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Jüdische Rundschau · 1911-04-12 · Heft 15 (12.4.1911) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 15 (12.4.1911)
Date
1911-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 15 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 173 ״chitn!׳ i» tlc״ semitischen Stanten, und die Wände• riinßeii Ahrahams von Ur nach liaran und weiter ״;,eh Palästina werden uns als religiöse Sezession eines Bekämpfe« der Lehre des Martluk verstand• lieh. Das •dte Israel lebt nicht mehr in der Kind• lieitscpmhe der Menschheit, sondern in einem Lande, 11;1 s. der Oberhoheit großer Kultnrslaateu untersteht, lind wenn Jakob in Zeiten der Teuerung nach Aei’vpten zieht, so erbittet er nur Schutz und Hilfe |1ei seinem Souverän, dem die Pürsten Kanaans tribul•!,nichtig sind. In Aegypten sucht der Pharao Cime• unten (Amcrophis IV.) den Monotheismus einzuiühren, mul er ernennt einen Statthalter für das Deltagcbiel, mit dem Namen Jnuchaum, dessen Persönlichkeit auf• fallend an den biblischen Joseph erinnert. So bc• släti;;en sich die Angaben unserer ältesten Stammes• urkunden, die sich für den weniger strenggläubigen Teil unserer Volksgenossen bereits in schöne Sagen mul fromme Legenden zu verflüchtigen begannen! Das meiste von alledem und vielem andern, das zu erwähnen der Raum verbietet, entstammt den lirabuiigen eines Jahrzehnts. Welch unschätzbares Vt'isscn mag noch in den ״Teils", den Ruinenljügeln unseres Slammlandes, schlummern: direkte Kunde von Salomo, den Propheten, dem Verz.weiflungskampfe des Har Kochba! Seine alle Veste Hethar, dann Nablus; die Stätte Sichems, Theranach, die Bergabh.mge, auf denen das alte Jerusalem lag, und viel«־ andere Kulturstätten harren des Spatens. Aber noch auf einem amlern Gebiete, auf dem der Anthropologie, kann der Hoden Kanaans uns reiche Lehren gehen, und so mancherlei zur Lösung insbesondere des Problems der Entstehung der jiidisehen Rasse beitragen. Noch immer ist diese Frage nicht endgültig geklärt, und Hypothesen aller Art bestimmen die Meinungen. Diese scheinbar so theo• relisehc Angelegenheit hat für uns einen tiefernsten Hintergrund. Denn die Rassentheorien, die eine he• sondere jüdische Rasse nicht indogermanischer Zu• gchorigkeit annclunen, und ihr mit dem Anschein wissenschaftlicher Begründung Bcgalmngs1|ualitüten und Charaktereigenschaften absprechen, haben in den Köpfen von Gebildeten und Halbgebildeten wahre Verwüstungen angerichtet und der Politik ganzer Nationen ihren antisemitischen Stempel aufgedrückt. Nicht weniger wichtig als die Altertumskunde ist die naturwissenschaftliche Arbeit. Sie hat in der letzten Zeit durch den Agronomen Aaronsohn die Entdeckung des Urweizens in Palästina gebracht und damit das alte Semitenlaud als die erste Stätte des Getreidebaues, vielleicht damit auch überhaupt als erste Stätte der Gesittung kenntlich gemacht. Der Jerusalemer Zoologe Aharoni hat bemerkenswerte Studien augestellt, Expeditionen übernommen und eine neue Vogelspezies entdeckt, aber noch bleibt viel zu tun. Die Feststellung der klimatischen Verhältnissc, die Höhlenkunde und das Senkungsgebiet des toten Meergebiets lassen umfassende Untersuchungen notwendig erscheinen. Die Paliislinaforschungsgesellschaft ist demnach eine Gründung, der große und mannigfache Aufgaben bevorstehen, und sie wird nur zu sorgen haben, daß sie ihre Kräfte nicht zersplittert, sondern systematisch arbeitet. Eine Gewähr für weise Beschränkung besitzt sie in ihrem wissenschaftlichen Ausschuß, dem eine Reihe namhafter jüdischer Gelehrter augehören. Zunächst hat