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Jüdische Rundschau · 1911-05-19 · Heft 20 (19.5.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 226 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 rieht In Ihren Schulen sorgen. Selbst eine so kleine Kolonie \vic Milliamic hat ihre arabischen Lehrer und auch die entlegenen Kolonien. Mischmar Ha• jarden und Jessod*Hamaala haben• da sich jede eine Kolonie einen arabischen Lehrer Dicht leisten kann und die beiden Kolonien ungefähr eine Stunde von• einander entfernt sind, in ihren Schulen einen ge• mcinschaftlichcn Lehrer für die arabische Sprache, Nochmals die J. J. B.-Enquete Die Rundfrage des ״Jüdischen Jugendbundes“, mit der auch wir uns in einer früheren Nummer bc• schäftiuien, hat leider in der allgemeinen Presse eine Beachtung gefunden, die zu dem Wert des dort zusaimneugelragenen Materials in keinem Verhältnis steht. Judengegner und Assimilationsjudcu suchten sich jedesmal einen ihnen besonders mundenden Bissen heraus, um ilm mit hämischem Frohlocken oder in eitler Selbstgefälligkeit ihrem Leserkreise aufzutischen. Wenn ein Beitrag bei dieser Auswahl beständig übergangen wurde, so spricht das für ihn, und wir bewußte Juden haben um so mehr Anlaß, uns mit ihm zu beschäftigen. Wir meinen das, was unser Freund Hermann Struck zur Sammlung bei• gesteuert hat. L's ist ein aufrichtiges nationaljüdisch• religiöses Bekenntnis, das sich wie verirrt unter all dem Wust von Phrasen, Dünkel und Selbstzufrieden• heit ausnimmt. Um so bedauerlicher ist cs, daß Struck und mit ihm unsere Idee in dein einen Falle, wo der Beitrag eine Würdigung fand, einem grob• liehen Mißverstehen zum Opfer fiel, Die ״B crlincrNcuestcn Nach richte n“ zitieren einen längeren Absatz der Strucksciien Ausführungen und schreiben: Mit klaren Worten bekennt sich aber Her* mann Struck zum nationaljUdischcu Oedanken, ja er meint, daß diejenigen Juden! die ihre nationalen ' Ideale nreisgähen, damit ihren besten Halt verlören. Bekanntlich ist diese Aulfassung gerade in der jüdischen Jugend mehr und mehr zum Durchbruch gekommen. Zumal auf den Universitäten bekennen sielt die meisten jüdischen Korporationen zu ihr. Wir sind weit entfernt, ihr uie subjektive Bercchtigung ahzusprechen, aber zweifellos ist, daß sic uns auf den Weg des Kampfes führen muß. Die Verschmclzungspo'.itik mag man unter den ob• wallenden Verhältnissen, zumal bei dem ungc• hinderten Zufluß Immer neuer Teile des Juden* tums für utopisch halten, gegen die Heranbildung und Befestigung einer neuen Nationalität inmitten seines Staats• und Volkskörpcrs aber müßte das Deutsche Reich Mittel der Abwehr ergreifen. Diesen merkwürdigen Anschauungen ist Hermann Struck in 'den nachstehenden Ausführungen ent• gcgcngctretcn: ״Sehr geehrte Redaktion l In Ihrer Nummer vom 29. April 1911 erweisen Sie mir die Ehre, unter dem Titel ״Beiträge zur Judenfrage“ auch eines Beitrages zu gedenken, den ich für die Gedenknummer des Verbandes der jü• dischcn Jugendvcrcinc Deutschlands iiefertc. Nach• dem Sie die Freundlichkeit hatten, meinen Anschau• ungen die subjektive Berechtigung zuzubilligen, cs aber als zweifellos erklären, daß sic auf den Weg des Kampfes führen müssen, bitte ich um die Er• laubnis, hierzu einiges Berichtigende ausführen zu dürfen. Sic selbst erklären die Vcrschmclzuugs• Politik für utopisch. Es Ist Ihnen bekannt, daß dieselbe von Seiten vieler Juden in die Wege geleitet war, sic ist aber deshalb