziouistcu besuchten Versammlung lebhafte Entrüstung und trug dazu bei, die ohnehin schon vorhandene Stimmung gegen Herrn Rcinaclt und die Politik des Zentralkomitees noch wesentlich zu vcrscliär• len. Das S c 111 u II w 0 r t B i g a r d s machte in• folgedcsscn, und weil er keinen einzigen der erhobenen Vorwürfe zu entkräften vermochte, g a r keinen Eindruck. Die Versammlung endete ewige Weisheit vorgezeichnct! ln der Höhe gaukelt und irrt man, weil man den Weg nicht kennt . . . Wohl ist man ein freier Vogel, doch wehe dem freien Vogel, wenn ihn Müdigkeit und Verzweiflung fassen! . . .“ ״Das ist alles Narrheit 1“ . . . Der Enkel springt mit glühendem Gesicht und brennenden Augen auf. ״Es muß doch . . Doch die Großmutter fällt ihm ins Wort: ״Verrückte Männer! Da streiten sic . . . Und der Rabbi? Wird der Rabbi erlauben, daß man das Kind beschneide? Wird er ein Kind mit Flügeln in den Bund der Gemeinde auf* nehmen? . . .“ Ich fuhr empor. Die Nacht außerhalb der Stadt, die Reise, das Kind mit den Flügeln — alles war nur Traum ... Zur Geschichte der Pogrome Der russische Journalist Paul B ״ r c b a n plaudert über die Petersburger Dworuiks (Hausmeister) und erzählt Herbei folgendes, für die Beurteilung der Psychologie der Pogrome wichtige Histörchen: ״Als im unglückseligen Jahre der Revolution der Regierung die Wogen über dem Kopf zusammenzu• mit einer geradezu vollständigen Nieder• I a ge Bi g a r d *. Vorher halle die Konferenz des schweizerischen Landesverbandes der A. I. U. stattgefmuien, an tief 17 Delegierte leilnahmen. Auch dort* hielt Herr Bigaril ein Referat, in dem er Rcinach \׳er• leidigle. I)r. Yahuda sprach im Sinne der Deut• sehen Coiticrcnz.-Ocmeinschaft dagegen, lind seinen Bemühungen im Verein mit Rabbiner Dr. Litt• m a n n Zürich und BI o c h Mülhausen i. E. gelang cs, die Annahme einer von Bigard vorgeschlageneu Resolution f ii r R e i n a c h z. u v e r h i n d e r n. Es scheint also alles nichts mehr zu nützen. Seihst Herr Bigaril vermag seinen Herrn und Gebieter nicht mehr zu retten. Wenn er mm nicht in Singapore, Shanghai und San Francisco ״gewählt״ wird, dann dürfte er am längsten Vizepräsident der Alliance ge• wesen sein. Der Gemeindetag Zur ״Statutcnünderung“ des D. I. G. B. Den Herren vom Ausschuß des Deutsch-Israeli• tischen (iemeindclumdes scheint hei ihrer famosen ״S t a tute u ii 11 d e r u n g“, die wir im Leitartikel der vorigen Nummer der ״J. R.“ charakterisiert haben, doch nicht so ganz wohl zu sein. Sonst hätten sie sich wohl nicht so schnell hcrahgelnsseu, auf die Angriffe, die sie erfuhren, z.u antworten. Sie vcr* senden nämlich an die Presse folgende Antwort, die wir nur deshalb wörtlich wiedergehen, damit wir ja nicht illoyal erscheinen, obwohl sie sachlich׳ unsere Angriffe auch nie 11t in einem cinzi• gen Punkte z.uriick/.uwcisen vermag, sondern sich vielmehr damit begütigt, die allen Behauptungen nochmals zu wiederholen wohl In der stillen Hoffnting, daß sie dadurch besser und richtiger werden. Das auch uns zugegangene Rundschreiben des I). I. O. B. lautet: ״Den Angriffen gegenüber, die einzelne hyper• orthodoxe und zionistische Organe der jüdischen Presse wider die von dem Ausschuß des Deutsch• Israelitischen Oenieindebumlcs vorgcschlagatcn Satzungsänderungen richten, haben wir lolgcmles zu bemerken. Drei MilSstände, zu denen der bisherige Modus der Vertretung auf dem Oemcindetnge Anlab gab, waren zu beseitigen: L Die größeren Gemeinden (nicht nur die Groß• gemeinden) waren so schwach vertreten, daß, nach deren Anwachsen sowie nach dem Zusammen• schwinden der kleineren Gemeinden wahrend der letzten Jahrzehnte, eine förmliche Entrechtung der größeren Gemeinden erwachsen war, die doch die Lasten des Gcmcindchundcs in weit überwiegendem Maße tragen. 