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Jüdische Rundschau · 1911-03-17 · Heft 11 (17.3.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 124. •I 9.11 נ S C111• RUNDSCHAU No. 11. Die einzige tatsächliche Unterlage für die ״polltischen" Möglichkeiten der Zukunft bildet unsere heutige Position in Palästina, -- die dort bereits augesessene Jiidcnscliaft mit ihrer Volksziffer, ihrer speziellen Gruppierung und ihrem wirtschaftlichenum! kulturellen Wert. Trotz des eingangs gesagten gehen aber diese Grundfaktoren unserer Position in Palästina weitaus zum grüßten Teil auf die als ,״unpolitisch" und als kleinlich verschriene Arbeit der vorzionistischen Zeit zurück. Das liegt daran, daß unserem Programm der praktischen Arbeit die Arbeit selbst nur in sehr geringetn Umfang folgte. Statt aber diese Programm- Widrigkeit zu beseitigen und statt zu vermehrter praktischcr Arbeit zu schreiten, gefällt man sich allzu oft darin, die vorzionistischc Tätigkeit ins Lächerliche ziehen zu wollen. ln diesem Sinne sind letzthin wieder des öfteren die berühmten ״zwei Ziegen" in die zionistische Diskussion geschleift worden, für die ein einfacher russischer Judo beim Odessacr Komitee den Kaufpreis stiftete, ״damit noch ein Kolonist in Palästina zwei Ziegen habe." Als ob das das Ergebnis der Arbeit unserer Chowcwc-Zion wäre. Als ob nicht fast alles, was wir heute an jüdischer Position in Palästina haben, eben die Summe jener prüzionistisehen ״Zwei-Ziegen-Politik" wäre. •- Und dieses Argument gibt man einem Publikum zu hören, das im Namen des modernen Zionismus aufgefordert wird, Oclbüumc zu stiften, Staniol zu sammeln, und Nationalfondsmarkcn zu kleben. Das Stück zu fünf Pfennigen! Ich bin weit davon entfernt, solche kleinen Mittel?iu verurteilen. Ein paar hundert Leute, die diese Pünfpfcnniginarkcn kleben, führen schließlich dem guten Zweck einen ebenso grollen Betrag zu, wie» der Stifter der zwei Ziegen. Aber cs ist doch — milde ausgcdrUckt — ein Unfug, vor einem Publikum von zionistischen Stanioisammlcrn und Nationalfondsmarkcnklcbcrn den ״Zwei-Ziegeu-Ziouismus" als dumm und kleinlich zu denunzieren. Wie wenig cino solche Respektlosigkeit gegenüber denen, auf deren Schultern wir stehen, am Platze ist, will ich an einigen Beispielen zeigen. Das Beste, was wir in Palästina heute haben, ist unsere Zahl von 100000 Juden. Etwa zwei Drittel von diesen leben in Jerusalem. Durch sic haben wir in der größten Stadt des Lundes eine so absolute Majorität, daß wir dort Mehrheit bleiben würden, selbst wenn cs gelänge, mit Hilfe der überschüssigen Tausende Jerusalems einer Anzahl minder starker Judcngcmcindcn des Landes zur Majorität in ihren Städten zu verhelfen. Diese über 60 000 Juden Jerusalcms hat nicht der Zionismus hiugcbracht, sondern ein viel früheres Entwlcklungsstndium des nationalen Gedankens. Aber schon damals wurden seitens unserer verspotteten Vorläufer ganz vorzügliche politische Mittel angewendet. Als vor hundert Jahren die Jerusalemer Gemcindc von den Paschas immer aufs neue gebrandschätzt wurde, so daß