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Jüdische Rundschau · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 112. JUEDISCHERUNDSCHAU _ _ ___ ״ No.JO. Partei und Presse Es wird unsere Leser inlerossiercn zu hören, daß das starke Anwachsen der Abonnentenzahl unseres Blattes, von dem wir vor einigen Mo* naten zu berichten wußten, auch in diesem Quartal in verstärktem Maße angehalten hat. Wir sind zu bescheiden, um einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolge unserer Arbeit׳ gutzu* schreiben. Wir sehen darin vielmehr ein er* frauliches Symptom für die ständig wachsende politische Einsicht weiter Kreise des deutschen Judentums, denen es nicht mehr genügt, sich über Dinge jüdischen Interesses durch die ten• denziöse liberale Judenpresse orientieren zu lassen und die eine im eminentesten Sinne poli* tische Frage auch politisch behandelt wissen wollen. Wenn man sich mit einigem Recht gewöhnt hat, die Bedeutung einer Partei an der Eimvick* lung der Presse zu messen, so darf man umgckehrt von der wachsenden Verbreitung unseres Blattes die optimistischsten Schlüsse auf das Fortschreiten der zionistischen Propaganda in Deutschland ziehen. Würden uns andere Beweise fehlen, so genügte der wachsende Ingrimm unserer Gegner, uns darüber aufzuklären. Aber auch ־־ und das ist das erfreulichste —־ die po* sitiven Leistungen der deutschen Zionisten zeigen auf allen Gebieten die gleiche erfreuliche Ent- Wicklung: Ein Blick auf die Spcndcnausvveisc oder eine Statistik der Agitationsvcrsammlungcn zeigt, daß die Fortschritte der ״Jüdische n R u n d s c 11 a 11“ weder als zufällige Erscheinung zu deuten, noch auf Gründe zurück/.u* führen sind, die lediglich in der redaktionellen und geschäftlichen Leitung des Blattes zu suchen wären. Partei und Presse stehen bei uns in so in* niger Wechselbeziehung, daß die eine jeweils als ein feines Barometer für die giiiislge oder ungünstige Fntwicklung der anderen ausgespro* dien werden darf. — Aber es gibt auch kaum eine wirksamere Unterstützung zionistischer Propaganda als die Gewinnung recht zahlreicher Abonnenten für die ״J ü d i s c h e R undschau“. An unsere Freunde richten wir jetzt beim nahenden Quartalsweise! nur das dringende Ersuchen, uns hier ein wenig zu unterstützen und wir glauben, daß einem jeden, der uns einen ständigen Leser zuführt, damit die sichere Garantie geboten,ist, daß aus dem Le* ser unseres Partei b la 11 c s sehr schnell ein wertvolles und überzeugtes Mitglied unserer Partei werden wird. Schon dafür sind wir dankbar, wenn uns Adressen aufgegeben werden von Personen, denen wir mit einiger Aussicht auf Erfolg Pro* benummern unserer Zeitschrift senden könnten. In den wenigen Wochen bis zum Quartals* Wechsel ist die Arbeit für die ״Jüdische Rundschau“ allen unseren Freunden erste zionistische Pflicht I Die Gefahr des Kompromisses lautet der Titel eines Warnrufs, den Pr. Oscar Nathan- Hamburg im Fcbruurhcft der ״J ü d i - sehen Turnzcitung” erliilU. Der Artikel scheint uns recht zeitgemäß und cs wäre gewiß ertreulich, wenn man ihn bereits als Symptom einer bc- Rinnenden Reaktion gegen die «Holte Politik," verzeichnen könnte, die doch gerade unserer Jugend in der Behandlung dieser Fragen so schlecht anstcht; ״Die Kräfte, denen die jurigjildische Bewegung das Dasein verdankt, stellen die letzte Anstrengung des Judentums dar. Das müßten wir, selbst wenn wir nicht so fest davon überzeugt wären, uns sagen, um