2. Die kleineren Gemeinden, die die Kosten einer wirklichen Vertretung aut dem Gemeindetage, aus ihrer Mitte heraus, nicht bestreiten können, wurden gemillbrauclit von Leuten, die niemals an dein Gemeimlebunde sich beteiligten, ja ihm geradezu feindlich waren, um jenen Mandate für den Gemeinde• tag ah/.ulackeu, 3. Die ßlankomaudatc, die viele dieser kleinen Gemeinden dem Ausschüsse des Gcuieindcbundcs für den Geineindetag zu übertragen pflegten, standen mit den Grundsätzen einer gesunden parlamentarischen Einrichtung im Widerspruche. Die Vorschläge zur Neuordnung der Vertretung der Gemeinden aut dem Gcmcindetage machen diesen Ucbclstiirnlcn ein Ende. schlagen drohten, beschloß der Plehwesehüler und •überlrumpfcr Trcpow, einen Gewidtstrcich ausz.11• führen und das blutigerregte Volk zur Ader zu lassen: in Petersburg einen grandiosen Judenpogrom z.u in• szenicren, einen Pogrom, der alle bisherigen in den Schalten stellt, einen Galapogrom. Nach der Ausieht der russischen inneren Diplomatie, nach be• währten, ehrwürdigen, nationalen Rezepten gilt als das beste Mittel, um das aufgeregte russische Ge• •mit zu kühlen und den sozialen Betätigungsdrang nbztilenkcu, ein Pogrom. ״Es rast der Sec und will sein Opfer haben. Werfen wir ihm einige Juden hin. Der See ist tief lind unergründlich; weiß nicht, was er will, unterscheidet nichts." Geheimnisvolle Leute erschienen in den Dwornikstuhen, ließen sieh die Hausbücher vorlegen, setzten den Sklaven den Hatuanplan auseinander, machten geheimnisvolle Zeichen an den Hintertüren der jüdisehen Wohnungen, organisierten: am 29. Oktober nachts sollten die jüdischen Familien überfallen werden. Welch eine Lust, nachts Ahnungslose ln den Betten abzustechen, Jüdinnen zu vergewaltigen, zu plündern, zu plündern! Straflosl Die Dworniks sollten eine führende Rolle spielen. Doch der Geist der Auflehnung war auch schon in die Dwornikstuhen gedrungen; es gab damals hier und da ״Aufgeklärte", sie erschienen bei den jüdischen .Herrschaften und erzählten ... Die Zellungeu, die damals ihre Nase überall liinciiistcckcii durften und denen das Schloß vor dem Munde etwas lose hing, schlugen Lärm, scharfen Lärm, und als Die größeren Gemeinden erhalten dadurch ein!• einigermaßen angemessene Vertretung, obwohl hm״l,r noeil im geringeren Umfange, als die kleineren (״. mcinden. Dem) während die größeren eine stimm״;1111 je 0י)ל Seelen führen, hat jede kleine Ihnuks. gemeinde, die seihst weit Unter fünfhundert, ott m!, wenige Seelen zählt, unter allen l/nistäiidcn je eine Stimme. Ueherilies werden die kleineren Gemeinden dadurch begünstigt, daß jeder Gcmcimlevcrbaml, au! dem ja die Klclngcmeinden durch ihre Mehrzahl überwiegen, zehn Stimmen erhält. Also d!e kleineren (lern ei »den sind immer noch begünstigt. Die Bestimmung, daß te Ul Klein, gemeinden einen gemeinschaftlichen Vertreter er. nennen können, der ebensovielc Stimmen führt, w,״ er Gemeinden vertritt, sichert den KleiugcineiniUn die Möglichkeit einer selbständigen Vertretung aut dem Ocnteindelage, Indem jede Gemeinde nur aus Ihren Angehörigen und Angestellten den Vertreter zu erneum•ןגו| ״ werden die Um triebe von!.etilen, die dem Gemeinde! Iiiimle ganz, fern sielten und sich nur aus pmon• liehen und Parteiinlcresscn ein Mandat für den <jc. meindetag von Kleingemeiuden erwirkten, ansge• schlossen. Der Ausschuß verzichtet aut die Blankom.mdate. Alle d i e s e A 11 o r d 1111 n g e n mach e n d c ti O e m e i n d e t a g zu einer w 1 r k Ii c h e n V c r* t ret u ng