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Jüdische Rundschau · 1911-03-03 · Heft 9 (3.3.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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No. 9. Seile 102. stüiullgcn Ausführungen des Redners gilben ein anscliaulicfics Bild über die Umwicklung der Wirtschaft• liehen Lage der Juden und legten überzeugend dar, wie diese Umwicklung die vorherrschende Stellung der Juden im Wirtschaftsleben gebrochen hat. 11er Vortrag gipfelte in der Feststellung,♦dali nur in einem jüdischen!,aliistina eine normale Umwicklung des jüdischen Wirtschaftslebens möglich wäre, weil die Juden nur dort Händler und Produzenten zugleich sein könnten. An den von der gut besuchten Vor- Sammlung mit lebhaftem »eifall aufgenommenen Vortrag schloll sich eine Diskussion, in der der Redner nochmals Gelegenheit nahm, seine Ausführungen zu ergänzen und zu erläutern. Der Abend war namentlieh für die zahlreich erschienenen jüngeren Kaufleute von groilcr Wirkung. -- Wir benutzen gern die Gelegenheit, um Herrn Kurt Blumenfcld nacli Deciuligung seiner zweiten diesjährigen Tournee durch unseren Bezirk, in deren Verlauf er in Annaberg, Chemnitz, Köthen, Erfurt, Hnlbcrstadt, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nordltauscn Vorträge hielt, unseren wärmsten Dank fiir seine erfolgreiche Tätigkeit auszusprcchcn. Illhlcslielni. Am 16. Pebruar sprach im I.ogcn- Saale des Knaupsclicn Etablissements Herr Kurt Blumenfcld vor etwa BO Personen über ״Jiidi* schcWirtschaftsproblcine". In Anbetracht der hier bis jetzt herrschenden, dem Zionismus feindliehen Stimmung war cs eine Genugtuung, zu sehen, dali Glieder verschiedenster Kreise, besonders die Jugend, sieb cingcfundcn liatlcn. Das Publikum folgte mit Spannung und Verstündnis den Ausführungen des Redners und zollte ihm lebhaften Beifall, der sieh erneute, als Herr Blumenfeld in der Diskussion^ die assimilatorischen Entwürfe des Herrn Dr. med. Cohn zunichte machte. Wir werden den Erfolg der Ver- Sammlung zweifellos gut ausnutzen können und werden über die Ergebnisse unserer Arbeit demnächst berichten. PALfleSTINA-RUNDSCHAU In• einem Artikel, den die ״H a z c f i r a 11“ aus der Feder eines ihrer Jerusalemer Mitarbeiter veröffentlich(, wird der höchst unwürdige Zustand, in dein sich die Klagemauer (Köthel Maarahhi) in Jerusalem befindet, lebhaft beklagt. Der Zugang zu dieser geheiligten Stätte führt durch änderst schmutzige, von Arabern niedrigsten Standes bewohnte üblichen. Die Anwohner verhöhnen und belästigen die Juden, die an der Klagemauer um die Wicdcraufriclitung Zions beten, in der gemeinsten, unflätigsten Weise. Der Artikclsclircibcr führt aus, cs sei beschämend für die Judenheit״der Diaspora, dali bis heute nicht das Geringste versucht worden ist. um diesem sclimachvollen Zustande ein Ende zu machen. Er fordert die jüdischen Wohlfahrtsgescllschaften und Palästina- Organisationen wie überhaupt sämtliche wohlhabcnden und einflußreichen jüdischen Kreise Europas und Amerikas auf, eine groliangelcgtc Aktion cinzulcitcn, um mit Erlaubnis der zuständigen Behörde die Häuser und Plätze in der Umgebung der Klagcinaucr anzukaufen, den gesamten schmutzigen und verwahrlostcn Oebäudekomplex niederzureißen und an dessen Stelle einen grollen, freien, gutgcpflastcrtcn Platz zu schaffen, welcher der Würde und Heiligkeit •des Ortes angemessen wäre. Einen von den jüdischen Pulästinarciscndcn bisher ,sehr unangenehm empfundenen Mangel hat die Dircktion des österreichischen Lloyd in entgegenkoniinender Weise