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Jüdische Rundschau · 1911-04-07 · Heft 14 (7.4.1911) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 J U E DI SCH E RUN.DSCHAU Seite 161 liehen Manuskripte fiele״ mitsamt ihrem ״Besitzer״ I der Vergessenheit anheim. Es kommt hier wenig in Betracht, ob Engel mit der Aufzählung dieser Dokumente stets das Rechte getroffen hat, es ist vorläufig unwesentlich, ob seine ins einzelne gehenden Ver• umtungen insbesondere hinsichtlich der s. Z. in Ericdlantl'־ Besitz, befindlich gewesenen Manuskripte auch der Wirklichkeit entsprechen, ob sich tatsächlich im Ik'sliz (iustavs z. B. auch die 67 Gedichte gegen den König von Preußen befunden haben, Fest/uhalten ist mir, daB Gustav auf irgendeine Weise Nachlaßpapicre und bedeutende Dokumente in seinen Besitz, brachte und der Nachwelt vorcntliiclt. Es dürfte■ hier auch unwesentlich sein, zu erfahren, auf welche Weise Gustav die Papiere an sich brachte. Engel bemerkte, daß Gustavs Behauptung, er besitze die Memoiren, ״mindestens den Zweifel an die . Rechlmäßigkcit des lksii/es hcrausfordere", denn in der Tat gehörte Gustav nicht zu den literarischen Erben des Dichters. Sei dem, wie ihm wolle. Uns genüge hier die Tat• saehe, daß sieh in der Familie Gustav Freiherr von Geldern wertvolle Dokumente befanden und z. T. noch befinden, die 50 Jahre lang dem Publikum vorenthalten wurden und z. T. noch vorenthalten werden. Zum Teil — י denn der Sohn jenes Freiherrn Gustav, Maximilian, sah sich endlich Itcucr veranlaßt, wenigstens einiges von ihnen zu veröffentlichen. Der plötzliche Entschluß mag überraschen — aber er findet eine allerliebst hinreichende .Erklärung in der offenherzigen Einleitung des Herausgebers. Gustav war und blieb, wie bekannt, im Volksuniiid der bösartige und intrigante Bruder, mit dem Heine stets in Unfrieden lebte, .und der den ■Dichter in höchstem Maße unbrüderlich und unfair behandelte. Sein Sohn Maximilian empfand nun das Bcdürfm», den Namen seines Vaters wieder zu Ehren zu bringen und die angeblich falschen Urteile über ihn richtig zu stellen. Zu diesem Zwecke und mit dieser einzigen Absicht veröffentlichte er, zusammen mit Karpeles, dem er diu in seinem Besitz befindlichen Dokumente (vermutlich in Auswahl) . unterbreitete, eine Samm• lung ״Heine-Reliquien“. Den größten Raum beansprucht nicht der Dichter in ihnen, sondern Gustav, des Herausgebers Vater. An der Spitze stellen etwa dreißig Briefe Heines an Gustav, Ich erinnere hier an die oben zitierte .Bemerkung Engels, daß Ouslav aus guten Gründen zu den Briefausgaben keinen ebizjgcn der schätzungsweise 200 in seinem Besitz befindlichen, an ■ihn gerichteten Briefe beisteuerte. Die 30 liier publizierten stellen also eine winzig kleine Auswahl dar. Die Zusammenstellung und Aus• wähl erfolgte nach der von Maximilian selbst er• klärten Tendenz, nachzuweisen, daß das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern das, denkbar günstigste und Oustav selbst ein höchst cdctdciikcudcr, den Bruder stets hilfreich und liebevoll stützender Mann gewesen. Man ■׳wird sich daher nicht wundern dürfen, wenn diese wenigen 30 Briefe alle in eine Zeit fallen, wo der Dichter den Bruder trotz aller Miß• Helligkeiten benötigte und auf seine Dienste angc• wiesen war. Als der kranke Dulder hilflos in der Malratzengruft lag, und sich von allen Seiten ver• raten und verlassen glaubte, als er fürchtete, daß der Ritter von ■Friedland das ihm vertrauensvoll über• lassene Geld betrügerisch veruntreuen würde, in diesen Stunden der höchsten Not wandte er sich an seinen Bruder