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Jüdische Rundschau · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 148. Prediger und gewisse liberale Rabbütcr, die d.i wissen, daß cs jm Judenlandc dereinst ״christliche Juden* geben wird. ..... Wir wollen nur die Heuchelei brandmarken, die darin liegt, wenn ein Herr Dr. Qoldmaitn sich u n s gegenüber als den /Sionswiiehtcr atifspieltl I). Red. . .... % Bericht über den II. l)elc*jiertcn!afl des Verbiindes der jüdischen Juflcndvercine in Deutschland (um 20. Würz in Hannover) Die von über!00 ()elegierten und einer betracht, liehen Anzahl (lüsten besuchte Tagung wurde um!1 Uhr durch den VcrhandsvorsUz.cndcn, R.-A. Dr. Apfel, eröffnet. Aus der'Menge der Hcgriiilungs* tinspraehen sind besonders folgende hervor/.uheben; Prof. Dr. III!1 ment ha I als Vertreter des Zentral״ Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen ülaubens. Kr begrüßte den Verband als künftige Kamnforgani• sation gegen den Antisemitismus speziell unter dem Gesichtspunkt der Rcichstagswahlcn. Herr Abra■ hamsnhn sprach als Deauftragter der llroülogc; Landrabbincr Dr. (1 r 0 n e m a n n im Namen des Rat)• bincrvcrbaniics, Rektor Keiner• Hamburg, für den Lchrcrverhmul. Dr. R 0 s e 11 k r a tt z. im Namen des .,Hundes jüdischer Korporalionen" und Oberlehrer Dr. S c h ü n e in u n n, Hannover, im Namen des ״Kartells zionistischer Verbindungen". Kr führte aus, dall diese Organisation, wie an allen jüdischen Bestrebungen, so auch an denen des Verbandes, den regsten Anteil nehme, denn alles ״was zionistisch ist, ist jüdisch und alles was jüdisch ist. ist zionistisch." (Icschüfisfiihrcr Dr. Kinkel erstattet den Rechenschaftsbericht. Meyer, Krankfurt a. M. referierte Ober die Kassen Verhältnisse. Den Hinnahmen von 1800 M. standen mehr als 8000 M. Ausgaben gegenüber. so dalt über 6000 M. durch Subvention und freiwillige llcträgc gedeckt werden muhten. Erster Redner der Generaldebatte ist Herr Isi Kahn-Cöln a. RI1. ״Was uns not tut.“ führte er aus, ״ist eine gewisse Verinnerlichung. Wir dürfen nicht stehen bleibcn. Wir müssen in der Kleinarbeit, im K.inzelvcrein Ernst machen mit dem Bestreben, ein lebendiges Judentum zu erwecken und uns an/tteignen. Di. MUp 7. * Nürnberg kritisierte die Verbandsv.citung und gibt seiner K.ntrüstung darüber Ausdruck, üah bei der Enquete über die Judenemanzipatiou auch Täuflinge wie Maximilian Harden zur Beteiligung aufgefordert wurden. (Lebhafter Beifall.) Redner biltet ferner, die Stellungnahme der K.inzcllogen, den Kinzelvcreincii gegenüber zu erörtern, da sehr häufig die Einzellogen entgegen den Intentionen der Grolllöge den JugciulhcMrcbimgcn nichts weniger als U11terstützung angedeihen lassen. Hans 00 s I a r - Berlin kritisiert ebenfalls das Verbandsorgan. Redner wendet sich ferner gegen die liberale Jugendbewegung und fordert, dall den Kinzclvcrcincn drauilen im Reiche die Weisung gegeben werde, überall den etwa ncucntsiehciulcn liberalen Vereinen entgegenzutreten. Zum Schlul! bittet er alsdann, von Verbandswegen bei denjenigen Vereinen, in deren Statut sich ein Verbot der Erörterung religiöser und politischer Streitfragen hefindet, die Kliminierung dieses Passus zu vcranlasseil. (Klnc dahinlautendc Resolution wurde nach Schlul! der Generaldebatte a n g e no m nt e n.) N o 111 in a n n - Breslau bittet um Krürtcrung der Tiirnlragc. In Breslau gibt es