nicht zur Durchführung gekommen, weil der Staat den Juden die verfassungs* ״mäßig garantierten Rechte vorcnthielt und timen den Zugang zu Staatsstellungen und irgendwie aulorita* Uvea Posten nach Möglichkeit versperrte. (Es muß ja nicht immer gleich wie in Rußland kommen, cs gibt auch geistige Pogrome.) Eine Assimilation, die nur durch die Taufe möglich Ist, muß der bewußte Jude, auch der nicht religiöse, aus Qrünüeu des Charakters, des Anstandes und der Ucbcrzciigimg prinzipiell abielmen. Wenn wir Juden uns unter diesen Umständen nicht auf unsere Zusammengehörigkeit besinnen würden, so wäre dies Selbstvernichluug» nicht nur der Gemeinschaft, sondern auch des In* dividuums. Der national-jüdische Gedanke, wie ich ihn auffasse, steht keineswegs dem Stnntsgedankcn entgegen. Wir sind treue und dankbare Bürger unseres Vaterlandes, dessen Sprache und Kultur wir lieben und pflegen. Niemand von uns denkt daran, einen Staat im Staate zu bilden oder den geistigen Bestre• bungeu unseres Vaterlandes irgendwie entgegenzu• wirken, im Gegenteil I Wir arbeiten freudig daran mit, Deutschlands Kultur auszubaucn. ln uns aber leben die tausendjährigen Bande des Blutes, und wir suchen auf den uralten Traditionen des Juden• tums stolze und selbstbewußte, deshalb kulturell für unsere Umgebung wertvolle Persönlichkeiten aufzu* bauen, hierbei sind wir frei von jeder Feindselig• keit gegen anders Geartete. Würden wir anders handeln, so würden wir haltlose Parias, und darum ein gesellschaftlich wie politisch zersetzendes Element züchtenI So aber wirken wir erhaltend. Es ist mir unklar, wie man unter diesen Umständen davon sprechen kann, daß unser Streben auf den Weg des Kampfes führen müsse. Uns alle beherrscht der Wunsch, in Frieden mit unsern Mitbürgern anderer Abstammung zu leben und durch die wertvollen Eigeusehaften unseres Stammes dem Vatcrlnndc zu niitzen, selbst wenn es uns die Bürgerrechte schmälert,“ Kurz vor Redaktionsschiuß erfahren wir, daß die Aufnahme dieses Schreibens von dem Blatte (das sich im Untertitel ״Unparteiische Zeitung“ nenntI) abgeleimt wurde: Herrn Hermann Struck, Berlin NW., Brückcn-Allcc 33. Sehr geehrter Herr! Antwortlich Ihres gesell. Schreibens vom 10. d. M, teilen wir Ihnen hüfl. mit, daß wir Ihre Er* wideruug nicht gebracht haben, denn wir können Ihre Auffassung nicht teilen, versprechen uns auch von der neuerlichen Erörterung der Frage keinen Nutzen und haben deshalb von der Wiedergabe Ihrer Zuschrift abgesehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Berliner Neueste Nachrichten. ׳ Die Redaktion. Damit gewinnt die Angelegenheit ein ganz anderes Aussehen, und wir können die Redaktion der ״Ber* iiner Neuesten Nachrichten“ ruhig und gelassen un• seren jüdischen Denunzianten zugcscllcn, deren krampf• hnites Bemühen ja bisher erfolglos geblieben ist und für alle Zukunft erfolglos bleiben wird. ״Sogen aus dem Orient“ brachte ihm settene Ehrungen. ein, wie sic keinem anderen jüdischen Autor zuteil geworden. Kaiser Ferdinand nahm in seine Privatbibliothek sämtliche Schriften von Letteris auf und verlieh ilmi die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, während der Herzog Max von Bayern,•der Vater der Kaiserin Elisabeth, ein eigen• händiges Schreiben an den Verfasser richtete und ihm ebenfalls eine goldene Medaille verlieh. Ebenso gingen ihm später ehrende Schreiben im Aufträge Kaiser Franz Josefs und der Kaiserin Elisabeth zu, die das genannte Werk gleichfalls