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Jüdische Rundschau · 1911-04-12 · Heft 15 (12.4.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 15 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Seite 175' Juden in Massenmeetings Ihrem Proteste j׳e/׳en diese HacIicpoJilik der Konservativen, welcher diJ liberale Regierung aufziisitzcn droht, Ausdruck verleihen (iiiißicn. Frankreich . Lyon, die zweitgrößte Stadt Frankreichs, scheint Paris mn seine jüngsten ״antisemitischen Siege“ zu beneiden, Wie nämlich , von dort berichtet wird, finden in letzter Zeit fast täglich große antisemitische Versammlungen statt, in welchen die Bevölkerung ״egen die Juden aufgehetzt und mifgefordert wird, dem Beispiele des Pariser Pöbels zu folgen. Bei einer solchen Veranstaltung kam cs zwischen den Versammlungsteilnehmern und den in großen Massen atifniarschiertcji progressiven Studenten zu einem heftigen Zusammenstöße, dem das Einschreiten eines starken Wacheaufgebotes ein Ende bereiten mußte. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde der jüdische Biii.mzminister im früheren französischen Kabinett, M. Klotz, zum Vizepräsidenten der Deputierten* Kammer gewählt. Schweis In Bern hat jüngst eine Konferenz jüdischer Studcntonvcrcinc stattgefunden, an der die Vereine ״Israel“ (Lausanne), ״Cheruth“ (Genf), ,.Akadcmi* scher Stmlentenvercin“ (Bern), ״Jüdischer Studenten• liluh“ und ״Makkabüa“ (Zürich) vertreten waren. Es wurde beschlossen, im Interesse des Rechtsschutzes, der kulturellen Hebung und der wirtschaftlichen Börde* rung der jüdischen Studentenschaft an den schwcizc* rischen Hochschulen einen Verband mit einem Zentralburcau ins Leben zu rufen. In das Zcntralburcau wurden gewählt die Herren cand. med. J. Schwarz (Vorsitzender), cand. Jur. J. Kaplan und cand. med. M. C h i d e k e I (Kassierer). Die neue Organisation wird in politischer Hinsicht ganz neutral sein. Qesfcrreicft Die Leitung der jüdischen Nationalp,־irtei hat hercils mehrere Sitzungen nbgchalten, denen in Vor* Irctung des jüdischen Klubs Reichsralsabgeordnetcr Adolf Stand beiwohnte und in dem die bevorstehenden Rdehsratswahlen besprochen wurden. Es wurde be• schlossen, sofort in den Wahlkampf zu treten und die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. In Wen il wird Dr. Isidor Schaiit, Zahnarzt, kandi• dieren. in Wien I kandidiert Dr. Mali!er. Im Oöilingcr Wahlbezirke wird Luzian Brunner als Kandidat aufgcstcllt werden. In Oalizien und in der Bukowina werden in den meisten Wahlbezirken jüdisch nationale Kandidaten aufgcstcllt werden, u. n.: Ad. Sand, Dr. Zipscr, Dr. Ringel, Dr. Straucher, l)r. Mahler. In Oalizien sind die Aussichten für die Jiidischnalionalen besonders günstig. Unf/arn Der jüdische Advokat Dr. Albert S z «5 k e I y in Sätoraljaujhely veröffentlichte dieser Tage in einem dortigen Blatt einen Artikel, in dem er die S/.tropkdcr und Bartfeider Grenzpolizei scharf angreift, weil sie in grausamer und unberechtigter Weise zu strenger Winterszeit eine Anzahl jüdischer Familien, die bereits seit 20, 30, ja sogar seit 40 Jahren in Szlropkö wohnen, ohne Rücksicht auf die von ihnen eingelegte Berufung misgewiesen hat. Die Regierung hat muunchr die S.iloraljaujhclyer Staatsanwaltschaft ermächtigt, gegen Dr. Szökely wegen öffentlicher Verläumdung das Ver• fahren cinzuleiten. Der Prozeß wird vor den Kaschaiicr Geschworenen verhandelt werden, und man bringt