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Jüdische Rundschau · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sdtc 138. .1 UEPISCHE RUNDSCHAU No. 12. iligungcn nach sich gezogen, den Ruin zahlreicher Familien bewirkt und de« Klcinkrcdit in der heilige« Stadt gänzlich vernichtet. Unter dem Kindruck diescr finanziellen Katastrophe hat von neuem eine lebhafte Bewegung eingesetzt, die die Organisierung der aschkcnasischcn Bewohnerschaft Jerusalems zu einer regelrechten Gemeinde mit geordneter Verwaltung nnstrebt. Gabe cs in Jerusalem eine organisierte jüdische Gemeinde mit einem ordnungsgemäß gewählten Vorstands- und Repräscntantcnkollcgiuni (SV a a d 11 a i r — wie eine solche Vcrtctimgskörpcrschaft hier genannt wird), so würde die offizielle Gemeindevertretung die Verwaltung der verschiedenen gemeinnützigen Anstalten in wirksamer Weise überwachen und dem Willkürliehen Schalten und Walten einzelner ««verantwortlieber Personen ein Kndc machen. Frühere Beimilmngcn nach dieser Richtung hin scheiterten an dem Widerstand der führenden orthodoxen Kreise, insbesondere der Rabbiner. Neuerdings scheint jedoch selbst das aschkcnasischc Beth-Din die Notwen• digkeit der Wahl eines Waad-ilair angesehen zu haben. Am 5. d. Mts. fand in dieser Angelegenheit eine große öffentliche Versammlung statt die von zahlreichen angesehenen Bürgern besucht war, jedoch nicht zu dem gewünschten Krgebnis führte. Beinnächst soll eine zweite größere Versammlung stattfinden, in derauch das Rahhinat vertreten sein dürfte, und von der man hofft, daß sic die Modalitäten für die Wahl eines Waad-Hair unter allgemeiner Zu- Stimmung endgültig fcstsctzcn wird. Dieser Körperschaft würde dann wohl auch die Aufgabe Zufällen, die Neubesetzung der seit dem Tode R. Samuel Salants vakanten Oberrnbblncrstcllc der Aschkennsim in die Wege zu leiten. Palästina-Ausstellung bet V/ertheim Vom 27. März bis 1. April Jindet in den Räumen der Volkskunst-Ausstellung bei A. Wertheim (Lclpziger Platz) eine Ausstellung von Palacstina- Spitzen und anderen kunstgewerblichen Gegenständen statt. Die Veranstaltung geht vom ״D c u tsehen L y z c u m - KI u b" aus, dessen Leitung: auf Grund eines Vortrages von Davis Trictsch (im April vorigen Jahres) Interesse an der Sache r.ahm. Die ursprüngliche, schon für den vergangenen Herbst geplante Ausstellung, wurde aus verschiedenen Gründen bis jetzt vertagt. Diese Palacstina-Spitzen sind in einer g a n z eigenen, nirgends sonst geübten Technik bergestellt und finden die Bewunderung aller Kenner. *) Als Industrie für die jüdischen Mädchen und Frauen der palaestincnsischcn Städte und Kolonien bietet die Verfertigung dieser leinen Nadclarbcitcn den besonderen Vorteil, daß hierzu keine andere Masehincric als eine gewöhnliche Nähnadel und kein kostbareres Material als Nähinaschiiicngarn erforderlich ist. Auch die Lehrzeit ist eine so geringe, daß hier tatsächlich die Industrie gegeben ist, die In den gedachten Hinsichten nicht mehr zu übertreffen ist. Der einzige Nachteil liegt darin, daß die Sache von jüdischer Seite bisher so zögernd und zaghaft angegriffen wurde. Daher kommt cs auch, daß sic bis heute ein kleiner Anfang geblieben ist Aber erst wenn statt der jetzigen ca. 100 jüdlsehen Spitzcnarbeitcrinnun einigt: tausend dabei Beschäftigung finden werden, knnn sich aus diesen kleinen Anfängen eine wirkliche Industrie entwickeln. Hoffentlich wird die große Ocffcntlichkcit, die eine Wcrthcimschc