Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 159 t I * 1׳; | I י; if! 1 ,* ■> j I!1 I •» h 4 4 1 ׳! I וי■ | Jüdische Abgeordnete wurden ge. w ג h I י• Enorme Arbeit war zu leisten. Man mußte die öffentliche Meinung über unsere Lage orienliefen. In vier Jahrzehnten schwiegen sich die I lönig. inanns, Kapnporls und Byks dnriiher gründlich aus. Man mußte das Volk erst politisch erziehen, mit den ()riiiidsätzen der Politik, den Vorteilen einer *trainmeu Organisation vertraut machen und es aus dem Schlamme der Korruption, des Stimmenschachers und lethargischen Passivität emporheben. Seit 1007 sprechen auch jüdische Abgeordnete ,111 Parlamente. Ueber jüdische Angelegenheiten, in moderner Weise. Sie verhüllen und vertuschen nicht, was ollen gesagt werden muß; sie winseln nicht und liehen nicht. Sie führen eine männliche, energische Sprache. Und haben sieh die Achtung aller Kollegen ohne Unterschied der Parteistellung erworben. Die Arbeit, die sie leisten, ist eine modcrn.jüdisehe. Sie gilt nicht den Reichen und Satten, sondern den Acrmstcn der Armen, den polnischen Juden, deren sich durch vierzig Jahre niemand annehmen, und nmli mehr, die niemand verlassen und anhören wollte. * . Die nationalen Abgeordneten beeinflussen auch die anderen Juden im Parlamente. Nur einige Bei• spiele. Viele Jahre saß Dr. Ko 1,1 sch er im Par• lamente. Er gilt für einen Fachmann in Eisenbahn• und Volkswirtschafts-Angelegenheiten. Um die Juden kümmerte er sich überhaupt nicht. Welch anderen Ton schlägt Dr. Kolischcr in der jetzigen Session an! Seine Rede in der Schiinkernngelegenheit bei der gaüzischen Em|ucte, seine Rede über das Mau• siergcselz im Ahgcordnctenhause unterscheiden sich m Form, Ton und Inhalt wesentlich von denen seiner Kollegen. Nie wären diese Reden an berufenen Stellen in Lemberg und Wien gehalten worden, wenn nicht der jüdische Klub im Hause säße! Hofrat Kuranda unterzieht das Verfahren der gali/isehcn Verwaltungsbehörden in Angelegenheit der Volkszählung im Budgelausschusse einer scharfen Kritik und verdammt die Bestrafung derjenigen Juden, die sich zu ihrer Muttersprache bekennen. Im libe* rillen Doktrinär, im strammen Deutsch-Nationalen er• wacht das jüdische Gefühl. Wäre das auch in Ab• Wesenheit des jüdischen Klubs erfolgt? Als unser seliger Kollege Dr. Gabel zum ersten Male das Wort in der jüdischen Schiinkerfrage er• zriltT-iu einer Zeit, als den •Schiinkern noch zu helfen war, da wurde er von den Sozialdemokraten wegen dieser ״Förderung des Alkoholismus" heftig angc• griffen. Ein Jahr später — als neben der Not von in 000'Familien ׳ noch die Popularität und Volkslütu• lichkdt dieser Angelegenheit׳ in Betracht kam, er• eiferten sich auch die Sozialdemokraten für die Sache der• Schanker. , ‘ : : . * •' Keine Gelegenheit wurde versäumt, wenn cs unseren Standpunkt zu wahren galt. Und immer geschah es in würdiger Weise. Unter schweren Ver• hiiltnissen, angefeindet von den Machthabern des Landes, bekämpft von jüdischen Gegnern, die das Ende ihrer Zeit heraiinaben sehen, verleumdet von einer korrupten, feilen Presse, verfolgt vom Ober• hatiplc des gali/isehcn