Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1911)
- Date
- 1911-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 10. jüdisch!■ hundschau Seite 111. vor dem Forum des russischen Parlaments Von L M o t z k i 11. luimgcu P •|l»!1r!‘ ־'׳' •1";'׳י י׳ י ״ ’ ״ . ן! ו1י,w,,M״h •״״iwium.1 JU.UMW IUI illil, Uli» lllltli.il llli INflMlJJJU MiUlVllH, i I »V11 lltllUi:>y ulwds iti« kämpfen unter /ustimnumg der maßgebendsten nationalen Organisationen die indischen Ücpuiierlcn 11111 um ein btiicK pnscmsinöghchkdt und s 11 che 11 wenigstens e i n!1 Festung ein/.ureiinen und /.war jene, die von den Feinden veiteidigt weiden Kann. Sie beschränken sich seihst, um die Chancen liues teilweisen Sieges zu mehren. 1 llit J .» . _ f i\>\ » * t .. .יי. in der D u m a am schwächsten Die erste Bataille, z.u der es 1 , 1 f , ״..-־־ ■"•• ... »!•C Ueberwcisuilg nm.f וווו■וmו>mו]■וו^vo 1111 UIIV 1\wi 1 י1ו. , ו!/< וי.י. 1111 י leiulere Anzahl Unterschriften trägt, fast als eine obligatorische Handlung, und deswegen ist ja die Debatte in diesem Stadium von ehe (icseliaftsoieinuiig eles russischen Parlaments auf wenige Reden der(legennaitcien sowie auf kurze rraktiouscikläruugcu beschri' Gelegenheit vornherein durch ungen hesenränkt. kommen wiirde, und erwartete von mit dem |uelen problcm beschäftigt er Reden als bei den Abstimschrecken, durch ihre Verängstigung vor der Herrschaft des Judentums, durch ihre Parole einer Vertreibung sämtlicher Juden aus Rullland. Trau• riger aber war es, daß auch der H a u p t v er t e i d ig e r des Gesetzentwurfs der bekannte Kadett Maki a k o w, einen Ton anschlug, der das rus* sischc Judentum von der Angeklagtenrolle nicht befreite. Die Tendenz, seiner Hede lief auf einen Appell an den anständigen Antisemitismus, mit anderen Waffen als Wohiircchtsbescliräukungeii gegen die jüdische Nation anzukämpfen, hinaus. Solange die jüdischen Massen rednlos seien, wäre jeder Kampf gegen sic ein Verstoß gegen das Ehrgefühl. Pie russischen Antisemiten sollten von den zivilisierten westeuropäischen, den Drumont, Diiliring etc., lernen, die die 1 lande über den KöpLn zn.-nnmansclilagui würden, warn sie hörten, daß noch irgend jemand für Beschränkungen der Juden im Domiz.ilrcdit plädiere. Auf dieser schiefen Ebene •ging es immer weiter. Mit bewunderungswürdiger Plastizität paßte sich Maklakow der antisemitischen Psyche an und brachte es unwillkürlich zu verletzenden gedanklichen Konzessionen. Ein Lieblingssatz von ihm, den er mehrfach variierte, war es, daß die Antisemiten muh von i 11 re in Standpunkt aus das Uebel des Judentums nicht auf ein bestimmtes Territorium beschränken, sondern über das ganze Reich verbreiten seihen. Maklakow sprach immer nur konditionell vom jüdischen Uebel. aber er fand dabei nicht ein einziges Wort der Anerkennung, der Sympathie für die von ihm ״Verteidigten“, Eine positive Bewertung des russischen Judentums, wie sie hier unbedingt am Platz.e war, blieb aus. Kein Zweifel, jeder russische Antisemit konnte sich bei den Aucf'ilirungeu Maldakows recht behaglich fühlen. ' Hm störte kein Echo jener Leiden, denen die sechs Millionen Juden in Rußland ausgesetzt sind, kein stürmischer Ausruf der Entrüstung, keine peinliche Erinnerung. Makla• kow vertrat die Staatsraison, das Recht, die Logik und vergaß ganz und gar, daß er über lebende, gefolterte Menschen redete. Nicht ein Hauch einer hülicrcn Schätzung des Menschen durchdrang seine glänzend konstruierte Rede. Er schien mit Absicht seine Zuhörer nicht erheben zu wollen, denn er trug sie nicht in die Welt der reinen Menschlichkeit.hinüber, sondern er stieg zu den kleinlichen Seelen hinab und ging ihren Gedankengängen nach. ״Die Juden," sagte er, sind doch nur 4 Prozent der russis.hcn Bevölkerung, das heißt eine minimale Größe, mit der das russische Volk, wenn ihm eine große Zukunft beschieden ist, schau fertig werden wirci. Und was ist nun daraus geworden, daß ihr das Judentum innerhalb des west* liehen Territorien eingesperrt habt? ist es nun geschehen, daß ihre Zahl in einigen Städten bis zu 60 Prozent geht, daß eilige russische Städte jüdisch sind, daß ihr einen Teil Rußlands in Judäa verwandelt habt.’