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Jüdische Rundschau · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 12. IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 139. wüschen Heimat wurzelnde mit Und und Leuten, Undcssprae he und Sitten vertraute Persönlichkeiten sollen auf diesem Seminar nnsgcbildet werden, die berufene religiöse Leiter und Berater innerhalb ihrer Gemeinde wie deren Vertreter den Behörden gegen- Uber sein können. Auf Anregung des» Hilfsvcreins der Deutschen •luden ist ferner in Haifa ein J h d i - 5 c 11 e s Institut für technische Kr• /ich H n u in Palästina beser tindet worden, das bereits im Bau begriffen ist und in den nächsten Jahren ins Leben treten wird. Auf diesem Institut werden Techniker und Handwerker ihre Ausbildung empfangen. und durch sic werden der Sache der .Im'cnhcit wie zugleich dem Lande die grünten Dienste erwiesen .werden können. Hs wird dann die Möglichkcit gegeben sein, grolle jüdische Massen in produMiven Berufen dauernd zu beschäftigen. hie 1• 0 r d c r u n g des orientalischen Judentums, die auf diesem Wege in vielfacher Richtung 1*1 atz greift, geht «eit hinaus über den u n in i 11 c I b a r c n Nutzen für die H c ra n ge bi I d c tc n. Stellen ,11. .Inden im Orient auf einem höheren kulturellen N;veau. dann gewinnt der Orient auch für die unterih ״eklen and elenden Juden von Osteuropa, in Rull■ (ializien• Rumänien eine wachsende Bedeutung. Bei der nahen Lage des Orients zu den Ländern der gi׳'■*Men Not und Bedrückung der Juden werden sich immer engere Wechselbeziehungen zwischen diesen l.ämlcrn und dem Orient hcrausbilden, die der gesamten Judenheit zum Vorteil gereichen können. Der Vortragende schlicht seine mit grollet״ Beilall mitgenommene Rede, indem er an die Unterstmznng der deutschen Judenheit appelliert, um dieses großzügige Hilfswerk weiter durchführen zu können. Das Bild über die Tätigkeit des Hilfsvercins v in de ergänzt durch die Ausführungen des General- Sekretärs. Herrn Dr. Bernhard Kahn, auf dem Ge■ biete der Auswanderung. In den Jahren I9n8 und!1«יין war eine merkbare Abnahme der jüdischen Auswanderung cingctretcn. Im Berichtsjahr aber hat sich hauptsächlich infolge der Bedrückung der Juden in Rußland die jüdische Kmigration wieder bedeutend vermehrt. Sic betrug im Kalenderjahr 1910 93107 Personen allein nach den Vereinigten Staaten gegen 74 643 im Jahre 1909; sic hat sich also um 25׳׳״■ vermehrt. Die Gcsamtauswandcrutig nach den Vereinigten Staaten, nach anderen überseeischen Gebieten und nach kontinentalen Ländern ist auf 120 000 Juden zu veranschlagen. Zimt Schluß erstattete Herr Bankdirektor Krnst S i m o n den Kassenbericht, aus dem hervorging, daß die Finanzlage des Vereins, trotz der über- .ms großen Anforderungen, die in den letzten Jahren an den Verein gestellt worden sind, nicht ungünstig ist. und daß der Verein im Jahre 1910 für seine Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten rund eine halbe Million aufzuwenden in der Lage ge• wesen ist. Zum Schluß wurde noch eine Reihe von Neuwählen vorgenommen. .eben zu rufen. Das hinge Unternehmen soll schon mit Beginn des nächsten Sommersemesters ins Leben treten. Nicht nur in Deutschland allein, sondern auch im Ausland das Jährlich hunderte von jüdischen liuigen Technikern nach Cliarlottcnburg entsendet dürfte diese Nachricht mit großer Genugtuung aufgenommen weilen. . Ks wäre daher auch sehr wünschenswert, wenn die ausländische jüdische Presse von diesem Projekt Notiz nehmen würde. Da der Plan zji diesem Projekt von Männern, wie Jakob Tiigcndreich und Dr. Arthur Kahn ausgeht, so braucht wohl kaum liinzugcfilgt zu