Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 3× ep/1025156
- Haifa 1× ep/1047930
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No. n. I UEDISCHE RUNDSCHAU Suite 123. Vom Bock und von den Schafen ln der Kurpfuscliercikoinmisslon des Deutschen Rdclistagcs haben kürzlich konservative und antisemitische Abgeordnete die abergläubischsten Sachen als ihr Hcrzcnsbckcnntnis zu Tage gefördert. Das ginge uns nun hier ebenso wenig an wie die Tatsuche, dall '1 heoilor Wolff im ״Berliner Tageblntt". dessen Chefredakteur er ist. diese Dinge verspottet hat. Aber nun: die ״Staatsbürger-Zeitung“, das ehemalige Organ Eltren-Brttlins, knöpft sich in Ihrer Mittwochnunnncr den Wölfischen Artikel vor uinl fördert aus diesem Anlaü folgende hübsche Sätze zu Tage: ״Der Ziegenbock hat cs auch Herrn Theodor Wolff, Chefredakteur und Hauptakteur des bei Rüben Moses erscheinenden ״B e r I i n c r Tage- Matts" angetan. Nach üblicher Sclmbbcspausc setzte sich dieses Kdclkorn des ״Salzes der Erde" am Sonntag, wenn die Gojims feiern, hin und schrieb. Was schrieb er? Einen Leitartikel schrieb er. brillant und geistreich schrieb er, Zeile für Zeile e Brillant, und keiner wurde ihm gestrichen. Und dieses Kunstwerk nannte Herr Theodor Wolff: ״Der Ziegenbock". Herr Theodor Wolff hat recht, er und seine Leute können sich hoch erhaben dünken, denn int Judentum ist von c i n c m Aberglauben nichts zu spüren, der Talmud hat ja für das moderne Judetum keine liültigkcit mehr und cs fällt den Leuten, die beispielsweisc das ..Berliner Tageblatt“ lesen, gar nicht ein. sich etwa zu entsiiudigen durch cincu geheimnisvollen Stoff, der dicker Ist als Wasser, mul von dem ah und an so zur Zeit des Passahfestes gratißllcltc Erzählungen durch die kindlichen Gemüter der Gojims gelten. Da aber die Leser der ״Staatsbürger-Zeitung“ nicht alle so klug sind, die ״fainc“ Ironie dieser Zeilen zu verstehen, so wird der antisemitische Schmock, der die zitierten Sätze zu Papier brachte, noch etwas deutlicher: ״Das sind billige Witzelten, Herr Wolff, wollen Sie diese nicht auch einmal an dem Talmud ver- Miclien? Das Büchlein besitzt ja für Ihre Rasse- und Glaubensgenossen keine Qilltigkcit mehr, also riskieren Sic es einmal, den dunkeln Schleier von Bosheit und Aberglauben zu lüften, der dieses Buch umgibt. Oder sollte etwa, wie bei Konscrvativen und Antisemiten ״Wunderglauben und Macht sielt stützen." das ganze Judentum zusatnmcnbrcchcn, wenn der Talmud fällt? — Geschabter Apfel, Natterzungen und Kotkilgclchcn sind freilich ein ganz kindisches Mittel, ja, wcmis noch Blut wäre, Blut eines iiiiiglriiullcltcn Kindes, gewonnen In Skurz, Yuiilcn, Polna oder Tifla-Ezlar, 11ns wäre efwusl“ Dio ״Kotkügelclten des jungfräulichen Ziegenbocks", von denen in der Reichstagskommission geschwärmt wurde, scheinen den Leitartikler der Staatsbürgerin derartig begeistert zu haben, dall er eine gehörige Portion davon zu sielt nahm, bevor er den Artikel schrieb. Sonst hätte er wohl selbst seinen treusten Schafen solchen Unsinn nicht vorzusetzen gewagt. Oder cs müßte denn anders eine hanebüchene Makk.: :,: Er liest die Odyssee! :,: Die liberale Odyssee! Ja, ja, Odyssee! Er liest