Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 104. |U1:DISCHE RUNDSCHAU No. 9. Benutzt die Purimtage für die N. F.-Propaganda! Verteilt überall die Purim-Flugschriften! Purim ist der Tag, an dem jüdische Kinder für jüdische Zwecke sammeln. Gebt Ihnen unsere Flugblätter, erzählt ihnen von | unserer Arbeit, und sic werden gern ihre Sammclcrgcbnissc dem N. F. zuwenden. Kinder» die IO M. bringen, erhalten eine DenKmünze« Die hundert besten Sammler erhalten diese Münze in feiner Bronzeausführung. Veranstaltet überall Kinderfeste! Gebt den Reinertrag der Purimfeste für den N.-F.l Bereitet überall die Büchsenleerungen für Cholhamoed-Pessach vor! ac .״11— 3a ihre Predigten nicht über 20 Minuten ansziidelincn, betrachtet die Versammlung als eine herabwiirdigendo Zumutung; in jeder Herabwürdigung des Rabbiner- Standes erblickt sic eine Schädigung des Judentums überhaupt. Sic glaubt auch, dalt eine Schädigung der Gemeinde in religiöser Beziehung eiutreten wird, wenn die Rabbiner ein Maximalmalt von 20 Minuten!nnczulialten gezwungen sind. Die Versammlung hofft, dalt diese Beschlüsse in Biilde wieder aufgehoben werden.“ Es ist mit Freuden zu begrüben, dalt die positive Minorität unserer Ucmeinde sich endlich ein Sprachrohr geschaffen hat. das cs ihm ermöglicht, der Gemeindclcitung ihre Ansichten vorzutragen. Zu hoffen ist nur. da» diese Aussprachen sieh in regelmültigen Abständen wiederholen und da» die rege Anteilnahme an Genieindeangelcgcnlieiten. die in der Wahlzeit wachgerufen wurde, nicht wieder abflaut. Mail wird dann sehen können, inwieweit die liberale Mehrheit gewillt ist. den Wünschen der starken Minderheit entgegenzukommen. (I). Red.) Berlin. Seit einigen Monaten bestellt in Berlin das Arbeitsamt iiir jüdische Akademiker. Ein solches Arbeitsamt ist Notwendigkeit in einer Zeit, in der im öffentlichen wie im privaten Bienst die jüdischen Bewerber systematisch zurückgewiesen werden, und seihst die Interesselosigkeit jüdischer Arbeitgeber die jüdischen Bewerber aussehliellt oder wenigstens nicht bevorzugt. Per Zweck des Arbeitsamtes ist die Forderung und Vermittelung jeglicher Existenzmogliehkeil für jüdische Akademiker. Zu diesem Zweck hat das Arbeitsamt in vielen deutschen Städten Vertrauensniiiimcr gewonnen, deren Aufgabe cs ist. jeweils die Möglichkeit einer Niederlassung für Ärzte. Rechtsunwültc usw. unJ Vakanzen aller akademischen Stellungen im öffentlichen wie im privaten Dienste dem Arbeitsamte mitzuteilen und die Besetzung durch Juden zu veranlassen, die beteiligten jüdischen Kreise dafür zu interessieren, da» sic jüdische Kräfte cinstcllcn und sich der Vermittelung des Arbeitsamtes bedienen, kurz, das Interesse der jüdischen Akademiker in jeder Weise zu fördern. Biese Organisation bedarf aber noch des Ausbaues. Deshalb sollten in allen von Juden bewohnten Plätzen Deutschhmds sich Personen finden, welche das Amt eines Vertrauensmannes übernehmen wollen; insbesondere sollten aber sämtliche jüdische Gemeinden und Vcreine sich in den Bienst der Sache stellen und ihre Bereitwilligkeit dem Amte mitlcilcn. — Auch materiell muß das junge Unternehmen gestützt werden. Dies kann durch Spenden und Subventionen, aber auch insbesondere durch den Erwerb der Mitgliedschaft geschehen Die Mitgliedschaft kann durch einen Jahresbeitrag von mindestens 5 Mk. erworben werden. durch einen einmaligen Beitrag von mindestens 150 Mk. wird die lebenslängliche, durch einen solchen von mindestens 300 Mk. die immerwährende Mitglicdschaft erworben. Auch hier ergeht Vorzugsweise an die genannten jüdischen Körperschaften die Aufforderung, das gemeinnützige Unternehmen nach ihren Kräften zu fordern. Zuschriften und Beiträge sind au das Arbeitsamt für jüdische Akademiker. Berlin C. 25. Bircksenstra»e 2Ö/27. zu Händen des Herrn Rechtsanwalts Mescritz zu richten. Escliwege. Unser Ort hat einen Schuldirektor, der sich einen sehr sonderbaren Begriff von staatsbürgerlicher Erziehung gemacht zu haben scheint. Er hat in der Schule das Thema behandelt: ..Warum Ist die Wirtschaftliche Vereinigung