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Jüdische Rundschau · 1911-04-28 · Heft 16-17 (28.4.1911) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 16-17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 190 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 16/17 mehrere jüdische Studenten i» Kasan während des Examens ausgewiesen worden. Es halt auch nicht, diilt der Ministergehilfc Krysehanow die telegraphische Anweisung: die Ausweisung zu annullieren. Der Kasancr Polizeipräsident erklärte, seihst ein Itefehl Stolvpins würde an der Sache.nichts ändern, da er, der Polizeipräsident, seine ״Instruktionen״ von anderen Stellen erhalte. . . . Wer regiert denn eigentlich im , ,,konstitutionellen‘• Zarenreich? Von sämtlichen Parteien haben die Dktohristeu;1111 meisten bisher nach Möglichkeit vermieden, in Punkto ״Judenirage" offen Farbe zu bekennen. Ihr politisches Programm spricht sich /.war für die Gleich• Stellung der Juden am, iu ihren Handlungen haben es jedoch diese ״russischen Natlonallibcralen" mit «roher Geschicklichkeit verstanden, der ״peinlichen Frage aus dem Wege zu «eben. Nun aber scheinen sie die Zeit für gekommen zu halten, sich offen auf die Seite des Antisemitismus zu stellen! Sie haben jetzt eine neue (icset/esvorlage über die sta.it• liehen und privaten Schulen ausgearbeitet und darin sämtliche bisher bestehenden Beschränkungen für die Juden beihehalten! Bei ihrer bewahrten Gewandtheit wird es den Oktobristen wohl nicht schwer fallen, den Widerspruch zwischen diesem echt-russischen Akt und ihrem ״Programm“ zu erklären. üa Ui ivn Aus Lemberg wird unterm 28. April telegraphiert: ln K a z o w au der Ostgren/c Galiziens fanden Exzesse gegen die jildische Bevölkerung statt, die einen ziemlich ernsten Charakter haben. In den kleinen Ortschaften an der Grenze wohnen 1500 Kuthcncn, 100 Polen und <17 Juden. Die jüdischen Häuser wurden von r u t h e n i 8 c h e n B a ti cm über• fallen und die B e w 01111 c r m i II h a 11 d eit. V i e r Personen sind schwer verwundet. Die Gendarincricmaimschaft war nicht imstande, die Hube und Ordnung wieder herzustellen; cs!nullte daher aus Rawa-Rttska eine Kompagnie Infanterie requiriert werden. Heute früh wurde eine grolle Anzahl von R n 111 e 11 e 11 v c r It a ft e t. Die Angaben über den Aulall zu den Ausschreitungen sind widersprechend. Mit der Wahlagitation scheinen die Exzesse nicht im Zusammenhang zu stehen. Rumänien Unser verehrter Rabbiner Dr. J. Nicmlrower wurde zum Rabbiner der altehrvvürdigeii, vornehmen, bestorgauisierten Gemeinde des spanisch e u Ritus zu Bukarest ernannt. Die Jassyer Juden• heit, in deren Milte Dr. Niemirower seit M Jahren so vielseitig und segensreich gewirkt, sieht ihren geliebten Führer ungern scheiden, findet jedoch im Gedanken, dall er in der Hauptstadt des Landes Gelegenheit haben wird, den rumänischen Juden zu dienen, ein beruhigendes Moment. l)r. Niemirower wird hier an den Pcssachtagen Abschiedsreden halten. Die hiesigen Vereine werden ihrem Meister zu Ehren ein Fest veranstalten, tun ihm vor seiner Abreise ihre Treue und Verehrung auszudrücken. J. Amerika 1111 neuen amerikanischen Kongreil, iu dem he• kanntlich die Demokraten die Mehrheit haben, bat dec demokratische Abgeordnete Sul/.er den Antrag gestellt, die Regierung zu ersuchen, dall sie den Handelsvertrag mit Rnliland wegen der Nlcbtzulassung amerikanischer Juden in Rußland uufiüsc. Der Vorschlag wurde gelegentlich der Beratung über den amerikanisch-kanadischen Gegenseitigkeitsantrag eingebracht, zu welchem Zwecke der Kongreß