werden, daß es sieb hier nicht um ein geschäftliches, sondern um ein rein iiidiscli-huinanitüres Unternehmen handelt Hannover. Sei längerer Zeit sind hier Bestrebilligen Im Gange, einen modernen Kbidcrliort zu gründen, der die Kinder des liier zahlreich ansässigen jüdischen Proletariats in der schulfreien Zeit aufnimmt. Durch die Initiative der A. & F. Simonsehen Stiftung sind letzt die vorbereitenden Arbeiten zu einem Abschluß gediehen. Ktwa 20000 Mk. wurden durch Sammlungen aufgebracht, 34 000 Mk. sowie das Baugrundstück gibt ein, seinerzeit von Moritz Simon gegründeten Verein zur Förderung des Handfertigkeits-Unterrichts insgesamt 32500 Mk. gewährt die A. & F. Simon’sclie Stiftung. Kin großes Grundstück für Gartenbau- und für Erholungszwecke steht zur Verfügung. Werkstätten zur Beschäftigung der Kinder werden gebaut. Der Grundgedanke ist, den Nachwuchs unserer ärmsten Glaubensgenossen, der ohne Eingriff von außen dem Hausierhandel oder imvi lernten Berufen überantwortet wird, frühzeitig zur Freude an gelernter und gewerblicher Arbeit zu erziehen, was hoffentlich später seinen Einfluß auf die Berufswahl äußern wird. Hannover. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands hielt am Sohntag seinen zweiten Verbaiulstng ab, auf den! 61 Vereine aus allen Teilen des Reiches vertreten waren. Im ganzen zählt der Vorhand jetzt 70 Vereine mit 8669 Mitgliedern. Einen lireiten Raum in den vom Rechtsanwalt Dr. Apfel- Berlin geleiteten Verhandlungen nahmen die liberalen Jugeudvereine in Anspruch. Die Frage nach ihrer Existenzberechtigung wurde grundsätzlich verneint. Der Verband will neutral sein und schließt deshalb alle politischen Tendenzen aus. (Ausführlicher Be rieht folgt) =S VOM״BeZALeL» Im Mai d. J. wird in Odessa eine allgemeine Industrie- und Kunstgcwcrbeausstcllung eröffnet werden. Der Vorsitzende des Odessacr Palästinakomitees, Ing. M. M. Ussischkin, hat mm einen eigenen Pavillon zur Ausstellung der Erzeugnisse der Kunstgewerbcschule Bczalcl in Jerusalem gemietet und für diesen Zweck bei der Leitung der Schule Ausstellungsgegenstände im Werte von 20000 Francs bestellt. Im Bczalcl wird jetzt fieberhaft an der Herstellung der betreffenden Objekte und Waren gearbeitet. Prof. Schatz wird unmittelbar nach dem!’essachfest nach Odessa reisen, um die Vcranstalnmg der Bczalclausstcllung persönlich zu überwachen und gleichzeitig in verschiedenen Städten Rußlands für den Bczalcl Propaganda zu machen. AUS'DEN 6€M€IND€N Cliarlnttcnhurg, Obwohl schon seit vielen Jahren das berühmte Polytechnikum hier von tauseut.vn jüdischer Studenten frequentiert wird, waren bisher mir ganz w׳cnigc in Privatpension wohnende Mudierende in der Lage, sich rituell beköstigen zu k »nnen. Weder existiert in Charlottenburg ein für die Polytechniker günstig gelegenes, noch billiges, nocli überhaupt jüdisches Restaurant und außer den liier wohnenden am Polytechnikum studierenden Jun- '׳ui jüdischen Leuten, war auch den nicht wenigen an den Musik- und Kunstschulen Studierenden Gelegcnhcit rituell zu leben nicht geboten. Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß junge Leute, denen ohnehin kein Zutritt zu jüdischen Familien- I reisen oßcnstcht, und die durch äußere Verhältnisse gezwungen werden, dem vielleicht noch letzten Ankcrminkt und Berührungspunkt mit dem Judentum durch Aufsuchen nichtrituellcr Restaurants zu entraten.