antisemitisch?'' Die Aufzeichnungen, die eine Schülerin darüber gemacht hat,■und von denen wir zufällig Kenntnis erhalten, lauten: ״Die Wirtschaftliche Vereinigung vertritt die Interessen des Mittelstandes, und zwar des Handwerks. der kleineren Bauern und der kleinen Gcschüftslcutc. Die Israeliten sind meistens Händler und Spekulanten. Durch das Spekulieren wird der Boden teuer. Dadurch werden die kleinen Bauern und Geschäftsleute geschädigt. Die Bauern können kein Ackerland kaufen, weil cs zu teuer ist. als daß sic mit Verdienst darauf arbeiten. Folglich ist die Wirtschaftliche Vereinigung antisemitisch. Der Staat ist darauf bedacht, da» jeder Staats- ׳ bürger eine gesunde Wohnung besitze, denn der Staat beruht auf der Familie, und zwar auf der gesunden Familie. Die Familie kann aber nur in gesunden Wohnungen gesund bleiben. Durch das Spekulantentum wird der Boden teurer, und eußer- . dem werden die Häuser schlecht gebaut. Daher sucht der Staat dem Spekulantentum Einhalt zu tun.” Solche Art von Erziclmng Ist denn doch ein starkes Stück, und man darf wohl erwarten, da» sieh die Schulbehörde diesen Jugcndbildncr näher bctrachten wird. AUS HAMBURG-ALTONA Die Frauen Vereinigung der Zionistischen Orts• gruppe Ilaitilmrg-Altonu veranstaltet am 19. März dieses Jahres ihr Purim •Kinderfest mit nachfolgendem Ball zum besten ihrer Ta ge s- F c ri c nkolonie. Das Fest wird in der Ernst Merck-Hallc, Tiergartenstraüe, stattfinden. Karten sind noch in besehrtinktcr Anzahl bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. * Am Dienstag, d. 7. Mürz er., abends 8!׳; Uhr. vcranstaltct die Zionistische Ortsgruppe in Gemeinschaft mit verschiedenen anderen jüdischen Institutionen eine Versammlung im Logenheim, Hartungstrailc. in der Herr Rabbiner Dr. So n d c r 1 i ng - H a m - bürg einen Vortrag über ״Reminiszenzen an die Juden gas sc" halten wird. Hamburg-Altona. Montag, den 0. Miirz er., abends 8H Uhr, im Logenheim. Hartungstrailc: Vortrag des Herrn Dr. E. J. Lesse r, Privatdozent au der Universität in Halle: ״Das Genie im J u d e n 111 m". Iliuiilmrg-Altoua. Sonntag, den 5. März er., abends 8U Uhr, In Altona, Altonacr Gesellschaftsbaus, Konigstr. 154: Ocffcntliche Versammlung. Tagesordnung: Der Zionismus, die Lösung des jüdischen Problems. Referenten: Dr. L. Frank• Altona, Dr. William U n n a Hamburg. Freie Aussprache I VCRCI NS^RU N DSCHA0 Berliner Zionistische Vereinigung Am Mittwoch, dem 8. M U r z, abends 9 Uhr. findet in den S 0 p 11 i e n s ä I c n . Sopliicnstr. 17-18 (am Bahnhof Börse) eine öffentliche Volksver sa 111 in 111 n g statt, in der Herr Dr. Sehe- 111 a r j a Lewi n über ״!) i e Juden in A m c r i k a" sprechen wird. Wir bitten um zah 1 reiches Erscheinen. Besondere Einladungen׳ ergehen nicht. Berlin. In der Jiidlsch-imtlonalcii Fraucnverclnlgimg spricht am Montag, den 6. März, abends 8)1 Uhr, im kleinen Saal des Tiergartenhofes (am Balmhof Tiergarten) Frau Lina Wagner- Tauber über ״Jüdische Volkskunde". Gäste, Damen und Herren, willkommen. Berlin. Der Jüdisch» Turnverein Bar Kuchluv veranstaltet am Dienstag, dein 7. März, abends 8V1 Uhr, im ״Tiergartenhof" (Bahnhof Tiergarten) eine Jüdische F r a u e n V c r s n m m l u n g. I. Referate: a) Die hygienische Bedeutung des Frauenturnens, Dr. nt cd. Irma K1 a u s n c r* Cronhclm; b) Das moderne jüdische Frauenturnen. 11. Turnerische Vorführungen. 111. Diskussion. — Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Berlin. Im Israelitischen Briidcrvcrcln zu Rixdorf hält am Mittwoch, dem 8. März, abends 9 Uhr, Herr Königl. Bibliothekar Dr. Heinrich Locwo einen Lichtbildervortrag ״Bilder aus der jüdischen Geschieht c". Lokal: Großer Saal des Deutschen Wirtshauses, Rixdorf, Bergstr. 136-137. Man erreicht das Lokal mit den Linien 7, 15, 47 und 48 der elektrischen Bahn. Gäste hcrzlichst willkommen. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgcld von 20 Pf. erhoben. Berlin. Am Donnerstag, dem 9.