Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 227 Dreyfuß ist es zu danken, da» ein aus den angesehensten jüdischen Fami.ien Straßburgs gebildetes Komilce in» Frühjahr einen Garantiefoiuls von 3(100 Mark au (brachte, der bei der A. P. C. deponiert wurde. Das äußerst geschmackvolle Arrangement in dem schonen, «roßen Saal des aficii Schlosses I.׳״ in den Ilanden der Damen Frau Prof. DrcvtriO frau Anselme Cahn, Frau Ulli Sin «er, wie der Mitglieder des Stainintisches Radimali im Kartell Zio• nistisclier Verbindungen. Der feierlichen offi/idlai Eröffnung, bei der Prot. DreylulJ die Hcgriißuims• rede hielt, wohnten unter andern prominenten Per• sönliclikcitcn der Oberbürgermeister Dr. Schwan• der, Oberrabbiner Ury und einige bekannte Ex/dleii/en bei. I inen besonders freundlichen Fimlruek machte der Saal durch die in liebenswürdiger Weise von der Stadt zur Verfügung gestellten Blumen mul Palmen. Die schon vorher genannten Damen stellten ihre gan/c Arbeitskraft nicht nur während der müh• seligen Vorarbeiten, sondern auch beim Verkauf, den sie gemeinsam mit den Kadimalmcrn besorgten, in aufopfernder Weise in den Dienst der Sache. Die Ausstellung umfaßte neben den Arbeiten vom Bc/alci Radierungen von Hermann Struck, Spitzen• des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und Bücher des jüdischen Verlages. Von den Ucgcustiindcn, die einen Gesamtwert von 12(100 Maik präsentierten, wurden für 5000 M. verkauft, ein recht zufriedenstellendes Ergebnis. Auch in dem nichtjüdischen Publikum war, wie der Bestich der Ausstellung und die Berichte der gesamten hiesigen Presse zeigten, die Aufnahme und das Interesse ein sehr lebhaftes. So schrieb die ״Straßburger Post" unter anderem: ״Ein Rundgang durch die Ausstellung führt uns zu den Gegenständen, die in geschmackvoller Weise an den Wänden und in den Vitrinen untergebracht sind. Prächtige Teppiche in persischer und türkischer Art /eigen den wichtigsten Zweig der Schule. — Sehr Imbschc Filigranarbeiten in Silber zeigen deut• lieh den besonderen Charakter des Stils, der sich iin Ik'/alcl herausbildct durch Vermischung des modernen abendländischen Kunstgewerbes mit palästi• nensiscli-jüdischcn Ornamenten.“ Auch einige Sätze aus dem Bericht 4,cr ״B ü r g e r• Zeitung“ mögen hier wiedergegeben werden: ״Die Ausstellung ist mit einem großen Aulwand von Mühe und Geschmack aut das übersichtlichste geordnet. Die Arbeiten sind oft mit einem bc• wundernswerten Fleiß ausgeftihrt und beweisen, daß in dir Bczalel-Kunstgcwerbcanstalt eine vorzügliche Schule Köpfe und Hände leitet.“ Die Nationalfondswoche Das Haupt-Bureau des Jiid. Nationalfonds er• läßt in Nr. 19 der ״Welt“ 1911 folgenden Aufruf: In den jüdischen Kreisen ist es zum feststehenden Gebrauch geworden, neun Tage vor Tischo*bc*Aw in Erinnerung an die letzten schrecklichen Tage vor der Zerstörung des Tempels vor fast zweitausend Jahren durch besondere Genügsamkeit und Enthaltung von allen Freuden und Zcrsteuungcn als Trauertage zu begehen. Von vielen Seiten sind Anregungen er• gangen, die Ersparnis an der vereinfachten Lebens• weise einem wohltätigen Zwecke zuzuwenden. Welcher Zweck könnte aber heiliger und größer sein, als aus diesen Mitteln die Möglichkeit zu schaffen, das damals verwüstete Land der Väter wieder zu neuem Leben zu erwecken, dem in jener Zeit vertriebenen Volke von neuem eine dauernde Heimat in diesem Lande zu erringen? Kaum ein Jude wird sich der Erkenntnis der Wichtigkeit dieses Gesichtspunktes