Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 214 sind die Einbrecher vom Siloakaual aus unterirdisch vorgedrungeii und haben Eingang gefunden durcli Aiisheben von Steinplatten; sie haben die unten ver• borgenen Schätze (Schwert und Schild Salonmns usw.) gefunden und sich damit davongemaclit. Nach anderen sind sic durch Bestechung der Vorsteher ins Innere wahrend der Nacht gelangt, haben (Jort den Hoden aufgebrochen, aber nichts gefunden, und darauf das Weite gcsuchf, um den schlimmen Folgen seitens des Volkes und der Regierung /.u entgehen. Auch von den Christen wird das Vorkommnis allgemein he־ klagt. Hs wäre nicht zu verwundern, wenn in der Folge allen Nichtniohainmedanern von neuem das Betreten des Tempelplatzes verboten würde wie in früheren Zeiten. ־ ziomsTiscHe bcv/cg umg In der Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds, die im Anschluß an die Sitzung des Gr. A. C. in Köln tagte, wurde u. a. die Bilanz per 31. Dezember 1y 10 vorgelegt. Durch die Ucberfiihrung der üc• sclmfte von London nach Köln war es zum ersten Male möglich, die Buchungen in deutscher Währung und nach deutschen Usancen vor/tinehnien, was der Mehrzahl der Interessenten die Uebersiclit über den Geschäftsgang erleichtern dürfte. Recht instruktiv sind auch die Erläuterungen, die dem Ab• schlu(! zum ersten Mate beigefügt wurden. Nach Entgegennahme der Berichte, betreffs deren wir auf unser Zcntralorgan die ״Welt“ verweisen müssen, und nach einer kurzen Debatte wurde auf Antrag B. G 01 d b c r g die folgende Resolution ein• st I m m ig angenommen: Die Generalversammlung nimmt den Bericht des Direktoriums und die Bilanz pro 31. Dezember 1910 mit besonderer Befriedigung entgegen, ge• nclunigt dieselbe und spricht dem Direktorium für seine bisherige Tätigkeit und insbesondere für seine intensive Arbeit in Palästina, die sie mit Freuden begrüßt, ihren aufrichtigen Dank aus. lieber die Arbeit in Palästina gibt der Bericht folgende Zahlen: Pro linde 1939 betrug das Kapital I82QOOO Mk. Davon waren in Palästina angelegt zirka 885 000 Mk., d. i. gut •18״/o des Kapitals, während an Barmitteln und* leicht realisierbaren Effekten in Europa vorbanden waren zirka 900 000 Mk., d. i. gut •19״,״ des Kapitals. Pro Ende 1910 betrug das Kapital (inklusive das der Siedhmgsgenosscnschaft) zirka 2 450 000 Mk. Davon war in Palästina allgelegt für zirka J 500 000 Mk., d. i. zirka 61",״ des Kapitals, wahrend an Barmitteln und leicht realisierbaren Effekten in Europa wieder vorhanden war zirka 900 001) Mk., d. i. zirka 37״« des Kapitals. Dabei ist allerdings in Betracht zu zielten, daß wir in diesem Jahre die dem א.•!*', geschenkten, bekannten Immobilien mit 207 000 Mark in die Bilanz, aufgenoimncii haben. Auch wenn wir diese ganz außer Betracht lassen und das Kapital ent• sprechend reduzieren, so stellen sich die obigen Prozentsätze noch immer auf 58״> für die Palästina• anlagen gegen 40״,« für die Barmittel und Effekten. Dr. Marinorek richtet an Herrn Dr. Boden• heim er die Frage, ob man in bezug auf die In• vcsticrung des Kapitals in Palästina bis an die statutenmäßig vorgesebriebene Grenze von 75״,״ zu gehen gesonnen sei. Dr. Bodenheim er: Selbstverständlich werden wir, wenn sich eine nützliche Vcrwendungsmüglicli* keit in Palästina nicht ergeben sollte, nicht bis zur äußersten Grenze gehen. Wenn siel» aber hierfür die Notwendigkeit Herausstellen sollte, erkläre ich, daß ich nicht einsehe, welche Bedenken dagegen sprechen würden. Mitteilung des Zcntralbureaus der Zionlstlschen Vereinigung für Deutschland Ende dieses Monats erscheint eine Broschüre: ״Die Krisis der jüdischen Jugend Deutschlands“ von Haus Goslar, Berlin. I >ic Broschüre behandelt insbesondere