Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 19 Seite 213 und ungefähr ebensoweit von den Kolonien Janma! und Kinereth. | Seit einigen Jahren bestellt hier ein blühender Konsumverein, der /um Muster für andere Kolonien geworden ist. l;r zählt 21 Mitglieder mit Anteilen voll je 20 Ircs. und hat in seinen Statuten die llestimmuiig, die Dividenden der ersten Jahre bis zur Ansammlung eines Reservefonds von 8(1011 I res. nielit zu verteilen. So ist der Reservefonds im Laufe der ersten vier Jahre auf •1000 Ircs. angewachsen. Das gesamte Betriebskapital des Konsiimsvereiiis betragt .sutlü I re«. Trotz der nicht ganz geringen Spesen (der Geschäftsführer allein bezieht ein monatliches tiehalt von 100 I res.) erzielt der Verein doch einen ganz ansehnlichen Gewinn lind bedient seine Mit-;;!jeder in bester Weise. Den I lauptpmfil hat der Verein allerdings durch Verkäufe au Nichtmitglieder, hauptsächlich Fellachen, aus den benachbarten Dörfern. Lin von der Kolonie vor zwei Jahren unter• nuiumeiier Versuch mit der Anpflanzung von Baum• ».olle wird trotz der verliältuismaltig günstigen Re• nltate der ersten Lrnte nunmehr nicht fortgeset/1. Die Kolonie hatte nämlich mit dem Landwirten Apfel• l'iiun aus Petacli Tikwnh ein ..neu getroffen, wonach die Kolonie einige hundert Dimam ihres vom •Vatli l edschas bewässerten Landes bergab und sich .mlScrdcm verpflichtete, die von «len Kolonisten aus- /ufuhreuden Arbeiten, insbesondere Gespauuarbeiteii, zur Hälfte des übrigen Marktpreises zu berechnen, wohingegen Herr Apfelbaum die Bärauslagen vorzu• »trecken hatte. Nach Deckung der gesamten Aus• gaben von J2000 Pres, hat sich im ersten Jahre nach «kr Lrnte ein Reingewinn von 12 000 Pres, ergeben, so dal) der Gewinnanteil der Kolonie 6000 l'rcs. be• trug. Dennoch war dieses Resultat für die Kolonie nicht besonders günstig, da, wie bei Battmwollpflan• Zungen überhaupt, der Boden im ersten Jahre aullcr• ordentlich ausgebeutet und geschwächt wurde. Ander• «lein haben sich Unzutrüglichkcitcu daraus ergeben, «lall der eigentliche Leiter des Unternehmens, Herr Apfelbaum, zu weit von Melhamic seinen Wohnsitz halte, und so wurde nach einem zweiten, nicht be• sondert geglückten Versuche die Anpflanzung auf• gegeben. Jcmma. Diese größte Kolonie Untergaliläas wurde in dem letzten Jahre durch Zubau von ca. 20 Häusern wesent• lieh vergrößert. Leider besitzt die Kolonie noch bis jrl/t kein stabiles Kolonistcnclcmcut. Ziemlich viele /’achter und alte Kolonisten haben sie in den letzten Jahren verlassen, und einige stehen auch jetzt noch zur Auswanderung bereit. Insbesondere wird dies von einigen bulgarischen Painilien behauptet, welche von dem Besitze des Barons Rothschild in dem I lauraii nach Jcmma versetzt wurden. In den letzten Jahren sind einige junge Leute von der lea hier angcsicdclt worden, die als tüchtige Arbeiter bekannt waren und die auch Kapital besitzen, uin etwaige kritische Zeiten zu überstellen. Auch in der Verwaltung der Kolonie wurde diesen jungen Kräften ein großer Linfluß ein• geräumt. Vor einigen Tagen hat sich hier wieder «•in Un• glücksfall ereignet. Ein Kolonist, namens Mciscl, weidete frühmorgens seine Ochsen in der Nähe der Kolonie und wurde von einigen vorüberziehenden Arabern, die ihm die Ochsen entführen wollten, über• fallen und durch einen Pistolenschuß zur Erde ge• streckt. Es eilte bald Hilfe herbei. Die Mörder, die 'ich verfolgt fühlten, verzichteten