‘haben einige jüdische Männer beschlossen eine ntensa acadoiulca, ein ' Spotschaus für jüdische Studierende, überhaupt für jüdische junge Leute ins freuen hatte, namentlich aus den Kreisen, auf dio ihre Wirkung beabsichtigt war, und die in die vielen jüdischen Versammlungen der zu Ende gehenden diesjährigen Arbeitsperiode eine neue, erfrischende Note dadurch brachte, daß sic mit turnerischen Vorführungen verbunden war. Fräulein Dr. Grete Ehren* borg gab vom ärztlichen Standpunkt aus ein gehaltvolles Referat über ״Die hygienische Bedeutung des Frauenturnens". Unter allen Leibesübungen sei das Turnen das geeignetste Mittel, den Frauenkörper gesund, kraftvoll, elastisch und — schön zu machen. Dann sprach Fräulein B c 11 i E g e r über ״das moderne jüdische Frauenturnen“. Die gewandte Redncrin fand treffende Worte über Ursache und Ziel der jüdischen Turticrc! und forderte zu aktiver Mit- Wirkung an dieser positivsten jüdischen Frauenarlicit auf ־ ■ Die beiden Referate wurden durch die folgenden turnerischen Vorführungen einer aus zwölf Damen bestehenden Riege des ״Bar Kocltba“ glänzend illustiicrt. Zunächst wurde unter Musikbcglcitung eine Gruppe von Freiübungen schwedischer Art gezeigt, die in ihrer Darstellung plastisch wirkten mul1 zugleich einen hohen ästhetischen Genuß boten. Weiche Kraft und Gewandtheit in ihnen slcckt, bewesen die Barkochbancrinncn im aus* gezeichneten Turnen am Barren. — Die Vcranstal• tung. die von der Frauenabteilung des ״üarkochba" vorbereitet und geleite! wurde, zeigte, daß das Frauenturnen im ״Barkochba“ auf einer Stufe steht, die allen modernen Anforderungen gerecht wird, und daß den Frauen im ״Bakochbu" eine vom Mann unabhängige, selbständige Stellung mit den weitesten Arbcitsmögliehkoitcn cingerüumt ist. Berlin. Am Sonnabend, dem 25. März, abends Uhr abends, findet in den Sophieu-Sälcn, Sophien- Straße 17, eine Versammlung der zionistischen Gruppe ״Kadimali" statt, in welcher Herr Leo M o t z k i n über .,C h i b a t h Zion, Erinnerungen und Eindrücke" referieren wird. Gäste willkommen. Berlin, litt Jüdischen Jngendßuiid Berlin spricht am Donnerstag, dem 30, März, Herr Prof. Dr. Carl Lc w in über ״Rasscnproblcme“. Lokal: Burghotcl, Burgstr. 20. Anfang 9 Uhr . Damen und Herren als Gäste willkommen. »׳׳'» AUS HAMBURG-ALTONA Die Mlsrnclil-Gruppe der Zionistischen Ortsgrupp׳.■ Hamburg-Altona veranstaltet am Montag, den 27. März, abends S'A Uhr, im Logenheim, Hartungs• stralic «)/II, eine öffentliche Versammlung anläßlich des Schekcltages. Als Referent ist Herr Rabbiner Dr. W. L c v y Cliarlottcnburg gewonnen worden. Sein Vortrugsthema lautet ״Warum kann ein g es c t z c s t r c n c r Jude nicht A n t i z i 0 n i s t s cin?" In der letzten Sitzung des erweiterten Vorstan׳ des der zionistischen Ortsgruppe wurde beschlossen, in der allernächsten Zeit 4 Schckcltagsvcrsamm• hingen in dersclilcdencn Stadtteilen Hamburgs abzu halten und Ende April eine große Propagandaver« Sammlung mit einem Mitglicdc des Jüdischen Klubs als Redner. Der jüdische Turnverein Bur Koclibu veranstaltet am Sonnabend, den 25. Mürz, abends 8V% Uhr, im l.ogenheim einen Vortragsabend. Dr. Martin Auer b a c h wird über ״Spiel und Sport" sprechen. Gäste sind willkommen. Nach dem Vortrage findet gcmlitlictics Beisammensein der Mitglieder statt. Bedauerlicherweise wurde unserem vorwöchigcn Ersuchen, dio rückständigen Jahresbeiträge Mk. 10, oder, sofern bereits Mk. 6, gezahlt wurden, dio zweiten im März fälligen Raten Mk. 4 zu überweisen, nur in sehr vereinzelten Fallen stattgegeben. Wir ersuchen daher unsere Mitglieder, auch jene der Misraclii-Gruppc, in ständigst, die rückständigen Beiträge unserem Konto hei der Dresdner Bank oder dem Postscheckamt Hamburg Nr. 327 nunmehr ohne Verzug zu überweisen, damit die Zustellung der ״Maschen Rwidsclwtw“ Kerne Unterbrechung erleide, aber auch, um der Kassenverwaitung weitere Kosten und Mühe zu