Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651726--07668-2664851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■ . •** Nr. 14 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 163 kurzem ganz unfruchtbare Stätte dem Stcuerfiskus jetzt ,•ine beträchtliche Summe ein. Die Kolonie Malbas (l> c t a c 11 T i k w a h), die hekamitlich vor der Ansiedlung der Juden eine trostlose Einöde war und allerlei wilde Tiere mul R.-mhvüpcl beherbergte, liefert seil dem Jahre IX!') (tür• kisclier Zeitrechnung), in dem die luden sieh dort ansassitf machten, an Zehnten, Vergho und anderen Steuern jährlich 203(100 Piaster an den Fiskus ab und liat sich zu einem Luftkurort mul zu einem Mittelpunkt des Touristenverkehrs entwickelt. Die Kolonie Ujun-Karah (Risch on-Le Zion) in der Nähe Jaffas hat dem l'iskus im Jahre 1300 nicht mehr als 31100 Piaster abgeworfen, seit dem Jahre 1328 bringt sie jedoch an Zehnten, Vcrglm und anderen Abgaben 332 000 Piaster jährlich aut, . . . Dies sind einige Zahlen, die uns klar zeigen, was die jüdische Ansiedlung dem Reiche und der Bevölkerung gebracht hat. Habt Ihr demnach das Ruht, sic zu bekämpfen? Lin weiteres Faktum: Die jüdische Kolonie Chedera, die vor der Niederl.issimg der Juden ein 13rutpl.il/. für Wüstenvögel war und die im Jahre 1303 23 001) Piaster an Steuergildcru biiibrachte, liefert jetzt 110 0(10 Piaster au Zehnten und 12 000 Piaster an Vcrgho. Das grolic (״•lande bietet jetzt einen herrlichen Anblick. Die Juden haben dort blühende Härten, Oram׳enpflanz.unpii und Palmcnhaine angelegt, außerdem haben sie etwa eine halbe Million Eukalypten angepflanzt, um die Sümpfe anszutrockncn und die Luft von den gilligen Ausdünstungen zu reinigen. Die meisten arabischen Landarbeiter, die früher keinerlei brwerb fanden, ernähren sich jetzt reichlich dmch die jüdischen Ansiedler. Sowohl wir Moslemen als die christlichen Araber zielten den grollten Nutzen aus der Tätigkeit der luden. Sie sind es, die eine erhebliche Steigerung tfer Bodenpreise herbeigefübrt haben. Wenn man früher 5 Frs. für den Dunam erhielt, erzielt man jetzt für einen Dunam Boden (10 Frs. mul mehr. Die Stcucrcinnalunc aus den drei Kolonien beläuft sich jetzt auf 717000 Piaster jährlich. Wie hoch die Einnahme aus den übrigen jüdischen 20 Kolonicn ist, darüber fehlen mir jetzt die ziflernüilligen Belege. Ich werde darauf in einem späteren Artikel zuriiekkommen. . . , Seitdem Spanien die Juden vertrieben hat, sank es kulturell und wirtschaftlich immer tiefer. Der Sultan, der sie gastfreundlich aufnahm, wußte, dali er an ihnen treue Untertanen gewann. Seither haben sich die Juden als dankbare und anhängliche Bürger des oltomanischen Reiches bestens bewährt." eines anderen Leiters annehmen. Hierzu bedarf cs einer speziellen behördlichen Genehmigung, die noch ansstehl. Lerner müßten die Dozenten und Hörer das Wohnrecht in Petersburg erlangen. Bisher w n r e n die 11 ö r c r d e r A k a d e m i e a I s 11 a 11 d w e r k c r 0 d e r als Di e 11er i m Hause a k a d e in is eh g c h i Id c t c r J 11 d e n a n g e in e I d e t und k o n n t e n nur auf dies c Weis c ihren S t u d i c n i n Petersburg o b I i e g e 1». Nunmehr ist man jedoch entschlossen, die Akademie aufzulösen, wenn es nicht gelingen sollte, für ihre Hörer das legale Aiifenthallsrecht in Petersburg zu erwirken. ZIONISTISCHC B6V/£GUn0 Sitzung des zionistischen Aktions-Komitee». Die nächste Sitzung des großen Aktions-Komitees