sic die Absicht, in jüdischen Kreisen aufklärend und anregend durch Vorträge und Schriften zu wirken, zugleich ist sie bereits durch das Inter¬ Kindliche Zuschauer ln der ״Deutschen Bühne", dem Blatt ries Deutschen Btihncnvereius, erzählt Schalom Asch, der bekannte jüdische Dramatiker: In Petersburg besuchte ich an einem Sonntag nachmittag eine Kindervorstellung im Alexandrowsky Theater, Man gab ein Stück von Ostrowski. Es UamkHe von einem alten, Teichen Kaufmann, der ein armes Mädchen heiraten will. Das Mädchen hat einen jungen Geliebten, den cs auf den Wunsch ihres Vaters verlassen muß, um die Frau des alten, ungeliebten Mannes zu werden. Wie tief^ wirkte dieses Stück auf die jungen, unschuldigen Gemüter! Die kleinen Mädchen weinten still vor sich hin mul d׳e Knaben bissen die Lippen fest zusammen, hu Zwischenakt war ich in der Garderobe Zeuge eines Streites zwischen dem Schauspieler Dawidoff und,׳ dein Regisseur. Dawidoff wollte die Rolle des alten Kaufmanns •vor den Kindern nicht weitcrspiclen. ״Die Kinder hassen mich,“ sagte er. Im letzten Akt, als die Tragödie den Höhepunkt erreicht batte, schrien die Kinder laut durcheinander, so daß sich Dawidoff nicht mehr zu helfen wußte und den falschen Bart v1״» Gesicht riß, indem er ausrief: ״Seht her, ich bin cs doch, ich, euer alter Dawidoff!" Und die Kinder freuten sich sehr darüber, daß die ganze üesehichte nicht wahr war. Manche weinten sogar vor Freude. esse, das sieh in zahlreichen Beitritten bekundet, in den Stand gesetzt worden, auch mit praktischer Arbeit beginnen zu können. Die chemische Erforschung der Gewässer Palästinas, insbesondere auch in bezug auf heilkräftige Eigenschaften, soll noch im Frühling des Jahres durch einen von der Gesellschaft beauftragten I lerrn begönnen werden, und im Herbst wird sieh au diese Arbeiten eine gründliche und systematische Unter• Stichling des Toten Meeres ansciilicßcn, die ein bekanntcr Gelehrter auf dem Gebiete der Meeres• forscbtmg zu leiten übernommen hat. Sobald die notwendigen, nicht unerheblichen Mittel vorhanden sind, wird dann eine größere Grabung folgen. Die Palästinaforscluingsgesellsehaft wird die Ergebnisse der geplanten Expeditionen baldmöglichst veröffentlichen. Der Beitrag für die ordentlichen Mitglieder mußte ziemlich hoch bemessen werden. Es ergab sieh leider keine andere Möglichkeit, große Jahreseinnahmen zu erzielen, da auf einen Beitritt bereiterer Kreise nach Ansicht aller Kenner der Verhältnisse nicht in allzu hohem Umfange gerechnet werden konnte. Die Iler• absetzung des Mindestbeitrages wird erst möglich sein, wenn sieh die erforderliche Anzahl ordentlicher Mit• glieder gefunden hat, um den Zwecken des Unter• nehmens genügen zu können. Die Gesellschaft ist alter nach Kräften bemüht, Anregungen und Wünschen auch aus der Zahl der außerordentlichen Mitglieder eiilgegenztikommen. Die Palästiiiaforschungsgesellschaft löst eine alte Ehrenschuld der jüdischen Gesamtheit ein, möge ihrem Wirken reicher Erfolg beschieden werden. Ins• besondere sollte sie in zionistischen Kreisen, die ja sonst warm für Palästina fühlen, allseitiges Interesse und kräftige Unterstützung finden.