unser Pflichtbcwußtscin und unsere Arbeitsfreudigkeit zu stärken. Die iungjüdische Bewegung will die Krisis im Judentum beseitigen. Wird ihr das gclingen? Es scheint, daß zu dieser Krisis eine neue, fast noch gefährlichere hinzutritt. ßs ist zu Grcnzvcr- Wirrungen zwischen Jungjudentum und anderen Riehtungon Im Judentum gekommen. Diese Krisis heißt Kritiklosigkeit, Mangel an Untcrschcidungsvcrmögcn, politisch gesprochen Kompromiß. Aber während der niederste politische Kuhhandel ein Geben und ein Nehmen bedingt, gibt das Jungiudcntum im Kompromiß unendlich wertvolle Inhalte hin und tauscht dafür ein Nichts ein! Das Zeugnis der maßgebenden Jüdischen Kreise, es fange langsam an. vernünftig zu' werden. Wir reden heute so viel von Differenzierung. Wir haben den allerpolitlschstcn Ansdruck, den Bcgriff ״Nation", zur Grundlage unserer Reformation gemacht. (Wir sind schon deswegen keine Reform, weil wir uns nicht vermessen. Ziele als Tatsachen liinzustcllen, sondern noch auf dem Wege sind.) Unser Todfeind ist die Assimilation. Nun sollte man meinen, wir suchten uiiscrn Stolz darin, auf eigenen Füßen zu stehen, uns die andern zu assimilieren, nicht uns den andern. Weit gefehlt. Wir sind zahm, vernünftig, bc* dachtlg geworden. Wie einer, der eine große l.icbc gehegt nnd mit einer Geldheirat seinen Jungen Men* scheu begrübt. Wir tun uns ordentlich darauf etwas zugute, den Radikalismus der Jungiüdisehcn Sturm* nr.d Drangneriode ahgeworfen mul die im Verkehr erforderliche real politische Külte errungen zu haben. Glückliches Judentum! Hs geht ein Sehnen nach Gleichheit durch deine Reihen. Das Meer deiner Schicksale kennt auf die Dauer keine Wellenberge, schnell 11ml gierig ergießen sich die Wasser, die blanke Spiegelfläche wicdcrhcrzustellen. Wäre 1101:11 diese Neigung, das Judentum als totes Meer zu behandeln, dem Gedanken entsprungen, cs nach außen hin als einheitlich und undurchdring* lieh erscheinen zu lassen, sie könnte eine Stärke sein. Aber weil diese Gleichmacherei nur dazu dient, Lehens• und Kraftiiulicrungeu des Judentums den Wind aus den Segeln zu nehmen, die iedem gesunden, frischen Burschen unter uns wie ein kecker Brausev/ind um die Ohren pfeifen, müssen wir sic cntsehic* den zurückweisen. Nicht nur, weil sic so manchen abhielt, überhaupt das Segeln zu lernen. Der grolle Tag der ״Regatta" ist noch nicht da. Hs herrscht dauernd Flaute. Wir haben cs satt, daß das Jungiudcntum erntedrigt wird zur Rolle des Lokomotivführers, schon deswegen, weil man zu häufig uns das Hinfahrtssignal verweigert und noch häufiger die Notbremse zieht. Hinigc Leute sind 1111 Packwagen, die meisten sehen sieh vom Speisewagen aus die Gegend an. Nun soll l!icr gewiß nicht schonungsloser Prin* zipienreüerei und erbittertem Chauvinismus das Wort geredet werden. Die Tugend Jüdischen Gc* reclitigkeitssimics Ist zu alt, um gerade Stammeshiiidern gegenüber atillur Acht gelassen zu werden. Wir wissen auch, daß man sielt ah und zu mit Teilei folgen bescheiden muß. Aber wir verlangen mibedingt in jedem Anhänger Jene Festigkeit. die allen Siieneurnfen der Gleiehmachcr unter den Juden ein donnerndes «Bis hierher und nicht weiter" entgegen* setzt, .lener geschickten Herren, die heute mit unscien Hnergien. mit unseren Gedaiikettgängen, mit unseren Ausdrücken für ein an sich großes, aber gegenüber dem nnscrigen unbedingt kleines Ziel eintreten. Darum, Nationaljuden, wir wollen uns differen* zieren. Auch untereinander. Daun