der zionistischen Organisation ist mm endgültig für den 27. April und die folgenden Tage nach Köln einberufen worden. Hu Mil nie n Verschiedene Zeitungen hatten dieser Tage gemelltet, daß das neue konservative Kabinett Carp der Kammer einen Gesetzentwurf unterbreiten werde, woiincli den Juden das Recht cingcräumt wird, sich in den Dorfgemeinden niederzulassen. Wie wir erfahren, entbehrt diese Nachricht jeder realen Grundläge. Eine gesetzliche Regelung dieser Frage ist gegenwärtig nicht zu erwarten. Türkei I «4 AUS ALL6R WC LT Deutschland 1 ♦ Bei der Beratung über den Etat des Reichskanzlers : der Abgeordnete Kämpf von der Volkspartei auf die Frage der russischen Pässe jüdischer Roi• senden ein. Wenn man den Freisinnigen ihre Machtlosigkeit auch in diesen Dingen heute gern glaubt, so dürfte sich ihnen doch im nächsten Reichstag vielleicht die Gelegenheit bieten, ihren schönen Worten parlamentarische Taten folgen zu lassen. Blinde Oefolgscliaft auf Vorschuß sollte ihnen jedenfalls auf diese stets wiederkehrenden Reden hin nicht geleistet werden. Die arabischen Mitglieder der türkischen Kammer haben, wie man der ״Pol. Korr." aus Konstantinopel meldet, auf Anregung der Abgeordneten Abdul' H a tu i d Z u h r e s i (l loms), S c h e f i k e I M u a y a d (Damaskus) und Yussuf Scbetvan (Benghazi) eine arabische Partei gegründet, die den größten Teil der öS arabischen Vertreter umfaßt. Dqr Plan der Schaffung einer solchen Partei bestand schon seit der Wiederherstellung der Verfassung, konnte jedoch bisher infolge von Meinungsverschiedenheiten unter den bczeichnelcn Abgeordneten nicht verwirklicht werden. Das Programm der neuen Partei hat in erster Linie die Fürsorge für die Erhaltung und Entwicklung der arabischen Nationa- I i t ä t zum Gegenstand. Man wird darauf hinarbeiten, daß der Unterricht in allen arabischen Schulen in arabischer Sprache erteilt und dali in den arabischen Gegenden nur Araber oder solche Personen, die der arabischen Sprache und der Bräuche und Sitten der Araber kundig sind, als Beamte angcstcllt werden. In politischer Beziehung ist ein selbständiges Vorgehen der arabischen Partei nicht vorauszusehen. — Man sieht jedoch, daß die Araber keineswegs gewillt sind, der Einheit des Reiches größere nationale Opfer zu bringen, als es eine vernünftige ottomanische Politik von ihnen verlangen kann. Ihr Schulprogramm setzt sie sogar in Widerspruch mit den erklärten Grund- Sätzen des Komites und sollte die jüdischen Deputierten gemahnen, auch ihrerseits ihrer .Nation einen Platz an der Sonne des Osmnnentums zu wahren. Nach den wiederholten Erklärungen der maßgebenden Stellen zu urteilen, hätten sie bei ihren Mitbürgern in diesem Bestreben auf volles Verständnis zu rechnen. Japan Muß es denn sein? Der Verband derjudisehen Jugendvereine will die jüdische Jugend ״gleichzeitig zu treuer Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter und zu freudiger Pflichterfüllung dem Vaterland gegenüber.erziehen". Wenn er dies Ziel verfolgen will, sollte der Verband es mit Würde tun, nicht aber preußische Minister und deutsche Staatssekretäre um öffentliche Zustimmung zur Säkularfeier der Judenemanzipation angehen. Er kompromittiert dadurch ohne Fug und Recht die übergroße Mehrheit der deutschen Juden, die von solchen Maliieren nichts wissen wollen und gewiß bereit sind, den ablehnenden Antworten der angegangenen Minister ein grimmiges ״Geschieht euch recht!" hinzuzufügen. (״Welt