*) (Aus DIE WELT.) RUNDSCHAU DER PRESSE Zsraofif. Wochenblatt, Ziert in Zur Frage der Probepredigten, die in zwei Artikeln der ,,Allgemeinen Zeitung des Judentums“ ange* schnitten wurde, schreibt das Organ der ״Freien jüdiselten Vereinigung": ,,Wir sind der Ansicht, daß diese Degradierung des Rabbiners zu einem fahrenden Künstler unjüdisch mul unwürdig ist. Sie hat auch schon deswegen keinen Werl, weil schließlich doch der Vorstand und nicht die Gemeinde über die Anstellung des Rabbiners ent• scheidet. Noch trauriger aber ist die Protektionswirt• schalt, die häufig aut diesem Gebiete herrscht. Wer hinter die Kulissen zu schauen vermag, der weiß, wie heute die Rabbiner gewählt werden. Der Ein• geweihte wundert sich daher auch nicht über die Mißgriffe, die hier gemacht werden. Die Rabbiner sollten aber Charakter genug besitzen, um eine (,rohe• predigt abz'ilcluien und jede Agitation durch die I linterlreppe mit Verachtung zuruckwcisen, dann -*• aber auch nur dann wird cs besser werden.“ Weite JFi'piP Presst*, Wien Das Blatt hält sich für berufen, gelegentlich der am 2. April stattgehabten Wahlen zum B u k o w i *) Zuschriften sind an den Vorsitzenden, Herrn Dr. J. (iinsberg in Berlin, Am Karlsbad 7, zu richten. y—1.1• 11.1ו 1 ■—■■■;■i ■! ■11 .......ו . י■*"■■. י**״ ‘ Die Vornamen der Juden ln Rußland Der russische Senat entschied endgültig, daß die Juden kein Recht haben, russische Vornamen an• ztmelimen. Der Kischenewer Rabbiner Zirelsohu, der auf dem Schilde über seiner Tür sich ״Lew Moisewitsch", anstatt ״Leibe Moiscwitsch" nannte, wurde angcklngt und verurteilt. ־*־ Bei dem guten Fort* schreiten der deutsch-russischen Allianz-Verhnndlun• gen scheint «ns diese Verordnung auch (wc unsere ״besseren Juden" eine Gefahr zu bergen. Wie schlimm wäre es doch, wenn uns die Berliner W.-JudCu ihre besten Witze, wie ״Gerda Cohn" und ״Wolfgaug Lcvy" vorenthaltcn müßten! Bücher und Zeitschriften Deutsche Levantc-Zcitung. Seit dem 1. Januar dieses Jahres erscheint in Hamburg, herausgegeben von der Deutschen Levante-Linie, diese neue Monats• schrift für den Handel und Verkehr mit dem Mittelmeer* und Levante-Ländern. Sie soll dazu beitragen, dem deutschen Exporthandel weitere Absatzgebiete zu erschließen und die Interessenten, besonders die Kaufleutc in den Mittelmcerländern, über alles für sie Wissenswerte auf dem Gebiete des Handels und Verkehrs unterrichtet zu halten. Die beiden ersten bis jetzt vorliegenden Nummern geben zu der Er- Wartung Anlaß, daß die Zeitschrift dieses Ziel ern 1 s c 11 e n I. a 11 dl a g über die Stellung der dortigen Juden folgendermaßen zu orakeln: ״Ls ist auch nicht möglich, die Bedeutung der jüdischen Bewegung in der Bukowina zu verkeimen. Die Rulle, welche das Judentum i״ der Bukowina spielt, ist dem Oester,reicher des Westens, der jüdische Lastenkiitsclier, 1־ eldai beiter, Scherenschleifer» Schmiede• und Kleinpiicrmeisler nur selten und ver* einzelt zu Gesicht bekommen hat, nur schwer verstündlich. Dieses Element der Bevölkerung sitzt zahl• reich in der Bürgerschaft, noch zahlreicher in den breiten Schichten der ärmeren Bevölkerung und war bisher der ergebene und einzig uneigennützige Freund der Deutschen, solange, bis diese es gröblich von sieb wiesen. "Seither begannen die Juden ihre eigenen Wege zu gehen: und wenn sie sielt nach ererbten Traditionen in ihren politischen Aktionen äußerlich zwar parallel zu jenen der Deutschen halten, von einem innerlichen Einvernehmen zwischen beiden Gruppen kann doch keine Rede mehr sein. Die Dcutsclin.iti(malen im Laude bedauern bereits, daß cs so kam. Das Gefühl ihrer zunehmenden politischen Selbständigkeit ruft bei den Juden eine Selhstiihcr• Schätzung wach. Die Zeit und die Ereignisse werden ihnen den Werl des ungeschriebenen, durch keinerlei Katasterzwang atiferlegleu Bündnisses wieder klar vor Augen bringen." Wir dächten, daß die Deutschen bereits früher Zeit genug gehallt hätten, den Juden den Wert ihrer ninuiesgenossciischaft vor Augen zu führen. Vielleicht ist auch die I rage der Schäiikcrkonzessioiicii