Obskurantismus, dem Rabbi von Beiz, gehen wir unseren Weg. Wir gehen ihn mit Ruhe und Ausdauer. Denn er ist der Weg des jüdischen Volkes. geistreiche und sehr gutmütige Frau, nichts weniger als schön, aber sehr empfänglichen Herzens, und vorzugsweise richtete sich ihr Ge־ fühl auf Literaten. Da sie mit einer Fülle des Busens gesegnet war, so wurde in Berlin scherz* weise von ihr ,gesagt: sie lege die Gelehrten an ihre Brüste," Ihre Beziehungen zu Jean Faul jedoch, den sic durch ihre Jugendfreundin Gräfin von Schhbrenüorf kennen gelernt hatte, waren wirklich iniiin-freumlschaftlicher Natur. Allerdings wurden dem vom Glück in der Liebe verwöhnten Verfasser des ״Hcspcrus" die Aus* drücke überschwänglichen Freundschaftsgefühles von seiten Esther Gads — der er oft den Namen Rabbinin beilegte — doch zu viel und einmal als sie sich nicht enthalten konnte ihre Eifersucht seiner Beziehungen zu Eniilic von Berlepsch Wegen zu unterdrücken, da hielt er mit seiner Mißbilligung nicht zurück. Was Esther Gad geschrieben liegt zutn grüßten Teile in alten Zeitschriften vergraben; vor allem in Kauschs ״Unterhaltungen", Beckers ״Erholungen“, Beckers ״Almanach“ u. a., un. Ferner erschienen von ihr: ״Gesammelte Blat*!er" Leipzig 1805; ״Kritische Auseinander* Setzung!mehrerer Stellen in dem Buche von Frau von Stacl über Deutschland mit einer Zueignungsschrlft an Jean Paul Friedrich Richter Die jüdische Bevölkerung Jerusalems Im jüngsten Heft der hebräischen Monatsschrift ״Ilaschiloah" veröffentlicht Jostia Bnrsilai (Eisen* staclt) aus Jerusalem Interessante Ziffern über die Zahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems, die Scelciizahl der einzelnen Koicllm (Chalukah-Landsmannschaf* teil), den Jahresbeitrag der Chalukah, der auf die An* gehörigen der einzelnen Kolelim entfällt, die sonstigen Erwerbsquellen der Jerusalemer jüdischen Bevölkerung a u ß e r d e r C h a I u k a h usw. Die Daten des I lernt Bnrsilai beruhen teils auf eigenen genauen Schätzungen und Beobachtungen, teils auf zuverlässigen Angaben anderer, mit den einschlägigen Verhältnissen durchaus vertrauter Personen. Die Anzahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems beziffert Barsilai auf etwas über *14 000 Seelen. Davon gehören über 27 01)0 den verschiedenen aschkena* s I s e h c 11 Kolelim und über 13 000 der s c p 11 a r* dischen Gemeinde an, die auch Jemeniten, Perser, Bucharcr, Maghrcbincr usw. umfaßt. Ungefähr •1000 Personen beziehen gar keine Chalukah. Nähere Aufschlüsse über die einzelnen Lands* mannschaften bietet folgende Zusammenstellung: Jahresbetrag der Bezeichnung des Kolel Seelenzahl Chalukah pro Kopf Ungarn 2 001) Frcs. 100.— Galizien 3 000 -.40 ״ Siebenbürgen 100 ״ ISO.- Deutsdilaiul u, Holland 170 -.100 ״ Rumänien 000 -.20 ״ Amerika 1 000 Doll. 100.- Warschau 2000 Rbl. 25.- Cliahad 2 500 -.20 ״ Suwalk 1 200 -.25 ״ Wilna und Shaimit 3 500 .. 10.- Grodno 2800 ., 8.— Wolhynien 3 000 -.5 ״ Rcussen 700 —.6 ״ Minsk 1 200 -.4 ״ Pinsk 1200 -.3 ״ Karlin (100 ,. 3.