ihm schon aus dem Grunde großes Interesse entgegen, weil er so manchen Gewaltakt der Grenzpolizei gegen wehr• lose Juden zutage fördern dürfte. In einer kleinen ungarischen Oarnisonstadt dient bei einem Kavallerieregiment der Jude Leo Hacndler, der wegen des im Regiment herrschenden Antiscmi* üsimis viel zu leiden hatte; er gab schließlich seinen •’einigem nach und erklärte sich bereit, in der dortigen Kriechisch-orientalischcn Kirche zum Christentum bberzutreten. Die Juden der Gemeinde scharten sich vor der Kirche zusammen und demonstrierten gegen diese Art von Zwangstaufc. Die Demonstration nahm solche Dimensionen an, daß der Taufakt auf unbe• stimmte Zeit verschoben werden mußte. Uchcrdics sandten die jüdischen Bewohner der Stadt ein Tele- «ramm an den Kriegsministcr, in welchem sie die Offiziere des Regiments der Judenfeindlichkeit und der Prosciytcnmachcrci anklagcn. Ga Heien . Am 5. April hat in Wien eine Konferenz der provisorischcn galizischcn Landeskommission statlgcfun* den» weiche auf Initiative der J. C. A. zur Verbesscder kulturellen und materiellen Lage der galizischcn Juden gebildet wurde. Der Konferenz. Dg ein Projekt vor, wonach in Galizien ein yercin mjt dem Namen ״Selbsthilfe“, Landesverband für die ku!• welle und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bcvolkcrung In Oalizien, gegründet werden soll. Der JU EDI SC HE RUNDSCHAU Verein soll die Hausindustrie, fördern, Einkaufs• und Verkaiifsgeposseiischafteii für I landwerker und Krämer gründen. Ebenso sollen I landwerker• und Kaufmanns* genossenschaften geschaffen, sowie Vorschullkasseu für Kleinhändler gegründet oder, wenn sic schon he• stehen, 11nlcrsliii/t werden. Auch die Jugenderziehung soll durch Schaffung von Kindergärten und Erobcl• insfiluieii gefördert werden. Bür die allgemeine Volks¬ Bildung sollen Lesehallen mul Bibliotheken errichtet werden . Es steht zu erwarten, daß auch die Vertreter anderer jüdischer Körperschaften sielt dieser großzügigen Aktion anschiicßen werden. litt ho wind Am 10. April hat der zweite Wahlgang zur Be• Setzung lies Landtagsinamlats Czernowitz (Stadt) stattgefniulen. Es war ein äußerst heftiger Kampf, der resultatlos verlief. Dr. Weißelbcrg erhielt 5272, Skedel *DOS und Professor Dr. Leon Kellner 4372 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die absolute Mn• jorität erlangt hatte, ist eine Stichwahl erforderlich. Dieselbe wird am 20. April stattfinden. Ifa/ien ln Italien gellt man daran, die im Königreich zerstreuten Teile der Judcnhcit zu vereinigen. Ein kürzlich abgehaltener Kongreß in Mailand stellte sicli zur Aufgabe, die kleinen, nussterhenden Gemeinden vor dein gänzlichen Verfall zu bewahren, die schwachen Gemeinden an stcucrkriiftlge anzu* schließen, die gemeinnützigen Einrichtungen und Stiftungen ihrem Zwecke zu erhalten, die historisch interessanten Bestandteile des Inventars der alten Synagogen uiiü Ucmcindcnnstaltcn zu sammeln und vor Untergang zu retten, die Wohltiitigkeitsbcstre* Innigen der italienischen Judcnhcit wirksamer zu geslnlten und eine Vertretung zu bilden mit der Auf* gäbe, die allgemeinen Interessen der italienischen Judcnhcit bei der Zentrnlregicrung zu verteidigen. Nach herzlicher und gründlicher Aussprache unter den Delegierten wurde ein zwülfgliedriges Komitee mit dem Sitze in Rom gebildet und ihm der Auftrag erteilt, die zur Erreichung obengenannter Wünsche geeigneten Maßregeln