‘ Maklakow ließ es sogar im Zweifel, wie er sich persönlich zum Antisemitismus verhält. Geflissentlich vermied er es, seinem Auditorium darüber klaren Wein cinzuschenken. ״Ich will mich nicht in eine Analyse dessen einlassen, was Antisemitismus ist, inwieweit er verbreitet und erwünscht ist. Keinem Zweifel unterliegt es aber, daß er existiert, und uiuiiuz wäre es, ihn abzuleugnen. Was wir hier einzig und allein zu entscheiden haben, ist, inwieweit dieses Gefühl in der Staatsverwaltung zum Vorschein kommen darf. Ein Antisemit kann jeder sein, ein jeder kann seinen Antisemitismus zum Ausdruck bringen, aber nur im Bereich persönlicher und gesellschaftlicher Beziehungen.“ Denn Gleichheit vor dem Gesetze lasse sich sehr wohl mit dem hartnäckigsten Antiscniitisuiib vereinigen. Die ganze Argumentierung dieses Verfechters der jüdischen Gleichberechtigung war sicherlich logisch. Aber seltsam, unheimlich seltsam ist es doch, daß der erste Ruf nach Gleichberechtigung der Juden in solcher Form vor dem russischen Parlament erklang. Doppelt bedauerlich ist es, daß die russische Duma nicht mehr über die bestechende Persönlichkeit des kürzlich verstorbenen Karaulow verfügt, der bekanntlich noch zu Er wollte, wie man weiß, für die Juden nicht durch ihre und nicht anders mußte der Anfang simuingen hinnrigt. Aber ihm fehlt jeden Preis den Erfolg der Sache will, offenbart uns die traurige Erscheinung, daß der gesellschaftliche Antisemitismus -- abgesehen von dem poli* tisch-reclitiiclicn — auch in Rußland stark auf dem Marsche ist. Denn auf diesen hat er es doch abgesehen. Ihn will er aus dem Kampfe ausschaltcn, um für die Juden Rechtsgleichheit zu erringen. Und gäbe es nicht schon heutzutage große Kreise innerhalb der russischen Gesellschaft, die sich eine Ideologie des gesellschaftlichen Antisemitismus konstruiert haben, so wäre die ganze Dialektik Maklakows fast unverständlich. Andere Töne fand der zweite Hauptredner, der Sozialdemokrat Pokrowsky, Töne, die gleichsam bestimmt waren, den Opportunismus seines Partners zu paralysieren. Denn er richtete seine spitzesten Pfeile gegen die Regierung, gegen die Oktobristen und gegen die ganze Duma und ver* langte von den Juden Verachtung für dies Parlament und Kampfgenossenschaft. ’Ob der Appell insbesondere bei dieser Gelegenheit angebracht war oder nicht — jedenfalls war manches erfrischend in seinen Anschauungen. Schade, daß sich dieser Redner gar zu sehr auf den Parteistand• punkt stellte, und so kam die Menschlichkeit in absolutem Sinne überhaupt nicht zu Worte. Erst in einer knappen Deklaration Roditschews machte sich der Widerklang solcher Stimmungen bemerkbar. Wie groß muß aber in derartigen Momenten die Tragik der beiden jüdischen Abgeordneten, Nissclowitsch und Friedmann, gewesen sein! Beide haben sie es diesmal für ihre Pflicht gehalten, vor der Duma die primitiven Rechte der Juden zu vertreten, und Friedmann ließ sogar gegenüber dem so gehässigen Auditorium ein Wort von der Würde des jüdischen Volkes fallen. Welch ein dornenvoller Weg! Ein seltsames Resultat haben dann die Abstimmungen gezeitigt.Die Oktobristen, aus deren Mitte bloß ein paar untergeordnete Geister redeten, haben ziemlich geschlossen für Konimissionsberatung gestimmt. Dagegen sind die beiden anderen Entscheidungen — die Monatsfrist für die Korn* missionsberatung und die Wahl der Kommission — wider ihren Willen getroffen worden. Diesen Streich haben ihnen die Rechten gespielt. Als den Reaktionären der Ruf nach Ablehnung der Kommisionsberatung nicht geglückt war, da suchten sic selbst die Situation zu verschärfen und votierten mit der Opposition. Einem solchen taktischen Verfahren der Judenhasser ist es nun zuzuschreiben, daß die genannten Entscheidungen so günstig ausgefallen sind. Welch große Gefahr ist cdoch in der Gegnerschaft der Oktobristen gegen die Zeitbegrenzung und gegen die Ver- Weisung des Entwurfes an eine fortschrittlich Kommission enthalten! Darum ist der Zeitpunkt für Siegesstimmung nicht gegeben. Alle Aufstellungen. ~ י-י ־.־ setzentwurf sicher ' reditsentwurf^nstrebeii werden. Trötz alledem bleibt die Einbringung des Antrages ein Gewinn für das russische Judentum. Der Beginn des ׳Kampfes wird wenigstens der größten. Oeffentlichkeft das russische Judentum Vorhalten und zweifellos schlummernde Energien wecken. Einmal muß doch schließlich die rechtliche Judenfragc in Rußland auch unter ungünstigen Verhältnissen aufgerollt werden. t