Gustav mit der Bitte, zu intervenieren ,mul von Friedland die Rückgabe, des'Oeldes zu erzwingen. Gustav, der Journalist genug war, ■um es nicht zu Leben des Judentums, Darum kann die ernste Lektüre nicht nachdrücklich genug empfohlen werden. Ad. Fr. Geänderte Situation Kolm und Löw haben aus Geschiiflsrücksichten beschlossen,,sich taufen zu lassen; Kolm geht zuerst in die *Kirche. Wie er hcrauskommt, fragt ihn Löw: ״Nu, wie war's?" Worauf, er, ohne den Frager eines Blickes zu würdigen, knurrt; ״Halt's Maul, Jud!' (JUGEND.) Ein deutsches Fest ln Prag Das ״Prager TagbUtt״. berichtet über den FeMkommcrs der deutschen Verbindung ״Neustädtcr Koilcgentag'׳: Nach den Klängen der ״Wacht am Rhein״ begrüßte •der Erstchargierte Phil. M o r g c 11 Uern■ die, Gäste und die alten Herren •Pr. Fuchs. Tlilerfeld, Klingcr, Posncr, Eisncr u. a. Der dntt• chargierte W0I1 ry ze k' feierte, das deutsche , l rag und die• deutschen׳ Hochschulen,! Ing. Fuchs er• widerte, mit dem Wahlspruch: ״Frei, Deutsch, »reu. Namens der Verbindung ״Mnrkoinannia" (siehe Heda) sprach jue. Kauf man n. Für die Verbindung ״Stau• fia" med. S t ein,!für den deutschen, Tumverein •Heir Fischer und für T\1rnvcrbindung ״Eiche _juc. Arendt (früher A b c I e s), Fuchs Frank toasticrtc auf die •Allen Herren,-worauf, ihm!Dr. K le pe tar CHeji -und Siegt); erwiderte, * Mit einem Tanz •endigte das׳; schöne-deutsche Fest.. Hr .Hätten , die;Hcrccn den, deutschen ,Charakter, des •Festes• nicht wirklich weigern, gelang cs um so leichter, einen Teil der verloren geglaubten Summe zu retten, als Calmonlus in Wirklichkeit keineswegs unehrlich war; vielmehr wurde er selbst durch jene unglückselige Spekulation arg geschädigt. Gustav verpflichtete sieh seinem Bruder dadurch zu liebenswürdiger Dankbarkeit, die den Dichter seine früheren Erfahrungen vergessen ließ; er gab ihm einen Auftrag an Campe, luw. teilte ihm eine nicht unwichtige Rolle in der Komödie zu, die er Campe vorztispielen genötigt war. Wie schlecht sich Gustav dieser Aufgabe entledigte, wurde bereits früher• erwähnt. Jedenfalls sind dies die beiden einzigen Momente, die im Leben Heinrich Heines eine Annäherung an seinen Bruder bedeuteten. Es zeugt von Scharfblick und Umsicht, daß der Herausgeber just jene Briefe wählte, die in diese Epoche fallen, und darum in dem naiven Leser mit außerordentlicher Leichtigkeit die Vorstei• lung des gemeinsam arbeitenden, einander verstellen• den, einander fördernden, einander liebenden Brüder• paares wecken können, eine Vorstellung, die durch einen nur durch, die etwas auffallende brüderliche! Zärtlichkeit interessanten Aufsatz des Journalisten über den ,Dichter noch verstärkt wird. Immerhin bleibt cs bedauerlich, daß der größere und vermutlich weit interessantere Teil der Briefe an Gustav, wie Engel sagte: ״aus guten Gründen“ auch heute noch uns vorcnthaltcn wird. Da die Sohncsliebc das wesentlichste Motiv war, das Maximilian zur Herausgabe veranlaßte, ist es nicht verwunderlich, wenn er auch im übrigen Teile des Buches mehr verbirgt, als gibt. Es sind da allerlei reizende Briefe vom Onkel Salomon, Briefe an Heines Mutier, Briefe der verschiedensten Menschhcitsvcr• treter an Heine, lauter Dinge, die außerordentlich interessant und um der Vollständigkeit halber recht willkommen sind, die aber der Heineforsclumg keinerlei neue Gesichtspunkte bieten. Darum ist cs um so betrübender, daß die ״ürouiilons“ der Briefe an frnn• zösisehe Schriftsteller und Staatsmänner, daß vor allem die ,67 Gedichte gegen den reaktionären König von Preußen und das ״Napoleon-Manuskript", die uns voraussichtlich