׳ März, findet eine Versammlung der Mlsrachlgruppo Im Burghotcl, Burg- Straße 20, abends 9 Uhr, statt. Referate: Rückblick über den 8. und 9. Kongreß, Ausblick zum 10. Kongreß. Gäste, Damen und Hcrreti, willkommen. Berlin. ״Kadlinali", Gruppe der B.Z. V., veran- Maltet am 13. März d. Js. in den Augusta Victoria• Sälen, Lutherstr. 31-32 (vis-ä-vis Eispalast) einen I* 11 r i m - A b c n d, verbunden mit Konzert, Theaterauffiihrung von Selmlcm-Aleichciii und lebenden Bildern aus dem jüdischen Leben. Purim-Witzblatt. Festredner Herr Dr. Alfred Klee. Tombola (unter den Gegenständen befinden sicli Radierungen von Hermann Struck). Ball. Karten sind zu erhalten in der Lxpct! iion der ״J ״ d. R u n d s c h a u" und in den Buchhandlungen von M. Oonzer, Oranienburger- Straße 26, Lamm, Neue Fricdriclistraße 62. und S. Lipschitz (״Koicliow"). Linienstraße 132. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung macht nochmals auf ihre P u r i in f c i c r am 15. März im ״Tiergartenhof" aufmerksam. Zur Aufführung kommt eine große aktuelle jüdische Revue sowie Cabarctvortrügc. Näheres wird in der nächsten Nimmicr der ״Jüdischen Rundschau" bekannt gegeben. Berlin. Die Cliumischah-nvar-Fcler der jüdisch• nationalen Fraiieuvcrclnlgiiiig gestaltete sich am Dienstag abend in den Festsälen des Tiergartenhofs zu einer überaus glanzvollen Veranstaltung. Nach einer feinsinnigen Begrüßungsrede der Vorsitzenden Frau Lina W a g 11 e r- T a 11 b e r trugen nichrcr« (iesangsvortiiige zur Unterhaltung der Gäste b:u Im vollsten Maße war cs den Damen der Vereinigung gelungen, palästinensische Frühlingsstimmung lür eine Nacht nach unserem rauhen Norden zu vcrnilanzcn und jeder schmückte sich gern mit den lieblichen Kindern des Frühlings. Es ist zu hoffen, daß dieses!.tiimmmgsvollc echt jüdische Fest der Vereinigung recht viele neue!•>0111010 fiir ihre ernste Arbeit gewonnen. Berlin. Eine sehr rege, erfolgversprechende Tätigkeit entwickelt der seit kurzem bestehende Verein ״Kadlniali**. Diese Gruppe hat sieh als Untergruppe der B. Z. V. mit dem Zwecke gebildet, die in Berlin ansässigen östlichen Juden auf dem Boden des zionistischen Programms zu organisieren. Nachdem sic in einer Reihe von Mitglieder- Versammlungen ihren Arbeitsplan durchberaten mul formuliert hat. hat sic nunmehr auch ihre öffentliche Propagandaarbeit mit zwei gut besuchten Volksvcr- Sammlungen im Grcnadicrvicrtcl eröffnet. — Hie Versammlungen, die mehr als 200 Anwesende auf• wiesen, zeichneten sich durch den besonderen Ernst und Sachlichkeit ihrer Verhandlungen aus und ge• wannen ein noch erhöhtes Interesse durch das Kmgreifen des Herrn L. Motzkin. der in zwei nach Inhalt und Form gleich ausgezeichneten Reden den vielfachen und verschiedenartigen Einwänden unserer Gegner wirksam entgegentrat und mit der ihm eigenen logischen Schärfe die theoretische Untcilage und praktischen Ziele des Zionismus klarlegte miu verteidigte. Die erste Versammlung, die im Lokale des Items Fertig, Grctv.ulimir. 17, am Sonntag. »cm 12. d. Mts., stnttfand, wurde von den Herren J. Chelcm er und M. Lc isc r0 w i t z mit kurz gehaltenen Ansprachen eröffnet. In der Annahme, daß man cs hier hauptsächlich mit Gegnern aus Gründen religiöser Natur zu tun hat, entwickelten die Redner an der Hand des jüdischen Schrifttums eine Reihe von nationalen Gcdankcngüngen und wiesen den Zionismus als Postulat des rcKgiöscn Empfindens nach. Des weiteren zeichneten die Redner die Inslicrlgc Tätigkeit des Zionismus und betonten seine national-ökonomische Struktur. Die sich an diese Vortrüge knüpfende Debatte drehte sich vornehinlieh um sozialökonomisclic Fragen. Vertreter verschiedcnstcr Partcirichtungcn traten mit ihren Parteidoktrinen vor und machten dem Zionismus hauPtsächlich seinen Charakter als Bourgcoisbcweßim* zum Vorwurf. In vielfachen Variationen wird immer wieder betont, daß die jüdischen Prolctaricrschiclitcn dem jüdischen Bourgeois mit ebensolcher unvcrsölmliehen Feindschaft gcgcnübcrstchen müssen, wie dem Bourgeois aller anderen Nationen. Nicht vom nalionalcn. sondern vom Klassenkampf wird das jüdische Proletariat eine ökonomische Erstarkung erfahren 1