wird die Weltes endlich begreifen, daß der Nationalismus des Turners mul des Zionisten verschiedene Dinge sind. (?!) Wir halten es lange schon für abgeschmackt, zu beteuern, daß unser Nationalismus unsere staatsbürgerlichen Pflichten und patriotische Gesinnung nicht berührt. Wer uns in dieser Hinsicht denunziert, wird auch keiner Beteuerung glauben. Gar mancher, der sielt an unserem Tische satt gegessen, hat schon gewünscht, unser ständiger Gast zu sein, wenn cs nicht immer den nationalen Gang gäbe, der ihm immer den Appetit verdirbt. Bedenkt, liebe l'reunde, wir kochen und wir essen, um satt zu werden, um uns zu kräftigen, und die solideste Kost, die nahrhafteste Speise, ist jener nationale Gang. Kräftigen wird das Judentum keine Paradczusammcn* Stellung zuckriger Rcstaurationsgcrichtc, sondern schlichte, gewürzte Hausmannskost. Und — eilt Ihr die allein, überlaßt aber Kompott und Nachtisch Kuren Gästen, es schadet nichts. Sic sind cs gar nicht anders gewöhnt!" Ausweis Schekel: Berlin 6 Mk.. Königsberg 5 Mk.. Lissu i. P. 1 Mk« Mannheim 4 Mk, Landesbelträgc: Berlin 6 Mk., Mannheim 5.50 Mk. Organisationsfonds: Hamburg (It. Spezifikation im N.-H.-Attswcis) 17 Mk., Zahnarzt Albert Schrägen* Iieim-Bcrlin 5 Mk., Kurt Lcwinsolm (V. J. St.). Broslau, 3 Mk., Alfred Sclicrk-Bcrlin G Mk., Herbert Schwarz-Berlin 5 Mk.. I. Nathan-Frankfurt a. 0. 5 Mk., stud. chcm. Henrik Colm (V. J. St.). Straßbürg I. Eis., 5 Mk., Dr. Pragcr-Savn bei Koblenz (II. Rate) 2 Mk., Glciwitz (It. Spezifikation Im N.-F.* Ausweis) 35 Mk., Zahnarzt Henry Unna-Berlin 10 Mk., Rechtsanwalt Dr.!. Münz-Niirnbcrg 20 Mk« Georg Wolff-Charlottcnburg 5 Mk.. Berlin (It. Spezifikation im N.-H.-Auswcis) 1 Mk,. I. Tugendreich (I. Rate) 10 Mk., Berlin (It. Spezifikation im N.-F.-Auswcis) 10 Mk., I. Fürst-Breslau 3 Mk.. Bruno Stcrn-Aaclicn 5 Mk., Mergentheim (It. Spezifikation im N.-F.-Ausweis) 10 Mk., Königsberg It. Spezifikation im N.-F.- Ausweis) 1 Mk. (iesamieliigaiig big 8. März 1911: Schekel 935 Mk., 1911: Schekel 16 Mk,. Landesbeiträge 11:50 Mk.. Organisationsfonds 158 Mk. GesatiHehigniig bis 8. März 1911: Schekel 933 Mk., Landesbeiträge 1483,50 Mk., Organisationsfonds 1911: 5618.30 Mk. Adresso für Geldsendungen: Zionistisches Zcntraiburcau. Chnrlottcnburg 2, Bieibtrcustraßc 49. Postscheckkonto 8091. Bankkonto: A. H. Hovntann u. Co., Berlin N.W. 7. Unter den Linden 59. PALßeSTINA-RUNDSCHAU Von der galllülschen Kolonie Majjdala Im Jahre 1909 kauttc eine Gesellschaft wolß• iahender jüdischer Palästinafreundc aus Moskau diu deutsche Besitzung Magdala (Mcdschdel) am Tibcriassec in der Absicht, dort eine UuumwollpHutiztmg an• zulcgeit. Seil dem Sommer FM0 werden nun die für die Anpflanzung notwendigen Vorarbeiten, wie Be• scitigimg des Gerölls, Umbruch und Tiefpflügung des Bodens, Anlage von Feldwegen usw. durchgeführt. Demnächst soll mit dem eigentlichen Anbau bc* gönnen werden. Gegenwärtig arbeiten in Magd 11,1 70 jüdische Landarbeiter, hauptsächlich Aschkenaslm, doch auch eine Anzahl Sephardim. Unter den A'H1• kenasim gibt cs auch einige Handwerker: Maurer. Schmiede, Schreiner usw., die aus Safed und Tibcrias nach der neuen Kolonie gekommen sind. Kinc Gruppe von 35 unverheirateten Arbeitern hat eine gemeinsamc Küche und Spcischallc eingerichtet. Nur die ,.Wohnungsfrage" ist bisher noch nicht befriedigend gelüst worden, da1 cs an geeigneter Unterkunft für die zahlreiche Arbeiterschaft fehlt. Wohl baut man jetzt ein