Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. Der Reingewinn der Anglo-Rnlestlne-Coinnaiiy iiir das vcrllossenc Jahr übersteigt hunderttausend I raues und verteilt sieh auf die verschiedenen Hankiilialcn in J »11*15110*1* mit Ausnuhtiic der Abteilung in iN'fed. die sieh noch am Beginne IhreY Tati«keit be- * Soeben ist das dritte Heft der hcbrüiscli-inida• fischen Zeitschrift ״Huehlrmeh״ in Jaffa erschienen, na* »• folgende Bdtriige enthalt: Hin Brief an die Redaktion, von E. Ben-.lclmda: das Erlernen von frci'idcn Snraclien und sein I'.influll auf die Kinder* sccle. von Isaak Epstein; Die Arbeiten in der Schule, von E. Auerbach: Tolstoi als Pädagog, von A. S. Ralnnowltz; Briefe über die Erziehung, von .1. CI1. R.iwnitzky: I»ie psychologischen Grundlagen der Aibeitsinethoden in den Kindergärten (Übersetzung). Wir möchten bei dieser Gelegenheit auf diese .iiiilierst gediegene, sprachlich wie inhaltlich den uio.l.’rjisten Ansprüchen genügende Zeitschrift, die vom Direktor der Jaffaer Mädchenschule Dr. N. T uro ff treulich redigiert wird, nochmals und mU besonderer Warnte hinweisen. Der ״H a c I! I n u c h" gehurt zweifellos zum Besten, was die hebräischpädagogische Literatur bisher hcrvorgebradit hat. » Das aus berufenen Eachmäuncrn zusamincngeset/.te ״Sprachkomltco'* in Jerusalem, dem das Bcr- Imer Zentralkomitee der 0״ r g a n i s a t i o n für hebräische Sprache und Kult u r" eine lahressubvcntion von (»00 Er. zur Verfügung gestellt hat, hat bereits seine TUtinkcit begonnen. Die Haupt*;׳ufgabc besteht in de■ Festsetzung von hebräischen Bezeichnungen für solche Gegenstände und Begriffe, für die es in der hebräischen Sprache bisher noch keine bestimmt normierten Benennungen gibt. Diese Aufgabe ist umso bedeutender und für die fernere R.ntwicklung des Hebräischen uniso wichtiger, als in dieser Hinsicht unter den hebräischen Schriftstellern eine gewisse Verschiedenartigkeit herrscht, die den einheitlichen Hau und Charakter der Sprache beeilt* trächtigt. Das genannte Komitee soll dabei gewisser* malten als die oberste Instanz fungieren. Seine erste Arbeit erstreckt sich auf das Gebiet der Nahrungs* mittel: es sollen dann weitere Spezialgebiete, wie Pflanzen. Tiere usw. folgen, über die besondere Tascheuwörtcrbiiehlcin zusammcngcstcllt und von der hebräischen Kiilturorganisation herausgegeben werden sollen. AUS. ALLER WELT * Russland Die jüdischen Teilnehmerinnen au den höheren Rrauenkursen haben an das Ministerium ein Gesuch gerichtet, (in Anschluß an diese Kurse eine jüdische Hlstbrlscli-Ilterarlsclie Sektion unter Leitung des bc* kannten jüdischen Geschichtsforschers S. M. Dubnow zu begründen. Der Vorschlag wird damit motiviert, daß das natürlich« Bedürfnis nach der Kenntnis der nationalen Geschichte und Literatur im Programm der höheren Frauen,kurst• nicht berück* sichtigt ist. Der Professorenrat verhült sich dem neuen Plaue gegenüber mit Sympathie, und hat seine bereitwillige Zustimmung dazu ausgesprochen. Der gan'/.c Vorgang ist von symptomatischer Bedeutung lind zeigt, daß die jüdisch-akademische Jugend in Rußland, die durch den ״Freiheitsrausch" dem Juden* tum zum Teil entfremdet v׳urde, sich nun auf sich selbst und auf ihr Volk wieder zu besinnen beginnt. & Die ״Prozcntnurmcn“ Iiir Jiidlsclie Schüler bczogen sieb bisher nur auf den Besuch der mittleren und höheren Lehranstalten, aber nicht auf die sagenannten ״Externen“, d. h. solche junge Leute, die sich zu hause zur Reifeprüfung vorbereiten. Allerdings ist die Lage dieser ״Externen“ mich ohne ״Prozent* normen'‘ schwierig und traurig genug, da ihnen das Examen besonders schwer gemacht wird und sic obendrein nur selten in einer Hochschule Aufnahme finden, Die