abgcstcllt, indem von nun an auf den Schiffen der Eillinie Triest-Alexandrien sowie der Syricniinic (Triest-Jaffa) rltucMe Konserven geführt werden, die unter Aufsicht des Rabbinates der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt um Main bereitet sind. Jüdischen Reisenden 1. und II. Klasse, welche auf rituelle Verköstigung tcÜekUeren, werden diese Konserven auf Wunsch anstatt der üblichen Schiffskost verabreicht. Die Inanspruchnähme ritueller Verköstigung ist rechtzeitig, d. I. spätestens bei Belegung der Plätze, anzumcldcn. Unter den zahlreichen europäischen Reisenden, die In den jüngsten Tagen Jerusalem besuchten, befand sich auch eine Gesellschaft von 20 wohlhaben• den Juden aus Oesterreich-Ungarn. Vom Monat Nissan d. Js. ab erscheint in. Jaffa eine neue illustrierte hebräische Monatsschrift ״Moledeth" (״Vaterland") für die Jugend und für weitere Volkskreisc. Das Organ wird vom hebräischen Lehrerverband in Palästina und dem Verlag ״K 0 Ivo - leth" hcrausgcgcbcn und vom bewährten Pädagogen und namhaften Schriftsteller S. Ben-Zion (A. Outmann) redigiert werden. Das reichhaltige Programm umfallt u.*a. Belletristik, kulturhistorische und geschichtliche Schilderungen und Aufsätze, populäre _fUEPISCHE RUNDSCHAU naturwissenschaftliche Abhandlungen, Kunstbilder und Porträts mit Erläuterungen. Die Adresse der Monatssclirift, deren Abonnementspreis J3 fr. jährlich heträgt, ist: ״Molcdetli", Jaffa, Oesterr. Post, Palästina. Wir begrüben mit besonderer Genugtuung das neue Organ und hoffen, dali cs auch in Deutschland die ihm gebührende Beachtung und Verbreitung finden möge. S \/0M*߀ZALeL= ״ ־:;* Erfolge des Bczalcl ln Warschau Die in Warschau vor kurzem veranstaltete Bezaiel-Ausstellmig hat der Jerusalemer Kunstgewcrbcschulc zahlreiche neue Freunde und Förderer gewonnen. Die Erzeugnisse der Anstalt fanden reillenden Absatz, und cs sind nach Jerusalem Be* Stellungen auf Teppiche, Filigramirbeiten usw. im Werte von 10 000 Rubel mifgegeben worden.!VOM HILFSVCREIN! Dieser Tage ist Herr Dr. Schntarjahn Lewin von einer längeren Aincrikarcisc, die er im Interesse des Jüdischen Insttiuts für technische Erziehung in Haifa unternommen hatte, nach Berlin zurilckgekclirt. Es ist Herrn Dr. Lewin gelungen, in den angesehen* sten jüdischen Kreisen Amerikas werktätiges Interesse für das Haifacr Technikum zu erwecken. U. a. sind die Herren Jacob Schilf, L. Marshall, S. S t r a u II. Dr. Cyrus Adler und Prof. S c h c c h ter dem Direktorium des Technikums beigetreten. An Spenden und Jahresbeiträgen für die Anstalt hat Dr. Lewin insgesamt den Betrag von 37000 Dollar aufgebracht, darunter 215000 Dollar Stipcndicngeldcr für mittellose Zöglinge. Die Verwaltung des Tempels Emanucl hat auf den Namen von Dr. Lewin eine Stipendienstiftung im Betrage von 5000 Dollar errichtet. $ Die Bewohner der kleinen jüdischen Ackerbau* kolonie Kufr-Saba nördlich von Pcthach-Tikwah haben aus Konstantinopcl die behördliche Gcnchmigung zum Bau von 13 neuen Hausern erhalten. Das zur Errichtung der Häuser erforderliche Kapital ist der Kolonie vom Hilfsvercin der deutschen Juden leihweise zur Verfügung gestellt worden. AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Wcissc fand am 22. Februar die Gcncralver- Sammlung des Berliner Lokatkomltccs der A,I.U. statt. Der Vorsitzende widmete zunächst dem dahingcschicdcncn Geschäftsführer Klausner, zu dessen Ehren sielt die Versammlung erhob, einen warmen Nachruf, und erstattete dann einen ausführlichen Oescliiiftsbcricht. den Herr Dr. Apfel durch Mitteilungeu über die