- Ik'ssarahicn 200 -.5 ״ Shitoinir 400 -.5 ״ Waad kol Hakolclim*) 1 000 'Gesamtzahl der aschkc• nasischen Chalukahcmp• fiingcr 170 ך2 י Hierzu kommen die Angehörigen der sepltar* dischen Gemeinde, und zwar Spaniolen 0000, Jemeniten 3000, Perser 1200, Georgier (Gurdschis) 1000, Bucharcr 500, Maghrcbincr (aus Marokko und Algier) 1500, zusammen 13 200 Seelen. Bei den Sephardim beziehen nur die Chacliamim und Jeschihajiinger, sowie Witwen und Waisen Unter* Stützung durch die Chalukah; die übrigen haben einen anderen Erwerb. Aber auch die große Mehrzahl der Asehkenasim kann nur einen geringen Teil ihres Lebensunterhalts aus den Geldern der Chalukah bc* ״) Eine von den Vorstehern verschiedener Kole* lim gebildete Körperschaft, welche an diejenigen Per* souen, die keiner der obengenannten Landsmann* schäften angchören, Chalukahgcldcr aus einem spe* zicllcn Fonds verteilt. Hannover 1SM. Das was sic geschrieben und wie sic cs geschrieben hat, erreicht kaum noch das Niveau der Dutzcndschriftstellerinnen. Daß sie sehr geistreich für eine Frau war, ergibt sich zweifellos schon aus ihrem Verkehr; aber sic besaß allem Anscheine nach nicht wirklich die höhere Gabe, ihren Gedanken schriftlich eine feste Form zu geben. Sic veröffentlichte kurze Skizzen, Ucbersctzungen und Gedichte im Di* Icttantenstil jener Zeit. Da ist zum Beispiel in Kauschs ״Unterhaltungen", (״Freimütige Unter* Haltungen über die neuesten Vorfälle unseres Zeitalters, die Sitten und Handlungsarten der Menschen." Zusammengetragen von einigen deutschen und polnischen Patrioten und heraus* gegeben von Kausch. Leipzig bei I. O. Büschels Witwe 1700) eine Uebersetzung einer englischen Liebesgeschichte von Esther Gad: ״Markus und Monima". Die Geliebte soll vom Vater ins Kloster geführt werden lind Markus, der über diese Nachricht außer sich' ist, hält in seiner Raserei mit beleidigenden Ausdrücken über die vom kirchlichen Standpunkte aus heilige Iusti* tution des Klosters nicht zurück. Zu dieser Stelle bemerkt Esther Gad in einer Fußnote: ״Es würde mich übel kleiden, wenn ich meiner Toleranz eine Lobrede halten würde; ich bin eine Jüdin, und ich muß, selbst in preußi* streiten, Bloß 3270 Personen, die dem deutschen, ungarischen und amerikanischen Kolel angehören, können mit der auf sie entfallenden Chalukah not* dürftig Ihr Auskommen finden; weitere öÜÜÜ Per* sonen decken etwa d i e H ä I f t e ihres Lebens• hedarfs aus den Mitteln der Chalukah, während zwei Drittel d e r j ü d i s e h c 11 Bevölkerung Jerusalems nur ganz minimale Beträge von der C I! a I u k a 11 empfange n und im großen und ganzen auf andere Erwerbsquellen angewiesen sind. Als solche Erwerbsquellen fuhrt Barsilai an: 1. Einkünfte aus Kapital• und Grundbesitz außer• halb Palästinas; 2. Einkünfte aus Kapital• und Grundbesitz in Palästina; 3. Handel, Gewerbe und Handwerk; ¬ו. Unterstützung durch Verwandte außerhalb Palästinas; 5. gelegentliche Unterstützungen. Nach seinen Berechnungen decken aus der unter I genannten Erwerbsquelle etwa 500!) Personen, eben• soviel aus Nr. 2, 2001) aus Nr. 3, 5030 aus Nr. 4 und 3000 aus Nr. 5 ihren hauptsächlichen L e b c n s b c d a r f. Diese Angaben schließen jedenfalls eine wesentliche Korrektur der landläufigen An• schaumigen über die