zu einer außerordentlichen Session zusammenberufeu worden Ist. Ein ähnlicher Antrag war auch im vorigen Kongreß von republikanischer Seite eingebracht worden — der aber nicht mehr zur Beratung gelangte. Dem neuen Antrag wird jedenfalls ein solches Schick• sal nicht bcschicdcn sein, und es ist auch Aussicht vorhanden, daß er AunaUme Vnulen werde. werter Weise eingegriffen hat, um dem dringendsten Bedürfnis ab/uhclfcn und sieb dadurch Anspruch auf!len Dank von vielen Himderteu in ihrer Existenz bc• drohten Personal erworben bat. Soweit ich die Lage übersehe, wird aber noch mehr getan werden müssen, damit wieder geordnete Zustände herbeigeführl wer• den. leb habe daher aus Gründen der Humanität und weil die Palästina-Verwaltung, welche ihren Sitz iu Deutschland bat, mir geeignet und willig erscheint« weitere Hilfe zu leisten, Ihren Vertreter bei dem hiesigen Gouverneur eingeführt, damit auch dieser sieh für die Hilfsaktion interessiere; es handelt sich nach meiner Ansicht darum, Maßregeln zu ergreifen zur Linderung der augenblicklich dringenden Not, von welcher ca. 7(10 Greise betroffen sind, sowie eine Anzahl von Familien, die bisher in hiesigen Tuhmidschulcn ihren Lebensunterhalt hatten, und ich hoffe, daß der Hilferuf, den die Deutsche Palästina• Verwaltung hat ergehen lassen, überall entsprechen• den Widerhall finden wird. Der Kaiserliche Generalkonsul, (gez.) Schmidt. Die vom Infonuntiousburcau für Wien arrangierte zweite Palüstina-Reisc wird am •t. Mai d. J. ge-!!!einsam in Triest angetreten. Aul dem Schiffe wird koschere Kost verabreicht werden. Die Schiffspreisc von Triest nach Jaffa und retour mit dem Eildampfer betragen für I. Klasse Fr«. 59.1,10, II. Kl. Frs. <101,10, Hi. Kl. Frs. Km, IV. Kl., Verdeck ohne Verpflegung, Frs. 110. Die definitive Reservierung der Schiffs• plät/.e erfolgt erst nach Einsendung des ganzen Passagebetrages für die Tour und Rctourfahrt. Der letzle Zeitpunkt für die Anmeldung ist der 22. April d. J, Ausführliche - Prospekte versendet das ln• f o r tu a t i o 1! s h itrcati für Palästina und d i e T ü r k e i Wien, IX., Türkenstraße 9. zionistische Bewegung Die Sitzung des großen Aktions-Komitees der Zionistischen Bewegung findet am Donnerstag und den folgenden Tagen dieser Woche in Köln statt, lieber das Ergebnis der Beratungen sowie über die vorangehenden Sitzungen des Direktoriums des J. N. F. sowie der anderen Institute werden wir iu der nächsten Nummer berichten. stellend. Die Gründung einer lebensfähigen Ort«, gruppe ist möglich. Am 9. Mai soll ein zweiter sorgfältig vorbereiteter Vortrag stattfimleu. K. Bl. Aachen. Am 30. März sprach I lerr Kur» B 111 m c ״. f e I d in dem überfüllten Oartensaale des Aachener Kurhauses über ״Die Leistungen des Zio. nismus“. Das Publikum folgte seiner Rede um der größten Spannung und spendete ihm sowohl nach dem Vortrage wie auch nach seinen Diskussion,, reden reichlich Beifall. Auch nahm ein großer Teil der Zuhörer bei verschiedenen Stünmgsvcrsuchcn sehr entschieden für den Redner Partei. Wir Aachener Zionisten haben die Ueher/euguiig gewonnen, dal! die zionistische Werbearbeit in unserer Stadt, wenn auch sehr schwierig, so doch nicht ganz aussiclit:• los ist, und sind entschlossen, sie energisch fott. zusctz.cn. Dortmund. Atu I. April sprach in einer reich besuchten Versammlung der hiesigen nistischcn Vereinigung Herr Parteisekretär B1 u tu c ״fei d über ״D c u t s c 111 u m und J u d c 11• t u in". Der harmonische Verlauf der Veranstaltung bewies, daß die Gedankengäuge des Zionismus schon heute in den