Vorkommnisse innerhalb der A.J.U, in den letzten Wochen ergänzte. Er teilte mit, dali das Zentralkomitee Herrn Qcltcimrat Leopold L u n d a u Berlin kooptiert habe. Auch habe cs den Etatsentwurf, der mit einem Überschuh von 40 000 Mark zu Gunsten der Zentrale abschlicdc, genehmigt. Dagegen beständen über das Russenwerk und die Waiidcrunncnfürsorgc noch Differenzen zwischen Paris und der D.C.G, welche sich־ unter keinen Umständen das Recht nehmen lassen werde, einen Teil ihrer Tätigkeit nach eigenem Ermessen zu bestimmen. Das neue Präsidium der D.C.G. sei nun konstituiert und bestelle aus Justizrat Max Fuchs I, Gelt. Mcdizinalrat Landau und Rabbiner Dr. Werner, München. In zahlreichen Agitations- Versammlungen seien ln letzter Zelt gute Erfolge erzielt worden. In der Diskussion gab Herr Dr. Hey mann seiner Sympathie mit der neuen Berliner Leitung Ausdruck, welche, wie er hoffe, hestrebt sein werde, mehr als früher abseitige Einigkeit hcrzustcllcn. Er hebt die Differenzen hervor, welche noch immer zwischen der Pariser Auffassung über die Leitung einer wirklich universellen Alliance und der deutschen Auffassung bestehen. Insbesondere sei die Stellung, welche seitens des Pariser Zentralkomltccs der zionistischen Bewegung gegenüber eingenommen werde, eine unglückliche und zu tadeln. Er erinnert daran, da» Herr Qcltcimrat Go Id hergcr früher mit Wissen und Willen der Pariser Zentrale seine bekannte Erklärung gegen den Zionismus erlassen habe, dali bei dem Besuche Achmed Risas in Paris der Zionismus völlig falsch durgcslcllt worden sei, und־ daß die Alliance den Redaktcur des Konstantinopler ״Tlcmpo", Frcsco, noch nicht abgcsehüttclt habe. Er fordert die D.C.Q. auf, dahin zu wirken, daß Jede Feindseligkeit gegen andere Organisationen aufhörc. Die Alliance müsse f demokratisiert werden und er begrüße namens seiner * Freunde freudig die Idee eines Alliancctagcs. 4 Justizrnt Fuchs erwiderte darauf, daß die D.C.g! t gegenüber allen anderen Organisationen, solange er 1' die Leitung liabe. nach Möglichkeit den Frieden I wahren würde. Die Zusammenarbeit von Juden aller! Richtungen sei dringend zu wünschen. Die Pariser? Verhältnisse seien keineswegs ideal. Zweifelhaft sei ז cs aber, ob der gegenwärtige Moment fiir die Auf. | Stellung weiterer Forderin'gc1 ייח״׳י ״g sei, uinsomelir, J als die in Paris wohnenden C.C.-Mitglieder der Zalii nach weit überwiegen. Es werde zweckmäßig sein. 5 eine andere Zusammensetzung des C. C. auf dem | Wege der Wahl attzustreben. Daun würden auch die | von Herrn Dr. Heymaitu betonten Wunsche ganz;4 oder zum Teil in Erfüllung geben. Zur Erzielung eines; Erfolges sei aber eine große Propaganda für die Anberammmg neuer Waiden zum C. C. notwendig s• (Lauter Beifall.! ln der Debatte äußerten sieli dann noch eine Anzahl anderer Herren, ohne daß Wider- .Spruch gegen die Ausführungen des Vorsitzenden laut wurde. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der nusselicidendc» Mitglieder und die Neuwahl der Herren Gehciinrnt Adolf Baginsky, Struck, Dr. Emil Levy und Professor Moses. Ferner wurde dem Lokalkomitcc die Kooptation des Herrn Dr. Friede m a n n empfohlen da aus form,den Gründen seine Wald durch die Generalversammlung nicht erfolgen konnte. Berlin. Hier fand am Sonntag die Hau nt vers a m in lang des Zcutralvereins Deutscher Staatsbiirger Jüdischen Glaubens statt. F.ingeleitet wurde die Tagung durch eine vertrauliche Besprechung über j die bevorstehenden R e i c h s t a g s w a 111 e n. F,$ wurde beschlossen, eine rege Agitation insbesondere \ in den hessischen