einen jüdischen Turnverein, der jedoch auf nationaler Grundlage steht und ohne sich zu beteiligen. Jetzt begann er, erst leise, dann immer eindringlicher zu reden. Der Dichter: ״Wirklich, eine jüdische Kunst gibt cs heute noch nicht. Sic kann erst auf dem gemeinsnmen Heimatboden Palästinas aus dem wiedergeeinten Volke entstehen. Wir haben heute nur jüdische Kürbungen fremder Kunst. Aber warum sollten wir an einer Ncucutstchung jüdischer Kunst verzweifeln, wo schon der Beginn, die Klnlcitung der Jüdischen Einheitsbewegung, auch einen Ansatz zu neuer jüdischer Kunst mit sich gebracht hat. Lassen Sie sich etwas von mir erzählen. In mir war es tot und keine Stimme sang in meinem Innern. Da wurde ich vom Zionismus ergriffen. Und da, mit einem Male bricht aus meinem Innern ein Strom von Gefühlen, die nach künstlerischem Ausdruck verlangen. Wohl gab cs drinnen durch mich selbst und draußen durch die irentde Sprache Hemmungen. Und doch: Ich überwand die Hemmungen. So ward das Judentum zum ersten Kaktor, der mein Kunstschaffen bedingte. Alles andere erhielt sekundäre Bedeutung. Ich erlöste mich und andere. Da sollte man verzweifeln?" Der Journalist: ״Das Ist die Kunst der Kleinen, die Ideen braucht." Der Maler: ״O, still! Erschaudert nichts in Ihnen, wenn sich etwas Neues, Qroßes. enthüllt? Wenn sich das Mysterium einer Seele offenbart, da soll man sich hingeben und lauschen. Der Strom, der da Hießt, ist schwach und leise sein Rauschen. Wer es vermag, der soll helfen, daß der Strom einst gewaltig wird und sein Tosen aller Welt Seelen er- JÜDISCH 1: RUNDSCHAU No. H. daher vielen Jiigcndvcrcinsmitglicdern unmöglich macht, ihm bcIziUrctcn. Andererseits ist cs indessen wen 11׳ angebracht lind oft unmöglich, den nlchljüdi* sehen Turnvereinen beizutreten. Kin/clite Redner polemisieren gegen das Ueberliamhichmcn zionistischer Bestrebungen und insbesondere gegen die Worte Dr. S e 11 ü tt c m a uns: ״Alles was jüdisch Ist. Ist /.Ionlstiseli. Dr. Simon-Berlin kritisiert das mitokratischc Verhalten Dr. Apfels. Viele Beschlüsse würden von ihm ohne die erforderliche Einholung der Zustiminnig der übrigen Vorstandsmitglieder gefallt. Schluß der Vormittagssitzung V:2 Uhr. Nncliniltiagssli/uii«. Beginn 3 Uhr. Der Saal ist dicht gefüllt. Heim ich Ma r g tt I les - Kattowitz. führt heftige Klage gegen den Geschäftsführer und den Redakteur. An mehreren Beispielen charakterisiert er das Bestreben der Leitung, jede positiv jüdische Strömung z» unterdrücken. Die Anschauungen, die Isi Kahn hier unter allseitigem Beifall zum Ausdruck!)rächte, werden von der Leitung resp. vom Redakteur der Zeitung rücksichtslos bekämpft mul unterdrückt, sobald der Wortführer ein Zionist ist. Rechenschaft*, und Tatsachenberichte werden skrupellos entstellt, d. h. jeder Satz, der ein etwas positives Judentum verrät, wird vollständig, sinnwidrig oder überhaupt nicht wicdcrgegcbcn. Der Verein Kattowitz. wurde durch Kurt BlumenfeUl gegründet. Diese einfache Angabe ist genug positiv jüdisch, um das Mißfallen des Redakteurs zu erwecken ~ sie wird gestrichen ebenso wie die Bemerkung, dal! der Verein das jiidlsehe Vereiitslicdcrbtteli In 151) Exemplaren äugeschafft hat. Zum Schluß kommt Redner auf den Versuch der Leitung zu sprechen, der Mandatbcsetz.ung in den Kinzclvcrcincn Schwierigkeiten zu bereiten, sobald es sielt um Zionisten handelte. Kr wendet sich in schärfster Korm gegen diese vollkommen ungerechte, jede rechtliche und sachliche Grundlage entbehrende Wahiheciidlussung und gegen das Einmischen in Angelegenheiten, deren Erledigung einseitig lind allein dein Einzelvercin zustcht Verbandsvorsitzender R.