Regierung scheint aber den Oedanken nicht ruhig ertragen zu können, daß es im Zarenreiche noch ״prozentlose“ Juden gibt: und so hat sio den Beschluß gefaßt, auch für die jüdischen Externen, die Apothekergehilfen und Geburtshelfer werden wollen, eine Prozcntnorm cinzuführcn. — So führt die russische Regierung ihre angebliche Ab* sicht aus, die ״Judenfrage allmählich und stufenweise zu lösen." ZIONISTISCHE BEWEGUNG Die Sitzung des zionistischen AKttons- Komitees verschoben. Wie wir erfahren, ist die ursprünglich auf den 28. März nach Berlin einborufene Sitzung des zionistischen Aktions-Komitees verschoben worden. I U E D I SC H E RUNDSCHAU Mitteilungen des Zentratbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Da die II. Auflage unseres zionistischen Merk* Mattes zur Neige geht, empfehlen wir allen Ge* slnnungsgenossen, die sich noch ein Exemplar dieses jedem Zionisten unentbehrlichen Kompendiums sichern wollen, uns ihre Bestellung umgehend aufzugeben. Vorschläge und Anregungen für die III. Auflage, die wiederum bemerkenswerte Erweiterungen erfahren soll, sind uns schon jetzt erwünscht. Um unnötigen Reklamationen zu steuern, geben wir bekannt, daß die uns zum Umtausch übergebenen Aktien des J. C. T. uns bisher von London aus noch nicht zurückgesandt wurden. Sobald die Stücke in unseren Händen sind, werden sie unverzüglich weitergegeben werden. ftflitationsreisen des Parteisekretärs Hannover. Nachdem die öffentliche zionistische Agitation in unserer Stadt wegen der überaus schwierigen Verhältnisse seit Jahren geruht hatte, veranstaltete die hiesige Zionistische Ortsgruppe am 20, Februar einen öffentlichen Vortrag. Herr Partei- Sekretär Blume nfcld sprach über ״Judentum und freies M c n s c h c n t u m". An 200 Per* sonen lauschten den inhaltlich und formell gleich vollkommenen Ausführungen des Redners. Es waren die Gedankengiinge, die uns Westjuden zum Zionismus führen, die Blumcnfeld in Beständigem Vortrag entwickelte. — 111 der Diskussion nahm der bekannte Palästinaforsehcr Professor Auhagen das Wort, der Palüstinu im Aufträge des deutschen Auswärtigen Amtes bereist hat. Prof. Auhagen führte aus, daß nach seiner persönlichen Erfahrung der jüdische Bauer mit dem Landwirt einer jeden anderen Nation erfolgreich konkurrieren könne, und daß die jüdische Kolonisation die einzige sei, die in Palästina Aussicht auf Erfolg habe. ■ Was den Erfolg des Abends betrifft, so scheint er uns größer zu sein, als wir erwarten konnten. Der Blimicnfcld'sche Vortrag bat in seiner gründlichen und geistvollen, dabei aber etwas reservierten Art das erreicht, was unter den gegebenen Verhältnissen erreichbar war: er hat den Boden für weitere Arbeit bereitet. Wir hoffen deshalb, daß ein zweiter Vortragsabend, den wir demnächst veranstalten werden, der große Erfolg werden wird, den wir brauchen, um in der hiesigen Gemeinde endlich festen Ruß zu fassen. — AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Am Sonnabend, den II. Mürz, 9 Uhr vormittags, findet die EhiwellmmtBlcIer der neuen Svnagoge des Vereins Machsikc Thora, Neue König- Straße 30, statt. Die Restpredigt haben Herr Dr. Banct und Herr Dr. M. Hildesheimer Übernominell. Berlin. Der Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek“, Ora11ie11burgcrstr.58, hielt am 22. Rubruar unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder seine diesjährige Generalversammlung ah. Der Vorsitzende. Herr Dr. Max Ginzbcrg. cröffnetc die Vcrsatr.m* lang •mit einem längeren Bericht, in dem er die Zi:lc und die Wirksamkeit des Vereins in großen Zügen beluclitete. ״Mit der allgemeinen Steigerung iildisclikultureller Betätigung," so führte er etwa . aus. ״wächst auch die Anteilnahme an unseren