breiten Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung starkes Verständnis finden. Diese Fest• Stellung erscheint um so bedeutsamer, als ein gleiches Ansclnvellen der zionistischen Welle in» ganzen Westen Deutschlands gemeldet wird ״ insbesondere vom rheinisch-westfälischen Industriebezirk, der bis• her als zionistisches Oedland angesehen wurde. PALAESTINA-RUNDSCHAU Der Dcutsch-hnllllndischcn Pallistina-Verwaltung ist vom Kaiserlich deutschen Konsulate in Jerusalem nachfolgendes amtliches Schreiben zugegangen: Kaiserlich deutsches Konsulat. J.-N. 973. Jerusalem, den 7, April 1911. Durch Ihren hiesigen Vertreter, Herrn Rabbiner J. Horovicz, sowie auch durch andere Vertrauens• würdige Personen bin ich unterrichtet worden über n in welche ein Teil der hiesigen jüdischen »evölkerung durch den finanziellen Zusammenbruch mehrerer Anstalten, insbesondere der Grcisenasylc, geraten ist. Ebenso ist es mir bekannt geworden, «au die Palästina-Verwaltung in so anerkennens- Die jüd.-nat. akad.-tecli. Verbindung ״Barissia׳* hat aus Anlaß ihres 15 semestrigen Bestandes den Beschluß gefallt, der bewußten Judcnheit ein Geschenk zu überreiche», welches nicht nur einem all• gemein empfundenen Bedürfnisse entspricht, sondern gerade im gegenwärtigen Momente besonders an Wert gewinn». Im Sommer d. J. werden die Vertreter der iiationalhewußtcn Juden zum zelmtcnnial, in Basel, /usammcntrdeu, um an dieser historischen Stätte die Fortschritte festzustellen, die der zionistische Gedanke im Laufe von 14 Jahren gemacht, um über die Mittel und Wege zu beraten, welche zu dem ersehnten Ziele führen könnten. Durch Vergleiche lernen wir, und nur wenn wir den Anfang und die ersten Ursachen der Dinge kennen, sind wir imstande, wcitcrzubaucn und gedeihlich fortzuschaffen. Das Protokoll des ersten Zionistcukongresses vom Jahre 1897 ist vollständig vergriffen. Üic Anzahl der vorhandenen Exemplare genügt schon lange nicht mehr der Nachfrage, und doch ist die Kenntnis jener grundlegenden Referate, die damals von bcgeisterten Männern, den Veteranen unserer Bewegung, gehalten wurden, für jeden Zionisten unerläßlich. Deshalb glaubt die Verbindung, ihr Jubiläum nicht schöner und würdiger begehen zu können, als wenn sie jedem Zionisten Gelegenheit gibt, sich in den Besitz des Protokolls über die Verhandlungen am ersten Zionistatkongreß zu setzen und veranstaltet mit ausdrücklicher Bewilligung des Aktionskomitee« eine Neuauflage des Protokoll« des ersten Zionistcukongresses. Das Buch wird in vornehmer Ausstattung zum!,reise von 2 Kr. gleich 1,70 Mk. inkl. Versandporto abgegeben. Bestellungen und Anfragen wollen, da die Anzahl der Exemplare beschränkt ist, rechtzeitig an die Verbindung ״Bnrissia", Prag II., Nekaznnka 6, gerichtet und mit dem Vermerk ״Herausgabe des Protokolls des ersten Zionistcukongresses“ versehen werden. Vereinen und Vertrauensmännern werden bei Abnahme einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren die weitgehendsten Rabatte gewährt. 7,1111• Zio- Kurt Agitationsreisen des Parteisekretärs Bromberg. Am Dienstag, den 11. März, «prach hier Herr Blumenfcld. Der Erfolg der von etwa 100 Personen besuchten Versammlung, die einen ersten Versuch nach langen Jahren darstellt, war zufrieden- AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Hier weilt gegenwärtig Herr Dr. Mos• sin sühn vom Hebräischen Gymnasium in Jaffa, Er befindet sieh auf einer Agitatiousreisc und wird auch iu einigen Städten in Deutschland, wie Königs• berg, Breslau u. a. Vorträge über Palästine und die hebräische Kultur!!alten und speziell