-A. Dr Apfel sticht sein Verhalten zu rechtfertigen. Die Eliminierung gewisscr Stellen im erwähnten Vercinsberieht erschien ihm notwendig, um ln gegnerischen Kreisen nicht den Eindruck zu erwecken, im Verbände werde zionistiscite Propaganda betrieben. Ebenso erklärt sich die Beanstandung der Wahl Kurt HUtmeidelds teils auf formalen, teils auf politischen Gesichtspunkten. . Dr. R osenk ranz.•Berlin polemisiert gegen Dr. Aitfels Rechtfertigungsversuche, die jeder Stichhnltigkcii entbehren. Auch protestiert er dagegen, d.iß der Vorsitzende und die ihm nahestehenden Kreise Vereinsmitglicder. sobald sie Zionisten sind, sofort gleichsam etikettiert. Demgegenüber müsse er nachdrücklich betonen, daß die Zionisten Anspruch erheben auf völlige, rückhaltlose Gleichberechtigung. Am Vercinsberieht Kattowitz sieht man, wie Segens• reich ünd doch neutral ein Verein wirken kann, sobald er von Zionisten geleitet wird. Sein Vortrags- und Arbciüprograunn ist geradezu vorbildlich zu nennen. Redner wendet sielt schließlich ebenfalls gegen das eigenmächtige Handeln des Verbandsvorsitzenden. Obwohl die Generaldebatte bereits um l Uhr geschlossen werden sollte, stehen um 5 Uhr noch 20 Redner auf der Liste. Die Redezeit wird auf 5 Minuten beschränkt. Kurt Bl 11 men leid• Berlin unterstützt die von Hand Goslar cingcbrachtc Resolution. Das Neutral!• tätsprinz.ip kann mir ein formales sein und als Grundläge diene״, nicht aber als Selbstzweck. Unser Ziel soll sein, die Mitglieder durch Diskussionen zur Sielhmgnahine zu zwingen und sic zu veranlassen, sich schildern macht, liier gilt nicht klein oder groß. Vielleicht wahr oder unwahr. Die Zukunft wird cs beweisen. Ein jeder kann nur seinen Teil an dieser Zukunft schaffen. Ich aber meine zu (Uhlen, daß icli am Ende einer Entwicklung stehe: uncrlöst und unfähig, zu erlösen. Ich sehe die Zukunft, ich höre sie schreiten. Sic naht erlösend. Alt und erstorben kamt ich nur lauschen, wie mit ihr der neue Krühling kommt. Ich bin die Vergangenheit. Die Zukunft ist der anderen." Nach diesen Worten legte sielt wieder tiefes Schweigen über sic. Wultor Levlit. Das Märzheft der Jüdischen Tiiriizclfuitg zeigt wieder einmal deutlich, wie weit die Ziele sind, die• sielt dies fürdernswerte Unternehmen gesteckt hat. Die wichtigen Aufgaben organisatorischer Natur, die der ״Turnz.eitung" als offizielles Organ der .,Jü* discltcn Turnerschaft" Zufällen, treten häufig zurück hinter den wertvollen Arbeiten, In denen zu allen Kragen der jüdischen Sozialhygiene — Im weitesten Sinne — Stellung genommen wird. Diesmal bc• spricht Dr. mcd. Sam. Weiß-Hamburg Ignaz Zollsc ha ns ״Rassenproblcm" und nimm♦ dabei hauptsächlich auch auf Judts' grundlegende Arbeit Bezug. Dr. mcd. Eisenstadt*Berlin entwickelt in freimütiger Weise seine Ansichten über ״Körperliche Uebimg und sexuelle Hygiene" und verficht dabei mit sozialliygienischcu Argumenten seine allerdings vom ökonomischen Standpunkt angreifbare Forderung der eine Meinung zu bilden. Nur der Verband als solcher, nicht aber die Eiii/clmitglicdcr sollen neutral sein, (Die Redezeit ist abgclmtfen. Zurufe aus der Versammlung: ״Wciterredvii.” Vier