am Montag.") Die Petersburger ״Rjetsch" meldet; Die japanische Regierung hat die Bewilligung zur Gründung jüdischer Kolonien in Japan erteilt. Als Begründüng dieser Bcwilligungscrtcilung wird darauf hingewiesen, daß die Juden, die nach dem russisch-japa* nischen Krieg nach Japan gebracht wurden, sich dort als tüchtiges, kulturförderndes Element bewährt haben und die Errichtung von jüdischen Kolonien dem japanischen Reiche nur von großem Nutzen sein würde. Auglo Palcstine Company Geschäftsbericht. Infolge der vorjährigen Mißernte in Palästina sind unsere Geschäfte im ersten Semester wesentlich zurückgegangen. Das zweite Halbjahr brachte dann zwar eine Besserung, die aber doch nicht so nachhaltig war, 11111 den Ausfall der ersten sechs Monate völlig zu decken. Trotzdem ist das Endresultat ein durchaus zufriedenstellendes. Der ganze Rest des Depots, welches der Jüdische Nationalfomls unserer Jaffaer Zentrale im vorigen Jahre zwecks langfristiger Darlehen zur Verfügung gestellt hatte, ist im Berichtsjahre zur Verteilung, an lläuserbaiigesellschaftcn gelangt. Ein weiteres Depot des J. N. F. haben wir an Kolonisten auf IO Jahre verliehen. Im ganzen betragen die aus diesen Depots gewährten Kredite 21 118 £ (gegen 10 902 £ im Jahre 1909). Die Geschäfte mit dun Leihgenossenschafte» haben eine weitere Ausdehnung erfahren. Am Ende des Jahres gab es 30 dieser Genossenschaften mit über 120(1 Mitgliedern, deren Gesnmtscliuld sich per 31. Dezember auf 1 1 725 £ belief (gegen 12 801 £ im Jahre 1000). Depositen- und Scheckkonti zeigen eine ansehnliche Vermehrung; sie betragen Ende 1910 203 000 C (gegen 188 000 C im Jahre 1909). In Jerusalem hält sich das Geschäft auf ziemlich unveränderter Höhe. In Beirut ist der Jahresgewinn infolge starker Konkurrenz, vornehmlich im Change* geschäft, zurückgegangen; die Aussichten für die Zukunft sind aber wieder günstiger. Entwicklung und Resultat des Haifacr Geschäftes sind sehr gut. Das Geschäft in Hebron bleibt unbedeutend, die Erträgnisse haben aber doch genügt, um wieder einen kleinen Ucbcrschuß über die Kosten zu ergeben. Im Spätsomrner haben wir eine Agentur in Saffed eröffnet. Das Kapitalkonto hat sieb im Laufe des Jahres um 25 890 £ erhöht und stellt sich am 31. Dezember auf 98 012 £, von welchen die im Laufe des zweiten Semesters emittierten 25 202 £ erst von 1911 ab dividendenberechtigt sind. Der Nettogewinn nach Abzug aller Geschäfts* kosten und nach Vornahme der erforderlichen Ab- Schreibungen beträgt laut Bilanz 3 653.13.5 £, wovon laut Beschluß des Direktoriums 1000 £ auf Reservekonto gesetzt sind, so daß 2 653.13.5 £, plus Vortrag ex 1900 Q70.2.8 C 3 629.16.1 C zur Verteilung disponibel sind. Das Direktorium hat beschlossen, der General- Versammlung, welche Ende April stattfinden wird (Termin und Ort wird später noch bekannt gegeben), die Verteilung einer Dividende von 10 d per £ 1 Share steuerfrei - •1 >/,׳,";« wie im Vorjahre vor- Zuschlägen. Hierfür wären 3 035 £ erforderlich, so daß 591.16.1 £ auf neue Rechnung verbleiben würden. London, März 1911. Das Direktorium: D. Wolffsohn, Präsident. Dct Oberrat der Israeliten hat darum nachgesucht, bei der Einführung der völligen Sonntagsruhe im Handclsgewcrbc in Karlsruhe eine Ausnahmebestimmung zu treffen, daß es den israelitischen Geschäften, die an Samstagen und israelitischcn Feiertagen vollständig geschlossen haben, gestattet werde, an den Sonntagen, ausgenommen den Pfingstsonntag, ihr