der d e u t sch e 11 J ud cn heit und stellen ihn vom Ausschüsse v״ffk0m. nt c n u n a b 11 ä n g i g. Nicht eine Unterwerlung unter den Willen des Ausschusses, sondern die He• freitmg von dessen Einfluß wird hierdurch erreicht." Wie sehr die Herrschaften aber trotz, der an• geblichen Tatsache, «lall die ״kleineren Gemeinden noch immer begünstigt" sind, den Zorn dieser kleinen Gemeinden fürchten, geht aus einem anderen Schreiben hervor, das der Ausschuß des I). I. G. B. freilich nicht an die Presse, sondern nur an die für ihn wertvollen größer e 11 CI c m e i n d e 11 vcr• samll hat! Wir halten diesen Brief indessen auch für die kleineren Gemeinden und für die Oeffcntliclikeit für so interessant, daß wir ihn - da ein Zufall uns das Blatt auf den Tisch geweht hat hier wieder• gehen. Der Brief lautet: Verchrlichcr Vorstand! In unserem Rundschreiben v, 11. d. Mts. haben wir die Aufmerksamkeit der verehrlielien Vorstände aut einen Versuch Unhcrulc!ier gelenkt, sich ׳die Mandate für mittlere und kleinere Gemeinden zu verschaffen, um eine Retorm zu verhindern, ohne auch nur Vorschläge und Begründung abzmvarten. Ohne den berechtigten Ansprüchen der kleinen Gemeinden etwas zu vergehen, (icruhon unsere Vor• schlage auf dem demokratischen Prinzip, indem sic an die Steife der G e f d b c i t r ii g e die vcr• treten 0 e e I c 11 z. a h 1 a t s M a ß s t a h t ü r die Berechnung der Stimmen setz!:! und aut diese Weise der Bedeutung der einzelnen (ic• meinde für die große Gesamtheit gerechter werden. Damit schon jetzt dieses Prinzip, so weit dies bet der ungünstigen Lage der geltenden Statuten in schwachem Maße möglich ist, wirksam sei, ist cs nötig, dal) keine d c r g r ö ß e r e n Oe m e 11111 c n u n v e r t r e t c n bleib e. Wir bitten Sie daher dringend, mit der Ernennung eines Vertreters aus I f!ז c ז geschätzten Gemeinde selbst nicht zu zog er 11. Es wäre außerordentlich zu bedauern, wenn Ihnen dies nicht möglich wäre. Für diesen unerwünschten Fall müssen wir Sie bitten, dem Aus־ schuß des D. I. G. B. eine Blankovollmacht •ur Verfügung zu stellen. Gerade damit in Zukunft 11' scr Ausweg überflüssig sei, m u ß er dieses c 111 ׳.:c der Morgen des 29. aubr.ich, flohen vielleicht drei Viertel der Petersburger Juden nach dem dw.iaB noch freien Finnland; Wihorg allein lieber!..egte gastlich zehntausend Flüchtlinge. Die jüdische t,.״nn• liehe Jugend dagegen bewaffnete sich und zc, die ganze Nacht patrouillenweise durch die Stadt, ׳.׳nt• schlossen, sich nicht wie die Kiscliincwer• Widerstands• los ahschlachtcn zu lassen. 1111 letzten Augenblick befahl man die Dwo.niks nach den Polizeirevieren und erklärte, der Pot rom werde verschoben. Und wenn man nachher t1 :• •er» verflucht gescheiten!Man als herzlich dumm erkannt und ihn vollends aufgegeben hat, so geschah es sicher* lieh nicht aus humanen Erwägungen, sondern weil man wohl begriffen, daß es mitten in der Residenz angesichts all der Paläste ein allzu gewagtes Spiel wäre, die Wogen aufz.upeilselten und sich ergießen z.u lassen, wo ■man nicht berechnen kann, welche Richtung sie nachher nehmen, und ob man die Macht besitzt, sic dann zu dämmen." Jung Israel, Illustrierte Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend. Inhalt des zehnten Heftes: Die Snbhathcngel. Lag Bcomcr in Jerusalem. Von Sara Bondi. Im Knrilätcntadcn. Von H. H. C. Talinti• dischc Weisheit, leworechcclio Adonai I Von Bert* hold F e i w c I. Die Macht der Wissenschaft. Von Lina W a g n c r T a u b c r. Das Märchen vom figyp* tischen Fisch. Von Lazarus Barth. Plaudcrcckc. Rätselecke. Kalender.

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