entziehen. Darum erläßt das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds an alle Gesinnungsgenossen die Aulforderung, nach dem Beispiel einzelner Sammcistcllcn von diesem Jahre ab eine Nationalfondswochc fest/usetzen. Diese umfaßt die Trauertage vom 1. bis 9. A\v; sic soll dazu bestimmt sein, (eine grolle und lebhafte Agitation unter den Juden aller Lander tu unternehmen. Während der Nationalfondswochc soll besonders für die Oelbaumspcmltt agitiert werden. Die große Bedeutung des Oclbaumes für das öde liegende Land und die Bestimmung seiner Erträge für kulturelle Zwecke in Palästina müssen ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦£ ßoebon orschlonon: <> o « <> 9 t Inhalt: ♦ L Allgomeino Informationen (RoUovorhültnUso, t _ Hotels usw.). , , ״ , , X ß• Touren in PalUstlna (Jaffa, Judälach.Kolonien, ♦ ßUdpalastloa, Jorusal, Samaria, llaifo, (jalliaa). Kartom-klzzo dor jUdlschon Kolonien. ♦ eas Preis! 80 Plennig nebst Porto =3 4 Berausgogebon v. Palllstlna-InformationsbOro, Wien Zu boziobon durch don 'י>‘ t Verlag: Jüdische Rundschau : t Berlin-Charlottcnburg, Blclblrcustr. 49 jeden Juden zu einer Spende für diesen Fonds veraiilassai. Besonders mag hervorgehoben werden, daß ein Oclbaum das schönste Denkmal zur Erinnerung au einen verstorbenen Angehörigen darstellt. Und der wohlhabende Jude sollte veranlaßt werden, statt prunkender MarmorUenkmäler, die noch dazu durch• aus tmji'uliseh sind, einen üclbaumgartcn von ]mildert oder einen Hain von tausend Bäumen zu nflaiizen, die die Namen der Verstorbenen für Jahrhunderte hinaus lebendig erhalten. Außerdem soll in dieser Woche eine energische Propaganda für die Landspende entfaltet werden. Diese Spende, die in den über* seciseheu Ländern bereits sehr populär geworden ist, kann sehr bedeutend werden, denn von jeher galt es als schönstes Ideal der über die ganze Welt zerstreuten Juden, ein Stück Land in Palästina zu besitzen. Durch die Laiidsncndc erhält der Nationalfonds die Möglich• keit, Land zu erwerben, welches, in Dunain geteilt, auf die Namen der Spender von mindestens •10,— M. in einem Kataster eingetragen wird. Die Agitation in der Nationalfondswochc wird am besten unterstützt durch unser neues Elugblatt Nr. 10, welches in kurzer deutlicher Fassung auch diese beiden Speiideiizweigc* berücksichtig!. Bisher ist cs nur in deutscher Sprache erschienen, doch ist die hebräische, jüdische, englische und französische Auf• läge in Vorbereitung. Ferner ist bis zu dem nnge* setzten Zeitpunkt die Herausgabe eines neuen Oel• baumspeiuknflugblattes in Aussicht genommen. Die Lnmlcssamniclstcllcn und N.-F.•Kommissionen werden zweckmäßig bald mit den Vorbereitungen der Nationalfondswochc beginnen. Die Unterzeichnete Zentrale hält cs nicht für erforderlich, dieser eindringlichen Mahnung des Haupt• burcaus noch ihrerseits eine besondere Aufforderung an die Kommissäre folgen zu lassen. Es erwartet von ihrem Arbeitseifer eine umfangreiche, den lokalen Verhältnissen angcpallte Durchführung der vom I lauptburcau gegebenen, bei reger Arbeit vielvcr• sprechenden Anregung. Die erwähnten Flugblätter werden von ’ uns in jeder gewünschten Menge ab• gegeben werden. Gedanken, die über den Rahmen der örtlichen Tätigkeit hinaus eine allgemeine Bc• dcutung für die Durchführung der Nationalfonds• woche haben, werden von der Zentrale mit Freude begrüßt und weitergegeben werden. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Dcutschfand. « AUS ALL6R Wf.LT ״ Deutschland Antisemitische Sammlungen bol Juden. Wir waren schon öfters in der Lage, auf die Schnorrerei aufmerksam zu machen, welche von deutschen Anti• sciniteu aus Oesterreich bei Juden in Deutschland versucht wird. So hat z. B. der Deutsche Schul• verein in Oesterreich, als die österreichischen Juden sich seiner Roseggerstiltung gegenüber ablehnend ver• hielten, Bettelbriefe an Juden in Deutschland versendet, in denen er sic anflehtc, zu den ״Festungshaften an der slawischen Grenze“ durch Stiftung von Bau• steinen mitzuarbeiten. Dank der Wachsamkeit der jüdischen Presse blieb dieses Beginnen erfolglos. Auch der ״Nordmährerbund“ hatte mit der gleichen Aktion wenig Erfolg. Aber die Herren, die jüdisches Geld immer gern sehen, lassen sich nicht abschreckcn. So versendet jetzt der Verein ״Deutsches Haus“ in Wien einen Aufruf an alle guten Deutschen, in den» er mit Hilfe gegen das Vordringen der tschcchi• sehen Schulen und Vcrcinshüuser in Wien bittet. Solche Aufrufe sind auch unter Beifügung einer Zahl• karte und mehrerer Wohltätlgkeilsmarkcn an einige unserer Gesinnungsgenossen gerichtet worden. Wir machen aufmerksam, daß der Verein ״Deutsches Haus“ in Wien antisemitisch ist. Hoffentlich werden' sich die Juden Deutschlands nicht •durch die Anmerkung auf dem Aufruf, wonach der Verein nicht politisch sei, verleiten lassen, sich in dem Kampf zwischen Deutschen und Tschechen zu engagieren. England ln London hat der Prozeß wegen der Houndsditchaffürc am 1. Mai begonnen. Angeklagt sind zwei Letten, ein Jude (Rosen aus Riga) und eine Russin — die ersten beiden wegen Ermordung von Polizisten, die letzteren wegen Einbruchs im Oeschäft von Mr. Harris. Die Gerichtsverhandlungen, zu denen 30ן Zeugen vorgeladen sind, werden voraussichtlich zwei Wochen dauern. — Der bekannte englische Schauspieler Irving sagte in einem Ccspräch mit einem Zeitungsvertretcr, wie ihm zwei Russen initgcteilt hätten, wäre die englische Polizei auf die Houndsditchaffäre vorbereitet gewesen. Die ganze Sache sei von Provokatorcn y,eranstal!et worden, um die ״Fremden“ in England zu diskreditieren. — Inzwischen, noch bevor die neue Frenuleubili Gesetzeskraft erhalten hat, werden bereits strengere Maßnahmen gegen die Eingewandertcn ergriffen. Ein 71 jähriger Jude ist wegen Bettelei dem Qcricht übergeben worden, wclchcs dessen Ausweisung beim Ministerium bcan* tragen will. -••*• ErankrctcJ! ln Paris wurde dieser Tage die Einweihung des neuen Heimes für jüdische Emigranten gefeiert, das vor einigen Monaten im Montmartre-Viertel errichtet wurde. Das nach einem Entwurf von Mr. Hesse, dein Architekten des jüdischen Konsistoriums von einer eigens dafür gebildeten Gesellschaft erbaut ist, ent• spricht in jeder Hinsicht seinem Zwecke. Das zwei• stockige I laus, in dem sich in einigen Räumen hundert Betten für Erwachsene und fünfundzwanzig Betten Kinder befinden und das in einem großen Garten steht, hat IOOÜOO Fr. gekostet. Die Emigranten, die bis zu zehn Tagen" darin verweilen •können, er• halten im Heim auch freie Beköstigung. Russland Im Ministerium des Innern werden jetzt Materiallen bezüglich der Judenfrage gesammelt und zusummcngestellt, Diese Arbeit dürfte in diesem Jahre zu Ende geführt werden, worauf die Regierung eine üesetzesvorlage über einige Aeiulerungcn in der Lage der Juden auszuarbeiten gedenkt. Die Vor- . läge wird der Duma nicht vor 1912 zugehen. Wie verbildet, wird die Regierung darin beantragen, das Ansiedlungsrayou auf einige weitere Städte auszu• dehnen. Allzuviel