kcin#Judc, der noch etwas besaß, in Jerusalem zu bleiben wagte, da entstand die Gefahr, daß die Gemeinde zu Grunde gelten und die Heilige Stadt ohne Juden bleiben könnte. Eine besondere Gefahr bot Jaffa, dessen beginnender Handel und bequeme Lago zur Niederlassung geradezu einlud. Aber die Rabbiner Jerusalems legten den Ba n n auf Jaffa und erhielten dadurch der Hauptstadt iltro Gemeinde, bis sie allmählich wieder erstarkte. Und erst als die Gefahr beseitigt war, wurde der Bann wieder von Jaffa genommen. I'crner: — einer von unseren ״Praktischen", den unsere Politiker ganz besonders belächeln und der icutc in Palästina wirkt, hat aus seinem früheren russischen Rayon Hunderte von tilclitigcn Leuten zur Niederlassung in Palästina veranlaßt. Er bat die Ver- Umwertung nicht gescheut, die darin lag, und er )rauchte sic nicht zu scheuen, denn wer vom Geiste des Palästina-Zionismus durchdrungen ist, wird aus einem dürftigen Leben im ״eigenen" Lande mehr Beriedigung zielten, als aus den ohnehin Immer magerer werdenden Verlockungen der ״großen Welt". -- Darin iegt ja auch der Hauptfehler unserer offiziellen lnstanzen, daß sic Verantwortungen fürchten und eine )illigc Vorsicht predigen einer Menschenrasse gegen- Iber, die sich als ein Pionier-Element fühlt, und die ermutigt und nicht gegängelt werden möchte. Man erstrebt eine Kolonisation ohne Risiko, eine undankbare Sache, und solange die nicht mögich ist, möchte man int Namen der heiligen Vorsicht am liebsten gar nichts tun. Und das nennt man dann ״Politik". Wie wirkliche Politik und Praxis sich vereinigen assen, wie ein wohlverstandener politischer Zionisiihis und der Standpunkt der Chowcwc-Zion zusatmncnfliellcn, das hat in der präzionistischen Zelt von vor 20 Jahren bereits ein maßgebender Vertreter der Chowcwc-Zion Westeuropas in klaren Worten dargetan, die unsere jüngere Generation aufmerksamst lesen sollte. Wegen des Umfangs dieser Darstellung ziehe ich cs vor, sic als selbständiges Kapitel ln der näcltsteu Nummer der ״J. R." folgen zu lassen. 5 AUS ALLER WELT צ Deutsch fand Eine Berliner Zcitungskcirespondcnz verbreitet folgende Meldung: ״Der preußische Kriegsminister von Heeringen bat, wie noch erinnerlich sein dürfte, in der Rclchstagssit/.ung am 25. v. Mts, die Erklärung abgegeben, daß eine Zurücksetzung jiiülsclicr Soldaten bei der Beförderung, ob bewußt oder unbewußt, zweifellos antisemitischen Regungen entspringe, daher ungesetzlich sei und von ihm nicht gebilligt werde. Auf diese Erklärung ist cs jedenfalls zurückzuführen, daß jetzt von den Truppe 11 Kommandeuren die ihnen unterstellten Chefs daran erinnert werden, daß bei Beförderungen zu Unteroffizieren oder Ernennungen zu Gefreiten ausschließlich die I) i e n st tü c 111igk eit des Soldaten, verbunden mH guter l'ührung, maßgebend sein dürfe. Es wird ganz besonders darauf hingewiesen, unter keinen Umständen eine k 0 n f c s s i o 011 ח c S c h c Idüng vorzunchmcn und etwa jüdische Soldaten zurückzusetzen." Ueber den Zeitpunkt der Rcichstagswahlcn verlautet immer noch nichts Authentisches. t Die am 12. März