dir das liehrä• Ische Gymnasium und die ״Organisation für hebrä■ iselte Sprache und Kultur“ Propaganda machen. Von Deutschland begibt er sieh nach England, Belgien, Holland und späterhin nach Amerika. — Dr. Mos• sinsohu zählt zu den glänzendsten Rednern uml besten Kennern Palästinas, wo er namentlich auf dem (je• biete des nationaljvulisclie!» Erziehungswesens seil mehreren Jahren eine hervorragende l'äligkeit ent• falte» bat. Wir wünschen ihm den besten Erfolg aut seiner AgitationsUirnee. Stettin. Behufs Veranstaltung einer Palästina• Ausstellung war aus Mitgliedern des Israelitischen Frauenvereins, des Bczallcl, des Esra, der B’rte Brith-Loge, der Zionistischen Vereinigung und des Jüdischen Jug.ndbundcs bestellendes Komitee unter dem Präsidium des Herrn Rabbiner Dr. Vogel• stein zusammeugetreten. Die Ausstellung fand an! 1()., 17. und 18. April in den Räumen des Konzert• hauscs statt und wurde mit einer Ansprache des Herrn Dr. Vogc'.stcin eröffnet, der von dem alten Palästina, wo unsere Vorfahren als Ackerbauern und Handwerker gelebt, eine anschauliche Schilderung entwarf, die »,ruchtbarkcit des Landes bei sachgemäßer Bearbci• hing hervorhob und zum •Schlüsse der Hoffnung Aus• druck gab, daß sieh die Erwartungen derjenigen er füllen mögen, die die Sehnsucht nach dem Lund! unserer Väter treibt und die dort eine Heimat unu neue Erwerbsquellen stielten. I lerr Davis T r i e t s c I! scliil derte die Lebensweise unserer Stammgenossen ׳•״ n e 11 c n Palästina, dessen Entwicklungsmüglichkeitei. er seinen Zuhörern in eingehenden Ausführungen dar legte. Herr Referendar G r e i f e n 11 a g e tt, dessen Anregungen die Veranstaltung einer Pnlästina-Atb• Stellung zu danken ist, sprach im Namen des Be/alh', indem er die Bedeutung desselben für die Schuffun,; einer Industrie in Palästina uml für die Erwerb täligkeit der jüdischen Bevölkerung erläuterte. — V«n den ausgestellten Gegenständen sind die sehr schön.;׳ Filigranarbeiten liervorzuhehcn, die allgemeinen Bc:• fall fanden und flott gekauft wurden. Besonders reich hallig war die Ausstellung von handgearbeitet!!: Spitzen, die ,von Sachkennern als durchaus origüuü bezeichnet und sehr günstig beurteilt wurden. Auel; die Bilder und sonstigen E!Zeugnisse der graphischen Künste fanden durchweg Anerkennung, weniger he• friedigten die Holzarbeitern die entschieden zu ein förmig und zu wenig künstlerisch ausgeführt ׳sind. Dieser׳ Zweig des Kunstgewerbes bedart unbedingt noch bedeutender Vervollkommnung. Als gänzlich verfehlt muß die Veranstaltung hinsichtlich uer aus• gestellten Teppiche bezeichnet werden. Wer die Lei• stungen der palästinensischen Teppiehkniipferci noch nicht kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat und sie naturgemäß nach den hier ausgestellten dürftigen Frag* menten beurteilt, muß zu einer durchaus ungünstigen Vorstellung gelangen. Das ist um so bedauerlicher, als tatsächlich Hervorragendes geleistet wird, wie man aul der zurzeit des 9. Kongresses in Hamburg voran• staltctcn Ausstellung wahrnehmen konnte. An maß• gehender Stelle hätte man sich doch sagen müssen, uaß man zu dein Zwecke ausstellt, um für die betr. Industrie Propaganda zu machen, nicht aber zu dis• kreditieren, wie das liier geschehen ist. Als cm schwerer Fehler muß cs auch bezeichnet werden, daß von Landesprodukten absolut gar nichts ausgestellt war, während es doch besonder« wichtig erscheint, diese int Abendiandc vorzuführen und dadurch ihren Absatz zu fördern, Mao hätte Sieber auf eine Aus•

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