ersparen. Die Einziehung der Schckoliin im Kongreßiahro absorbiert ein derartiges Maß von Arbeit und Zeit, daß cs Ehrensache eines jeden guten, organisierten Gesinnugsgenossen ist, die Verwaltung durch selbständige Erfüllung seiner Beitrags- Pflicht zu entlasten. Die Kassenverwaitung. Landau. Wir erinnern unsere Freunde daran, daß sich die Matcrialicn-Sainmclstcllc für Staniol, Zigarrenspitzen usw. hei unserem Og. Iwan Grüner, Altona, heim grünen Jäger 25. befindet. M6 Berlin. Die Frauon-Abtcllungcn des JiidlBclion Turnvereins ״Bar Kochba“ veranstalteten am 21. März im ״Tiergartenhof" eine öffentliche Vers a m m I u n g, die sich eines guten Besuches zu er- Berlin, Am letzten Sonntag hat der Verein ״Kndlmah" (Untergruppe der B.Z.V.) in den Sophien- Sälen die Eröffnung der von ihm in der Grenadierstralic 34. gegründeten Lesehalle und Bibliothek gefeiert. Die Feier begann mit einer kurzen Ansprache des Herrn Chelcmcr. worauf Herr H. Motzkin in einer an Form und Inhalt glänzenden Rede seine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck brachte, daß dieso höchst sympathische Institution gerade im Zentrum des Berliner Jüdischen Ghetto sich befinde. Jedo national-kulturelle Unternehmung, wenn sic sogar keinen direkt zionistischen Charakter trägt, fuhrt zur Judaisicrung der mit ilmi in Berührung kommenden Massen, welcher Umstund sic endlich zum Zionismus näher zuführen wird. Dr. Sch. Lewin hat in einer glänzenden hebräischen Rede den Gedanken auseinandergesetzt, daß der Zionismus die Arbeit vieler Generationen sei. Die weitere Fortführung der Arbeit darf nicht nur auf ״Logik und Erfahrungen" basieren, sondern auch mit Oefühl und Extase durchdrangen sein. Äußere Hindernisse dürfen nicht uns von unserer nationalen Arbeit abhaiten. Das Hcbrüischsptcchen darf nicht als Demonstration hetrachtet werden. Die hebräische Sprache ist eine lebendige, dio in uns fortlcbt und sich weiter entwickelt. Dr. Zlocisti hat in fesselnder und lebendiger Weise einige seiner Erinnerungen übergeben. Die erste durch die Chowewc-Zion vor ca. 20 Jahren gegründete indische Bihliothek hat diel Notwendigkeit einer derartigen Anstalt im Jüdischen Ghetto zur Genüge bewiesen. Weiter schildert Redner in lebhaften Farben das ungeheuere geistige und materielle Elend unter den Ghetto-Massen in Berlin. Als Merk- . mal ihrer vollständigen Verwahrlosung in nationaler Hinsicht bezeichnet Redner den tragi-koinischcn Umstand, daß ein beträchtlicher Teil der lungeren Generation bei vollständigem Mangel jedes jüdischcn Wissens den Berliner Dialekt besser als mancher Sprccathcncr beherrscht!, dagegen unternehmen die Väter Wallfahrten nach den Höfen der verschiedenen ״Zadikim“. die ihre Residenzen in den entlegensten Orten Galiziens und der Bukowina haben. Die Aufgabe der ״Kadimah" soll darin bcstehen Licht und Aufklärung unter diesen Massen zu verbreiten. Nach den Ansprachen begann der geseßige Teil der Feier, der in Deklamation und Vorträgen von Volksliedern bestand. X. Berlin. Die von der zionistischen Gruppe ״Kndittinli" neubcgründctc Jüdische Volks- Lesehalle und Bibliothek ״Kadimah" (Grenadierstralic 34) ist täglich von 7—10 abciids, Sonnabends und Sonntags von 3 Uhr nachm, bis 10 Uhr abends geöffnet. Entree unentgeltlich. Berlin. Mittwoch, den 15. März, versammelten die Berliner Zionistischen Vereinigungen etwa 800 Besucher bei einem fröhlichen P u r i in f c s t. Den künstlerischen Teil bildete die schon lange angckündigte große aktuelle Revue, die auch diesmal wie in früheren Jahren von den Hcrifcn Rechtanwall Gronemann und Lazarus Barth verfaßt und

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