Landen zu entfalten, um die Anti• : semiten bei den Reichst,igswahlen zu verdrängen.! In der dann folgenden öffentlichen Tagung wurde zunächst die Tätgikeit der Ortsgruppen und; Landesverbände diskutiert. Hervorziihcben ist die! Anregung, akademische Ortsgruppen zu I gründen, die vor allem als Hilfskräfte bei den Wahlen '> Dienste tun sollen. Gerügt wurde,!laß der Kampf gegen den antisemitische n H a 1t d I u n g s. j ge 11 i I f c n v c r b a n d, vor allem in Hamburg, nicht I immer mit der genügenden Schärfe geführt wurde. Rc ge n sb u r g e r- Braunseliwcig bricht eine Lanze fiir die J u g c n d o r g a n i s a t i o neu. die allerdings politisch streng neutral bleiben mußten. Es sei 11׳ seiner Heimatstadt Ehrenpflicht der Mitglieder des Jugemlbundcs. jeden Verkehr mit Taiifjinicn zu ver• meiden. Auch von dem Reichstagsabgcordncte« Mugdair müsse man sielt abwetideu. Auch die• jcnigciv Juden, die bei einer Stichwahl zwischen Antisemiten und Sozial- \ demok raten fiir den Antisemiten stimmen, müsse die volle Verachtung aller Juden strafen. (Stürmischer Beifall.) Zu dem Wahlfomls. der weiter beschlossen wurde, soll ein jedes Mitglied einen Mindestbeitrag von 1 Mk. leisten. Auch die Anregung, akademische! Ortsgruppen zu gründen, wurde zum Beschlüsse er•; hoben. Aus dem Tätigkeitsbericht ist erwähnenswert, daß sieli die Mitglicdcrzahl von 2.1 (MX) auf 28 000 ge״ hoben hat. Auch die Zahl der angcschlossenen Ver• J bände ist gewachsen, so daß der Zentralerem 140 000 Juden vertritt. An seiner Neutralität habe I der Zentralerem nach wie vor mit Strenge fest• j gehalten, und zu inneren Fragen des Judentums keine Stellung genommen. Berlin, in einer von mehreren hundert Gemeinde• mitglicdcrn besuchten, vom Neuen Jüdischen Gemciitdcvereln cinbcrufcncn Versammlung wurde nach einem Referat des Rechtsanwalt Dr. A. Klee umJ nach warmer Empfehlung durch die Herren Fabrikdircktor E. Lichtenstein und G. Spiewkowski die folgende Erklärung einstimmig angenommen: ״Die am 21. Februar 1911 in den Residenz-Sälen tagende, vom Neuen Jüdischen Qcmcindcvcrcin einberufene Versammlung jüdischer Gemcindcmitglieder begrüßt das Erscheinen des G c m c i n d c b la 11cs mit lebhafter Genugtuung, weil cs einem oft. .men vom Neuen Jüdischen ücmcindeverein ,msgesprochcncn Bedürfnis der Gemeinde abhilft, lushc- 1 sondere hält sie die regelmäßige Veröffentlichung ucr i aus dem Judentum Ausgetretenen für ein geeignetes I Mittel, dem Abfall vom Judentum wirksam entgegenzutreten und die׳ Aufmerksamkeit unserer jüdischen Gemeinschaft auf diese traurige Erscheinung tu lenken. Die Versammlung spricht die Erwartung aus. daß die Veröffentlichung dieser Listen auch weiterhin konsequent durchgcfültrt werden wird. — Dagegen spricht die Versammlung über die von der Renräsen- ׳ tanz in Gemeinschaft mit dem Vorstand beschlossene Umgestaltung des Gottesdienstes m den Orgel-Synagogen ihr tiefstes Bedauern aus. Sic hält die Abtrennung des Morgcngoltes• dienstes von Mussafgebet sowie gewisse Maßnahmen, die der ausgesprochenen Absicht der Verkürzung des Gottesdienstes dienen sollen, fiir verfehlt und ist der Ueberzeugung, dal! dergleichen Entgegenkommen gegenüber den angeblichen Bcqucmiichkcitswilnschcn etlicher Synagogcnbcsuchcr dem wahren religiösen Bedürfnisse der überwiegenden Mehrheit der Berliner Judenheit Abbruch tut und nur geeignet ist. den jüdischen Oottesdienst äußerlich den! christlichen ähnlich zu zu machen. Die Bitte an die Rabbiner. (Portsetzung auf Seite IW)•

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