Ausstellung der Sache siebt auch das jüdische Interesse an den Möglichkeiten dieser und ähnlicher Krwerbszweige für die Judenschaft Palacstinns wesentlich steigern. Zur Ausstellung gelangen außer Herrn Trictschs Kollektion die in den vom Frauenbund unterstützten Ateliers hcrgcstcllcn Spitzen, wie auch Arbeiten aus Bezalel-Schulc. Näheres in einem ausführlichen Aufsatz der Zeitschrift ״Palacstina‘', Oktoberheft 1910. ziomsTiscHe bcwcgung Zionisten! Der X. Kongreß naht heran. Kr wird ein mar* kantcr Abschnitt in der Geschichte der zionistischen Bewegung werden. Der X. Kongreß wird eine machtvolle Demonstration der Entschlossenheit und Ausdaucr darstcllcn, mit welcher wir, erfüllt vom jüdisehen Volksbcw'ußtsctn, der Verwirklichung unserer nationalen Ideale zugestrebt haben; ein Markstein uuf dem Wege, den wir mit so vielen Hoffnungen beschritten haben, der uns zu unsenn Ziele führt. Wir alle sehen die Bedeutung und Wichtigkeit des X. Kongresses nicht in dem Umstand, daß unser Kongreß zum zehnten Male Zusammentritt, sondern In der bedeutsameren Tatsache, daß er eine Imposante Manifestation ist für die unwandelbare Treue unseres Volkes zu seinen nationalen Bestrebungen. Schon ein flüchtiger Blick auf die Wcltcrcignissc, soweit sie die Lage des jüdischen Volkes berühren, muß wenn dies überhaupt noch nötig wäre — unsern Glauben an die ticfgegrttndctc Berechtigung unseres Standpunktes bekräftigen und muß alle Zionisten zu intensivster und entschiedenster Arbeit anspornen. Die Verhandlungen, die vor kurzem In einigen europäischen Parlamenten stattfanden, lehren uns. wie fern noch die Stunde ist, in der die Unter* driiekung unseres Volkes aus den Satzungen der zivilisierten Welt verschwinden wird; wie viel ferner noch die Stunde, ln der das Ideal der Menschheitsverbruderimg, von der die Dichter singen, zur Wirklichkeit wird. Niemals ward cs klarer aIs heu t c, im aufgeklärten 20. Ja 11 rhundert, daß dem Judentum einzig und allein durch die jüdische Arbeit gehalf c tt werden kann. Dieses Prinzip Ist das Fundament unserer Organisation, und wir rufen Ruch auf, unsere Organisation durch Kure vereinte Kraft zu stärke« und zu stützen. In wenigen Monaten werdet Ihr Kure Delegierten zum Kongreß wählen, die Kure Meinungen in Basel zu vertreten haben werden. Die Anzahl der Delcgierten wird ein Mallstab sei« für Kure Begeisterung und Kucr Pflichtgefühl, denn jeder Delegierte ist der Vertreter von zweihundert Zionisten, die durch die Zahlung des Schekels ein mutiges und offenes Bekenntnls ihrer Treue zttnt ihdischen Volke ablcgcn. Deshalb mahnen wir Euch an Kure zionistische Pillcht, den Schekel zu zahlen und das Verständnis für den Schekel, die Orundlago unserer nationalen Organisation, zu verbreiten. Der Betrag des Schekels ist so gering daß ihn auch der Mindcrbcgütcrtc leisten kann. Aber das Recht das er gibt, ist ein hohes: Das allgemeine jüdische Wahlrecht im Qolus. Der Sclickel ist aber nicht allein ein Zeichen für die Aufrichtigkeit Eures Bekenntnisses; er schafft auch die materielle Basis für unsere administrativen Aufgaben. Wie unsere Almen gesagt haben: ״Wir können nicht Ziegel ohne Stroh machen!", so sagen wir: Wir können nicht zionistisch arbeiten ohne zionistische Unterstützung. An Fuclt, Gesinnungsgenossen, richten wir unsern Appell! Zahlt den Schekel! Verbreitet ihn! Zeiget dieser ganzen Welt von Todfeinden jüdischen Lebens und jüdischen Strebens, daß Ihr einig und geschlossen hinter Eurer