zu ergreifen und spätestens am 15, März. 101'j einen neuen Kongreß zu berufen, dem ein endgültiges Statut für die Wirksamkeit des genannten Komitees vorzulcgen ist. Am 2$. Mai 1007 hat der Ingenieur Emilio Drevero dem italienischen Unterrichtsministerium testamentarisch die Stimme von 10 000 Lire vermacht mit der Bestimmung, diesen Betrag an den Sieger eines internationalen Preisausschreibens für eine Publi* kntion über ״Die Bekämpfung des Rassen- und Rcliginnshasscs, Insonderheit des Antisemitismus“ zur Auszahlung gelangen zu lassen. Dem italienischen Unterrichtsministerium ist jetzt durch königliche Ver* Ordnung die Genehmigung zur Annahme des Legats erteilt worden. Amerika Mitte April wird der bekannte Abessinien-Reisende Dr. I, 1' a i 11 o v i t c h in N e w Y 0 r k erwartet, der im Aufträge des italienischen Pro-Fnlascha*Koml• tces die Vereinigten Staaten bereisen soll, um im Kreise der hiesigen Juden für die Rettungsaktion zugunsten der Balaselias Propaganda zu machen und Spenden sowie Jahresbeiträge für die Schule in Etythräa zu gewinnen ,die das genannte Komitee zur religiösen Be• Ichrtmg und kulturellen Hebung der Balaselias ins Lehen gerufen hat. Nach dem Beispiele der orthodoxen Rabbiner Englands wollen sich nunmehr mich die gesetzes* treuen Rabbiner der nordamerikanischen Union organisieren. Anfang Juli d. I. werden sich zahlreiche Rabbiner der traditionellen Richtung in St. Paul (Minn.) versammeln, um über aktuelle Fragen des religiösen Lebens in Amerika zu verhandeln 1111a eine Rabbi Herorganisation ins Leben zu rufen. Arf/cHt-inien Große Verwüstungen hat ein Zyklon ntn 4. Fehruar in fast allen jüdischen Kolonien Argentiniens angcrichtet. Der Sturm zerstörte unzählige Häuser, die bei ihrem Einstürze das gesamte Vieh und allen Vorrat unter sich begruben. Leider sind auch Menschenleben zu beklagen. Der Schaden beläuft sicli auf eine Vicrtelmillion Pesetas. PALÄSTINA-RUNDSCHAU In Pcthach-Tik wah hat sich vor kurzem eine Genossenschaft jüdischer Maurer und Bauleute gebildet, die sicli die Aufgabe gestellt hat, dahin zu wirken, daß künftig bei Vergebung von Bauarbeiten seitens jüdischer Körperschaften und Einzelpersonen ausschließlich jüdische Arbeitskräfte beschäftigt werden sollen. Der neuen Arbeiterorganisation Ist der Bau der Arbeiterhäuser in Pethach-Tiksvah übertrugen worden. 0 Bekanntlich hat die jüdische Kolonisation Palä* stinas während ihres nunmehr 30jährigen Bestehens zahlreiche Opler an Menschenleben gefordert. Die Kolonisten hallen mit der wilden lind gewalttätigen arabischen Landbevölkerung iiiaiichen blutigen Kamp! aiisziifechteu, wobei viele wackere jüdische Pioniere ihr Lehen einbüßteii. Insbesondere die jüdischen Wächter der Kolonien sind vielfach den Nachstellim• gen des arabischen Raubgesindels atisgeselz.1, und viele von ihnen sind im Laufe der Jahre ihrem Berufe zum Opfer gefallen, — Zur I:ri1men1ng an diese Märtyrer des jüdischen Koloiiisaliouswerkcs in Palästina bereitet nun eine Gruppe hiesiger hebräischer Schriftsteller die Herausgabe eines GeileiiUhuchcs mit dem Namen ״Jiskor“ vor. Das Gedenkbuch wird Voraussichtlieh Ende Juni d. J. erscheinen und wird eine kurze LebensgescUidUc der getöteten Wächter sowie Erinne* riingcn au die üründungsgcschichtc der einzelnen jüdi• sehen Kolonien enthalten, Der vor kurzem verstorbene Militärarzt Dr. S a c h 8 in Kaluga hat dem hiesigen Komitee der Chowewe- Zion