vnrgciucrkic Redner verzichten zugunsten BhimcideUls. Diesem werden weitere zehn Minuten Redezeit gewährt.) In vorgerückter Stunde wird die Ucncraldel>.1t1e geschlossen. Der folgende Punkt der Tagesordnung: ״ShtUUcu.imlenmg" wird rasch durchgepeitsdtl. W«. seiitliehe Aendenmgen ergeben sich nur im dem Pa. tagraph, der von der Zusammensetzung des Vorst,01• des handelt. Künftighin setzt sich dieser zusammen aus einem persönlich zu wählenden ersten Vorsitzen• den und acht Vereinen, die den verschiedenen Laudcstcilcn aiigehörcii. Die sich hieran anschließende Wahl hatte folgendes Ergebnis: Dr. Apfel erster Vorsitzender (einstimmig) die fünf bisherigen Vorstands, vereine (einstimmig) und schließlich die Vereine Bus• lau, Straßburg. Thorn. Nach einem von Kurt Blume nie Id da ז gebrachten Vertrauens- und Dankesvotum für den 1 eitcr der Tagung, Dr. Apfel, wurde die Sitzung geschlossen . ,, , . Am nächsten läge fand eine Besichtigung der Erziehungsanstalt Ahlem statt. . Der X. Kongress DerX. Kongress findet vom 9. bis 15. August 1911 (15. bis 21. Ab 5671) in Basel in den Räumen des Stadtkasinos statt. Die gesammelten Schckclgcldcr müssen bis zum 30. Juni 1911 nach Köln oder an die Zahlstellen des J. C. T. überwiesen worden sein. Für die Wahlen zum Kongress ist nur die Zahl der bis zu diesem Termin in Köln oder beim J. C. T. eingegangenen Schekelgelder massgebend. Die Wahlen zum Kongress sollen in der Zeit vom 3. bis 8. Juli 1911 stattfinden. Die Protokolle über die erfolgten Wahlen müssen spätestens bis zum 15. Juni 1911 in den Besitz des Zionistischen Zcntralbureaus in Köln gelangt sein. Proteste gegen vorgenommene Wahlen sind sofort nach der Wahl gleichzeitig bei der Landsmannschaft und beim Actions-Comitd mit ausführlicher Begründung cinzureichen. Nach dem 15. Juli einlaufende Proteste können nicht berücksichtigt werden. Die Protokolle über die Wahlhandlungen sind ordnungsgemäss aufzunehmen. Formulare können von uns in beliebiger Anzahl bezogen werden. Zionistisches Zentralbureau, Köln. jüdischen Kröche. Kritz. Abra 11 a m - Berlin bespricht in längeren Ausführungen die Aussichten judisch-n tionalcr ״S p 0 r t a b t c i I u 1» g c u", wie sic fet t erstmals im Berliner ״Bar Kochba" tut Entstehen he. griffen ist und Josef Si I b c r b c r g - Wien endli.l! redet in kurzen Sätzen dem Züglingxturnen d*׳s Wort. Die Rubrik ״Aus der Jüdischen Turncrwe't und der übrige Inhalt geben ein anschauliches Bä I von dem regen Leben, das allenthalben in jüdisch•. t Turnvereinen he.־*cht. Nach all dem bietet me ״Jüdische Turiizeitutig" nicht nur unseren Turnet!1 ein wertvolles Organ, sondern sie findet auch imttr.r mehr Verbreitung in allen Kreisen, die an der R generation des jüdischen Stummes Anteil nein5׳.*״• Der!*reis ist billig (M. 3,50 im Jahre für Deutschland und Oesterreich-Ungarn). Die Adresse: Jüdisch Turnzcitung Berlin C., Alexanderstr. 39. Ein Inserat des ״Berliner Tageblatts“ 0crm*n.(!n11IUh Soolely. ClinMi.ni Indict and icnllcmcii *ho tikc to lotet ptca»c 10 *nie 10 Dr. Thtm. SW., Solrtmir. II, I tot naMictibrv Die Verbrüderung im Sinne des Taufjuden Erncst Cassel scheint rüstig fortzuschrcltcn. Daß die Juden gerade für diese Kulturzwccke ein ungeeignetes Element darstcllen, ist eine Entdeckung, deren Originalität man Herrn Dr. Th im wird zugeben müssen. H, \

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