eine verpaßte Gelegenheit gewesen. Zsr. /*,«Mitienbtatt, ZZambut'ff Das Blatt beschäftigt sielt in recht abfälligen Ausliihrimgen mit der E in a n z i p a t i o n s r ti n d f r a g e des ״Verbandes der jüdischen Jugcmlvereiiie Deutsch• lands" und glaubt, die jungen Leute in das Gebiet, ihrer Kompetenz zurückweisen zu sollen, von der eine derartige ,.politische Aktion" atisziisdiließen sei. So wenig wir der geforderten Bevormundung mul Zurecht• Weisung durch die ״älteren Protektoren" das Wort reden wollen, so scheint uns das, was über den all* gemeinen Tenor der Antworten gesagt wird,zutreffend: ״Der Verband der Jtigendvereiite ist übrigens dafür schon genügend bestraft durch die Kritik, welche den vorwitzigen Trägern in den Ministerautworten zuteil wurde, die ihnen wohlwollend die Wangen tätscheln und schulmeisterlich herablassend nur sagen: Seid hübsch brav, Kinder! Und damit kommen wir zu einer inhaltlichen Wertung der erteilten Antworten. A tont seignciir, tont lioimeur! Zuerst die I lerren Minister! Ilm׳ Auskunft ist jedenfalls preußisch, das heißt uniformiert. Sie mtilel in ihrer Uebcreiusliin• (innig an, als beruhten sie auf einer Vereinbarung. Zuerst die respektvolle Verbeugung vor der religiösen I/cbcrzctigimg. Natürlich, dem Volke muß ja die Religion erhalten bleiben. Dann die Belobigung des Patriotismus. Welches Ministcrhcrz müßte dabei nicht trendig erheben! Aber mm die heikle Enge: Sage mir, Heinrich, wie hältst du es mit der Emanzipation? Willst du mir nicht auch darüber ein kräftig Wörtlcin sagen? Das war doch die I lanplsaeiie, der Zweck der ganzen Uebimg. Da allgemeines Schweigen im Miiiisterwalde, die Berufung auf ,,Grundsätze", welche es verbieten, über aktuelle politische Tragen und Probleme aiilleraiutlieli öffentlich sich zu äußern, obwohl diese Grundsätze bei den champagnerfeiichten Konvivien der Agrarier, bei den Kommersen der dcut• scheu Suidcntcnvereine schon vielfach ins Wanken geraten sind. Aber daß den befragten Ministern diese formelle Ausrede für ein sachlich bedeutsames und kennzeichnendes Schweigen ermöglicht wurde, daß ist der schwerste Nachteil des Vorgehens der Jugend• reichen wird. Aus dem überaus reichen Inhalt beider Hefte interessieren uns natürlich vor allein die sich mit der l iirkei und besonders mit Palästina heschäftigeiulen Artikel mul Notizen. Der Leitartikel der ersten Nummer mit der Ueherschrift ״Orient und Okzident" behandelt die Beteiligung europäischer Mächte, be• sonders Englands mul Deutschlands, an der Auf• Schließung des Ostens. Die Finanzlage in der Türkei wird nach Sir Adam Blocks bekanntem Memo• ramUtm dnrgcsU'ÜE Unter Verkehrst ragen werden die Aussichten des Weiterbaues der Bagdadbahn be• handelt. Im Feuilleton interessiert uns besonders ein eingehendes Referat über einen Vortrag des Palästinaforsehers Prof. Ilcrmunu Gulhe (Leipzig), den dieser in der Geographischen Gesellschaft in Hamburg über ״Geographische mul archäologische Forschungen in Palästina" im Januar d. J. gehalten hat. Das zweite l ieft bringt natürlich außer reichhaltigen anderen, die übrigen Mittelmcerländer behandelnden Beiträgen einen größeren, ztisanuucnl'asseiuleii Artikel über die türkischen Eisenbahnen. Rubriken für Verkehrsfragen, Zolhvcsen, Bankwesen, Fiuanzuutcrnchnuui• gen, in welchen in kürzeren Notizen über allerlei Tragen des Levantehandels usw. Auskunft gegeben wird, finden sich in jeder Nummer. Unseren Freuu• den sei die Zeitschrift ernsthafter Beachtung ciup• fohlen. Rechtsanwalt Dr. 1 a n u e n w a I d Hamburg.

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