ihrer Privatbibiiothek einverlcibten. Alle diese Auszeichnungen vermochten jedoch nicht, Letteris eine gesicherte soziale Situation zu verschaffen. Und dank diesem Umstande hat Let• tcris nicht das geschaffen, wozu er berufen schien. Er zersplitterte seine dichterischen und literarischen Fähigkeiten, widmete häufig reichen Personen Ge• jcgenhcitsloblicdcr und verbrauchte seine Kraft zum Teil für den Tagesbedarf. Zudem war er zu sehr von den zu jener Zeit herrschenden ״Hoskaiah“« Bestrebungen befangen, die in der ״Aufklärung“ der Juden alles Heil suchten. Zu diesem Zweck über• sctzlc Letteris ins Hebräische zahlreiche Dichtungen ausser Weltliteratur, namentlich von Schiller, Byron, Racine, Homer und Virgil. Seine, bedeutendste Lei- *tung auf diesem Gebiete ist sein 1865 unter dein Titel ״EUsah ben Abujah" erschienene hebräische Bearbeitung von Qoetbes ״F a u 81“ Letteris hatte ftber .auch eine große■ Anzahl hebräischer Original• dichtungen produziert, von denen das ״Jonah Nomiah“ am populärsten und beinahe zu einem Natio* naigesang geworden Ist. Bücher und Zeitschriften Hc'atid. Zeitschrift für Literatur und WisscnschaU des Judentums. Bd. I—1U. Preis 3 Mk. per Band. Verlag ״Sinai, S. Hurwitz, Berlin W., Kurfürstcnciamm 51. in der neuhebräischen Literatur ist ein Ocbict bisweilen etwas Stiefmütter• lieh gepflegt worden: die Wissenschaft des Juden• tums. Die blütenreich entfaltete litcrarkünstlcrischc und dichterische Gattung hat diese überflügelt und in den Hintergrund gestellt. Eine charakteristische Gcgcncrschcinung zur jüdischen Literatur im Westen, wo gerade die Wissenschaft des Judentums obenan steht, während hier die jüdische Dichtung und Kunst über gewisse, wenn auch teilweise bedeutsame An• sätze und Einzclschüpfungcn nicht hinausgekommen sind. Es würde zu weit führen, hier auf die Ursachen dieser Erscheinung näher cinzugehcn, die ein Aus* fluß der Vcrschicdcnartigkcit der Verhältnisse und Stimmungen in der Ost• und Westjudenheit ist. Im allgemeinen ist wohl das Ueberragen des dichterischen Elements über das wissenschaftliche eine Reaktion gegen die einseitig-intellektuelle Produktion des hebrä• ischen Schrifttums während der. vergangenen Ocncra*. tionen. Das neue Qcschiccht wurde von einem tiefen Sehnen nach Leben und Schönheit, nach seelischer Dr. Walter Perlitz Einer unser Allerbesten ist in vollster Manneskraft, 32 Jahre alt, von tückischer Krankheit jäh weggerafft worden. Ein sonniger, wenngleich nachdenklicher, doch lebensfroher Mensch ist von uns gegangen, der soviel Zuneigung besaß, wie selten einer; ich glaube, jeder, der ilm kannte, hatte ihn lieh und ist von der trauri• gen Botschaft seines Todes tief erschüttert. Die Froheit und Innigkeit seines Wesens eroberte ihm jedes Herz und machte ihn zu einem wiilkonuurm׳n Gefährten. Wer aber das Glück hatte, ihm näher zu stehen, wußte, daß man unter Hunderten wenige findet von gleichem Mensehenwerte. Lauterkeit des Den• kens und Fuhlens Grolle der Gesinnung, Treue der Ueberzeugung, Unberührtheit von persönlichem Ehrgeiz und kleinlichen Interessen, Furchtlosigkeit und Mut waren die unverkennbar deutlichen, von keinem Schatten getrübten Züge seines Charakters. Dazu gesellte sich ein fester Wille und eine eiserne Energie. Durch diese gelang cs ihm, in unablässigem Ar• beiten an sich, aus einem schwachen, kränklichen Kind ein fast athletischer, in allen körperlichen Uehungen hervorragender Jüngling und Mann zu werden. Die fast