auf ihre Beule, verbreitet, im Feuer entzündlich ist und unter Glühen ohne Flammen verkohlt. Man nennt ihn den sodo• mitischcn Stein, auch ״Mosesstein“. Im Orient wird er als etwas Geheimnisvolles betrachtet und von den ältesten Zeiten her zu verschiedenen religiösen und mvstcriöscn Gegenständen verarbeitet, zu Amuletten und Achnlichcm. Ein großer Teil der Amulette, die in den Katakomben zu Sacara gefunden waren, sind aus diesem Stein verfertigt. (Auszug aus einem Artikel A. Friedmanns in •Itr Zeitschrift. ״Palästina'1, ״Die chemische hrlor• sebung des Toten Meeres.“) Brief von der Palästinareise Ein eigenartiges Fest wurde am Sabbat, den 8. April, auf dem Schiffe Habsbilrg, welches mich von Triest nach Jaffa führen soll, gefeiert. Unter den jüdischen Passagieren befindet sich cm junges Ehepaar, Herr Joseph Persitz ans Moskau und H-iiie junge Oattin Schoscnana geborene Zlatopolska aus Kiew; das Ehepaar hatte am Montag, den 2. April, In Warschau seine Hochzeit gefeiert. Da beule aus frommem Hause stammen, so hätten sie gerne gesehen, wenn sic In der Hochzeitswoche die Nach• R'icr ״Schcwah Bcrochot“ hätte feiern können. Unser Freund, Kantor BI i 12 aus Dessau, der sielt ebenfalls auf dem Schiffe befindet, nahm die Sache ui die Hand und arrangierte das Fest aufs trefflichste. Er ließ eine Kabine hcrrichtcn, ganz dem Zweck«: ent• sprechend, sammelte alle auf dem Schiffe sich be• JUEDISCHE RUNDSCHAU sie selbst aber entkamen und sind bis ItcuU* noch nicht erwischt worden, /.um Glück weilte gerade in Ji'iimia ein vorhcirciscndcr Arzt, Herr Dr. Blöde aus Ocutschlund, dem allein der Kolonist Meisei seine Lebensrettuiig zu verdanken bat. Man vermutet, «laß «lie Mörder nicht aus der Nachbarschaft, sondern aus «ler weilen Lerne stummen. Ls ist allerdings erforderlich, «laß die Kolonie ganz energische Vor• Stellungen bei «ler l.okalregienmg erhebt, damit end• lieb «liese Ucberfüllc ein Ende nehmen. Wenige Lage später gab es eine ähnliche, wenn auch noch unaufgeklärte Angelegenheit. Die Arbeiter Nissnuow und Nathan aus dem drei Stunden eilt• feruten Pliule waren eines Tages mit einem Wagen in Jcmma, um hier einiges /u besorgen. Am späten Abend fuhren sie «Hielt Pliule zurück. Dicht hinter Jcimn.i trafen sie auf «ler Straße zwei Araber, und es scheint, ganz genau aufgeklärt ist «lie Sache •mell nicht, «laß die beiden Arbeiter ainialimeii, daß die Araber ihnen die Pferde stehlen wollten. Es kam in der Liiisteruis zu einem Kugelwechsel, bei dem ein Araber verwundet und «ler Arbeiter Nissanow getötet wurde. (Schluß folgt,) Persönliches Unser Freund mul geschätzter Mitarbeiter Richard Li eht heim hat sich in Konstantinopcl mit Frl. Irene Hefter verlobt. Dem jungen Paare unsere herzlichsten Glückwünsche! :: AUS ALLCR WFLT ״ DcufticJiland Eine neue Art von Antisemitismus gedeiht jetzt auf «len technischen Hochschulen, dessen Zweck nur darauf gerichtet ist, durch Erschwerung der Vorherei• hing •zur Prüfung für die Juden ihre offenbar gefürth•' tele Konkurrenz zu beseitigen. Zu diesem Zwecke bestehen für fast alle technischen Fächer sogenannte Kt.nisurvereine. Diese Vereine haben im Laufe der Zeit ein wohl als lückenlos zu bezeichnendes Ma• terial zusaminengestellt, das aus Baumeisterarbeiten, aiisgcarbeitcteu Klausurarbeiten und auch aus Aus• arbeinmgcii «ler im Examen gestellten mündlichen Tragen nebst Antworten besteig. Die christlichen Lacligeuosseii bedienen sieb fast