Bbstrcbungen, das Interesse für unser Werk Die grolle! Schaffensfreude auf dem Gebiete der Literatur und Wissenschaft des Judentums, die kräftige Gestaltung des indischen Lebens lassen immer mehr die Bcdcutung der Bestrebungen erkennen, die Belehrung über alle Erscheinungen׳ und Vorgänge im Judentum den weitesten Kreisen, vermitteln wollen. Unsere Lesehalle soll eine Brücke zwischen den Schaffenden und den geistig Empfangenden in all seinen Offenbarungen und Äußerungen dienen. In unserem Bücher- und ZcitscUriÜcahcsUmd sind darum auch alle Richtungen innerhalb der indischen Gemeinschaft vertreten, Aus dem Widerstreit der Meinungen soll sich unsere hcranwachscndc Jugend' den Ausgleich suchen und finden, sich aus dem Gegensttz der versehiedenen Auffassungen eine eigene, feste Lebensauscliauunz bilden. Auch die Leitung unseres Instituts ist aus Vertretern der verschiedenen Parteien im Judentum zusammengesetzt: auch in dieser Be- Ziehung ist vollständige Neutralität gewährt. Zu unserem tiefsten Schmerze haben wir einen schweren Verlust innerhalb unseres Vorstandes zu beklagen. Dr. Hirsch Hildesheimer, der Mitbegründer unseres Vereins, weilt nicht mehr in unserer Mitte!" — Dfc Anwesenden hatten sich hierbei von ihren Plätzen erhoben. — ..Sein plötzlicher Heimgang ist ein empfindlicher Verlust nicht allein für die ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek" und zahlreiche andero Elnzclinstitutioncn: nicht nur für den Kreis des konscrvntivcn Judentums, in dessen vordersten Reihen er stand — sondern für die jüdische Gesamtheit.'der er ohne jede Einschränkung und mit vorbildlicher Toleranz seine unermüdliche Kraft gewidmet hatte. Sein Andenken wird in unserer Erinnerung unuuslöschlich bleiben!" — Dann folgte der weitere Bericht Seite 113. über das verflossene Jahr: Eine Bcsuchszitfcr von 31 799 Personen, eine in den Vorjahren nie erreichte Zahl, konnte fcstgesielll werden. In den LeserÜumcn liegen ständig 85 Zeitungen und Zeitschriften in den verschiedensten Snraclien aus. Die Bibliothek ist um mehr als SSO Bücher bereichert worden und umfaßt letzt 7172 Bände indischen Inhalts, von denen mehr als SO 3042 Werke, im letzten Jahre ausgeliehen wurden. Der Zuwachs der Bibliothek ist vornehmlich einigen hochgesinnten Spendern, insbesondere den Herren Siegfried llriiim und Geheimrat Professor Geiger, zu verdanken. Eine bedeutende Bücher- .spende stellt jetzt dem Institute von Seilen des Deutsdi-Israelitischcn Gemeindelmndes bevor, der seine Bibliothek aufztilosen beschlossen hat. Aus eigenen Mitteln vermag die Lesehalle gegenwärtig noch sehr wenig fur Neuanschaffungen zu verausgaben, wie aus dem darauf vom Schatzmeister des Vereins. Herrn Heims Lew. erstatteten Kasseiiherieht hcrvorgclit. Danach betrugen im Berichtsjahre die Einnahmen 0074 Mark. Die Ausgaben dagegen 7048 «Mark, wovon auf Hiiclierauschaffimgcti nur ein sehr geringer Betrag entfallen konnte. Herr Lew richtete daher an die Versammlung den dringenden Appell, möglichst viele neue Mitglieder und Förderer dem Verein /.uzufülircn, damit es ihm ermöglicht werde, seinen wachsenden Aufgaben gerecht zu werden Im Namen des Lesehallen-Vorsu'iides dankte der Schatzmeister der Gönnerin des Vereins. Rrau Eranziska Ginsberg, welche für die Lesehalle, wie alljährlich, auch im vorigen Jahre einen namhaften Betrag gestiftet hat. Im weiteren Verlauf der Ver- Sammlung entspann sieh eine lebhafte Debatte über die bei Neuanschaffungen von Büchern zu treffende Auswahl, wobei namentlich Herr Rabbiner Dr. Stier die Anregung gab, die Bedürfnisse der weiteren Volkskreise nach impulüren Schriften besonders zu berücksichtigen. Mit der Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder und der