Leitung steht! Die Zeit Ist kurz; denn in wenigen Wochen werden die Wahlen bcginnen müssen, Darum nützet die Zeit und sammelt den Schekel! Das Engere Actlons-Comltö. Mitteilungen des Zentralbureous der Zionistischen Vereinig, fflr Deutschland Der Gcschäftsführcndc Ausschuß der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland" hat durch folgende Zuschrift an das liberale Organ zum Gegenstände des Leitartikels in dieser Nummer. Berlin, den 19. März 1911. An die Redaktion der Zeitschrift ״Liberales Judentum", Monatsschrift für dio religiösen Interessen des Judentums, Frankfurt n. M. Unter Bezugnahme auf die in Ihrem Februar-Heft enthaltene ״Berichtigung des Herrn Rabbiner Dr. Joseph Stoip und die!Erwiderung des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann-Oppcin", bittfcn wir Sic, von folgender!Erklärung Notiz nehmen und dieselbe zum Abdruck bringen zu wollen: Die zionistische Organisation uirdtdtt selbstverständlich nur Angehörige des jüdischen Qlaubens und erhebt auch den Schekel, durch dessen Zahlung das Wahlrecht zum Zionisten-Kongress erworben wird, nur von Bckcruicrn der Rcli* gion unserer Väter. Wir haben cs daher stets abgelelmt, Mitgllcder anderer Rcllglonsgcsclischaftcn, Konfcsslonslose oder gar Personen jüdischer Abstammung, die aus dem Judentum ausgetreten sind, in unsere Organisation atifzunchmcn. Mit vorzüglicher Hochachtung usw. Am 19. März fand die Generalveraan lung des Hllfsvcrcins der Deutschen Juden : Der Vorsitzende, Herr Dr. James Simon, öffnete die Versammlung, dio sehr zahlreich bc: war, mit einem warmen Nachruf auf die im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder der Verwaltung und hob besonders die Verdienste der verewigen Herren Dr. Hirsch Hildesheimer. Berlin, u!1d Rabbiner Dr. Horowitz. Frankfurt a. M., hervor In Anerkennung dieser Verdienste ernannte d״ Generalversammlung beide zu Ehrenmitgliedern dp» Hllfsvcrcins. Der Vorsitzende konnte alsdann fcststcllcn. da!s wie in jedem Jahre auch im Jahre 1910, die Mn-' gliederzahl des I Iilfsvci eins gestiegen und seme Kinnahmen gewachsen seien. Der Verein hat knt über 22 01t0 Mitglieder mit mehr als 154 (KfO M,1tv Jahresbeiträgen. Außerdem lind an einmaligen j׳u. wciulnngcn im Berichtsjahre 195 (XX) Mark ein!«! gangen. Zum Bericht über die Tätigkeit des Verein! Übergehend, führt er aus, daß der gleiche imgemin. dertc Notstand, wie im Vorjahre, im allgemeinen die ׳gleichen Maßregeln bedingt habe. Die größte Hilfe, die der Verein den Bedrängten bieten konnte, war auch in diesem Jahre wieder daß er den Verfolgten durch!Erleichterung der ße’ sehwerden bei der Auswanderung die Möglichkeit währte, sich den Verfolgungen zu entziehen und jenseits des Ozeans eine neue Heimat aufzusucktn. Alsdann gab Herr Dr. Nathan in großen /.uzen einen Uebcrbliek über das Schul werk des I Hilft vereint Im Orient. Pas Schulwcrk. das der Hillsvcrcin der Deutsollen Jude« iu Galizien. Bulgarien. Rumi• nien. der europäischen und asiatischen Türkei, unterhält und unterstützt, ist im verflossenen Schullahr wiederum insbesondere im türkischen Orient durch Gründung neuer Institute in Saloniki. Jerusalem. Jaffa und Haifa bedeutend erweitert und ausgcstaltct worden. Die altbewährte, bereits länger als ein Ii;!J1ks Jahrhundert bestellende!Edler von 1. ä 111 c I S c 11 u I c in Jerusalem, die ein wichtig:! Mitglied für das Sclmlwerk des iilKsvercins In i״.!. Histina bildet, ist in das!Eigentum und die Versaltung des