ausnahmslos «ler IlilfMiiitlel dieser Vereine zur Vorbereitung für das Examen und erlangen so eine weit vorteilhaftere Stellung als ihre jüdischen Kollegen, die sie satzungs• gemäß von «ler Mitgliedschaft ansschließen. Den Be• liördcn i>t «las Bestehen der Klausurvereine natürlich sehr wohl bekannt, aber ein Vorgehen ist ihnen nicht möglich, da die Mitglieder nicht mehr Studenten sind. Da wir leider keine Möglichkeit haben, den jüdischen Kandidaten die Aufnahme in diese Vereine zu er* wirken, können wir ihnen nur den Rat gehen, sich auf «len Gebieten, in denen sic in größerer Anzahl vor• hamlen sind, sich zur gegenseitigen Förderung zu vereinigen mul den Mangel an derartigen Hilfsmitteln durch verdoppelte eifrige Arbeit zu ersetzen. Ztustiland lieber die Aussichten des Gesetzentwurfs wegen Abschaffung der jüdischen Wohnrechtsbcschrünkuugen äußerte sich der Dmnavorsitzcndc Ro«l• findenden Passagiere und lud sie zur Feier ein. Da «las Brautpaar eine Menge ritueller Speisen bei sich führte, so wurden die Gäste reichlich bewirtet. Die Feier, bei der Juden aus allen Ständen sich um das Brautpaar sammelten, machte einen erhebenden Ein• druck; cs wurden Reden gehalten. Herr Blitz verglich die Braut, die eine hochintelligente Dame aus wohlhabendem Hause ist, mit der Sulamith im ״Hoben Liede", die um diese Frühlingszeit ihre Liebeslieder erklingen ließ. Der Bräutigam antwortete im klassi• sehen Hebräisch; hebräische Lieder wurden gesun• gen. Die gute Stimmung dieser eigenartigen Feier wirkte noch während der ganzen Fahrt fort. Auf «len Namen des Brautpaares wurden fünf Bäume für «len Hcr/Iwalil gestiftet. Auf den Namen des Herrn Blitz stiftete das Brautpaar drei Bäume für den Her/I• Wahl. N• Eingegangene Bücher (Besprechung Vorbehalten.) ״ Emile Boutraux, RudolfEuckcnsK am p f 11 ח« einen neuen 1 d c a M s m u s. (Verlag Veit (V Cie., Leipzig.) , . .. Der Völker Llebosgartcn. (Verlag Julius Zeltler, Leipzig.) Schalom Ascli, Die Familie Qroßglück. (Verlag S. Fischer, Berlin.) Theobald Ziegler, Die geistigen und 80• zialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts. (Verlag QcorgBondi, Berlin.) Brosch. 4,50 Mk., geb. 5,50 Mk. siank«! folgendermaßen: ״Es ist schwer, darüber jetzt etwa> Bestimmtes zu sagen. Die Regierung ist im Prinzip nicht abgeneigt, «las jüdische A״sie«ll1mgs• gebiet zu erweitern, aber nur mit «ler Bedingung, daß «lie Duma die Initiativen hierzu ergreift. I.eitler können sieh jedoch «lie Diimafraklionen hierüber nicht ver• ständigen.“ Heber «lie Beziehungen «les Reichsrats zu dieser Frage äußerte sieh ein angesehenes Mitglied «les Reidisrats, Graf Olssupiew, der Reieltsr.it wolle ein für allemal «len Vorwurf entkräften: daß er alle humanitären Bestrebungen der 1 )11111:1 verhitulere, und hätte bestblossen, «lie Geset/esvorlage betreffs «les jüdischen Aiisieilltmgsrayons in «ler von «ler Duma angenommenen (lest.dt zu .!kz« ptkreü. Die allgemeine Ansicht, «laß der Rciclisr.it «liese Vorlage unter allen Umstanden nbSclineii werde, s, i nicht hegrimdet. In ähnlichem Sinne sprach sieh auch «las Reiihsratsmit• glic«l I eontowitseli aus. Nach diesen Aettßerungeit liegt also der Selm « rpimkl der Entscheidung ülrer «lie Vorlage in «ler Duma. Wie aber «liese sielt zum Gesetzentwurf verhall, wird am besten dadurch be• Icuchlct, «laß die I )umakoimuisMim, «lie in einem Mo• mit den llerield «lat über erstatten sollte, sieh bisher also im Laufe von über 