spielende, völlige Beherrschung seines Körpers, auf die er mit Recht stolz war, vermehrte seinen Ge• miß an der Natur, die auf raschen Schneeschuhen, Rad oder Pferd zu durchstreifen, ihm höchste Freude war. Ein Jammer, daß es ihm nicht vergönnt ge• wesen, seine Lust am Land auf der heiligen Scholle der Väter auszuleben! So stand er allen, die ihn gekannt vor Augen, als der Prototyp des jungen, innerlich uud äußerlich regenerierten Juden. Es war für mich stets die größte Genugtuung, daß für solche seelisch und körperlich aufrechte Juden der Zionismus eine Selbstverständlichkeit ist: Auch Perlitz war Zionist, als er mit unserem Gedanken• kreis im V. J. St. Berlin als Student bekannt wurde. Er war kein Mann der politischen Initiative, und doch wäre er — eine Tcllnatur — sicher in irgend• einem geeigneten Moment fällig gewesen, eine poli• tische Tat zu tun. Nichtsdestoweniger war er ein treues Mitglied wie seiner Korporation so unserer Organisation, stets bereit, den Platz, auf den er ge• stellt wurde, zuverlässig auszufiilien: Am Nachmittag vor seinem Tode, als er fast drei Wochen vergeblich nach Luft gerungen hatte, beschäftigte ihn die Sorge um eine für diesen• Abend angesetzte Sitzung. So verlieren seine Freunde, seine Bundesbrüder, seine Oesinnungsgenossen, das jüdische Volk an ihm einen von den Besten und ganz Seltenen. Unsere Trauer um ihn verklärt der Stolz, ihn besessen zu haben. Laßt uns stets seiner würdig sein. Erich Rosenkranz. Bericht über die Bezalel-Aus- Stellung in Straßburg Die vom 30. April bis 5. Mai liier stattgefundene Bczalci-Aussteliung hat einen über Erwarten guten ideellen wie materiellen Erfolg gehabt. Sie ist ein Beweis, was durch eine geschickte, den lokalen Ver• häitnisscn angepaßte Propaganda selbst im Elsaß zu erreichen ist, wo sich das Interesse der Bevölkerung zumeist aut die politischen Fragen der Rcichslaudc konzentriert. Den Bemühungen des Herrn Prot. Dr. Regung und Gemütsimpression erfaßt. Das Golus• leben ist aber zu sehr zerklüftet, zu sehr von fremden Mächten mit bestimmt, zu' arm an eigenen unabhängig schaffenden Faktoren, uni jene Naturen befriedigen zu können, die im Judentum nicht bloß eine Form, sondern einen Dasein sin halt suchen. Aus diesem Streben nach einem Lebensinhalt im modernen Judentum ist die hebräische Zeitschrift ״Ue'aUd“ Umorgegangen. Es ist das Organ dcc Denkenden, die nach einem Sinn des Juden• sc Ins suchen. Die Wissenschaft des Judentums wird darin nicht als eine vom konkreten Leben so* Zusagen losgelöste Abstraktion behandelt. Die jüdi* sehen Kullurschöpfungen aus der Vergangenheit sollen vielmehr daraufhin geprüft werden, inwiefern sic dem modernen Judentum als lebendige Inhalte und zu• kunftsbildcndc Faktoren dienen können. Die Wechsel• beziehungen von Wissenschaft und Leben im Juden• tmn sollen tiefer erforscht werden. Die ersten drei Bände des ״Hc'atid“, die u. a. Beiträge von Dubnow, Berdyezewski, Hurwitz, Prof. Krauß, Prof. Ludwig Stein, Prof. D. Neumark, Liiicnblum, Dr. Osias, Thon, Dr. Josef Klausner und Salamon Schiller enthalten, liefern wertvolle Bausteine für die Ergründung des jüdischen Kulturproblcms in seinen mannigfachen Aeußerungen und werden von dauernder Bedeutung bleiben in der Entwicklung der modernen hebräischen Literatur, in der sich das Ringen der jüdischen Volks• scele nach Selbsterkenntnis kristallisiert. Josef Lin, Berlin. *■i יי V 5־ l ו i

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