stattgefundene Wald der wettliehen Mitglieder zur israelitischen Londessynodo in Baden hatte das Ergebnis, daß die bet der vorigen Wahl vor drei Jahren errungene Majorität der Anti* ibcralcn erhalten blieb. Die Liberalen gewannen neu den Wahlkreis Heidelberg-Stadt, der seither konscrvativ vertreten war und verloren die Wahlkreise Mosbach, Pforzheim und Weinheim. Von 2! Sitzen haheu die Liberalen nur noch 6 in ihrem Besitz. Unsere beiden Zionisten in Karlsruhe, üg. Bähr und Dr. Lewis, sind wieder gewählt, neu gewählt sind unsere Gg. Dr. Pfälzer- Weinheim und Dr. Würzb u rg c r - Rappenau. Russland Die Aussichten der russischen Ansicdlungsvorlagc Die denkwürdige Sitzung der Reichsduma vom 22.Pchruur beschäftigt die allgemeine und die jüdische Presse Rußlands auf das lebhafteste. Die rcaktio• nürcit Prcßorganc hören natürlich nicht auf, Zeter imu Mord io zu schreien über die ״jüdische Gefahr" und den ״Verrat" der Dumamchrhcit. Der gewesene Oktobrist und derzeitige ״Nationalist" Abgeordneter Goloiobow stimmte aus Anlaß des Dumavotums in der ״Nowoje Wremja" ergreifende Elegien an über das traurige Geschick, dem das teure Vaterland ent• gcgcngingc. Uebrigens beeilte sich die Redaktion, den verehrten Volksvertreter zu beruhigen, in dem Votum der Duma, erklärte das führende Organ der Reaktion, sei eine prinzipielle Stellungnahme zur Präge selbst noch keineswegs enthalten. (Eine alm• liehe Erklärung ging übrigens auch von oktobristischer Seile aus ) Aber auch gesetzt den Pall, dall das Un• erwartete emtreten und die Duma die Aufhebung des Ansiedlungsrayons beschließen sollte, so wäre damit noch nichts geschehen, da det ״Staatsrat" dieses um• stürzlcrischc Gesetz unter keinen Umständen ge• nelnnigen würde. Man düiltc cs daher den Herren Politikmachern von der Duma ruhig gönnen, mit Rücksicht auf die bevorstehenden allgemeinen Dumawählen etwas Liberalismus zu treiben und auf jiidiselten Stimmenfang zu spekulieren: realen Wert habe das Spiel ja doch nicht. O Soobon orschionon: ס¬ □ nionalssdirlfr für Die Crsdjllcssung Palästinas Herausgeber: Adolf Böhm, Wien. Redaktion: Dr, Ernst Müller, Wien, VIII. Jihrging 1011, No, 1.2 Sondtrnummori P, L, 0. C Inhalt: Die ßedeutunc d;r I*. L. D. C., von A. Rühm, Wien — Landwlrischflüllcite Kolonlsailon ln l'aUiilina.voa Dr.Jac. hon, Jan, -- Klncrci. von Dr. liugcn Kau׳, Honnover- Die SIcdlunKSgcnosicnichull — Du• (■•niüslsche Kolonl• »«Hon In Noru Atr kn, von A. A.-ron«.ohn, Haifa — Wildwocii'cndc Gctrrldcartcn In Palästina Innere Kolonl '«•Ion In Deutschland — Urschriltcniundo — Bericht der P. L D. r. — L)ic 'nlagc von l'IDn/un. cn In Palästina — Land •tnd Oartcnslcdlungcn — Die ziele der P. L 1). C. — Palüstlnarclse u. a. ni. Zuh reiche Abbildungen. Bezugspreis per Jahr für Deutschland M. 3.