eingehend die letzicn, unseren Freunden zur Genüge bekannte״ Kämpfe innerhalb der jüdischen Jugend und dürfte es sich 10• wohl als Werbeschrift unter der akademischen und kaufmännischen Jugend, wie auch zur Information über gewisse Strömungen der jüdischen Jugend unserer Zeit eignen. *־־ Vorbestellungen nehmen wir schon heute entgegen, und wir erwarten, daß unsere Ge• slmuingsgcnosscn schon heute überall, auch in.nicht• zionistischen Kreisen, zum alsbaldigen Bezug auf• fordern. — Der Preis der Broschüre ist auf dreißig Pfennige im Sammelbezug durch die Ortsgruppen fest• gesetzt. -- Die gleiche Vergünstigung erhalten Vor• bestcller. Der Preis für das Einzelexemplar nach erscheinen soll fünfzig Pfennig 'betragen. JUEDISCHE RUNDSCHAU VOM V£ft£ir! “6SRA” Bericht über die Generalversammlung vom 23. Aprii®10l I Im Sitzungssaal der Jüdischen Gemeinde. Roscnstr. 2/4 Der Vorsifzemle eröffnet die Vcrp.iiiimliuig mit einem warmen Nachruf für die verstorbenen Mit• glieder. Er gedachte in erster ,Reihe des sei. Dr. I tirseli 11 i I d e s 11 e hu e r, dessen große Verdienste um das Judentum im allgemeinen und den Verein ״l־Nra“ im besonderen er eingehend würdigte. Ferner erwähnte er des verstorbenen Herrn Eduard Cohen in Frank•, (nrt a. M., der dem Verein ״Esra“ '200(1 Mk. hinter• lassen hat. Die Versammlung erhebt sieh zu Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen. Herrn Dr. Paul S e I» o 111 ä 11 d c r u׳ird für eine Zuwendung von 3000 Mk. der Dank des Vereins ausgesprochen. Hierauf berichtet der Vorsitzende über die Tätig• keit ries Vereins im verflossenen Jahre. Unter Hinweis auf den gedruckt vorliegenden kurzen Bericht teilt er mit, daß das CeiitraUCoinite zur \ n s i e d e l u 11 g von 12 Arbeitern in Ka fr- Sa ha der Angln• Palastine Comp. 22 000 Frcs. überwiesen hat. Die noch vorhandenen Schwierigkeiten, die Baiierlaubnis betreffend, dürften hinnen kurzem behoben sein. Ferner gedenkt der Verein ״Esra“ die Kolonie Che• derah mit 20 jüdischen Arbeitern zu verseilen. Auch sollen die GesmullieÜsverliällnisse in dieser grollen Kolonie durch den Hau eines Arzlliatises und An• legitng einer Wasserleitung weiter verbessert werden. Das ganze Unternehmen dürfte eine Ausgabe von (10 000 Frcs. beanspruchen. Der Vorsitzende richtet daher einen warmen Appell an die Anwesenden, das Ihrige zur Stärkung des Vereins ״Esra“ und Ver• mehrtuig seiner Mitglieder beizutragen. Im Anschluß daran erstattet banitütsrat Dr. D. Ca s pari, welcher eben in Palästina geweilt und die Kolonie Cliederel! eingehend besichtigt hat, einen kurzen Bericht über die Verhältnisse dieser Kolonie. Chedcrch ist ein herrlicher jüdischer Besitz, über 14 000 Morgen groß und so schön, daß jeder Europäer daselbst mit Vergnügen wohnen würde. Der Boden ist überaus fruchtbar und könnten bei rationeller Bewirtschaftung viele hunderte jüdischer Familien auf demselben in Frieden und Ruhe ihre Existenz finden. Herr S. Laqueur, Breslau, hemiiiigelte die zu späte Versendung des Jahresberichts an die einzelnen Lokalkomitees. Der Bericht müßte 4 Wochen vor der Generalversammlung in den Händen der Mit• glieder sein. Er erklärt siel) jedoch für befriedigt, als er vom Vorstnndstisch darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der Termin für die diesjährige General• Versammlung erst am 27. März festgesetzt wurde. Herr J. IT. Wagner erstattet als Revisor den Bericht über den Kassenbestand des Vereins und beauftragt, dem Schatzmeister, Herrn Konsul Julius Friedcuianii, die Dccliarge zu erteilen und den Dank des Vereins auszusprcchcn. Die Dccliarge wird per Akklamation erteilt. In den darauf staUfindeudcn Wahlen des Central• Comites wird Herr Konsul Julius F r i c d c m a n n als Schatzmeister per Akklamation wiedergewählt. Er erklärte, eine Wiederwahl unter der Bedingung an zu• nehmen, daß es ihm freigcstclit wird, die Effekten des Vereins ״Esra" bei einer Bank in Berlin auf seinen Namen und den Namen des Herrn M. Dorn zu depo• liieren. Die Generalversammlung erklärt sich hiermit einverstanden. Die atisselieiilendeit Mitglieder des CeiitrabComitcs die Herren: Dr.!