Hilfsvcrcins der Deutschen Juden ülicrge• gangen. Audi sind bereits Terrains in Jerusalem und Jaffa erworben worden, auf denen binnen kurzem eigene Gebäude für Schulen und Kindergärten, insbesondere für das Lehrerseminar des Hilfsvcrcins erstehen werden. Der Hilfsvcrcin unterhält und subventioniert an 50 Bildungs- und Erziehungsanstalten in den genann• ten Ländern, davon etwa 30 in Palästina. Die Ausgaben für das Seliulwcrk betrugen DIO rund 180 000 Mark. Die Grundlagen, »ul denen der Hilfsvcrcin sein Schulwerk von Anfang an a 11 f g c b a u t hat, haben sich d u r c 11 a 11 s b c w ä 11 r t. Das Sciiuiwcscn hat darum, so führte der Redner aus, eine so rasche und günstige!Entwicklung ge• nommen. weil der Hilfsvcrcin stets das Prinzip ver• folgt hat. seine kulturellen Institutionen, den HeJurf• nissen und Anschauungen jener Bevölkerung, für die sic bestimmt sind, anzupnssen und ihr das zu gehen, was sic wünscht. Für den Orient ist tiefe Religmsi• tät das Fundament aller Kultur und die Religion muß datier ein Hauptclcnicnt des Schulunterrichts bilden. Auf dieser Grundlage sind die Schulen des Hills• Vereins üu Orient bestens gediehen. Neuerdings ist der Hilfsvcrcin dazu übergegangen, die einheimischen rein religiösen Schulen der orienta• Hsclicn Juden (Tahm1d-TU0ra*Schulcn genannt) unter strengster Beibehaltung ihres Charakters in der Rieh• tung zu reformieren, daß moderne pädagogische Methoden cingcfülirt werden, und der Lehrstoff durch Darbietung profanen Unterrichts erweitert wird. Aul diese Weise werden große Schichten des in tiefer wirtschaftlicher Not und geistiger Armut lebenden palästinensischen Judentums, ohne im mindest :ns an der überlieferten Religiosität eltiznbiincn. einem praktischen!Erwerbs- und Berufsleben /mrcitilirt werden können. Große Teile der orientalischen Judcnlicit, von der noch vor einem Mcnschenallcr ״Ile profanen Dildungsanstaltcn in Bann gci. ז״" ״• den. sind bereits für ein modernes Schulwc‘ n s<• wonnen worden. Durch Erschließung der Talmud• Thora-Schuten für modernen profanen Unt-irichl wird der letzte und bedeutsamste Schritt getan, den־ orientalischen Juden den Segen der Kultur ׳■־« teil werden zu lassen. Europäische Sprachen h«.»uchcn weite Teile der orientalische« Juden nicht, »her Landessprache. Landeskunde und elementare *,"•׳eher wie Rechnen. Schreiben usw sind unerläßlich •Tr die künftigen Generationen zur geistigen und wirt •ebaftliehen Entwicklung und zur Teilnahme am Kultur־ leben ihrer Heimat. Diese Biidungselcmcntc sollen die Talmud-Tliora-Schiiicn geben. Der Hilfsvcrcin führt in den Orient letzt, um be• rcits während des Schulbesuches zu praktischen He• rufen vory.ubcrcitcn, Handfer tlgkcits« יי *errieht ein. Durch!Entsendung deutscher Lehrer nach dem Orient vermittelt der Hilfsvcrcin dort Bildung und Kultur und verbreitet auch überall da. wo ein Be• dilrfnis danach vorhanden ist. die Kenntnis der dcut* sehen Sprache. Andererseits werden im Orient selbst Lehrkräfte auf dem I.chrcrscminiar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem für die Schulen und Kindergärtnerinnen ,in den für diese eingcricn• teten Lehrkursen ebendaselbst herangebiidet. Einem der Hauptcrfordcrnissc für die Renaissance der dortigen Judcnlicit genügt der Hilfsvcrcin jetzt durch Errichtung eines Rahblncrseminars in Jerusalem. Wissenschaftlich gebildete, in der orien• r I * I ft י : f * ♦ ז* »•* I I f I

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