—. Vereine die mindestens 50 Excmpla׳c auf ein* mal beziehen, erhalten 33'/»% Rabatt □ er im Qcigcrblatte so schön zu erzählen wußte. Indem ihm nämlich die gaiizischcn Juden teils ihre minderjährigen Töchter frcundlichst zur Vertilgung stellten, teils sich zu gelegentlichen Zcugcncidcn in jeder Preislage erboten, sotanc galiztschc Juden aber, soweit Dr. L. Ihre Namen angegeben hatte, bei späterer Nachforschung durch die beleidigte Krakauer Jüdische Gemeinde nicht aufzufinden waren. . . . Wir nehmen aus Loyalität gegen die A. Z. d. J. an, daß der Leasing des Herrn X. Y. nicht der Schöpfer des ״Nathan", sondern der des ״Karfunkclstcln" sein soll. —) Matth, (höflich): Mel.: ״Herr Bruder zur Rechten, Herr Schwager zur Linken . . ." Herr Lessing zur Rechten, Herr Miltiades zur Llnkenl Wir wollen einander ein Schmollis zutrinken I Aul das Wohlsein der Grünsten, die gedruckt wird auf Erden, Von der Ich stets wünsche gellcbot zu werden! Lessing: Mel.: ״Ein junges Mädchen kam aus Baden , , ." Zu Krakau, tief-tief ln Galizien, (— allgemeine Bewegung —) Bracht’ mir ein Mann sein Töchtcrl her. Er sagt’, ich könne sie besitzien. Weil sic schon vierzehn Jahr alt wärt Gestorben bin ich fast vor Scham und , ,• Schrieb’« gleich dem Geiger. — Daß ihr’s wißt: Kurtunkclstcin, so war sein Nam' und Es war gewiß ein Ziontstl Alle: Ach Gott, mein Qottl Didcldidcidumdum, didcldldcldumdum usw. Lessing: Doch Gott, ergrimmt ob dieser Sunde, Sprach zu dem Mann: ״Karfunkclsteln! Du sollst von dieser bösen Stunde Ab niemals nicht gewesen sclnl" — So katn’s, daß man Ihn nie gefunden . . . Es war das grause Resultat, Daß er nicht mehr seit jener Stunden Noch vorher je gewesen hat! . . . Alle: Ach Gott, mein Qottt Didcldldcldumdum, didcldldcldumdum usw. (L 0s s i n g und M1111 a d c s ab. — Es erscheint A n t i 0 c h u s.) Ant. (In Erinnerung versunken): Mel.: ״Als ich schlummernd lag heut Nacht . . Als ich schlummernd lag heut Nacht, Lockten süße Träume Schimmernd in der Jugend Pracht, Mich in ferno Räume, Wo so mancher Jüdin Sohn Ich zerhackt dio Glieder . . . Ach wie lang, wie lange schonl Tät cs gerne wieder! Matth,, Makk. X. Y. (zusammen): Schad't nichts, macht nichtsl Ist ja nichts dabei! Schad't nichts, macht nichts! Alles einerlei! ' Ant. (fortfahrend): Mordbrandwolkcnduf (umkreist, Rauchdurchqualmtc Buden. Past so hell, wie heut der Geist Flammt bei manchen JudenI Mauschcl blieb der gleiche Herr Jegliches Jahrhundert! Wenn׳ er heute anders wär, Hätt' ich mich gcwundcrtl Matth., Makk., X, Y. (zusammen: Schad't nichts, macht nichtsl Ist ja ganz cgall Schad’t nichts, macht nichts! Immer liberal! (Antlochus will gelten. Die beiden Makkabacr klammern sich an seine Toga.) Matth., Makk. (begeistert): Mel.: ״Pricdcricus Rex, unser König und Herr". 1. Antiochus Rex, unser König, Iturrahl Deine Makkabäer sind alle wieder dal Belm Zeus, wir waren ja niemals dir feind: Die Sache war weeß Kncppchcn ganz anders 1 gcmeintl 2. Die Zionisten ha'm sich mit den Konservativen alliiert ,Und gegen den heiligen Liberalismus agitiertl . Die ״Jüdischen" fielen in die Khilic ein! Nun zeigt, daß wir brave Denunzianten sein! 3. Antiochus Rex, unser König und Piihrcrl Sich gnädig,auf deine, mosaischen Syrcrl Und solltest" du noch nichts wissen davon. So blamier’ uns nicht vor dem X. Y.l

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