weit Wichtigeres zu sagen hätten, immer noch verborgen gehalten werden; ob auch sie noch im Archiv der Wiener frcihcrrliclicn Familie ruhen, wie Engel s. Z. vermutete? Dann würden wir ■ hoffen, daß bald ein Erbe käme, dem das literarische Verantwortlichkeitsgefühl über die Solmeslicbe und eventuelle konservativ-politische Rücksichten geht , . . Die allgcmcingcschichtlichen Grundlagen der Palästina|)c3trebungen im 16. Jahrhundert und in der neuesten Zeit Von, Dr, E. Täübler, Berlin, (Schluß.) Die Bestrebungen des 16. Jahrhunderts stellen zu denen der Neuzeit, wie zwei Seiten derselben Münze zueinander, wenn ,auch diu Voraussetzungen den verschiedenen politischen Situationen entsprechend verschieden gestaltet sind. Bis zum 16. Jahrhundert und ideell noch darüber hinaus war für die Mächte der Welt alles noch auf den Besitz des Landes gestellt. Der Krcuzz.ugsgcdankc wirkte, nach. Die Seefahrt nach Indien sollte nicht mir. dem Handel, sondern auch den; Waffen neue Wege erschließen. Man träumte davon, den Ungläubigen von Indien aus in den Rücken zu fallen. Auch David Reubenis Pläne hängen im Netze besser gewahrt, wenn sie auch in den Prcssnotizcn! mit der Angabe ihrer Biernamen sich begnügt hätten? Bücherbesprechungen Das Lämmchen, eine uralte Ocschichtc für unsere K1 c i,p e n, 11 c u c r z ii h 11 von D r.!Hugo Z u c k c r in a n n, mit Bildern von , O s i a s H e r s c 11 d ö r f e r. (Herausgcgcben von der Kommission zur Herausgabe jüdischer Jugcndschriften, Wien, IX., Türkenstraße 9.) Soeben erschien unter diesem Titel eine ganz eigenartige und doch• sehr wohlbekannte, anmuteiule Haggadah-Geschichtc In Form eines Bilderbogens für unsere Jugend. ■ Die schönen, zierlichen Verse, in welchen diese Haggadah.Üescliichte gegossen ist, .sind gänzlich ׳•filr unsere jüngste Jugend bestimmt und sind in •ihrem Geiste geschrieben, einem Geiste, der geeignet ist, gerade auf unsere Kleinen sehr!anregend zu wirken. Dazu kommen noch die in ■ sehr schöner, altertümlicher Form gehaltenen Bild- ,eben des Zeichners, die aus jeder Strophe die charak- ,tcristisclic Situation meisterlich ■hervorgeholt hat und!nicht nur Kindern, sondern auch Kennern der Zeichen• ,kunst Freude bereiten können.• Es *ist anzunehmen, ,daß diese Pessach-Bildcrbogcn -יי gewiß eine sehr!originelle• und-neue LlteraturrOattung — welche die Kommission• zur Herausgabe jüU. JugcmUchriftcn als ■ Ihrerstes!Opus: in großer Auflage, erscheinen läßt, 'in kürzester Zeit .viele,•.viele Freunde, .erwerben w,ird.!Der billige• Preis eines. solchen Bogens (für Oester• dieser Vorstellungen, und dies offenbart von neuem, wie man mir von den allgeiiieiiigeschiclitliclien Bediiigtiiigen aus die Paläsüiiabestrebuiigcu dieser Zeit verstehen kann. Sein Kriegszug sollte ein in das Jüdische übersetzter Krctizzug sein. Es galt‘wieder einmal, das heilige Land den Ungläubigen zu entreißen, und cs war in den Augen des Papstes und des Königs von Portugal ein Zeichen des Himmels, daß nach so vielen vergeblichen Versuchen der chrisU liehen Mächte mit deren Unterstützung jüdisches Blut den heiligen Boden befreien und weihen sollte. Zu unserer Zeit ist das Ziel ein anderes. Poli« tische Aspirationen, welche eine Besitzveränderung bezwecken, halten sich von Palästina fern. Die Juden treten weder als Konkurrenten der •Türken noch anderer Mächte auf, und die einzige Macht, welche vielleicht nach der weltpolitischen Konstellation Palästina in ihren Machtbereich cinzubczichcn ge• nötigt und gewillt sein könnte, müßte unseren Bc- Strebungen mit demselben Interesse gcgeiiüberstehen, welches