>. Caspari, Hcrthotd Israel, Willibald Löwenthai, Professor Dr. Mittwoch, Professor Dr, Warburg, sowie die beiden Revisoren, Herr M. Apolant und I. H. Wagner werden per Akklamation wieder• gewählt. Anstelle des sei. Dr. Hirsch Hildesheimer wird Herr Dr. Eduard Biberfeld auf ein Jahr in das CcntrahComite gewählt. aus Den Ge/AeiNDCN Bruchsal. Der hiesige Jüdische MiiUlirunter• stülzungsvcrcin feierte sein UH) jähriges Jubiläum. Es ist der älteste Militärunterstützungsvercin Deutschlands. Freiburg I. B. Am Donnerstag, den 4. Mai, ist Herr Moritz Kurz, einer unserer treuesten und eifrigsten lio'.iuiuugsgenossen, infolge eines Schlag• anfallcs im Alter von 32 Jahren gestorben. Der Verstorbene gehörte längere Jahre dem Vorstand der hiesigen Ortsgruppe an und war von ganzem Herzen mit unermüdlichem Eifer unserer Bewegung zugetan. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. D. Frankfurt a. M. Die ״Frankfurter Zeitung" hat in Ihren Betrachtungen zu ucii Reden, die am 7, April über die in unserer Stadt zu begründende Universität im preußischen Herrenhaus gehalten worden sind, mit allem Rechte betont, daß fit den Kreisen, die sich für diesen Plan interessieren, die Hoffnung gehegt wird, man werde bei der Besetzung von Lehrstühlen an dieser Hochschule gewisse Einseitigkeiten poli• tisclicr und konfessioneller Art vermeiden. Wie not• wendig dahin zielende Kanteten sind, beweist unter anderem auch ein Artikel in der eben herausgege• henen Nummer der Zeitschrift ״Im IXuitschcii Reich“, dem Organ des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Port beklagt ein gewisser ״Justus“ die bedauerlichen Zustände im Verein akademlscl» gebildeter Lehrer, die er darin findet, daß Nr. 19 die Oberlehrer an den beiden höheren Schulen jtul, Patronats dem Pliilantbropin und der Realschule ihr Israelitischen Religionsgemeinschaft bis auf de« heutigen Tag Von der ordentlichen Milghedschali ausgeschlossen sind. Bei seiner Begründung vor etwa dreißig Jahren gewahrte der Verein eine solehe nur den au den städtischen Schule n angeslellten akademisch gibildetcn Lehrern, wahrend die seminaristisch gc. bildeten, sowie alle anderen Lehrer mit akademische! Bildung nur außerordentliche Mitglieder werden konnten. Nach und nach verlieh mau auch anderen Akademikern die volle Mitgliedschaft, 1881 den Ober■ lehren! an der Boekenheim.r Uealseliule, ISSö denen am staatlichen Kaiser Friedrichs•( iyinu.isiiiiu. Ins endlieh 1900 der entscheidende Paragraph in den Satzungen des Vereins die Fassung crlnclt: ״Ordern• liciies Mitglied kamt jeder in Frankfurt a. M. m staatlichem oder städtischem Schuldienst wirken!:(• akademisch gebildete Lehrer werden.'• Hiermit 11!ן der Verein seinen ursprünglichen Namen ״Verein der akademisch gebildeten Lehrer", den er ja /״ keiner Zeit tragen durfte, weil er eben die ()!