die Odyssee! X. Y.: :,: Liest er die Bibel auch? :,: Die Rasscnrummelbibcl auch? 0, o, Bibel auch? Liest er die Bibel auch? Makk.: :,: Die Bibel liest er nicht :,: Die Rassenrummclbibcl nicht Nee, nee, grade nichtI Die Bibel liest er nlchi X. Y.: Was macht der Bruder Simon? Der liberale Bruder Simon usw. Makk, Er liest in Platos Staat! :,: in׳ Platos liberalem Staat usw. X. Y. (muß plötzlich an verschiedenes denken): Ach, ach, mir wird so schlcchtl Ca, ca, ledern schlcchtl usw. Makk, (bringt ihm einen großen Eimer mit Tinte): So schreib er sich mal ausl Ca, ca, lodern ausl usw. X. Y. (macht sich eifrig Notizen): Jetzt ist mir wieder wohll Ca, ca, ledern wohll usw. Schurkerei sein, was da verübt wurde, Also: ״Kotkügclclienfrcsser oder Schuft?" Wahrhaftig, wir beneiden die Leute nicht, die cs sich zur Aufgabe gemacht haben, sich allwöchentlich mit diesem Pack herumzuschlagcn. Zum allgemeinen Rassenkongress wird uns gesell rieben: Von dem Rasscukongrcll, der in London stattfinden wird, ist in Nr. 7 der ״Jüd. Rundschau" gesagt, daß er für die Juden nicht von besonderer Bedeutung sei. In noch schärferer Weise schrieb vor einiger Zeit die ״Welt", man habe Nordau wegen eines Referates über die Juden auf diesem Kongreß angefragt, er habe aber natürlich abgclchnt. Kenner der Verhältnisse müssen sich über solche Acudcrungcn wundern, denn in der Tat muß dem Kongroß ein hervorragendes Interesse zuerkannt werden. Er wird im Gegensatz zu den Rassenfanatikem vom Schlage Cliambcrlalns, Wiisers, Driesmanns usw., die besten Namen der anthropologischen Wissenschaft in seiner Liste haben, zusammen mit ernsten Vererbungsforschcrn, Historikern, Soziaipolitikern und hygienischen Reformern. Auf seiner Tagesordnung werden zalilrcicho Fragen stehen, die für uns Juden von höchster Bedeutung sind. Daher wäre cs sehr unerwünscht, wenn die Nachricht sielt bestätigt, daß das Referat über die jüdische Rasse an Zangwill übertragen werden soll. Die Wahl eines solchen Dilettanten wäre nur dadurch zu erklären, daß eben von den kompetenten Juden zu wenige sich für den Kongreß aktiv interessieren. Bei dem unglücklichen Temperament Zangsvills, dem ein geistreiches Apercu (Es erscheint Matthatias, in der Hand ein Exempiar der Odyssccübcrsctzung von Johann Heinrich Voß. Er sicht blaß und angegriffen aus.) Matth, (nervös): Mel: ״Seit ich ihn gesehen . . oder: ״Mit dem Pfeil, dem Bogen . . Seit Homer ich kenne, Glaub ich krank zu sein! Wo ich hin nur sehe, Sch ich ihn alleinI Aus Zerstreutheit stellt' Ich Längst das Opfern ein! Und mir ward Im Kopf so Grün und allgemein I Ucbcrall umschwebt mich, Ach, das Bildnis sein; Selbst beim Klang der Orgel Im Rcformvercin; Selbst beim lieben trauten Wcihnachtskcrzcnschcln; Selbst, wo die verrückten Zionisten schrcfn! (Plötzlich und ingrimmig): Mel.: ״Stiebei, du must sterben!" Zionismus, du mußt sterben I Bist schon so alt, alt, altl Zionismus, du mußt sterben! Bist schon so altl — (Schmunzelnd): Wenn der Homer das wüßt. Daß der Zionismus sterben müßt! — über alles geht, kann das Referat ernstlichen Schaden anriciitcii. Ich unterschreibe die Meinung durchaus, daß dieser Kongreß für das Judentum von praktischer