wäre somit von der Vorlage, die als Antwort der Regierung auf den in der Duma be* fiudlicheu Entwurf wegen Abschaffung der jüdischen Wohnrcchtsbcschränkungcn erfolgen dürfte, nicht zu erwarten. Und man begreift nicht recht, weshalb cs besonderer ״Materialsanindungen׳‘ bedarf, uiu ‘noch ein paar Orte da» Juden zu ״er>chließvn“. Inzwischen arbeitet der jüdische Dumaabgcordncte Nissehnvitsch an einem längeren Exposee, in dem nachgewiesen werden soll, wie sich die verschiedenen Lokalbchürdeu und der Senat zur jüdischen Wohnrcchtsfrage verhalten. Außerdem werden darin statistische Angaben über die wirtschaftlichen Leistungen der Juden in Rußland enthalten sein. Der Antrag der zumeist aus ״Patrioten" zusniiimaigcsctztai Diunakommissioii, für die Reichs- 1' Verteidigung die Juden vom Militärdienst auszu- . |i schließen, hat natürlicherweise in der jüdischen Bevölkerung tiefe Erbitterung hervorgerufen. Vcrschivdenc jüdische Gemeinden und zahlreiche Einzelpersonen haben Protestkundgebungen an die Duma gerichtet. Der erste Protest kam von der jüdischen Gemeinde in Kursk, darauf folgte aus Poltawa ein an den Kriegsminister gerichteter Protest, der mehrere hundert Unterschriften trug, darunter auch von vielen Juden, die am russisch-japanischen Kriege teilnahmcn. Drei von diesen besitzen den Georgenorden und etwa dreißig von ihnen andere Auszcicb• niingen für Tapferkeit auf dem Kriegsschauplatz. Unter den Unterzeichnern des!׳rötestes befand sich auch ein alter Jude namens Ciutiii.inn, der im russischtürkischen Kriege Sewastapol mit verteidigt hatte und sechs Ehrcnmedaillen sowie ein Belobigungsschreiben vom Großfürsten Michail Nikolajcwitsch erhielt. Kanada Zwei In Montreal in französischer Sprache er* scheinende Zeitungen, ״Le Devoir“ und ״Le Natio• nnlistc“, richteten vor einiger Zeit heftige Angriffe in antisemitischer Tonart gegen den hiesigen oel• | gischen Konsul Mr. Clarence J. de Sola, der als Präsident der kanadischen Zionistenföderation in weiten jüdischen Kreisen unseres Landes bekannt ist. Den Haß der beiden kla:knien Zeitungen hat sich Mr. de Sola dadurch /!!gezogen, daß er zur Zeit des letzten cucharisti sehen Kongresses der katholischen Kirche, welcher im Herbst v. J, in Montreal tagte, die belgische Flagge nicht gehißt hatte.' Mr. de Sola strengte nun gegen die genannten Blätter die Ehrcnbeleiüigungsklagc an. ln seiner Klage wies. Mr. de Sola auch darauf hin, daß die beleidigenden Ausfälle der beidai Zeitungen geeignet seien, die guten Beziehungen zwischen der katholischen lind der jüdischen Bevölkerung Kanadas zu trüben und eine judcnfcindiichc Bewegung hervorzurufen. An Hand der Konsulardienstordnung wies er nach, daß cs nicht üblich sei, die Konsulatsfahne bei rein religi- Ösen Festen zu bissen, und daß von den 14 Konsulaten fremder Staaten in Montreal bloß ein einziges zu Ehren des eucharistiscbcu Kongresses geflaggt hätte, aber auch dieses mir aus besonderer Höflichkeit, weil die gelegentlich des Kongresses veranstaltete Prozession die Straße durchzog, in der $i.ch das bctreffende Konsuiatsgebäudc befindet. Die Elirenbcleidigungsklagc Mr. de Solas hatte den Erfolg, daß ־ die beiden Zeitungen ihre Beschuldigungen vorbc•' haltlos widerriefen und ihr Bedauern über die Ver•• öffcntlichung der beleidigenden Artikel ausspracherl. Mr, de Sola erhielt zahlreiche Sympathiekundgebungen! aus angesehenen christlichen Kreisen, die jhn zu diesem befriedigenden Ausgange .des Prozesses be• glückwünschten. ״••••.׳