auch die heutigen Besitzer des Landes zu Förderern unserer völkisch-politischen Bestrebungen machen muß! So selien wir ein und dieselbe gewaltige Wogo abebbend und anflutend zu Beginn der Neuzeit und in der neuesten Zeit unsere palästinensische Politik bestimmen. Es ist derselbe Kreis weltgeschichtlichen Werdens, der im 16. Jahrhundert und heute ihre Voraussetzungen schafft. Er trägt über die Fragen des Tagesgewinns hinaus und zeigt dem ehrlichen Sinn und dem wagenden Mut in der großen Verkuüpfuug des Weltgeschehens den Weg, von dessen Ende uns die Hoffnung winkt, daß die Weltgeschichte sieli auch für uns als Weltgericht erweisen wird. RUNDSCHAU DER PRESSß All//. Zeitung des Judentums Das ״repräsentative Blatt der deutschen Judenheit" schreibt: ״Die kcichstagswahl in Gießen hat mit einem Siege des antisemitischen Kandidaten geendet. Das ist überaus traurig. Ob die Nationallioeralen dieses bedauernswerte Resultat verschuldet, ob, wie cs scheint, etwa 1Ü0Ü Anhänger der wirklich freisinnigen Partei zu dem Siege des Antisemiten beigetragen haben, oder ob die Sozialdemokraten, infolge mangei• Hafter Organisation, nicht alle auf dem Platze waren — dies zu untersuchen ist unsere Auf• gäbe nicht; wir Italien es nur auf das lebhafteste zu bedauern, daß eine Partei, gegen die wir uns aufs allcrscliärfstc wenden müssen, cm Mandat wieder• erlangt hat, von dem man hoffen konnte, daß es ihr entrissen war." Wie man sieiit, weiß sich das Blatt, das sich ge• lcgcntlich um Dinge kümmert, die seinem Verstand• nis recht fern liegen, im gegebenen Moment weise zu bescheiden, wenn es sich um Vorfälle handelt, die sich dem gewohnten jüdisch-freisinnigen Dogma nicht ohne weiteres cinordnen lassen. Jüdische Zeilun//, Wien Unser Wiener Uruderorgan widmet dem aufgelösten Reiclisrat den folgenden ״Nekrolog": ״Das 'Parlament, das nunmehr nach Hause geschickt wird, war liir die Juden von historischer Bedeutung: Zum ersten Male in der Geschichte der Diaspora ereignete es sieh, daß jüdische Männer, reich 10 Heller, für Deutschland 10 Pfg. das Stück) ermöglicht auch deren Verteilung an jüdische Schulkimler seitens der Schul- und Religionsbchörden. Dieser Möglichkeit haben die Herausgeber auch Rechnung getragen, indem der Preis für 100 Exemplare mit 7,50 K. (7,50 Mk.) und für 200׳ Exemplarc mit 15,— K. angesetzt wurde. Es ist zu hoffen lind zu wünschen, daß diese Bilderbogen eine weite Verbreitung und eine große Zahl von Auflagen (ituleL Der Bogen ist im Selbstverlag der Kommission zur Herausgabe jüdischer Jugendscliriftcn erschienen und bei derselben, Wien, IX, Türkcnstr. 9, zu beziehen. Felix Hollaendcr: Unser Haus. Verlag׳ Erich Reiß, Berlin. Felix I lollaemlcr, Verfasser mehrerer gern gclcscuer Romane, Dramaturg des Deutschen Theaters zu Berlin, erzählt uns in einem ״Unser Haus" betitelten Buche die Geschichte seiner Jugend. Es ist ein wundersamos Gefühl, einen Mann, der mitten im bewegten Leben stellt, von seinem Werden, von seinen ersten Erlebnissen und Eindrücken berichten zu hören. Der Ton wird wärmer, die Worte inniger, als man sonst bei diesem Manne gewohnt ist. Den Leser ergreift eine sanfte Rührung, ״ein Duft aus seiner Kindheit steigt aus diesen Seiten zu ihm", er vergißt alle Treunungen, die das Leben künstlich errichtet, er ist wieder jung mit dem Erzähler, und leise ergreift ihn die Liebe zu dem, der ihm das Glück und Leid seiner Jugend noch einmal vor Augen zaubert. Diese Liebe aber wird wcitcrlcben und nicht ersterben, wenn wir demselben Manne im Kampf des Lebens begegnen

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