Erwcrbsvcrhällnisse der jüdischen Bevölkerung Jerusalems in sich. Gustav Freiherr v. Heine-Geldern Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der ״Heine-Reliquien“*). Von Heinrich M a r g u I i c 8. Als Heine starb, waren die so häufig angekündeten ausführlichen ״Memoiren“ weder bereits veröffentlicht, noch befanden sie sich im ziigänglielicn Nach• laß. Ruhmlechz.emle Literalen zogen datier auf Entdeckuiigsreisen, um jenem angeblich verborgen ge• haitenen oder verloren gegangenen Manuskript iiachzuforsclien und weihten mühevolle Arbeit einem ergebnislosen Streben. Als sie endlich jedoch ihre Unfähigkeit cingestehen!mißten, als sie dem harrenden Publikum nicht mehr als brockeuartige Reste zu präsentieren vermochten, nahm ihre Eitelkeit Zuflucht zur Sensation und einige Jahrzehnte fütterten sie die Menge mit «benteuerlielien Legenden. Bald — hieß cs — Italic ,der eine Bruder die Memoiren ver• bräunt, weil seiner Staalsratswürdc die Geschichte der bürgerlich-jüdischen Herkunft fatal war, bald hatte sie der zweite entwendet und hielt sie ,nun verborgen, weil sie sein unbrüderlichcs Verhalten kom• promitticreiui Wiedergaben, bald hatte sie ein Fremder gerauht und den Hamburger Verwandten verkauft. Man flüsterte sich zu, daß sie im Kriegsministerium ,dieser oder jener Regierung lagerten, man witterte staatsgefährliche Ungeheuerlichkeiten, kurzum, man wartete mit erregtester Neugier. So geschah cs (luimoristischerwcisc), daß man alle im Laufe der!Zeit publizierten, selbst die wichtigsten und wertvollsten Nnchlaßpapicre nur als spärliche Abschlagszahlungen auf jenes geheimnisvolle Werk belraclitete, das böse, furchtsame oder eigensüchtige Hände der Umwelt voreiithicStcn. Das Gegenwärtige wurde über dem Mystisch-Zukünftigen gering erachtet, wenn nicht gar übersehen, und man wetterte über den Egoismus *) Verlag S. Curtius, Berlin 1911. sehen Staaten, Gott danken, daß man mich toleriert. Das aber erlaubt man mir hier zu ver* sichern, daß cs mich;innigst kränken würde und das Vergnügen vergällen würde, welches mir das Ucbcrsctzcn dieser kleinen Geschichte gewährt hat, wenn irgend ein Katholik an den etwas starken Ausdrücken, die liier und da wieder die Klöster Vorkommen, Aergcrniss nähme. Ich wage nicht es zu entscheiden, in wie fern sie gegründet sind oder nicht; aber als Uebcrsctzerin Wäre es in jedem Falle Vermessenheit von mir gewesen, sic wegzulassen. Uebrigetts überlege man nur wer diese Beleidigungen nusstößt: — ein feurig verliebter junger Mensch — dem man sein Liebchen rauben will. Was spricht, was schwatzt ein solcher nicht alles? Glücks genug, :wenn ers bei unbesonnenen Worten bewenden läßt, oft geht ein solcher zu unbesonnenen, ja sogar strafbaren Handlungen über. Diese Bctrach* tung dürfte eine Apologie sowohl für den Autor als für mich sein. Ich hoffe nun, mich hinlänglich bei vernünftigen Katholiken gerechtfertigt zu! haben, die aber, bei denen alles umsonst Ist, wenn sic einmal eine Meinung gefaßt haben, die — je mm — die mögen mich verdammen.“ — Als Gedichtproben mögen hier Raum finden: ״An meine H. in B.“ (wahrscheinlich war Hen* riette Herz damit gemeint).