2 Monaleit uoili über• liaupt nielit mit der Frage crnsilieh befaßt hat! Nicht nlmc Grund erklärte «ler frühere I )umavorsil/cntle, «ler Gesetzentwurf habe nielit «lie mindeste Aussicht auf Annahme, da er sicherlich schon in der Duma selbst zu Fall kmiimeii werde. Spanien Dieser Tage wimle in der Synagoge zu Sevilla die Konfirmation des jungen Israeliten Salomoii S a b a I nach jüdischem Ritus gefeiert. Alle d«»rtigen und eine Anzahl eigens zugereister Israeliten nahmen an «lern Akte teil, bei dein «ler Knabe, in den rituellen Mantel gehüllt, vor dem Rabbiner Salomo» Cocn einen Abschnitt 'aus dem Pentateuch sowie einen Loh• gesang auf seine Religion und das spanische Vater• land rezitierte. Unter den zahlreichen Mitgliedern der Scvillancr Gesellschaft, die der Leier beiwohnten, iK-famIcn sich auch der Hürgcrmeist.r, mehrere Stadt• räte und der ehemalige Minister Barbolla. Demnach erweist sielt die Meinung, daß der jüdische Kultus von dem Tolcranzdckrct v«un IU. Juni •PRO nicht betroffen werde, als irrig. PALACSTINA-RUNDSCHAU Die uiohainiiieilaiiisehe Bevölkerung Jerusalems ist in großer Aufregung. Ihre Felsenmosehee auf «lern Tempelplat/e, das zweitgrößte islamische Heiligtum, ist von Christen frevelhafter Weise ״ent• weiht“ worden. Ls ist dies in der Nacht vom 10. auf den 17. April geschehen, während «ler Abwesenheit der eifrigsten Mohammedaner, die sieh beim Pilger• heiligtmn Nedi Mtisa befanden. Als Hauptschuld werden die Lnglämler betrachtet, die seit mehr als einem Jahre hier geheimnisvolle Ausgrabungen bei dem Siloateiclic Vornahmen, und die gestern plötzlich nach Jaffa ahreisten und sich dort auf ihrer stets zur Airfahrt hcrcitstchcndcn Jacht davon machten. Wie «liese eingedrungen sind und was sie gerauht haben, wird verschieden berichtet, und noch näher untersucht. Der Tempclplat/. ist militärisch besetzt; «ler I lauptteiupelvorsteher (Scheich) und viele andere Angestellte siml verhaftet. Nach der einen Version Heitere Ecke Die Zahl jener Berliner Professoren, die ihre Tätigkeit der Zirkusarena anztipasscn stielten, wächst. Herr Gehemmt Geiger, dessen liebenswürdigen Humor wir längst zu schätzen wissen, hat sich neuer- «lings eine recht amüsante Taktik in seinem ״heiligen' Krieg“ gegen den Zionismus zurecht gemacht. Er verbündet sich einfach mit den Antisemiten. (Wir meinen das in! Ernst, nicht mir scherzhaft, wie es der Herr Gcheimrat von uns behauptet.) ״Wie kom• promittierend!“ wird mancher denken. ״O nein!“ Man muß cs nur geschickt anstellen. Wir bitten also «las P. I’. Publikum, dem folgenden reizenden gedank• liehen Snlttnimrlale seine geneigte Aufmerksamkeit zu schenken: In »kr ״Staatsbürger Zeitung“ scherzt man bisweilen so: ״Eigentlich sind die Zionisten unsere besten Bundesgenossen“ oder ״Und weiter hört auf eure Zionisten“ u. ähnl. Das ist der allgemeinen grünen Schere nicht entgangen. Nun Achtung! Aufgepaßt! Holla hopp! An den Schluß: ״Solcher Bundesgenossen mögen sich die Zionisten freuen; die ,,Staatsbürger-Zeitung" gibt ihnen recht" und — der ilerr Geheitnrat steht wieiler auf den Beinen und verbeugt sich unter dein Beifall seines anspruchslosen Publikums. Auf dem Heimweg fallt sich aber manch einer an die Stirn und fragt: ״Wer sucht nun eigent• lieh die Antisemiten als Bundesgenossen?" Nur der Zionist als krasser Genußmensch, dem höhere, etwa deutschnationalc Interessen bekanntlich fernliegen, ruft; ״Dacapol“ Es war zu drollig.