Woiinliaus für die Arbeiter, doch wird dieses neue Heim kaum für die Hälfte der Arbeiterschaft ausrcichcn. Am II. und 12. Februar hat an der Küste Palästinas ein Siidweststurm von einer Heftigkeit getobt, wie man sich seiner nicht erinnern kann. Hier In Jaffa wurden 5G Leichter vernichtet oder schwer beschädigt und drei Segelschiffe aus,dein kleinen Hafen an den Strand geworfen und vernichtet. Zwei italienische Fischerboote scheiterten auf der Fahrt von i’ort Said. Die Bemannung konnte sich retten mit Ausnahme von zwei Matrosen, die ertranken. Dazu kam Selmecfall und Kälte in ganz Palästina und Syrien. In Jerusalem herrschte einige Tage hindureli ein furchtbarer Scluiccsturm. Auf den Straßen und Dächern erreichte der Sclmcc eine Höhe von einem halben Meter. Viele Bäume wurden entwurzelt, auch stürzte unter der Last der Schnee- ' müssen ein baufälliges Haus ein und begrub zwei junge Moslemin unter seinen Trümmern, Der Straßenverkehr stockte vollständig, mul die meisten Läden waren geschlossen. Die Telegraphenverbin• dmig war mclircrc Tage laug uutcrbrocheu, selbst die Bahnlinien von Jaffa nach Jerusalem sowie von Beirut nach Aleppo und Damaskus mußten den Verkehr ciiistcllen. An der Strecke von Damaskus nach Haifa stürzte ein gewaltiger Felsblock auf einen Zug und zertrümmerte die Lokomotive und einen Güterwagen. Drei Beamte wurden schwer verletzt. Hs fehlte nicht viel, daß der von 400 Menschen besetzte Zug die 20 m steile Böschung hinimtergcstürzt wäre. Oberaus groß sind die Verwüstungen, die das Unweiter in den Ornngcngürtcn Jaffas mul der jüdischen Kolonien angcrlclitct hat. Infolge des Sturmes fielen unzählige Früchte ah und gingen zugrunde. In Petliach-Tikwah haben die Maiulcipflanzungcn glücklicherwcisc nicht gelitten, dagegen wurden die Orangengärten sehr hart mitgenommen. Man bczilfert den Schaden in Petliach-Tikwah allein auf 50000 Fres. In den Bojaren von, Jaffa und Umgebung soll sich der Schaden insgesamt auf 4—500000 Frcs. belaufen. Bekanntlich hat das hiesige Jargonblatt ,.Haint“ zwölf ausgclostcn Abonnenten eine Prämie in Gestalt einer — unentgeltlichen Gesellschaftsreise nach Palästina gewährt. Den zwölf Glücklichen, deren sämtliche Reise- und Vcrpllegmigskosten die Verwaltung des ״Haint" trägt, haben sic fünf Mitglieder des Redaktionskollegiums und dreizehn andere Personen zugcscllt. Am Vorabend der Abreise fand in Warschau ein von ca. 200 Personen besuchtes Fest• essen statt, bei dem führende Persönlichkeiten der Warschauer Zionisten die Redaktion des ״Haint" zu ihrem sympathischen Unternehmen beglückwünschten und das Verdienst der Veranstalter der ersten russischen Gesellschaftsreise nach Palästina hervorhoben. - Die Herausgeber des ״Haint“, die Herren Jatzkan und Finkclstcin, wurden von den Teilnehmern des Banketts ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen. Bei den Aushebungsarbeiten für den Bau der Arbcltcrhäuscr des Bczaicl in ßcn-Schamcn bei Lydda stieß man auf zwei Zisternen aus nltjüdtschcr Zelt. Diese Zisternen waren noch in so gutem Zustand, daß sic sofort in Verwendung genommen werden konnten. Dies Ist um so wichtiger, als dio Frage der Wasserversorgung in Ben-Schanicn eine sehr schwierige Angelegenheit ist. Die Kolonie ,.S a b a" hat die Erlaubnis zum Bau von weiteren dreizehn Häusern erhalten, zu welchem Zwccko der Verein ״Esra" in Berlin den Kolonisten eine Anleihe gewähren will.

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