israelitisches Kontorpersonal hinter geschlossene» Türen einigt* Stunden zu beschäftigen. Der Stadtrat hielt jedoch die Schaffung einer solchen Ausnahme, abgesehen von den Konsequenzen, mit den Bestimmungen der Roichsgewerbe-Orduung für nicht vereinbar und bat das Gesuch abgclehnt. PALA65TINA-RUMDSCHAU Mitteilung des Zcntralbureaus der Zlonistlschcn Vereinigung für Deutschland Russland Die von dem verstorbenen Baron David Ü ü n z bürg begründete und geleitete Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Petersburg sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Der rortbestanu der Anstalt hängt ganz von äußeren Faktoren ab. Sie hat bisher den Namen des Barons Gunzburg geführt und muß jetzt nach dessen Tode den Namen An der vom Wiener Informationsbureau für Palästina veranstalteten Gesellschaftsreise nehmen 13 Personen teil. Die Gesellschaft hat die Reise am 21. März in Triest angetreten. Die geringe Zahl der Teilnehmer ist auf das bevorstehende Pessachfest zurückzuführen, da viele Interessenten die Feiertage nicht außerhalb ihres Familienkreises verbringen wollen. Uiu, dennoch den in. Betracht kommenden Kreisen Gelegenheit zu bieten, eine gemeinsame Fahrt nach Palästina möglichst billig mitzumaclic», hat sich das laformationshureau veranlaßt gesehen, Ende April I. J. eine zweite P a I ä 8 t i n a g e 8 c 11schaftsreise zu arrangieren. Ausführliche Prospekte versendet das Informationsbureau für Palästina, Wien, Türkenstraße 9. Soeben ist in Jaffa unter der Redaktion des bekannten Pädagogen und hebräischen Schriftstellers Israel B e I k i 11 d das erste Heft einer populärwissen• schaftlichcn Monatsschrift für die Kunde Palästlnas, mit besonderer Berücksichtigung der praktischen Kolonisationsfragcu erschienen. Die neue hebräische Monatsschrift führt den Namen ״Hammci'r". Die erste Nummer enthält u. a. interessante Erinncrungen aus der Zeit der Gründung vi n Rischon le Zion, einen Aufsatz über die Kolonie Chederah, einen Brief von Rabbi Hirsch Kaiischcr aus dem Jahre 1868 usw. Der Abonnementspreis beträgt fürs Ausland 5 Frcs. halbjährlich. . ... . . v. Unsere Bureaus werden von jetzt ab abend nach Ausgang des Sabbaths nicht öffnet. am Sonnmehr ge- Agitationsreisen des Parteisekretärs Gncsen. Vor ca. 2 Wochen haben die Herren Parteisekretär Kurt BI u m c n f e I d und Herr R. A, Dr. Ko llcnscb er, Posen, im Saale des Cafe Bristol in einer gut besuchten Versammlung ge* sproclien. Herr Parteisekretär Blumenfeld schilderte den inneren Auflösungsprozeß im deutschen Judentum, während Herr R.-A. Dr. Kolienscber die wirtschaftliche Judeimot, insbesondere die galizische Schänkerfragc usw. in seinen Ausführungen besprach, Ihren lebensvollen, die zahlreichen Zuhörer in vollstem Maße fesselnden Ausführungen ist es zu danken, daß hier am Mittwoch, den 29. März, zu einer Ncukonstituicrung der hiesigen Ortsgruppe geschritten werden konnte, die heute bereits •11 Mitglieder zählt. Nach einleitenden Worten des Herrn R.-A. Cohn wurden die Statuten der Posener Ortsgruppe angenommen. In den Vorstand wurden die Herren R.-A. Cohn, Referendar Dr. Schmul, Bankier Hinzclmann, Gcmeindcsckrctär Hermann Cohn, die Kauflcutc Sonntag, Noßen, PHs und Oelsncr gewählt. Essen-Ruhr. Am 25. März hielt Herr Parteisekretär Blumcnfcld im Kammermusiksaal des Saalbaucs hier einen, Vortrag über das Thema: ״Zionistische Arbeit und ihre Erfolge". Verschiedene Qcgner unserer Bewegung hatten große Vorbereitungen 1