und moralischer Bedeutung sein kann. Es muß gesagt werden, daß auf die öffentliche Meinung der gebildeten Schichten Westeuropas, zumal Deutschlands, die Schriften von Chambcrlain, Woltmann, Harnack, Renan, Dclitzst.li 11. a. von gewaltigem Einfluß zu Ungunsten des Judentums und der Wertschätzung seiner schöpferischen Fälligkeiten gewesen sind. Auch von diesem Kongreß werden weitreichende Becinflussungen ausgehen. Vor diesem Forum den Kulturwcrt der jüdischen Rasse mit dem Rüstzeug der Wissenschaft darzulegen, wäre eine Aufgabe, wohl wert der Arbeit unserer Besten. Und dieser Kongreß wäre eine einzigartige Gelegenheit, die Bestrebungen zur nationalen Wiedergeburt der jüdischen Rasse aus dem Abseits einer wenig bekannten jüdischen Bewegung zum Licht der internationalen Diskussion emporzuheben. Dr. Elias Auerbach, Haifa. Praktische Politik Von Davis Trictsch. I. Die zionistische Organisation steht offiziell im Zeichen der Palästina-Arbeit. In dieser wird seit dem 7. Kongreß (1905) ausgcsprochcnermaßcn die wichtigstc Grundlage auch unserer Politik erblickt. Der Unterschied gegen die vorzionistische Palästina-Arbeit wird in dem viel größeren Maßstab ocr neuen Tätigkeit und in den besseren Erfahrungen und Vorbereitungen gesehen. (Wie vordem): Zionismus, du mußt sterben! Ich mach dich kalt! (Er zieht das grolle Opfermesser, das er seit längerem nur noch als Lesezeichen benützt hat, und schwingt cs wild. Mitten drin übcrkonimt cs ihn aber wieder.) (Zärtlich, traurig): Mel.: ״Ach, wie isl's möglich dann . . 1. Ach, wie wär’s möglich schon. Lieber X. Ypsilon, Daß der Homer, -mer, *mer, Küm zu mir her? Spielt ihn ein Geiger tot, Fiel er in meinen Schoß. Siilt ich Um traurig an Und sagte dann: 2. Grün blüht ein Biättelcin, Das heißt Be itrostn ich tselnl Das Blättlcin leg ans Herz Und schlafe cinl Welken die andern gleich, Dies ist an Geist so reich I Immer was neues noch Bringt’s jede Woch'i Es erscheinen Arm in Arm Miltiades und Lcssing. (—In dem zugrunde liegenden ״Artikol" ist.leider nicht deutlich gesagt, ob der paradicsischo Lcssing der Gotthold Ephraim sein soll oder Dr. Theodor Lcssing, der bewährte Mitarbeiter der ״Allg. Zeit. d. Judent." Dem seinerzeit die ״dollen" Sachen in Galizien passiert sind, die Halbmonatsschrift für die jüdische Jugend Abonnements mit die tinlbmonoUIcli erscheinende Jugendzeitschrift Jung Ursel kosten Del der Expedition und allen Post• Bmtern Deutschland» und Oesterreich- Ungarns emo Mark pro Quartal. J Anzeigen kosten die zwclgespaltcne Pctltrclle .'0 Plg., In der Kunrik Unterricht 25 Plg. Pllr grössere AuUrUge verlange man besondere Offene vom Verlag Jung Israel, ucrlln SW. btt. Inhalt dos 5• Heftes! Juden Persische Adar . Der holic Feiertag Purim oder — Du sollst nicht lügenI Von Dr. J. Cos man s. A. — Berlin. Der Traum des Mordcclial. Nach dcan Midrasch. Von Kurt Abraltam . Ein Wirtshaus int alten Jerusalem. Lehren von Gabriol . Von Paul und Schluß.) Die Geschichte des Sabbath-Oastes. Loewenstein. (Fortsetzung Grabmal der Stammutter ,Raitel. Wiegenlied. Von BertItolü Fclwcl Wie ich Cltanukalt verbrachte 1 Erzählt einem Lieht. Das ewige Volk. Von Jcltuda Halcvv Piaudcrcckc . von