>,,. Ichrer der jüdischen Realschulen nicht als voll:׳ •. rcchtigt anerkannte, endgültig abgelegt und verzieh״t lieber auf den bestimmten Artikel in seinem Namen, als daß er auch Juden allgemein zuließe. Nun wml seitens des Vereins allerdings darauf verwiesen, daß ja doch die jüdischen Oberlehrer der städtische« Schulen ordentliche, die übrigen außerordentliche Mit. glieder werden körnten. Aller mit welchem Recht will man die Oberlehrer der jüdischen Anstalten zu solchen niederen Ranges stempeln? Es ist datier wohl begreiflich, daß diese Oberlehrer mit Ausnahme \«*11 zweien christlicher Konfession auf die Zugehörig, keit zu diesem Verein, der seine Abneigung gegen Juden für jeden Kundigen deutlich genug an den 'lag legt, verzichten. Und was den Hinweis auf die paar städtischen Oberlehrer jüdischen Glaubens betrifft es kommt nicht einmal ein halbes Dutzend in Be. (rächt so ist er durchaus gegenstandslos. Uehri• gens wissen wir von einem solchen an einem stiidli. scheu Gymnasium, daß er die Aufforderung zum Ein. tritt in den Verein abgelelmt hat, solange seinen Glaubensgenossen an den nicht städtischen Schulen die Aufnahme als ordentliche Mitglieder nicht trei• S' auch ein jetziger Ministerialdirektor sich rediicii bemüht, allein bis jetzt vergeblich. Magdeburg. Die hiesige jüdische Gemeinde konnte am I. Mai den lag festlich begehen, an dem vor nunmehr 25 Jahren f lerr Lehrer Stein• har dt nach Magdeburg berufen wurde, um hier als Jugemlbildncr mit nie ermüdendem Eifer an ein und derselben Stätte zu wirken. Die allseitige Belicht• heit des Jubilars kam bei den Veranstaltungen zu seinem Jubiläum so recht zum Ausdruck. EingelcÜel wurde die Feier am Sonnabend durch eine eindrueks• volle Rede des Herrn Rabbiner Dr. Wilde, der von der Kanzel herab auf die segensreiche Lehrtätigkeit des Jubilars liimvics. Am Sonntag versammelten sich in den Räumen der Religionssehule die Schüler, Leltnr und Freunde des Gefeierten, die zum Teil weitl׳n hcrbeigceilt waren, um Zeugnis abzulegcn, wir :.ehr der Schulmann und Schriftleiter der jüdischen L״'. ׳er• Zeitung geschätzt wird. Zu Montag abend hatten der Jugciulvcrcin und der Sviiagogenchor che Ge• niciiuleinitglicder nach dem ״I lol1e11/oIIer11"־S.1.1l ge• laden. Auch liier wurde der Jubilar von verschiedenen Rednern gefeiert, wofür er in einer längeren Rede dankte. Straßburg. Auf Veranlassung des Herrn 1)1. Dreyfus ist in einem der größten Säle unserer Stadt eine Ausstellung des ״Bezalel“ eröffnet wor• den. Die Ausstellung erfreut sich eines überaus regen Besuchs; auch christliche Kreise bringen ihr Uhliaftcs Interesse entgegen. Bisher sind der Aus stcllungslcitung bereits Bestellungen im Werte von 3001) Mark auf verschiedene Erzeugnisse des ״Be• zalei“ aufgegeben worden. Schwctz. Der Rabbiner unserer jüdischen G<• mcinde, Dr. Nordlicinicr, ist am 2. Mai gestorb« 1. Längere Zeit war Herr Dr. N. als P.idagoge in Oratz tätig. Von dort aus wählte ihn die Gemeinde Oirsch.1t: und im Jahre 188(1 die Gemeinde Schwctz zu ihrem Rabbiner. Dr. Nordlieimer ist einer der bekanntesten Sprachforscher und Geschichtsschreiber der jüdischen Geschichte. AUS HAWBURG־ALTOMP ״Die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Hamburg" ist eine Broschüre betitelt, in welcher Rechtsanwalt Dr. Bruno Tannenwald die Be• Stimmungen des öffentlichen und des privaten Recht' darstellt, welche die in I Limburg ansässigen Juden betreffen. Nach einer ausführlichen Darstellung der Entwicklungsgeschichte der dc11tsch-isr.1־clilisclu,11 und der porUigicttisch'jüdisclicn Gemeinde legt Dr. Brunn Tannenwald die jetzige Verfassung dieser Gc• nicindcn klar und gibt dann eine erschöpfende Zu• sammcnstellung aller auf die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Hamburg bezüglichen liamburgischen Gesetze. Die wichtigsten derselben, wie z. B. ״das Gesetz betreffend die Verhältnisse der hiesigen ls• raclitischcn Gemeinden“ vom I. Februar 1805, das ״Gesetz betreffend die Aufhebung des mosaischen Rechts für Metri1noni.il•, Testaments• und Erbschafts• Sachen der hiesigen Israeliten“, Die Verordnung vom 0 |; 1 2 ן j׳: bi .ח II ־8 u d d' d ו II 5 l* t J 1 v; V 1 1’ V i (, I V 1 I ■% t t h 1