Neuwahl der Herren Dr. Ismar Elbogen und Rechtsanwalt Dr. Alfred Storv schloß dir Versammlung, deren Verlauf von dein wachsenden Interesse zeugte, welches die Jüdische Lesehalle in weiten Kreisen unserer Gemeinde findet. Berlin. Der Verein für Statistik der .luden hielt am 26, Eehruur seine diesjährige ordentliche Haupt- Versammlung ab. Dein vom Vorsitzenden des Voreins erstatteten Tätigkeitsbericht entnehmen wir folgendes: Die vom Bureau für Statistik der Juden hcrnusgcgcbcnc ״Zeitschrift für Dcmogran 11 i c und Statistik der Jude 11" hat auch in dem jetzt vollendeten 6. Jahrgang das gehalten, was ,sie früher versprochen hat. und ihren guten Rtil immer mehr befestigt. So in har* hat die Zeitschrift in seinem soeben erschienenen großen Werk ״Die Juden und das Wirtschaftsleben" vielfach benutzt und rühmt sie als ״gut geleitet". Nach wie vor sammelt sic alles vorhandene, in überall zerstreuten. — teilweise schwer zugänglichen — Rublikationen eilthaitone einschlägige Material und macht es in wissenschaftlicher, aber doch allgemein verstandlieber und anregender Rorm der großen Öffentlichkeit, zugänglich. Die Zeitschrift darf sich das Verdienst ziisciircibcii. exakte Rorsclmngeu über Juden und Judentum auf eine ganz neue Basis gestellt zu haben. Besonderer Wert wird bei der Bearbeitung des Stoffs darauf gelegt, auf Relileruucllcu hinzuweisen. Erläuterungen zu statistischen Ergebnissen zu geben mul vor falschen Schlüssen zu warnen. Im übrigen war das Bureau im abgclaufencn Jahr fast ausschließlich durch die Bearbeitung eines monumentaleu Werks in Anspruch genommen, welches soeben vollendet ist und demnächst im Verlage von Franz S i e b e u r o 111. Berlin, erscheinen wird. Es ist dies ein Werk, welches seit der Begründung des Bureaus in Aussicht genommen war und als ein bedeutendes Ereignis auch in der allgemeinstatistischen Wissenschaft zu betrachten ist. Es ist nämlich ein Tabellcnwerk geschaffen worden, welches alles amtliehe statistische Material für sämtliche Länder der Erde enthält, so weit cs sich auf die Statistik der einzelnen Konfessionen bezieht. Zunächst sind der Hcvölkcrimgsstntul und die Bevölkerungsbewegung von Dr. occ. publ. J. Sega II bearbeitet. Und zwar sind alle drei Hauntkonfcssionen berücksichtigt, so üuB das Werk nicht nur für die Statistik der Juden in Betracht kommt, sondern als ein Standard work der K 0 11 f c s s i 011 s s t a t i s t i k überbannt bezeichnet werden darf. Der praktische Wert des Buches liegt namentlich darin, daß cs die Bemitzmig imd mühsame Beschaffung der amtlichen statistischen Materialien überflüssig maclit. Auf dieses Wert hat sich, wie gesagt, die gesamte Tätigkeit des Bureaus im verflossenen Jahr konzentrieren müssen, so daß daneben wenig Zeit für andere Arbeiten blieb. Gleichwohl konnte die Untersuchung Dr. Sega IIs über die Entwicklung der indischen Bevölkerung in München von 1875-1905. die der Verein für Statistik der Juden in München herausgegeben bat. der Öffentlichkeit übergeben werden und cs erscheint ferner in kürzester Zeit im Verlage des Bureaus fiir Statistik der Juden eine Spezialarbeit von Dr. Anselm Hill m a 11 n über das iiidische Genossenschaftswesen in Rußland. Römer geht das Bureau nunmehr daran, zwei größere Untersuchungen in Angrift zu nehmen, und zwar über die Lage der Juden in Deutschland und ferner über die Entwickciung der jüdischen Bevölkerung in Berlin. Die letztere Arbeit soll in erschöpfender Weise das Material der neuen Volkszählung, und zwar auch dasienige. wcldies in den amtlichen Publikationen nicht veröffentlicht wird, enthalten, und in gleicher Welse wissenschädlichen wie praktischen Zwecken dienen. Die erfordürJichen Vorarbeiten werden im städtischen