testamentarisch den Betrag von 5500 Rubel!unterlassen mit der Bestimmung, daß diese Summe für das Hebräische Gymnasium in Jaffa verwendet werden soll. Verbot der Nationalfonds• Sammlungen in Rußland Bereits seit längerer Zeit hat die russische Re• gierung die Tätigkeit unserer russischen Gesinmmgs• genossen mit Mißtrauen verfolgt; cs ist bekannt, daß russische Zionisten allein für ihre Teilnahme am Hamburger Kongreß bestraft, daß N'ationalfonds• Büchsen konfisziert wurden u. dgl. m. Der Aus• weis der Nalionalfonds-Spcmleii im ״Rasswjet“ er• folgte zuletzt nur noch anonym, weil die Spender durch die Veröffentlichung ihrer Namen sieh der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt hätten. Daß es trotzdem unseren russischen Freunden bis vor kurzem noch gelang, ihre Tätigkeit wcitvrzu* führen, ja nach wie vor mit der Summe ihres NationalfomlsHaiiiinltiugen an der Spitze aller Länder zu bleiben, ist eine unvergleichliche zionistische Leistung. Nun bringt die neueste Nummer der ״Welt" an der Spitze des Nationalfonds-Teil folgende vielsagende Notiz: ״Im Einverständnis mit Herrn Dr. E. W. Tschlcnow bitten wir, Geldsendungen für den Nationalfonds aus Rußland bis auf weiteres aus• schließlich an folgende Adresse zu richten: Dr. M. J. Budcuheimcr, Köln a. Rh., Karolingerring 31.“ Das heißt nicht weniger, als daß zurzeit in R u ß I a 11 d keine N a t i o n a I f o 11 d s s ,ווו ך ui I u 11 g e 11 s t a 11 f i n d e 11 k ö 11 n e n! Welche mora• lische und materielle Schädigung unserer Bewegung es bedeuten würde, wenn dieser Zustand dauernd bliche, ist kaum zu übersehen. Wir glauben jedoch Grund zu der Vermutung zu haben, daß dieser schwere Schlag gegen unsere Bewegung sich durch die ver• einte Tätigkeit unserer Leitung in Köln und führender russischer Zionisten wird atmenden lassen, wenn auch eine gewisse, mindestens zeitweise Schmälerung unserer Sammlungen wohl unvermeidlich sein wird. Wir haben gesehen, wie russische Zionisten unter Verhältnissen zu arbeiten verstanden, von denen wir uns kaum eine Vorstellung machen können. Wie leicht und einfach erscheinen uns daneben unsere Leistungen! Die neue Gefahr, die uns droht, darf uns deshalb ־nur ein Ansporn zu vermehrter Tätig, keit sein. Was unsere Organisation hier auf der einen Seite etwa verliert, soll ihr auf der anderen ersetzt werden. Wir sind überzeugt, daß die deutschen Zionisten durch vermehrten Eifer, durch gesteigerte Sammeltätigkeit das ihre tun werden. ♦ Im Anschluß an nmac vorstehende Publikation nehmen wir Gelegenheit, unseren Nationalfonds• ko m in iss ä rc n , an die wir uns bereits mit einem Rundschreiben gewandt haben, die Leerung sämtlicher NationaifondsbUchscn an den PeBacli-Mittclfeicrtagen nochmals dringend ans Merz zu legen. Gleichzeitig bitten wir die Ortsgruppenvorstände, uns hierbei tatkräftig unterstützen zu wollen. Die N at i 0 n a I f 0 n d s b ii c h s c, das b e s t c S ,ווו 111 ו c 1• mittel, muß uns jetzt ermöglichen, die Einkünfte unseres Volksschatzes mindestens auf der alten Höhe m halten I Wir bitten unsere Gesinnungsgenossen 'dringend, sich wegen nicht erfolgter Leerungen un• verziiglicli bei uns beschweren zu wollen. Selbstverständlich gewähren wir zur Durchfüh• rung der Leerungen gern jede technische Unter• Stützung, die in unseren Kräften stellt. Jüdischer Nationalfonds Zentrale fQr Deutschland

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